Dez 15 2010

Symphony 5

Modulbauweise war das Zauberwort, das seit der Entstehung der Symphony 285 in meinem Kopf herumschwirrt. Ihre Chassis wurden vor fast 18 Monaten in ständig neu gruppierbare Kästen geschraubt und bereits einmal in anderer Reihung zur Symphony 25 übereinander gestapelt. Dabei blieben gleich zwei große Kästen übrig. Sie sind damit keineswegs auf alle Ewigkeit verloren, denn eine Symphony 85 wartet noch auf ihre Geburt.

So weit ist es allerdings noch nicht, zuerst muss noch ein weiteres Stück der “25” weichen. Wir entschieden uns für die “2” und ließen im Zuge des Rückwärts-Engeneering als neuestes Kind der Modulgruppe die der gesamten Reihe zu Grunde liegende Stammzelle entstehen. Wie jeder sich schon denken kann, hört sie auf den Namen Symphony 5, denn in unserer Namensgebung ist wohldurchdachte Methodik enthalten.

Bestückung

Einfacher ist zweifellos der normale Weg, von einer kleinen Box zur großen zu aufzurüsten. Da hat der Schreiber Neues zu berichten und er kann mit der Vorstellung der Besonderheiten des zusätzlich verwendeten Chassis und den zugehörigen Messungen schnell ein paar Seiten füllen. Diese Möglichkeit habe ich mir selbst geraubt, als ich mit der kompletten Symphony in fünf Sätzen gleich zu Beginn den Leser überfiel und alle Daten somit öffentlich machte. Ignorant wäre es, an dieser Stelle so zu tun, als hätte es die Chassis-Vorstellungen nie gegeben und die Vorzüge des 5-302/C8/25 Hex mit seiner beschichteten Glasfasermatte, die die patentierte Hexacone-Membran luftdicht macht, ein weiteres Mal aufzuzählen. Auch der stabile Druckgusskorb mit seinen  zwölf Lüftungsbohrungen oder der geschlitzte Phase Plug aus Vollaluminium, der der Wärmeabfuhr für die Schwingspule auf ihrem Captonträger dient, sind nicht der neuerlichen Rede wert. Gleiches gilt für die gelungene Sandwich-Membran des Hochtöners 26 HD 1, die aus hochdämpfendem Magnesium besteht, das beidseitig in einem Plasmaverfahren mit äußerst stabiler, syntethischer Keramik bedampft wurde, oder die augenfällig davor gesetzte Schallverteilerlinse mit ihren vier Stacheln. Nicht einmal der Neodymmagnet mit seiner Polkernbohrung ist bisher unerweähnt geblieben. So verweise ich an dieser Stelle lediglich auf die Beschreibungen in den Berichten zur Kera 360.2 und Symphony 285, sowie den Chassistests des 5-302 und des 26 HD 1.

Gehäuse

Es fiele sicher auf, wenn ich das oben Geschriebene ein paar Zeilen später noch einmal wiederhole, doch auch beim Gehäusebau ist eigentlich schon alles gesagt. Ein Kasten für den 5er und einer für den Hochtöner, der eine grün, der andere rot, vielleicht noch zwei schmale, schwarze Bretter seitlich, um die unendliche Vielfalt des durchgefärbten MDFs zu zeigen. Das gelangweilte Gähnen meiner Leser ist nahezu unüberhörbar. Doch zu meinem Glück wurde mein Leben schon oft durch zeitlich gut passende Zufälle geprägt, ich schrieb auch darüber schon. Diesmal waren es Theo und der Rest der Welt, die mich auf andere Gedanken brachten. Zum einen konnte sich Theo nicht mit dem Design der zwar praktischen, aber design-technisch nicht unbedingt innovativen Module anfreunden, zum anderen wurde im Forum nach der Verwendung von Leimholz gefragt, wovon ich auf Grund schlechter Erfahrungen abriet. Nach einem intensiven Blick auf die FirstTime 9, die ich vor fast zwei Jahren aus diesem Material aufgebaut hatte, waren meine Bedenken allerdings großteils in Bezug auf kleine Gehäuse gewichen. Also beschloss ich, einen weiteren Versuch zu wagen, bei dem auch das Äußere nicht nach den klaren Linien des Bauhaus-Stils aus den zwanziger Jahren gemischt mit einem Schuss Dadaismus aussehen sollte. Einteilig mit sechs Brettern außen und drei Versteifungen innen war der Aufbau schnell in Sketchup gemalt und aus ein paar Buchen-Leimholzplatten mit Standardmaßen zugeschnitten. Diesen Service bietet nahezu jeder Baumarkt, wenn man die Holzliste parat hält. Bezahlen musste ich 24,80 Euro, die Holzreste und das Sägemehl entsorgte man kostenlos. Das Verkleben der Platten habe ich nicht fotografiert, doch anschließend sorgfältig den Beipackzettel zum Leimholz studiert. Nicht in der Nähe von Wärmequellen lagern, hieß es darin, also stellte ich die Kisten erst einmal ein paar Stunden direkt vor meine Heizung, um den “worst case” zu simulieren. Als diese Probe überstanden und weder Risse noch sonstiges Ungemach erkennbar waren, nahm ich neben den Boxen die Kamera mit in den Keller, um auch einmal die nicht ganz staubfreien Arbeitsschritte in Bildern festzuhalten. Erklärende Texte sind unterlegt und erscheinen als Untertitel nach der Vergrößerung der Fotos, die nur einen Mausklick entfernt liegt.

Nach dem Kleben gab es überstehende Kanten und Leimreste, die verschwinden mussten.Die Kanten wurden mit dem Bündigfräser eingeebnet. Dabei führte ich die Fräse immer auf der linken Seite auf mich zu.Ein paar Brettern fehlte der rechte Zusammenhalt, weil die Säge des Baumarktes leider nur millimetergenau arbeitet.Aus Leim und Holzfasern, die vom Fräsen übrig waren, mischte ich mir eine Holz-Leim-Masse an, ...... die ich mittels Stechbeitel in die offene Fuge presste.Der Bandschleifer lässt davon nur soviel übrig, dass die Fuge gefüllt ist. Zugleich entfernte er auch die restlichen Kleberückstände.Offene Fuge und Leimreste sind restlos verschwunden.Nach dem Anzeichnen der Mittelpunkte für dieAusschnitte bohrte ich ein Loch in das Kreuz für das Reflexrohr.Dort hinein passte der Dorn meines leicht überarbeiteten Fräszirkels, ...... der im nächsten Arbeitsgang meine Oberfräse in Uhrzeigerrichtung im Kreis führte. Die erste Fräsung wurde nur ein paar Millimeter tief ausgeführt. So konnte ich den Durchmesser vor dem endgültigen Lochen nachmessen.Rund und mit 34 mm Radius präsentierte sich hernach die Reflexrohröffnung.Für den Hochtöner wurde zuerst die äußere vertiefung, dann der Aussschnitt gefräst. Im Anschluss sägte die Stichsäge die Ecken für die Anschlussfahnen.Einen praktischen Frästisch mit Anschlag nutzte ich, ...... um alle aufstrebenden Kanten mit Rundungen zu versehen.
Als alle aufstrebenden Kanten abgerundet waren, konnte das Leimholz geölt, gewachst und poliert werden.

Das Ölen mit Osmo Öl-Lasur begann am Boden. Danach wurden sofort die Gummifüße untergeschraubtDas Öl holt die ganze Farbenpracht aus der Buche herausFür den Glanz sorgt ein zusätzlicher Auftrag von Clou Antik-Wachs, ...... den ich nach 20 Minuten Trockenzeit mit einer Poliermaschine polierte.Das gab der Box den seidenmatt glänzenden Rest
Fehlt nur noch der Bauplan, damit das Häuschen für die Symphony 5 mit den richtigen Maßen nachgebaut werden kann. Das Grünliche im zweiten Plan stellt das Dämmmaterial dar, das pro Box aus zwei Stücken einer in vier Teile zerschnittenen Sonofil-Matte besteht.

Symphony5BauplanSymphony5Hint_Daemm

Symphony_5_SchlitzDa wir häufiger Klagen wegen nicht lesbarer Buchstaben und Zahlen bekamen, können die Baupläne in groß als Zip-Datei und als weiter zu verarbeitende Sketchup-Zeichnung heruntergeladen werden. Da es sicher ein paar Menschen geben wird, die die Symphony 5 aus Platzgründen in ein Regal stellen wollen, habe ich auch eine Zeichnung mit Reflexschlitz vorn gemacht. Sie ist ebenfalls in den Zip-Dateien enthalten.

Weiche

Symphony5_BassweicheSymphony5_HT_weicheSymphony5 Zweige

Gängige Praxis ist es für mich, mit der Weichenentwicklung für den in meine Box eingebauten Bass (rot) anzufangen. Zu tiefen Frequenzen wird er mechanisch durch seine Behausung mit 24 dB/ Oktave unterhalb von 50 Hz gefiltert, dort liegt auch die Tuningfrequenz des Reflexrohres. Nach oben verwendete ich die schon aus anderen Bausätzen bekannte Verschaltung einer Corobar-Spule und eines darüber gelegten Kondensators, die einerseits den Buckel ab 300 Hz und andererseits die Spitze bei 5 kHz abtrugen. Unterstützung bekamen sie durch einen mittels Widerstand in seiner Wirkung abgeschwächten Kondensator parallel zum 5-302 (blau).

Ebenso viele Bauteile beansprucht der 26 HD 1, der die Schallwandbreite durch eine Kerbe bei 3 kHz im roten Schrieb anzeigt. Vorneweg liegt ein Kondensator im Signalweg, es folgt eine kleine Audyn-Luftspule, die das Filter 2. Ordnung vervollständigt. Ein Spannungsteiler aus Vor- und Parallelwiderstand erzwingt den passenden Pegel (blau)

Symphony5WeicheBeide Zweige werden gleichphasig am Terminal angeschlossen, es ergibt sich die Summenkurve mit leicht steigender Amplitude auf Achse und kleiner Senke um 3 kHz, deren Entstehungsgeschichte uns schon bekannt ist. Sie aufzufüllen wäre ein Leichtes, lediglich der Kondensator müsste um einen Wert größer gewählt werden. Vielfach wird das auch gemacht, weil dann der Schrieb so schön aussieht. Da ich jedoch keine Boxen für die Augen, sondern welche für die Ohren baue, begehe ich diesen Fehler nicht. Unter zunehmendem Winkel füllt sich die Senke ganz von allein auf, ein gerader Verlauf auf Achse hätte somit eine Überhöhung im für das Ohr besonders empfindlichen Bereich zwischen 2 und 4 kHz zur Folge. Zwar gibt es Leute, die es mögen, wenn ihre Boxen durch diese Eigenart übertrieben detailreich und luftig spielen, spätestens nach ein oder zwei Wochen wird das aber nur noch als lästig empfunden. Da kleine Boxen oft in kleinen Zimmern stehen, habe ich den Pegelanstieg zu mittleren Frequenzen nicht komplett eliminiert. An ihrem Aufstellort ist Wandnähe, die untenrum auffüllt, kaum vermeidbar.

Messungen:

Symphony5 AmplitudeSymphony5 ImpedanzSymphony5 Klirr mit 90 dBSymphony5 WinkelSymphony5 SprungantwortSymphony5 Wasserfall
Die Einbauarbeiten zeigen ein paar Bilder.

Die Kabel vom Terminal zur Weiche werden angelötet.Mit Heißkleber wird die Weiche unten auf das Seitenbrett geklebt.Eine Matte Sonofil wird zweimal halbiert.die eine halbierte Hälfte wird rechts, die andere Links an die Wand gelegt.Wenn das Sonofil richtig platziert wurde, kannst du durch den Hochtönerausschnitt und das Reflexrohr die Welt dahinter betrachten. Die Kabel zu den Chassis sind durch die zuständigen Löcher nach außen geführt.Der Hochtöner hat eine recht schlecht sichtbare Pluspol-Markierung auf der rechten Seite, wenn sein Name richtig herum zu lesen ist.

Vor dem Verschrauben der Chassis ist Vorbohren angesagt.

Klang

Symphony5-5Bekanntes Spiel, bekannter Ort, die Symphony 5 durfte nach der Messerei in meinen Laden, um dort nach ihrer technischen Fertigstellung ihr akustisch Bestes zu geben. Mein Experience mit KT 88 war schon warm gelaufen und die Kabel schnell an die Terminals angeschlossen. Spielt wie die Symphony 25, nur etwas weniger druckvoll, wäre an dieser Stelle schon ausreichend, um den Klang der kleinen Schwester zu charakterisieren. Aber da ja kein Leser lesen will, dass etwas weniger ist als das andere, was er schon kennt, will ich mich klaglos in mein Schicksal fügen und ein paar Worte über das etwas Mehr hinzu erfinden. Ich begann mit leichter Kost. Ohne jeder Aufregung doch mit einer großen Menge emotionaler Regung sang mir Katie Melua in moderater Lautstärke das alte Cohen-Stück “In Symphony5-4my secret life” vor, wobei der wunderbar akzentuierte E-Bass leise vor sich hinrollte. Wie unterschiedlich Aufnahmen sein können, verriet sofort der Meister himself, als er mir im Anschluss seine eigene Version im Vergleich zur eher schlank abgemischten Katie in schönstem Breitband auf der Londoner Live-Bühne stehend vortrug. Nun, ich weiß ja aus langjähriger Erfahrung, was ich von meinen Eton-Boxen erwarten kann, deshalb klingt es sicher recht unglaubwürdig, wenn ich schreibe: Unglaublich, mit welcher Lässigkeit die kleinen Kistchen diese  voluminöse Grundtonfülle  der sonoren Stimme des damals bereits 76 Jahre alten Barden darstellten, wobei auch Bass und Schlagwerk trotz des doch recht kleinen Bassmitteltöners in glaubhafter Größe hinter ihm auf der Bühne ihren Begleitservice vollbrachten. Dass Symphony5-6Auflösung, Dynamik oder Feinzeichnung keinen Grund zum Mäkeln gaben, muss ich sicher nicht zum hundersten Mal kundtun, anders passen Bauvorschläge nicht in die Bluesklasse. So recht zeigte sich das in der folgenden Testphase, als die Musik klassischer wurde. Griegs “Peer Gynth-Suite Nr.1 und 2” , komponiert als Bühnenmusik zu Ipsens Drama und somit heute eher als Soundtrack tituliert, gaben  die Boxen einfühlsam und mit allen Stimmungen und Gefühlsregungen wieder, die der norwegische Komponist in seine Partitur geschrieben hatte. Verantwortlich dafür ist natürlich nicht nur mein Einbau in das Gehäuse und mein Weichenentwurf. Viel mehr Einfluss auf den guten Klang hatte die akribische Entwicklungsarbeit an den neuen Symphony-Chassis, für die ich Philip Vavron noch einmal dankbar auf die Schulter klopfe. Er war es, der den Lautsprechern geduldig erklärt hat, wie Instrumente und Stimmen abzubilden sind, mir blieb nur noch der kleine Rest, ihnen die für sie passenden Frequenzbereiche zuzuweisen.

Symphony5-7Nun will ich nicht verhehlen, dass kleine Boxen stark vom Überraschungseffekt leben. Wer könnte bei ihrem Anblick vermuten, dass sie groß aufspielen? Meist hält die Verblendung nicht allzu lange an, besonders wenn man die Musik von größeren Boxen kennt. Davon sind natürlich auch die Symphony 5 nicht ausgenommen, doch sie sollen auch keine Tropfsteinhöhlen beschallen. Ihr natürlicher Einsatzort ist das kleine Arbeits- oder Musikzimmer, wo sie unaufdringlich den Hintergrund mit Musik füllen, bei Bedarf aber auch zum genussvollen Zuhören einladen sollen. Weder vorlaute Höhen, oftmals völlig irreführend mit detailreich umschrieben, noch einlullende Mitten ohne Kontur sind da gefragt. Das richtige Mittelmaß müssen die Boxen treffen und das bei jeder Lautstärke, was immer schwieriger wird, je niedriger der Pegel liegt. Das wiederum ist die Stärke der Symphony 5, die auf diese Art das etwas Weniger in ein tatsächliches Mehr verwandelt.

Symphony5-2Symphony5-3

Selbstverständlich ist die Symphony 5 auch ein vorzüglicher Rear für die größeren Schwestern, auch wenn es fast zu schade ist, ihnen nur diese untergeordnete Aufgabe zuzuweisen.

Udo Wohlgemuth

 

Die Symphony 5 musste für die Linie 51 das Feld räumen.

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