Schublade auf: Uwes Kera 360.1

Meine Suche nach Lautsprechern hatte eigentlich schon vor vielen Jahren begonnen und wird vermutlich auch nie beendet sein. Vor gut 10 Jahren hatte ich einige Hifi-Studios in München abgeklappert auf der Suche nach dem ultimativen Klang. Das Gehörte war jedoch deutlich ausserhalb des gesetzten Rahmens, oder nicht wirklich beeindruckend. Letztlich habe ich bei einem sehr günstigen Angebot zugeschlagen und Stand-LS  einer bekannten Marke aus der (damals) mittleren Preisklasse erstanden. um kurz darauf wieder bei den Studios auf der Matte zu stehen.

Wie so viele, führte auch mich das hifi-forum zum Thema DIY und damit auch recht bald zu Udo. Irgendwie hat mich die Kera gleich fasziniert, vermutlich auch weil der 26 HD 1 damals ganz neu war. Da ich mir jedoch auch die Option eines Ausbaus offen halten wollte und die Duetta mir zu teuer war ,um sie ungehört zu bauen, wurde es dann eines von Udos Schubladenprojekten, die Kera 360.1.

Rohbau

Den Aufbau der LS habe ich nicht bebildert, da das eine einfache rechteckige – auf Stoss verleimte – Kiste ist. Benötigte Werkzeuge: möglichst genau zugeschnittenenes MDF mit 22 mm Stärke, Schlosserwinkel und Ponal-Fugenleim. Den BR-Port habe ich als Rohr ausgelegt und nach hinten gesetzt. Zwei Verstrebungen stabilisieren das Gehäuse. Die verleimten Gehäuse wurden dann mit einem Exzenterschleifer bearbeitet und danach furniert.

Furnieren

Als Oberfläche wählte ich Bubinga-Maser. Meine Erfahrung dabei: Wenn es denn aus optischen oder sonstigen Gründen nicht sein muss – keine Maser oder Wurzelholz nehmen, denn das ist noch deutlich spröder und schwerer zu verarbeiten. Ich habe mich auch wegen des gewählten Furniers gegen die Leim-Bügel-Methode entschieden, da ich Leimdurchschlag und hässliche Flecken befürchtete und mir die Pattex-Methode einfacher erschien. Nun ja, es stinkt schon recht deutlich und wirklich einfach war es auch nicht. Ich hatte immer wieder mit Blasen, aber auch mit Rissen zu kämpfen, die beim Andrücken mit der Kunststoffrolle entstanden. Mindesten zwei Seiten habe ich 2-mal furniert, das Abkratzen des beschädigten Furniers und Entfernen des Klebers war auch nicht lustig.

Finish

Dazu gibt es nicht viel zu sagen. Schleifen mit 240er Papier, Hartwachsöl, schleifen, Hartwachsöl, ….. bis es einem gefällt oder man die Lust verliert. Ach so – eines noch: Ich habe verschiedene kolorierte Beizen (Teak, Mahagoni) auf Furnierresten ausprobiert, es dann jedoch verworfen, da das Hartwachsöl alleine bereits genau die gewünschte leichte Abdunklung bewirkt hat.

Weiche

Zwischendurch wurde noch die Weiche auf 8mm Sperrholz aufgebaut. Dafür habe ich erst die Spulen möglichst weit voneinander und danach die restlichen Teile platziert. Löcher bohren, Bauteilefüsschen durchstecken, auf der Rückseite mittels versilbertem Kupferdraht verlöten, Kabel für Polklemmen und Chassis dran – fertig.

Chassiseinbau

Die Ausfräsungen wurden mit einer Bosch POF gemacht. Hier gilt es möglichst genau zu arbeiten. Ich habe auf einem Probebrett mehrfach Durchmesser und Tiefe ausprobiert und danach erst an den mittlerweile nicht mehr ganz so hässlichen Kisten angesetzt. Trotz Allem war die Fräsung für die Hochtöner anfangs nicht tief genug, das Kreisloch aber bereits ausgefräst. Den fehlenden halben Milimeter habe ich dann freihändig (mit Tiefenanschlag) doch noch ganz gut hinbekommen. Da macht sich dann die Drehzahlregulierung der Oberfräse bezahlt. Meine anfänglichen Bedenken, mit den 8mm-Standardfräsköpfen und dem doch recht dicken Fräszirkel die 22+ mm Dicke nicht ganz durchfräsen zu können, wurden zum Glück nicht bestätigt.

Eindruck

Die Keras hängen derzeit an einem kleinen Denon PMA 700 und ein erster Eindruck lässt im Vergleich zu den deutlich grösseren Fertigboxen in meinem ca. 22 qm Raum keinen Bass vermissen. Der Hochton ist deutlich besser aufgelöst, die Räumlichkeit auch viel präziser. Beckenanschläge klingen ausgezeichnet, klassische Konzerte sind so wie sie sei sollten: Violinen links und Bläser und Pauke hinten. Faszinierend sind jedoch auch kleine Besetzungen à la Sara K., Diana Krall, Leonard Cohen.

Fazit

Eine klasse Lautsprecher, der auch ohne Sub schon erstaunlich tief geht. Vermutlich als Kera 360.2 mit etwas besserem Wirkungsgrad für viele Anwendungen bzw. Hörer völlig ausreichend. Da in demselben Raum auch gelegentlich Filme laufen, wird evt. noch ein Sub dazu kommen, bzw. auf die “Duetta mit 26HD1” ausgebaut.

Lieben Gruß nach Bochum und an alle Leser des Magazins

Uwe

 

Zur Kera 360.1 ADW im Shop

 

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