Leserprojekt White Pearl

Es kommt nicht jeden Tag vor und eigentlich haben wir dafür auch gar keine Zeit, doch wenn uns ein von einem Leser vorgeschlagenes Projekt so richtig interessiert, finden wir immer noch ein paar Minuten, um uns damit intensiver zu befassen. So erging es uns, als Klaus von seiner Idee einer großen Duetta mit Doppel-Siebener und größerem Bass phantasierte, die er gern in seinem geräumigen Hörraum aufstellen würde. Heraus kam “White Pearl”, eine passive Variante unserer alten Intertechnik-Empire, ohne jede Übertreibung ein Traum.

Die Geschichte nahm Ihren Lauf, als ich im Herbst beschlossen hatte, mir einen lange gehegten Wunsch zu erfüllen. Ich hatte schon vor einiger Zeit daran Gefallen gefunden, mir selber Lautsprecher zu bauen und hatte bei der Gestaltung und Dimensionierung der Systemtechnik auf viele Erfahrungswerte von anerkannten Lautsprecherentwicklern zurückgegriffen. Die Ergebnisse dieser Arbeit waren aus meiner Sicht und in dieser Zeit durchaus akzeptabel. Dennoch waren meine Eigenentwicklungen von der akustischen Performance einer Quadral Titan oder einer Cabasse Albatross dann doch weit entfernt.

Nun galt es einen Weg zu finden, der es mir erlaubte einen erstklassigen Lautsprecher selber zu bauen ohne dabei auf hohe Klanggüte und selbst entwickeltes Design zu verzichten. In diesem Sinne gewann die Weisheit wieder Bedeutung: „Alle Wege führen nach Rom“. In meinem Fall war es jedoch nicht Rom, sondern Udos wohlbekannte Webseite acoustic-design-magazin.de.

Ein Termin zum Probehören war schnell gemacht und es dauerte nicht lange, bis mich die akustische Darbietung von anspruchsvollem Musikmaterial über die Duetta vollständig infiziert hatte. Ich hatte bis dato noch keinen Schallwandler gehört, der mit einer solchen Leichtigkeit Musik in den Raum projizierte und dabei eine imaginäre Bühne aufbaute, wobei sich die Musik vollständig von den Lautsprechern löste. Besonders überzeugt hat mich die Tatsache, dass die Ausrichtung der Duetta dabei nicht kritisch ist,zumal meine Hörposition noch nicht einmal in der Mitte zwischen den beiden Boxen war. Dieses Hörerlebnis hatte mich voll überzeugt und die Erfüllung meines Wunsches rückte in greifbare Nähe.

Etwas Perfektes noch zu verbessern ist fast unmöglich, dennoch diskutierte ich die Möglichkeit einer d’Appolito Konstruktion für die Eton Mitteltöner und den Bass, trotz verschiedener Bedenken, seitlich ins Gehäuse zu integrieren, da ich mir ein besonders schlankes Gehäusedesign konzipiert hatte. (Siehe Bild 1,2)

4Man gab meiner eigenwilligen Konzeption eine Chance und relativ schnell waren zwei einfache Testgehäuse angefertigt und die Weiche konnte eingemessen werden, was in den heiligen Hallen schon nach einem Wochenende erledigt war. Der erste Hörtest zeigte ein Klangbild, dass ähnlich wie bei der “Queen of Blues“ mit einer extrem sauberen und neutralen Darbietung von dem eingespeisten Musikmaterial gekennzeichnet war. Dennoch war ich nach längerem Hören der Boxen in meinen eigenen vier Wänden nicht hundertprozentig zufrieden. Erst als ich mich entschlossen hatte, doch den Bass aus seiner seitlichen Position auf die Frontseite des Gehäuses zu versetzen, war die klangliche Darbietung nahezu perfekt. Kurz entschlossen erhielt mein Freund und Schreiner Burkhard Bessler den nicht ganz gewöhnlichen und äußerst komplexen Fertigungsauftrag für zwei Gehäuse aus 25 mm MDF, nachdem ich diese ganz nach meinen Vorstellung 3D-technisch konstruiert hatte. Ich habe darauf geachtet, dass die einzelnen Gehäusekammern keine parallelen Wände aufwiesen und zusätzlich aufwendig versteift wurden. Der ER4 erhielt die bekannte, kleine extra Kammer mit 22 mm Tiefe.

 

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Eine Hochglanzlackierung in Weiß und die eigens bei TKR konstruierten und gefertigten Füße waren die finalen Arbeiten, bevor meine “White Pearl“ komplettiert, mit Lautsprechern bestückt und nach der durch die Umsiedlung des Basses erforderlichen Weichenanpassung zu ihrer Premiere aufspielte.

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Angefeuert von einem Marantz KI Pearl, dem dazu passenden CD–Spieler, bot sich mir ein klangliches Erlebnis, dass meine kühnsten Erwartungen übertroffen hat. Da war sie wieder, diese traumhafte Auflösung, die perfekte räumliche Abbildung und die detaillierte Tiefenstaffelung, wie ich sie von der Duetta kannte. Die Neutralität, mit der die Eton Chassis das angebotene Musikmaterial verarbeiten, ist kaum zu übertreffen. Keine Musik wird lästig, nein, man tendiert sogar dazu immer lauter hören zu wollen. Ein Freund, dem ich meine neue Errungenschaft vorstellte, versank im Hörsessel mit geschlossenen Augen und gab anschließend nur diese Statement ab: „Das hat nichts mit Musik hören zu tun, sondern man fühlt und erlebt sie….einfach genial.“

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Ich habe mir mit meiner “White Pearl“ einen großen Wunsch erfüllt. Ich genieße diese Lautsprecher Tag für Tag und es ist schwer zu glauben, dass die klanglichen Qualitäten dieser Boxen auf einem Niveau liegen, das bei Fertigprodukten unter 20.000 Euro wohl nicht zu finden ist. Für alle, die hier skeptisch sein sollten, kann ich nur empfehlen, das Hörstudio einmal zu besuchen und mit Udo zu reden. Es lohnt sich! Ich habe nicht nur einen neuen Freund gefunden, sondern auch Menschen, die mir mit einer Engelsgeduld und hoher Fachkompetenz zu meinem Wunschlautsprecher verholfen haben.

Klaus

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Zur White Pearl im Online-Shop

 

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