Nov 15 2010

Theos Symphony 25

Als ich vor gut zweieinhalb Jahren das letzte Mal bei Udo war (ich komme aus Bayern und Bochum ist schon ‘ne Ecke weg), und auf seiner Couch saß, um mir die Bluenote ausführlich anzuhören, hatte er mir auch die damals taufrische Kera 360.2 vorgeführt, mit dem ganz neuen Keramikhochtöner. Als ich von dieser die ersten Töne vernommen hatte, hatte es mir fast die Sprache verschlagen. Das war genau der Klang, den ich suchte!

Die Höhen glasklar und sauber, mit phänomenaler Auflösung, und dennoch nicht spitz. Der Bass mit mächtig Druck, konturiert und tief dazu. Klasse! Mein Musikgeschmack ist Pop/Rock, Akustik, Songwriter. Und da punktete die Kera einfach viel besser als die Bluenote.

26HD1-AufIch muss dazu sagen, dass ich zum damaligen Zeitpunkt die Duetta Top zuhause hatte, auch eine ziemlich gute Konstruktion von Udo. Doch die konnte für mich weder im Hochton, noch im Bass mit der Kera mithalten. Fast hätte ich den Bausatz sofort bei Udo bestellt. Doch erstens war mir die Kera von den Abmessungen dann doch etwas zu füllig, und der Bass hätte mich wahrscheinlich in meinem 18qm Wohnzimmer erschlagen. Und zweitens meinte Udo damals, es gäbe bald auch neue Chassis von Eton, die er dann auch mit dem Keramikhochtöner kombinieren wolle. Also gut, dann entschloss ich mich, erst einmal zu warten. Aber in meinem Hinterkopf blieb immer dieser Gedanke: Diesen Keramikhochtöner muss ich haben…

So verging die Zeit, und die Bausätze mit den neuen Chassis ließen auf sich warten. Dann kam die Vorstellung der Symphony 285. Da waren sie also, die neuen Chassis, aber so ein Trumm von Lautsprecher? Niemals 🙂 Es erschien einige Zeit später die Dusty 34. Schon besser, aber mir immer noch zu groß. Ging das denn nicht noch kleiner? Es ging, und das war schon ganz nach meinem Geschmack: Udo stellte die Symphony 25 vor.

Symph25bau_27Allerdings konnte ich mich mit dem Design so gar nicht anfreunden. Sowas Klobiges wollte ich mir auf gar keinen Fall ins Wohnzimmer stellen. Aber warum nicht eine kleine Standbox daraus machen? Nach meinen Berechnungen hatten die beiden Tieftöner zusammen etwa 20 Liter Volumen, und das würde doch eine schöne kleine Standbox ergeben. Die Front wollte ich so schmal wie möglich haben. Also Udo kontaktiert, und ihn um seine Meinung für mein Vorhaben gefragt. Von ihm bekam ich das o.k. für meine Vorstellungen, und auch einige andere kleine Veränderungen hat er abgesegnet. So habe ich mir dann die Bausätze bestellt, ohne sie vorher gehört zu haben. Aber ich kannte ja den Klang der Kera mit dem Keramikhochtöner, und Udo hat mir versichert, dass die Symphony einen sehr ähnlichen Klangcharakter aufweist. Allerdings wies mich Udo darauf hin, dass es wohl noch drei Wochen dauern würde, bis ich den Bausatz bekomme, der Tieftöner wäre zur Zeit nicht verfügbar. Letztendlich sind es dann sogar vier Wochen geworden, bis Udo’s Paket endlich eintraf. Aber das Warten hat sich gelohnt, soviel sei schon verraten…

Gut, dann hatte ich wenigstens Zeit, in Ruhe das Gehäuse zu fertigen. Ich wollte ja eine kleine Standbox haben, und so machte ich mir meine Gedanken. Toll wären ja gerundete Seitenwände gewesen, aber der Aufwand schreckte mich dann doch ab. Also beließ ich es bei den klassischen geraden Wänden. Da das Gehäuse bei 20 Litern nicht besonders hoch werden würde, bedeutete das für den Hochtöner einen ziemlich niedrigen Einbauort, deutlich unter Ohrhöhe. Also musste die Schallwand nach oben geneigt sein, 5 Grad waren genau richtig. Natürlich wäre das durch einfaches Kippen zu erreichen gewesen, aber das schaut irgendwie billig aus. Dann doch besser gleich eine schräge Schallwand bauen. Ich habe mich diesbezüglich ein wenig von einem Hersteller von Fertigboxen inspirieren lassen. Den Namen weiß wahrscheinlich jeder, wenn er die Fotos anschaut. Deren rautenförmiges Gehäuse gefiel mir ganz gut, und auch den Sockel hab ich dort abgeguckt. Und wenn schon keine gerundeten Seitenwände, dann konnte ich doch wenigstens den Sockel in dieser Form gestalten. Und der Sockel hatte auch einen ganz praktischen Nutzen, dazu später noch mehr.

Symphony-25-Theo5Ich besorgte mir den Zuschnitt aus 19mm MDF bei einem örtlichen Baumarkt. Die Zuschnitte habe ich großzügig bemessen, wegen der schrägen Wände. Das Zusammenleimen war mit Fugenleim keine große Kunst. Dem Hochtöner habe ich sogar eine eigene kleine Behausung spendiert. Wäre zwar eigentlich nicht erforderlich gewesen, aber schaden tut es sicherlich auch nicht, wenn ihm im Rücken die Druckwellen der Tieftöner erspart bleiben. Außerdem habe ich so eine zusätzliche Versteifung der Schallwand erhalten, die ja wegen der Fräsungen an dieser Stelle nicht mehr viel Halt findet. Auf weitere Dämmmaßnahmen, wie Bitumenplatten oder Trittschallmatten habe ich verzichtet. Bringt meiner Erfahrung nach wenig bis gar nichts. Die Überstände habe ich mit Säge, Bandschleifer und Excenterschleifer relativ schnell egalisiert.

Symphony-25-Theo2Für die Oberfläche wählte ich Birkefurnier (Bügelmethode), das ich im Farbton Birnbaum gebeizt habe. Als Schutz wurde mehrere Male dünn Wachs aufgetragen und poliert. Den Sockel wollte ich ursprünglich eigentlich in Schwarz glänzend lackieren. Dieser Versuch ging allerdings ordentlich schief, und ich musste alles wieder abschleifen. So habe ich diesen dann auch furniert, schwarz gebeizt und mit Wachs versiegelt.

Die Gehäuse waren also nun fertig, und ich wartete noch auf das Paket von Udo. Endlich war es da und der Zusammenbau konnte beginnen. Die Frequenzweiche montierte ich auf einem kleinen Brettchen, das ich dann auf den Sockel schraubte. Der Sockel selbst wurde ebenfalls nur angeschraubt. So konnte ich leicht nochmal an die Frequenzweiche kommen, falls erforderlich. Die Fräsungen für die Chassis waren etwas zu groß, aber mit einem kleinen Trick sieht man es kaum noch.

Symphony-25-Theo4Nun kam der erste Hörtest. Was sofort auffiel, war der direkte, offene Klang, der Sänger oder Instrumente in den Vordergrund stellte. Der Hochton war die erste Zeit noch ein wenig forsch, der Bass dagegen recht schlank. Nachdem die Lautsprecher allerdings mehrere Stunden gelaufen waren, änderte sich das Klangbild hörbar. Der Bass wurde deutlich druckvoller, hatte nun richtig Schmackes, der Hochton wurde sanfter und hielt sich mehr zurück. Das war mir dann aber schon irgendwie zu sanft, da musste ich noch was an der Weiche verändern. Also bei Udo nachgefragt, was zu tun ist. Mit seinem Ratschlag habe ich dann eine kleine Änderung an der Weiche vorgenommen, um dem Hochton ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Jetzt war ich froh, dass ich den Sockel nur angeschraubt hatte. So kam ich leicht wieder an die Weiche heran, und die ganze Sache hat keine 5 Minute gedauert. Mit dieser Änderung passte es nun. Bässe und Höhen waren für mich in einem ausgewogenen Verhältnis.

Mittlerweile sind die Lautsprecher etwa zwei Wochen bei mir am Laufen, und ich bin sehr zufrieden mit dem Klang. Der Keramikhochtöner ist ein echtes Sahneteil. Das beste, was ich je gehört habe. er bringt jedes noch so kleine Detail zum Vorschein, auf meinen CDs Symphony-25-Theo3höre ich jetzt Feinheiten, die vorher nicht da waren, zumindest nicht so selbstverständlich. Immer wieder geht es mir so, wenn ich Stücke spiele, die ich schon jahrelang kenne, dass ich erstaunt bin, wie klar und sauber das alles klingen kann. Auch CDs, die ich früher nicht gern hörte, weil es irgendwie muffig und verschmiert war, sind plötzlich viel detailreicher. Einfach unglaublich. Auch der Bass ist klasse, staubtrocken und druckvoll. Und dabei bewegen sich die Membranen kaum sichtbar. Das einzige, was sich nicht können, ist Tiefbass. Wobei ich damit wirklich den ganz tiefen meine. Das stört mich jetzt allerdings nicht wirklich, und falls irgendwann doch einmal, kann ich ja noch auf die Symphony 285 aufrüsten 🙂

Was mich ebenfalls fasziniert an den Boxen, ist die tolle Räumlichkeit des Klangbildes. Stimmen stehen wie festgenagelt in der Mitte, die Instrumente haben ihren festen Platz drum herum. Auch Klangtiefe können sie hervorragend vermitteln, sofern die Aufnahme es hergibt. Ich habe einfach eine Klangbühne vor mir, die Boxen stehen zwar auch da, aber es scheint, als ob sie nichts damit zu tun haben.

Symphony-25-Theo6

Mein Dank an Dich, Udo, für diesen Bauvorschlag und für Deine Hilfestellungen. Ich werde sicherlich lange Freude mit diesen tollen Lautsprechern haben. Meine Suche hat erst mal ein Ende.

Theo

 

Die Symphony 25 musste der Linie 52 weichen

Zur Linie 52 im Online-Shop

 

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