Nov 15 2015

Sparkies Little Princess

Als ich vor ungefähr zwei Jahren mit Schülzken (seines Zeichens langjähriger Arbeitskollege) ganz ungezwungen und rein interessehalber nach Bochum zu einem gewissen Herrn Schatz fuhr, um einen Röhrenverstärker abzuholen, welcher bei diesem in Auftrag gegeben wurde, war mir nicht klar, auf was ich mich da einlasse. Einen interessanten Nachmittag voller “Dönekes” über vergangene Tage und Röhrentechnik später, fasste ich den Entschluss, es auch einmal damit zu versuchen und zimmerte meinen ersten Verstärker mit 300B-Trioden zusammen. Da war es natürlich erforderlich, entsprechende Boxen zu bauen und, wie es der Zufall so wollte, hatte Schülzken gerade die SB12 ACL für seine Holde gebaut – Liebe auf die erste Hörung, astreiner Sound, schlankes Budget und wenig Aufwand – das perfekte Einsteigerprojekt in der Bluesklasse.

Seither ist ein wenig Wasser die Ruhr runtergeflossen und der Wunsch nach “Mehr” war unausweichlich – bin ich doch gleich zu Anfang über Schülzken´s “Dütten” mit “echtem” HiFi in Berührung gekommen. Ich war immer wieder entzückt vom “Eton-Sound” und habe lange Zeit überlegt, wie ich dieses Erlebnis unter Berücksichtigung meiner suboptimalen Wohnzimmergeometrie in die eigenen vier Wände transferieren kann. Einige Hörungen, sowie Maren´s und andere Bauberichte haben meinen Fokus letzten Endes auf die Little Princess gelenkt – eine Dreiwege-Box mit toller Auflösung im Hoch- und Mittentonbereich, untermalt mit einem trockenen, doch nicht zu wuchtigem Bassfundament.

So schrieb ich denn flink die Holzliste aus des Meisters Bauvorschlag ab und machte mich auf zum Einkaufen in die lokalen Baumärkte – leider. Wo ich mich beim Bau der SB12 noch mit MPX im Krümmungsgrad englischer Langbögen zufrieden geben durfte, hatten alle jene Baumärkte schlichtweg kein 22er MDF auf Lager, gut gemeinte Ratschläge wie “es ginge doch auch mit Küchenarbeitsplatte?!” habe ich gekonnt ignoriert.

Den Zuschnitt habe ich im Internet für etwa 50 € erworben, und bei der Gelegenheit noch gleich Schmelzkleber benetztes Walnussfurnier und -kantenumleimer erworben. Als beides mit einer Sackkarre im Wareneingang unseres Betriebes für mich abgeladen wurde, wusste ich wenig später, dass die Entscheidung gut war. der Zuschnitt war von hoher Maßhaltigkeit und kerzengerade.

Nachfolgend ist zu ersehen, wie aus nichts weiter als ein paar Brettern und einer großzügigen Portion Fugenleim ein hübscher Nistkasten für Eulen entsteht. Deren Einfluglöcher wurden kurzerhand von ADW realisiert.

Furnierarbeiten
Nachdem die beiden Kisten über Nacht schön durchgetrocknet waren, wurde am darauffolgenden Nachmittag der überschüssige Leim mit einem Schleifklotz entfernt und das Furnier aufgetragen. Das Furnier hatte bereits eine Melanin-Schmelzkleberbeschichtung, im Grunde also nichts anderes als Udo´s Bügelleimmethode.

Das Bügeleisen stellt man zum Furnieren dickenabhängig auf niedrige bis mittlere Temperatur ein und bügelt das Furnier von innen nach außen auf. Überstehendes Furnier konnte in meinem Fall mit einer guten Haushaltsschere grob auf Länge geschnitten und anschließend per Schleifklotz auf Maß gebracht werden.

Wer im Maschinenbau arbeitet, lernt von Kindesbeinen an, das bestmögliche Ergebnis zum niedrigsten Preis zu erzeugen. Daher kaufte ich 22er Kantenumleimer, welche ihren Platz an den Flanken der Seitenbretter fanden und nur noch an den Enden gekürzt werden mussten. Anschließend erfolgte eine Glättung des Furniers per Schleifklotz und feinem Sandpapier, gefolgt von zwei Schichten 08/15 Holzwachs aus dem Baumarkt.

Folierung
Zum Schluss habe ich die Boxen mit einer Effektfolie aus dem KFZ-Bereich foliert, welche ich vom vorherigen Verstärkerprojekt über hatte. Der Tommy nennt das Modell “Gunmetal grey”, man darf aber auch gern brünierter Stahl (gebürstet) sagen.

Endfertigung
Beim Ausklinken der Konturen der Folie ist ein scharfes Werkzeug mit schmaler Klinge von Vorteil, ich hatte noch ein Präparationsbesteck im Keller, dessen Skalpell mit Klingen aus der normalen Humanmedizin sich vorzüglich dafür eignete. Abschließend wurden die Boxen mit Füßen versehen (der Optik halber habe ich es mal mit Bronze-Spikes probiert) und testweise an ihren Bestimmungsort verbracht, um einen ersten Eindruck zu erhalten.

Weiche á la Sparky
Wer jemals eine Verteilerdose in seinem Haus geöffnet hat, weiß, das Elektriker nicht ganz richtig im Kopf sind, ich bilde da keine Ausnahme. Getreu dem Motto “form follows function” war die Weiche wenig später mit Hilfe von Schmelzkleber in die Box gefrickelt. Als Röhrenhörer habe ich ebenfalls eine Impedanzanpassung bezogen, die zuschaltbar im Klemmenterminal integriert wurde.

Da die EU Tag und Nacht um unser gesundheitliches Wohl bemüht ist, kam kürzlich auch jemand auf die Idee, glatte Elektrolytkondensatoren zu verbieten, damit wir in Zukunft gefahrlos unsere Frequenzweichen essen können. Das Nachfolgeprodukt halte ich in der Hand, es demonstriert eindrucksvoll den Leistungsunterschied zwischen einem Elko und einem Folienkondensator gleicher Kapazität. Würde mein Großvater noch leben, er hätte bestimmt gefragt, wo man an dem Moped Zünder und Holzstab montieren kann. Trostpflaster: Wo kein nasser Elektrolyt zum Einsatz kommt, kann dieser auch nicht austrocknen – unsere künftigen Weichen können also Jahrzehnte laufen, ohne ihre Charakteristik durch trockenfallende Elkos zu verändern.

Dämmung / Chassismontage
Zum Schluss wurden die Boxen mit Sonofil gefüllt (Ich habe genug davon mitbekommen, um dem dänischen Bettenlager Konkurrenz zu machen, um so erstaunter war ich, als die Matratze bis auf einen kleinen Rest vollständig und locker in den Gehäusen verschwand) und die Chassis eingeschraubt. Somit war “der Gerät” bereit zur Erstinbetriebnahme, welche stehenden Fußes folgte

Résumé
Ein weiterer Vorteil des Pfades eines Einzelgängers ist der, in Bauphasen alle möglichen Bauteile in der Wohnung verteilen zu können und auch keinen Gedanken an gültige WAF-Normen zu verschwenden. Dennoch halte ich das Ergebnis für vorzeigbar, auch wenn es in erster Linie ausschließlich zu meiner eigenen Freude gebaut wurde.

Und der Klang? Ist so wie erwartet und wird sich in den kommenden Wochen noch weiter verbessern, die Auswirkungen der Einspielzeit von etwa hundert Stunden konnte ich ja schon live mit Schülzkens Kera 360.1 miterleben. Die LP´s stehen vollkommen losgelöst im Raum und schaffen auch in meinen Gefilden eine angenehme Klangatmosphäre, auch wenn der Maurer seinerzeit definitiv kein Tonstudio im Sinn hatte. Zitat Schülzken: “Jetzt bist du im HiFi-Himmel angekommen!” Und es ist schön da.

Wer nun denkt, die eingangs erwähnten SB12 seien auf der Ersatzbank gelandet, irrt. Diese bekamen einen kleinen Eintakt EL84 Verstärker zur Seite und entlocken nun meinem PC Töne in zuvor nie dagewesener Qualität.

Womit ich auch am Ende dieses Berichts angekommen bin, ich gehe dann mal wieder Musik hören.

Gruß,
-Sparky

 

Zur Little Princess im Online-Shop

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