Symphony 24 – ein Leserprojekt aus der Schublade


Das Schöne am Selbstbau ist, dass so viele unterschiedliche Menschen eine verbindende Gemeinsamkeit entdecken. Die einen sind die begabten Heimwerker, die nach Fertigstellung der selbst designten Wohnzimmer-Einrichtung in ihrer Bastelmanie eben auch noch die passenden Lautsprecher gestalten. Die anderen sind die rastlosen Audiophilen, die nach dem Studium der letzten Bestenlisten und den mitunter frustrierenden Besuchen bei den diversen Messen nur nach dem besten Klang streben.

Von welcher Seite sich die Getriebenen auch nähern – früher oder später landen sie alle auf der berühmten Couch. Dass so eine Couch eine heilsame Wirkung entfalten kann, wenn man sich Ihr nur lange genug anvertraut, hat ein Wiener Landsmann von mir vor 100 Jahren ausreichend bewiesen. Udos Variante wirkt dagegen deutlich schneller und hat obendrein den Vorteil, das man keine Fragen nach der sexuellen Deviation der eigenen Großmutter beantworte muss, um seinen Seelenfrieden zu finden.

Mit mittlerweile einigen Jahren Lautsprecher-Erfahrung lassen sich Udos Therapieerfolge auch ganz gut erklären: Er nimmt den ganzen Rucksack an individuellen psychodynamischen Verquerungen, den jeder Besucher seiner Praxis mit sich schleppt, mit wohlwollender Abgeklärtheit zur Kenntnis und startet gleich seine systemisch geprägte „Solution Focused Brief Therapie“. Der Klient muss nicht mehr hergeben als seine favorisierte Musikquelle, Udo stöpselt ein und schon lösen sich erste Verspannungen. Das Vorgehen ist dabei wunderbar pragmatisch, wie die Konstruktionen selbst auch: Mehr machen von dem, was nützt, bleiben lassen, was nichts nützt. Dabei wird nicht einmal auf die Kosten geschaut, genommen wird nicht das teuerste Bauteil, sondern das jeweils richtige. Da kann es schon einmal vorkommen, dass eine teure Spule weichen muss, weil eine kostengünstigere die besseren Resultate erzielt.

Mein persönlicher Einstieg in die Lautsprecherbau Welt erfolgte gleich ganz oben mit dem Bau der Duetta. Angelegt war das Projekt als gemeinsame Herausforderung mit meinem Freund Andreas aus dem hohen Norden Deutschlands. Zusammen verfügen wir über mindestens 2 linke Hände, aber über beträchtliche Hörerfahrung mit diversen, auch hochpreisigen Fertigprodukten. So haben wir den oben beschriebenen Weg audiophiler Verirrungen genommen, der für die Glücklichen unter uns unweigerlich sein erleichterndes Ende bei der Duetta findet. Wer einfach gut Musik hören will, soll sie sich bauen und nicht mehr lange rummäkeln. Andreas hat die Duetta als Fixpunkt genommen und sich nachher noch ein Hörzimmer und das dazugehörige Haus herum gebaut, was sich als kluge Entscheidung erwiesen hat. Egal welche Musikrichtung, Duetta gibt alles mit der wohlwollenden Souveränität wieder, die nur Produkten eigen ist, die scheinbar ein Bewusstsein der eigenen Überlegenheit entwickelt haben.

Der einzige Nachteil ist die leise Wehmut nach dem Weg, wenn man das Ziel erreicht hat. Deshalb kam es immer wieder zu sporadischen Besuchen, auch um fröhliche Menschen auf einem abgewetzten Sofa zu erleben. Bemerkenswert ist stets die Erfahrung, die Little Princess zu hören. Angeblich gibt es ja die Fraktion derer, die den Eton ER 4 aus der Duetta als einzig wahren Hochtöner gelten lassen und als Gegenspieler die Freunde des Keramikhochtöners Eton 26 HD 1 aus der Little Princess. Beide Gruppen führen berechtigte Argumente ins Feld. Die einen verweisen auf den Detailreichtum und die Durchhörbarkeit des ER 4, der dabei nie lästig wird, die anderen begeistern sich für die anspringende Dynamik der Hochtonkalotte. Die kommt aus meiner Erfahrung besonders gut bei der Phase 34 und Dusty 34 zur Geltung. Ich habe Neil Young & Crazy Horse selten so mitreißend erlebt wie über die beiden Zweiwege Lautsprecher. Trotz Wohnraum freundlicher Abmessungen und eindeutig audiophilem Anspruch ziehen sie einen mit ihrer fröhlichen Unverblümtheit derart in den Bann, dass es zum nächsten Termin schon einmal später werden kann.

Der gleiche Hochtöner und die gleichen Mitteltieftöner zeigen in der Little Princess eine weitere Facette ihres Potentials. Udo hat es geschafft, dass mit dem zusätzlichen 3 Zoll Mitteltönern eine absolut stimmige Kombination entsteht, die sich beim ersten Reinhören mit einer völlig anderen Bühnenabbildung präsentiert. Wo Phase 34 und Dusty 34 die Bühne frech nach vorne aufbauen, kann man bei der Little Princess den Blick in die Tiefe des Raumes genießen. Trotz der geringen Abmessungen kommt sogar eine Assoziation in Richtung der Souveränität einer Duetta auf – und das unter Beibehaltung der Spontanität einer Phase/Dusty 34. Ein Lautsprecher also, den man unbedingt haben sollte ….

Die lange Vorgeschichte soll den Weg illustrieren, der zum Bau der Symphony 24 geführt hat. Wie wohl deutlich wurde, konnte ich mich der Faszination nicht entziehen, die von der Little Princess ausgeht, obwohl ich mit dem Eton ER 4 sozialisiert wurde.

Irgendwann stimmten Andreas und ich unsere Kalender ab und beschlossen den Bau der charmanten Musterschülerin. Nur hatte es uns eine spezielle Form angetan, wir wollten die Front so schmal wie möglich bauen und die Tieftöner entweder seitlich oder nach oben und unten abstrahlen lassen. Udo hat ja mittlerweile ein dickes Fell, kein Wunder, wenn er jeden Tag irgendwelche Bastler mit wundersamen Ideen betreuen muss. Schonend, aber unmissverständlich teilte er uns mit, dass wir diese Idee lieber gleich verwerfen sollten. Der Mitteltöner der LP spielte einfach nicht tief genug herunter, um den Bass ohne völlige Zerstörung des Klangbildes seiner Position berauben zu können. Da unsere doch so geniale Konstruktionsidee wie eine Seifenblase zerplatzt war und die Enttäuschung wohl überdeutlich ins Gesicht geschrieben war, hatte Udo noch einen Trost parat: Die 4 Zoll Hexacone Chassis von Eton würden tief genug spielen, um so einen Versuch wagen zu können.

Wie es der Zufall so wollte, stand gerade ein einsames, bisher unveröffentlichtes Testgehäuse ohne Bestückung aber mit einem deutlichen Oberfräsen-Kollateralschaden links vom berühmten Sofa. Es sollte dazu dienen, besagte 4 Zöller in einer D’Appolito Anordnung aufzunehmen, in Kombination mit dem Hochtöner der Little Princess. Das Ganze würde einen sehr handlichen Monitor ergeben, der sich wohl auch vorzüglich als Center eignete. Sollte mir diese Konfiguration behagen, stünde einem weiteren Ausbau in Richtung einer etwas größeren LP mit ungewöhnlich platzierten Tieftönern nichts im Wege.

Udo hatte alles im Laden und füllte damit eine respektable Kiste, als ein gerade hereinkommender Besucher erstaunt wissen wollte, ob ich denn schon gehört hätte, was ich da kaufe und ob ich überhaupt wüsste, was das Ganze kostete. Beides musste ich verneinen, was mir in dem Moment gar nicht verwunderlich vorkam (im Gegensatz zum Fragesteller). Ich bin mir aber sicher, allen Anwesenden ein plausibles Beispiel gegeben zu haben, wie Kundenbindung bei Udo funktioniert.

 

Nachdem die kleine Box nur eine Etappe im eigentlichen Projekt sein sollte, wählten wir angesichts der vorhandenen Ungeduld den denkbar unsportlichsten Schritt und baten Franz Thomaier um die Fertigstellung eines formschönen Gehäuses. Damit verlasse ich fast schon die Gilde der eingeschworenen Selbstbauer, zumindest das Zeichnen des Gehäuses nach eigenen Vorstellungen und das wenig aufwendige Löten der Weiche erfolgte mit eigener Hände Arbeit.

Wer sich in die Hände der freundlichen Schreinerei Thomaier begibt, bekommt dann aber auch ein professionelles Produkt, das allen Betrachtern Respekt einflößt. Mittlerweile sollen das auch die Produzenten internationaler Fertiglautsprecher kapiert haben, jedenfalls stehen in Karlsfeld ein paar Prototypen herum, die man auf der High End in München sehen wird. Ein paar Bilder zur Entstehung wurden dennoch geschossen, große Überraschungen gibt es keine. Mir war wichtig, die Bassreflexöffnungen nach hinten zu verlegen, um die Front möglichst klein zu halten.

Da es auch durchaus Nachbauer geben könnte, füge ich hier Udos Bauplan der Symphony 24 mit Reflexschlitzen vorn ein.

 

Das erste Probehören erfolgte bei meinem Freund Andreas in Oldenburg, mit dabei waren neben der Duetta drei Monitore unterschiedlichster Herkunft, aber alle in einem gehobenen Preisbereich. Zuerst lauschten wir den unterschiedlichsten Fertiglautsprechern und entdeckten deutliche Unterschiede in der Wiedergabe, die durch das Abspielen der diversen Test-Tracks zu Tage traten. Dies gab Anlass zu diversen Diskussionen, wie sie wohl viele Audiophile führen. Wir erfreuten uns an den spezifischen Highlights, was uns nicht so gefiel, entschuldigten wir mit dem Umstand, dass man sich bei dem entsprechenden Monitor wohl noch „einhören“ müsste, oder dass die Raumbedingungen vielleicht das andere, teure Teil nicht entsprechend zur Geltung kommen ließen.

Und dann – hängten wir die Symphony 24 an den (ebenfalls namhaften) Verstärker. Es trat ein Phänomen auf, das ich ähnlich bei der LP erfahren hatte. Von den ersten Takten an präsentierte sich ein absolut stimmiger Lautsprecher, der Diskussionen über Vorzüge oder Nachteile obsolet erscheinen lässt. Es macht „Klick“, man kapiert, dass die Entwicklung ein großer Wurf ist – und hört Musik. Lebendig, anspringend, mit einer wunderbar räumlichen Darstellung. Am Ende des Tages blieb die Gewissheit, dass ein gut gemachter 2 Wege Monitor wie die Symphony 24 Vorzüge bezüglich der Homogenität der musikalischen Darstellung hat, die man nicht mehr missen möchte. Wir waren jedenfalls nicht mehr darauf erpicht, irgendetwas zu testen und verzichteten auch darauf, die mehr als ruppig zusammen gelötete Weiche wieder auszubauen und die Bauteile in eine optisch halbwegs gepflegte Ordnung zu bringen.

Wenige Tage später kam ich mit den kleinen Etons bei Udo vorbei, um ihm sein eigenes Werk vorzuführen. Im Player drehte sich „Tennessee Waltz“ von Holly Cole aus dem Jahre 1993 und ich fragte den Meister, worauf er denn bei dieser Nummer konkret achten würde, um die Qualität seiner Entwicklung zu beurteilen. „Räumlichkeit und Bühnenaufbau, die Musik muss sich komplett von den Boxen lösen, die Basis der Bühne befindet sich hinter den Lautsprechern. Was den Hochton anbelangt, achte auf die S-Laute, wie sie hörbar sind – die dürfen aber nicht wehtun! Stimmen sind entscheidend, die Dynamik in der Stimme …. Und jetzt die Mundharmonika, hörst Du das Flirren der Blättchen, die den Ton erzeugen? Übrigens, der Bass ist nicht schön aufgenommen auf dieser Nummer, der könnte klarer sein. Beim Klavier kommt es auf die Qualität des Anschlages und den ausklingenden Ton an. Ein guter Lautsprecher muss den großen Dynamikumfang wiedergeben können, das fortissimo des angeschlagenen Tones ist 30 dB lauter als der ausklingende Ton.“ Die Symphony 24 ist ein guter Lautsprecher, kein Zweifel. Allen Ausführungen Udos ist leicht zu folgen, leise Zufriedenheit ist während dieser Lehrstunde auf Udos Gesicht nicht zu leugnen. Dieser Lautsprecher ist so gelungen wie die Duetta oder wie die Little Princess.

Wir wechseln zu Rodrigo y Gabriela, die „Take Five“ auf 2 Gitarren zum Besten geben. Darm und Metall lassen sich leicht unterscheiden, die Griffgeräusche der beiden Virtuosen erwecken den Eindruck, als würde eine Vielzahl an Instrumenten am Werk sein. Das Gleiten der Fingerkuppen ist auch in leisen Passagen da, überhaupt braucht der Lautsprecher keine bedrohlichen Lautstärken, um zum Leben zu erwachen.

Udo lässt es sich nicht nehmen, auch noch Robbie Williams aufzulegen. Aus der LP „Swing when you are winning“ hören wir „Mack the Knife“. Der Bass treibt voran (“Symphony 24 kann auch Bass”), die Trompeten setzen die Akzente. Wunderbar.

Zum Schluß noch die Auflösung, was aus unserem ambitionierten Projekt mit den zusätzlichen Bässen in der noch nie dagewesenen Konfiguration geworden ist:

Gar nichts. Wir hören Symphony 24.

Andreas aus Innsbruck

Da ein Lautsprecher ohne Messdiagramme in der Welt des Internets nichts gilt, dürfen die Kurven nicht fehlen. Wie lang die Symphony 24 schon im Dornröschenschlaf verbracht hat, ist leicht an Wasserfall und Klirr zu erkennen. Sie wurden noch mit dem ATB precision aufgenommen.

Messungen:

     
 Frequenzgang  Impedanz  Frequenzgang unter 0/ 30/ 60°
     
 Klirr für 90 dB  Zweige  Wasserfall

 
Die Symphony 24 wurde durch die Linie 42 ersetzt

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