Little Princess von Justus

Eigentlich bin ich noch ein ziemlicher Neuling, was den Lautsprecherselbstbau angeht. Aber wie so viele hier hat mich der Virus schnell erfasst und nach meinem ersten Hornlautsprecher musste ein neues Projekt her – das gebaute Horn war sehr groß und eigentlich nicht wirklich Wohnzimmer tauglich. Also habe ich auf dieser Webseite gestöbert, gelesen und verglichen. Ich suchte eine Standbox fürs Wohnzimmer und „wenn schon, denn schon “Bluesklasse“. Da es erst mein zweites Projekt ist, wollte ich erst einmal nicht zu viel Geld ausgeben und landete so bei den SB Acoustics Bausätzen.

Die große Frage war dann bloß: Welcher Bausatz ist der richtige für mich? Ich schwankte zwischen SB 36 und der SB 240. Die Entscheidung aus der Ferne fiel mir sichtlich schwer. Da half nur eins – Probehören. Anfang Januar ging es dann mit meinem Kumpel Julian zum Hörstudio Bochum, um mir das ganze mal anzugucken bzw. anzuhören.

Nach rund 300km Fahrt kamen wir endlich an. Da die die SB 36 leider nicht verfügbar war, haben wir mit der SB 417 angefangen, die laut Udos Beschreibung sehr ähnlich klingt,
jedoch druckvoller als die SB 36 ist. Nach den ersten Liedern dachten wir „Ja, das klingt schon sehr gut“. Nachdem Julian besonders an dem Röhrenverstärker und dem Plattenspieler Interesse zeigte, entdeckte er eine schmale Box, die ihm sowohl in der Größe und Optik sehr gefiel. „Die ist aber klein – die würde ich auch zu Hause durchkriegen“ hieß es auf einmal. „Können wir die mal hören?“

Die kleine Box war schnell angeschlossen und schon nach den ersten Tönen fiel uns beiden die Kinnlade runter. Der WOW-Effekt hatte voll zugeschlagen. Einfach phänomenal, wie ausgewogen und lässig die Kleine aufspielte. Wir beide – noch Neulinge in Sachen Hi-Fi, waren sehr beeindruckt von der schon viel beschriebenen „Bühne“, die uns dargeboten wurde. „Hol doch mal die Band hinter der Mauer hervor!“

Hier der Kommentar von Julian:
Wie Justus eingangs schon richtig geschrieben hatte, sind mir diese Lautsprecher durch die angenehmen Dimensionen aufgefallen. Ich hatte mich bis jetzt noch gar nicht mit Udos Internetpräsenz befasst und daher konnte ich mir unter den verschiedenen Namen der Lautsprecher, insbesondere des Namens Little Princess nichts vorstellen. Daher war ich verwundert, als mein Kommentar „…ach die würden mir auch gefallen…“ bei den anderen, besonders bei Udo, ein Schmunzeln hervorrief. Das klangliche Erlebnis hat Justus ja schon treffend beschrieben. Nun war ich ja nicht mit in den Laden gefahren. um mir Lautsprecher anzuhören, die ich dann auch bauen wollte. Eigentlich wollte ich überhaupt keine bauen, sondern nur mal anhören, was der Selbstbau so zu bieten hat. Aber jetzt werde ich doch sparen, um mir hoffentlich Ende dieses Jahres auch eine Version der Little Princess in mein Wohnzimmer stellen zu können.

Besonders die Höhen gefielen mir im Vergleich zur SB 417 noch besser. Der Sound war klarer und präziser, was ich sehr schätze. Ich ahnte zu diesem Zeitpunkt schon, dass das ganze Unternehmen teurer werden könnte, als ich zunächst angenommen hatte. Auf meinen Wunsch wurde danach die SB 240 angeschlossen. Sofort merkte man den deutlich präsenteren Bass im Vergleich zur SB 417 – für meinen Geschmack jedoch ein klein wenig zu viel. Die nächste Stunde wurde dann nur noch die Little Princess gehört und für mich stand fest, „ganz oder gar nicht“ und „Qualität hat ihren Preis“. Zu Hause angekommen, wanderten also noch am gleichen Abend zwei Little Princess-Bausätze aus dem Shop in den Warenkorb.

Gehäuse

Große Experimente wollte ich bei dem hochwertigen Bausatz nicht eingehen. Nachdem ich das Gehäuse am Computer konstruiert hatte, bestellte ich die Zuschnitte deshalb bei meinem Schreiner.

Das Design entspricht fast 1:1 dem Originaldesign. Die 19mm Seitenwände aus MDF sind einfach stumpf aufgesetzt, alle Teile dazwischen sind auf Gehrung gesägt und aus 22mm MDF. Dank Flachdübeln war das Gehäuse schnell und ohne Probleme zusammengeleimt.

Da ich den MDF-Look nicht so schätze, sollten die kleinen Prinzessinnen ein glänzendes Kleid in schwarz-weiß erhalten. Mangels Räumlichkeiten und Erfahrung gingen die beiden dann in eine Autolackiererei.

Weiche

Da ich keinerlei Löterfahrung besaß, hatte ich etwas Respekt davor, die Weiche zu bauen. Das Löten war dann allerdings doch nicht die große Schwierigkeit. Das Problem bestand vielmehr darin, alle Bauteile der Weiche auf die hintere Versteifung zu bekommen (die vordere Versteifung sollte ich nach Rücksprache nicht nutzen, weil das Bass-Chassis und sein Magneten zu nah ist). Ursprünglich wollte ich alle Bauteile schön geordnet auf einer Lochrasterplatine anordnen. Aufgrund des Platzmangels wurde aber ein kleines 3D-Puzzle daraus. Das sieht natürlich nicht sonderlich schön aus, funktioniert aber – und das ist ja schließlich die Hauptsache. Ich war sehr erleichtert, als ich beide Weichen angeschlossen hatte und sie auch beide funktionierten.

Nach 2-1/2 Wochen war dann die Lackierung fertig. Die 2 Seitenwände waren schnell verleimt, die Weichen festgeschraubt und das Sonofil  an seinem Platz. Fehlten nur noch die Chassis, das Reflexrohr und die Polklemmen. Auch dies ging zügig von der Hand.

Klang

Beide Lautsprecher waren Samstagnachmittag fertig. Samstagabend stand schon Kumpel Julian für die Qualitätskontrolle bzw. den Klangtest vor der Tür: Was soll ich sagen bzw. schreiben, was ich nicht schon am Anfang des Bauberichts gesagt habe… Die Lautsprecher klangen fast so, wie ich sie aus dem Laden in Erinnerung hatte. Fast? Ja, leider nur fast. Zur Zeit weiß ich nicht, ob es an meinem Verstärker der Einsteigerklasse liegt, der untenrum etwas wenig Druck hat, ob meine Raumakustik das Problem ist oder ob sich die fehlende Einspielzeit noch negativ auswirkt. Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus allem, die dazu führt, dass sich der Bass zurückhaltend anhört. Dies werden aber weitere Tests zeigen. Es ist aber auf jeden Fall Meckern auf sehr, sehr, sehr hohem Niveau. Sollte es am Verstärker liegen, kenne ich ja schon eine Röhre die bestens mit der Little Princess harmoniert. Ich denke aber eher, dass meine Dachschrägen das Hauptproblem sein werden…da hilft dann nur ein Umzug. Beeindruckend ist für mich aber immer wieder, was für ein sagenhafter Klang aus so einem kleinen Standlautsprecher kommt. Anbei nochmal ein Größenvergleich.

Vielen Dank an Udo und die community, die immer hilfreich und geduldig auf alle Fragen geantwortet haben. Die Little Princess ist ein super Bausatz, an dem ich noch lange Freude haben werde – vielen Dank für die Entwicklung. Weiterhin auch vielen Dank an Julian, der tapfer 6 Stunden mit mir im Auto durchgehalten und auch beim Schreiben des Berichts geholfen hat. Besonderer Dank gilt jedoch meiner Freundin, die mir einen der beiden Lautsprecherbausätze zum Geburtstag geschenkt hat, nachdem sie gemerkt hat, wie begeistert ich davon nach dem Besuch war.
Und wie geht es weiter? „Nach dem Selbstbau ist vor dem Selbstbau“ würde ich sagen. Der Lautsprecherselbstbau lässt mich nicht los. Da ich jetzt auch dem Eton-Sound verfallen bin, würde ich am liebsten ein Paar Eton-Lautsprecher für meinen PC bauen. Vielleicht wird da ja dieses Jahr noch etwas passendes Kleines vorgestellt, so dass unterm Weihnachtsbaum ein Paar neue Schmuckstücke stehen können.

Justus

 

Zur Little Princess im Online-Shop

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