Nov 09 2014

Daniels Symphony 84

Den Gedanken, Lautsprecher selber zu bauen, hatte ich schon länger im Kopf. Irgendwie hat aber immer die letzte Konsequenz gefehlt und ich verwarf den Gedanken zwischenzeitlich. Als sich dann ein Kumpel ständig über seine PC-Brüll-Tröten beschwerte, packte ich die Gelegenheit am Schopf und begab mich auf die Suche durchs Internet, um ein passendes Geburtstagsgeschenk zu finden. Wie es wohl den meisten hier im Forum erging, landete ich nach nicht allzu langer Suche auf dieser grandiosen Seite. Ich las mit Begeisterung alle möglichen Bauberichte und war sofort hin und weg.

In kürzester Zeit hatte ich den Inhalt förmlich inhaliert und es gab kein Zurück. Jetzt musste ich nur einen passenden Bausatz für den PC Schreibtisch finden. Da das Budget für das Projekt die €250,- (komplett mit Holz etc.) nicht überschreiten sollte, fiel die Wahl auf Quickly 14 Bausätze. Ich war nach einem ersten Test überzeugt und mein Kumpel an seinem Geburtstag auch. Nach dem Bau der Quicklies war dann jeder Zweifel verflogen, ob Lautsprecher selber zu bauen Sinn macht. Also musste nun was für das eigene Wohnzimmer her, um zwei Standlautsprecher eines bekannten deutschen Herstellers aus dem Taunus abzulösen. Bauvorschläge gab es ja genug, nur welcher wäre der richtige? Der Raum ist knapp 20m² groß bzw. klein und so schieden schon im Vorfeld jene Boxen aus, bei denen mir alleine vom Anblick der Volumenangaben schon schwindelig wurde. Die SB417 stellte für mich die absolute Obergrenze dar.

Meine Gedanken geisterten immer wieder zwischen der favorisierten SB 417, Dusty 34 und der gerade ganz frisch entwickelten Symphony 84 hin und her. Oder vielleicht doch lieber die Little Princess oder gar SB36? Ihr versteht sicher mein Problem. Also habe ich bei Udo per Mail wegen eines Probehör-Termin angefragt und bekam prompt eine freundliche Antwort. Leider war zu diesem Zeitpunkt die SB417 nicht mehr vor Ort, doch ich dachte mir, dass es wohl nicht schaden kann, sich die restlichen Lautsprecher trotzdem anzuhören.

Achtung, die folgenden Zeilen beschreiben ausschließlich meine persönlichen, subjektiven Eindrücke und können von jedem anders empfunden werden!

Im Hörstudio angekommen, wurden wir (mich begleitete ein Arbeitskollege und zugleich guter Freund) freundlich begrüßt. Es saß schon ein anderer Interessent auf dem Sofa und lauschte der SB36. Wir gesellten uns dazu und ließen erst mal alles auf uns wirken. Ich war erstaunt, wie erwachsen dieser kompakte Lautsprecher klang. Das war schon ganz großes Kino, vor allem, wenn man sich den recht günstigen Preis anschaut. Es folgten Dusty 34 und Little Princess, da fiel mir dann die Kinnlade runter und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es noch viel Luft nach oben gibt.

Aber….da war ja noch die Symphony 84. Nachdem sie angeschlossen wurde und die ersten Töne den Raum beglückten, dachte ich „das kann doch nicht wahr sein“! Die machte einfach alles nochmal einen kleinen Ticken besser und klang entspannter, wärmer, einfach angenehmer und gefällt mir persönlich besser. Jetzt war ich mir sofort sicher, dass ich meinen Lautsprecher gefunden habe.

Wir legten noch ein paar CDs auf und wir genossen den musikalischen Hochgenuss. Die Zeit verging wie im Flug und es wurde schon spät. Erfreulicherweise waren alle Bauteile für die Symphony 84 vorrätig und schon wurde ein großer Karton gepackt, während wir uns von der Queen of Blues persönlich noch ein wenig berieseln ließen. Nach diesem letzten Höreindruck muss ich sagen, dass die Symphony 84 für mich vom Klangcharakter mehr Ähnlichkeit mit der Duetta als mit der Little Princess hat. Am Ende bleibt es Geschmackssache, ob man die entspannte oder die eher etwas aufgedrehtere Spielweise bevorzugt. Wahrscheinlich wäre ich auch mit der SB417 froh geworden, wenn ich diese blind bestellt hätte.

Letztlich bin Ich aber wirklich froh, die Lautsprecher vorher zu hören und kann das nur jedem ans Herz legen. Es lohnt sich in jedem Fall! Keine Klangbeschreibung kann so ein guter Entscheidungshelfer sein wie die eigenen Ohren.

Wieder Zuhause angekommen, musste ich sofort das Paket auspacken und freute mich wie ein kleines Kind unterm Weihnachtsbaum.

In den nächsten Tagen machte ich mir Gedanken über das Design und fertigte per SketchUp ein Modell an.

Als Material wählte ich Multiplex mit 21mm Stärke. Die Schallwände fräste Udo mit der CNC Fräse, welche nach kurzer Zeit in perfektem Zustand bei mir ankamen. Das restliche Holz bestellte ich bei einem Arbeitsplatten- und Regalbau-Geschäft. Das Verleimen an sich stellte kein großes Problem dar. In die Rückwände sägte ich mit der Stichsäge die Aussparungen für die Frequenzweichen. Das Ergebnis ist zwar Stichsägen-typisch nicht perfekt, spielt aber keine große Rolle, da hinterher die Schnittkanten verdeckt sind.



Dem Leim gab ich eine Nacht zum Durchhärten. Nun war es Zeit, mit dem Bündigfräser und Exzenterschleifer alle Übergänge zu bearbeiten, um möglichst glatte Flächen zu bekommen. Das ging zuerst mit 80er, 120er und 240er Papier wunderbar. Um wirklich eine glatte Oberfläche zu bekommen, kam ich nicht drum herum, das Holz zwei, drei Mal zu wässern um schlussendlich mit 320er Papier zu schleifen. Das Ergebnis war Babypopo-ähnlich.

Um die komplette Holzkiste zog ich eine dezente Fase mit der Oberfräse, nur den Boden ließ ich unberührt. Damit der obere Teil des Lautsprechers nicht ganz so klobig wirkt, habe ich kurzer Hand entschieden, noch eine große 45°-Fase in diesem Bereich anzubringen. Ich spannte mit Hilfe zweier Schraubzwingen ein Brett als Anschlag auf die Front und fuhr in mehreren Durchgängen mit der Fräse über die Kanten.

Nach den groben Schnitzarbeiten hatte ich Lust auf etwas Filigranes und begab mich an die Frequenzweichen. Ich befestigte alles mit Heißkleber und Kabelbindern auf zwei Sperrholzbrettchen und lötete nach Schaltplan die Bauteile zusammen. Diese Brettchen wurden mit kleinen Abstandhaltern auf jeweils ein 21mm Multiplex-Brett befestigt, das in die Aussparung auf der Boxen-Rückseite passt. Alles wird von einer 5mm starken Aluminiumplatte abgedeckt, die ich mit Hilfe der Polklemmen auf das Brett geschraubt habe. Zum Abdichten verwendete ich normales Fensterdichtband.


Dann kam der Teil worauf ich am wenigsten Lust hatte…Lackieren. Aber was muss, das muss. Front und Rückseite sollten ihren Holz-Look behalten, nur Deckel, Boden und die Seiten inklusive der Fasen sollten weiß werden. Also erst einmal mit der Rolle Grundierung drauf, spachteln, schleifen usw. Das Ganze habe ich zuerst zweimal wiederholt und dann nochmal mit seidenmattem weißen Lack zwei Durchgänge drauf gerollt.

Eigentlich war ich dem Ende schon sehr nahe, wäre da auf der einen Seite nicht dieser merkwürdige Hubbel gewesen (habe leider kein Foto, auf dem man das vernünftig erkennen kann). Etwa 50 x 50 mm groß, sah man je nach Betrachtungswinkel, eine leichte Beule die man ein wenig eindrücken konnte. Ich dachte zuerst, dass es nur eine Blase im Lack sein kann. Also schliff ich die Stelle, bis das blanke Holz zu sehen war. Zu meinem Bedauern stellte ich fest, dass das Multiplex fehlerhaft war. Also griff ich schweren Herzens zum Teppichmesser und schnitt an dieser Stelle das Deckfurnier auf. In der Holzschicht (dunkel) unter dem Deckfurnier fehlte einfach ein Stück. Da war eine Luftblase im Holz.

Das ist dann wohl der Moment, in dem man in Comics solche Dinge wie Fischgräten, Fäuste, Staubwolken und Blitze in den Sprechblasen sieht. Der Tag war gelaufen, ich brauchte ‘ne Pause. Aber nutzt ja alles nix…also wieder ein paar Mal gespachtelt, geschliffen und lackiert, bis das Ergebnis endlich zufriedenstellend war.

Zum Schluss blieb eigentlich nur das Einsetzen der Frequenzweichen, Dämmen und das Anlöten und Befestigen der Chassis. Davon habe ich keine Bilder gemacht, ich glaube, da gibt’s nicht viel Sehenswertes. Als Füße benutze ich eine Kombination aus Edelstahl-Gummipuffer, Rändelmutter und Einschlagmutter, um für eventuelle Bodenunebenheiten gewappnet zu sein. Fehlten noch die Brücken an den Polklemmen, da ich das Anschlussterminal und die Frequenzweichen für Bi-Amping ausgelegt habe. Auch wenn ich das vorerst nicht nutzen werde, so war es mir lieber, darauf vorbereitet zu sein. Man weiß ja nie, was noch so kommt.

Dann war es endlich so weit. An ihren Plätzen stehend, warteten die beiden Holzkisten auf ihren ersten Einsatz.

Blumige Klangbeschreibungen liegen mir nicht, also beschränke ich mich aufs Wesentliche. In Udos Baubericht ist zudem eigentlich alles gesagt, was man wissen muss. Verstärker an, CD rein und ganz langsam den Lautstärkeregler im Uhrzeigersinn gedreht, bis erste Töne zu hören waren. Und was für Töne…scheinbar hatte ich alles richtig gemacht. Ich legte in der folgenden Woche eine CD nach der anderen bei moderater Zimmerlautstärke ein und der Klang wurde immer besser. Mittlerweile haben die Lautsprecher wohl so 40 Stunden Spielzeit hinter sich. Alles ist so, wie ich es vom Hörtest in Erinnerung habe. Wunderbar unaufgeregt, knackiger Bass und detailreiche Mitten und Höhen ohne Ende.

Ich bin nach wie vor begeistert und würde es wieder tun. Die Lautsprecher sind wirklich allererste Sahne und machen an meinem Grundig FineArts A-904 eine gute Figur. Ich kann nur jedem ans Herz legen, der mit dem Gedanken spielt, sich Lautsprecher selber zu bauen, dies auch zu tun. Es lohnt sich.

Zum Schluss möchte ich mich nun noch ganz herzlich für die großartigen Bauvorschläge und alles drum herum, bei der ganzen community für die Hilfsbereitschaft und die super Bauberichte und bei meiner Freundin für die Geduld bedanken, die sie in letzter Zeit aufbringen musste.

Viele Grüße

Daniel (Hopfentroll)

Die Symphony 84 wurde durch die Linie 43 ersetzt

Zur Linie 43 im Online-Shop

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