Symphony 84

Manchmal dauert es erstaunlich lange, bis aus einer Idee ein Bauvorschlag geworden ist. So war die neue Symphony 84, eine Kombination aus den Eton-Chassis 8-200, 4-200 und 26 HD 1, im Kopf schon längst abgehakt, es fehlte nur noch der praktische Gehäusebau und die Weiche, eine Sache von zusammengerechnet ein paar Stunden. Doch was ist, wenn diese Zeit nicht vorhanden oder andere Projekte dringender sind? Nun, dann bleibt der Bauvorschlag einfach liegen, es gab eigentlich auch keine Not für ihn. In der Dreiweg-Bluesklasse mit Achtzöllern sind wir mit SB 23/ 3, SB 240, BlueNote, CeraBlue, Symphony 285 oder MiDu recht gut aufgestellt. Naja, die Minuetta und Ceruetta sind herausgefallen, Ersatz aber nicht zwingend nötig.

Mehr als zwei Jahre sind ins Land gegangen, seit die Idee der Symphony 84 geboren wurde. Damals schon fertig waren die kleinen “Ergänzungen” Symphony 4 und 24, die dann mittels intensiven Schubladenstöbern von Andreas und Andreas der Öffentlichket bekannt gemacht wurden. Doch nun sprach die Chronologie eindeutig für die überfällig, große Schwester, hier ist sie nun.

Oh, was ist das denn? höre ich schon munkeln. Da wird von schon vorhandenen Ergänzungen geredet, man wird doch nicht etwa…? Doch, wir werden, aber natürlich auch wieder nicht. Heimkino ist längst erzwungener Nutzen aller vorgestellten Bauvorschläge, wir haben natürlich nichts dagegen. Besser drei zum Musikhören überflüssige Lautsprecher mitverkaufen als wegen fehlender Heimkinotauglichkeit gar nichts los werden. Aber haut uns das jetzt nicht um die Ohren, es passte nur gerade so schön. Auch wenn Andreas und Andreas die musikalischen Fähigkeiten der Symphony 4 und 24 lobten, wurden beide Bauvorschläge häufiger als Theater-Zuschläge für die Little Princess verwendet und siehe da, es passt. Um aber dann die Sache doch sortenrein zu komplettieren, standen die Dreiwege-Boxen schon lang auf unserer Todo-Liste. Nicht verleugnen wollen wir jedoch, dass sie in ihrer Auslegung und unserer Tradition folgend in erster Linie hervorragende Stereoboxen werden sollten.

Als ersten nahmen wir uns den 8-200 vor, mit einem Klick auf seinen Namen erscheint sein Datenblatt mit allen für den Gehäusebau wichtigen Parametern. Daraus errechnete unser LspCAD einen Platzbedarf von 40 Litern mit 13 cm langem Reflexrohr, was uns bereits durch die Symphony 285 bekannt war. Da der 4-Zöller erst ab 300 Hz als klassischer Mitteltöner eingesetzt werden sollte, war ihm das Volumen recht egal. Eine Besonderheit wollten wir ihm trotzdem gönnen, nämlich ein eigenes Häuschen, das mit 4 Litern und 28 cm Höhe auf der Basskammer stehen sollte. Um den 26 HD 1 auf Ohrhöhe zu bekommen, musste die Unterbauten mindestens 70 cm hoch werden, wir wählten sogar knapp 74 cm. Darin bei mindestens 24 cm Innenbreite nur 40 Liiter unterzubringen, war nahezu unmöglich, wenn kein quadratisches Hungerkästchen herauskommen musste. Bei 55 Litern konnte der Bass etwas tiefer spielen und bauen, die Reflexröhre musste dafür auf 8 cm gekürzt werden. Fertig war die Planung, jetzt mussten wir nur noch den Bauplan malen. Die Sketchup-Dateien haben wir hier hinterlegt.

Mit dem Bau hatten wir keine nennenswerten Probleme, der Fugenleim wartete schon auf die vielen Bretter aus 18 mm Multiplex. Fronten und Rückwände hatte unsere CNC-Fräse schon mit Löchern und drum herum Vertiefungen versehen. Um den Bericht ein wenig aufzufüllen, haben wir das Verkleben wieder schön fotografiert.

Fertig war der Unterbau. Nun noch drei Bilder von der Entstehung des Oberteils.

Über Nacht durfte der Leim abbinden, die Weiterverarbeitung per Schleifer und Lackierrolle hätte aber auch schneller erfolgen können. Anschließend standen die Klangkörper zur Chassisaufnahme und Weichenentwicklung bereit. Also schnell die Bastel-/ Fotokammer zum Messlabor umgebaut und los ging es.

Routinemäßig werden zuerst alle Chassis im Gehäuse gemessen. In den drei Diagrammen sind das von links nach rechts der Bass, Mitteltöner und der Hochtöner. In den roten Kurven sehen wir sofort die Problemzonen, die per Weichenbauteilen bearbeitet werden können, aber auch Auswirkungen der Schallwand, die besser unbehandelt bleiben. Dies ist um 3 kHz der Fall, wo sich die Frontbreite durch einen scharfen Einschnitt im Frequenzgang des MT und HT zeigt.

Die blauen Linien haben wir aufgezeichnet, nachdem wir den uns genehmen Klang der Symphony 84 eingestellt hatten. Dafür benötigten die Bass und Hochton-Chassis jeweils ein 12 dB-Filter mit zusätzlichem Spannungsteiler für den 26 HD 1, der Mitteltöner wurde durch eine etwas aufwendigere Schaltung gebändigt, die allerdings keineswegs einer Geheimwissenschaft entstammt. Alles zusammen ergab eine schöne Summenkurve, wenn der Bass zum Rest verpolt angeschlossen wird. Für Röhrenhörer gibt es die Impedanzkorrektur.

Messungen:

     
 Frequenzgang  Impedanz  Frequenzgang unter 0/ 30/ 60°
     
 Klirr für 90 dB  Sprungantwort  Wasserfall

Es hat sich stets als hilfreich erwiesen, wenn wir unseren Lesern ein paar Bilder vom Weicheneinbau und dem Einlegen des Dämmstoffs präsentierten. Das erspart die Fragen nach dem besten Ort und der Menge, die meist mit “locker gefüllt, Reflexkanal bleibt frei” hinreichend benannt war, dennoch zu Unsicherheit führte. Nun, der beste Ort für die diesmal dreiteilige Weiche ist gut zu erkennen, die Füllmenge ist dreieinhalb Beutel (sieben Matten) Sonofil unten und eine Matte oben.

Wer nun Bilder vom Bassteil vermisst, hat richtig gesehen, die haben wir uns gespart, Links im großen Bild ist die Bassweiche auf das Terminal geklebt. Wir befürchten nicht ernsthaft, dass es versehentlich in den viel zu kleinen Reflexrohr-Ausschnitt geschraubt wird. Die Impedanzkorrektur haben wir von außen in das Terminal des Oberteils gesteckt. So ist sie ohne Probleme herausnehmbar, wenn ein AVR damit droht, den Widerstand zu verbrennen, wie es gerade erst in unserem Forum geschildert wurde. Die Verbindung zwischen den beiden Gehäuseteilen übernimmt ein verdrilltes Stromkabel, das in die Querlöcher der Polklemmen geschraubt wird.

Als endlich nach mehr als zwei Jahren die Symphony 84 leibhaftig im Hörraum standen, habe ich die Impedanzkorrektur an ihrem Platz gelassen, denn wir wollten sie ausschließlich in Stereo an der Experience testen. Bekanntermaßen gibt es viel Musik aus jeder erdenklichen Ecke, die wir unseren Ohren zumuten, Daher darf mein Lautsprecher nicht allzu wählerisch sein und nur ohne eigenes Zutun das wiedergeben, was auf die CD oder Schallplatte geprägt wurde. Leicht übertriebener Kickbass, der für Rockmusik akzeptabel oder sogar erwünscht ist, oder elegant gelogen “detailreiche Höhen” genanntes Zischeln des Hochtöners sind also nicht gefragt, Dagegen können wir auf Dynamik und Feinzeichnung nicht verzichten, egal ob wir laut oder leise hören. Loslösung von den Boxen, Bühne hinter ihrer Basislinie, Sänger(innen) und Instrumente in realistischer Größe und ohne “Ich will aber auch mal breit in der Mitte stehen” sind wesentliche Kriterien, die unsere Lautsprecher erfüllen müssen. Voraussetzung für solch gelungene Darbietungen ist natürlich entsprechend aufgenommene Software. Leider muss man hier sehr oft Abstriche machen, wenn man Musik hört, die für ganz andere Wiedergabe-Ketten produziert wurde. Starke Komprimierung ist erforderlich, wenn zwar laut gehört werden soll, aber dabei das Mininetzteil des Amps nicht durch heftige Impulse leer gelutscht werden darf. Wenn der Superkopfhörer des Smartphones Bass vortäuschen muss, wird halt dort der Pegel schon vom Tonmeister aufgedreht. Wer mich nun für arrogant hält, hat nur zur Hälfte Recht. Ich höre auch Heavy Metal, Electro oder Hip Hop, wenn mir danach ist. Dann verzeih ich meinen Boxen aber durchaus die Fehler, die sie mir an die Ohren bringen. Zwar hörte man aus ganz alten Zeiten, dass der Überbringer schlechter Nachrichten völlig zu Unrecht schuldig gesprochen wurde, doch ich mach mir diese Unart eher nicht zu eigen.

Nun, was soll ich nach dieser langen Einleitung noch zum Klang der Symphony 84 schreiben? Sie spielte alles so, wie wir es mögen: Tiefe Bühne, tolle Staffelung, genügend Breite, Luft um die Instrumente, trockener, durchhörbarer Bass. sehr dynamisch, feinauflösend, niemals aggressiv, unangestrengt bei laut und leise. Duetta geht tiefer, Little Princess ist druckvoller. Symphony 84 eine sehr gute Mischung daraus.

Udo Wohlgemuth

Kleiner Nachtrag:
Ich gebe es zu, dass ich es vergessen habe, obwohl ich doch eigentlich längst wusste, dass die Fragen kommen: Ja, die Symphony 84 kann auch einteilig aufgebaut werden. Ein Schlitz statt des Reflexrohres hat 38 cm² Öffnungsfläche und samt Front 8 cm Tiefe. BiAmping ist möglich, auch gegen eine Teilaktivierung spricht nichts. Geeignet hierfür sind die WAM-Module, von denen im Heimkinobetrieb eines für beide Bässe ausreicht. Um die Unterteile auch als typischen Subwoofer zu nutzen, der abseits der Satelliten platziert wird, sollten die Oberteile als Reflexboxen im Gehäuse der Symphony 4 aufgebaut werden. Das ermöglicht eine tieferer Trennung.

Der Nachfolger der Symphony 84 ist die Linie 43

Zur Linie 43 im Online-Shop

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