Jan 29 2017

PartyBox

Fragt man nach Party- oder Beschallungslautsprechern made by ADW ist die Auswahl überschaubar klein, eigentlich besteht sie nur aus einem einsamen Wort: Mystery. Der Name beschreibt keineswegs den Zustand, sondern erwuchs aus einer Diskussion im damals noch fruchtbaren Hifi-Forum, die vor mittlerweile mehr als zehn Jahren geführt wurde. Der Thread brachte “Tao” dazu, vom bekanntesten unbekannten Lautsprecher zu sprechen, dem er dann gleich den passenden Namen gab: Mystery. Die fünf Bausätze der Serie hatten ein hervorragendes Preis-/ Leistungsverhältnis, es gab keinen Grund, etwas Teureres oder gar Schlechteres in die Welt zu setzen. Seit einiger Zeit steht leider “nicht mehr lieferbar” an den verwendeten Chassis und so entstand dringender Handlungsbedarf. Teurer oder schlechter soll es dabei dennoch nicht werden.

Gesucht wurden preisgünstige Chassis für zwei pegelfeste, kleine Satelliten, die von einem großen Subwoofer unterstützt werden. Mit PA-Chassis umfangreich bestückt ist das Sortiment vom Bremer Großvertrieb Monacor, dorthin führte selbstverständlich unser erster Weg. Eine kurze Mail an Björn Westphal, in der wir das Projekt beschrieben, wurde umgehend mit einem großen Paket mit passenden Lautsprechern beantwortet. Der UPS-Mann hatte ordentlich zu schleppen, denn Bässe mit 8 und 15 Zoll in Druckgusskörben, bei denen auch bei den Magneten nicht gespart wurde, bringen schon ein paar Kilo auf die Waage. Das ist nicht billig, war unser erster Gedanke, doch ein Blick in den Monacor Online-Shop zeigte, dass Björn den ersten Teil unserer Anforderung genau richtig erfasst hatte. Da stand doch tatsächlich 49 Euro (SPA-8 PA) am 8-Zöller und 149 Euro am 15er (SPA-115 PA) als unverbindliche Preisempfehlung dran.

Für den Hochton wurde uns keine Billiglösung geliefert, denn mit dem MRD-44 PA bekamen wir einen Einzoll-Treiber mit 110 mm Magnet und 44,5 mm Titankalotte, der mittels Gewinde an das Horn MRH-83 geschraubt wird. Auch wenn hier gut 70 Euro als Verkaufspreis im Shop stehen, ist dennoch das Prädikat “sehr preiswert” angemessen.

Sparen können wir uns die an dieser Stelle üblichen Datenblätter der Chassis. Einerseits werden zehn von neun Lesern sie gar nicht weiter beachten, andererseits wird sie kaum jemand nutzen, um eigene Gehäuseberechnungen anzustellen.

Anders als bei Hifi-Chassis, die in erster Linie tief in kleinen Gehäusen “können” sollen, steht bei Party Pegel im Pflichtenheft. Kleinsignal-Verhalten, wie es die Thiele/ Small-Parameter beschreiben, ist da eher außen vor, das ist in der Praxis nicht gegeben. So geht es bei der Gehäuseberechnung ausschließlich um den Kompromiss zwischen Basstiefe, Größe und Wirkungsgrad. Grobe Anhaltspunkte lieferte LSPCad, das für den SPA-115 PA (fs = 53 Hz, Qts = 0,7, Vas = 113 l, Mms = 82 g) etwas mehr als 400 Liter geschlossenes Volumen vorschlug, um etwa 47 Hz (-3dB) zu erreichen. In 135 Litern ging es theoretisch nur auf 53 Hz runter, was aber bei der normalen Aufstellung an der Wand, vielleicht sogar in der Raumecke genau passt. Jede Begrenzungsfläche schenkt 3dB Basspegel und niemand wird freiwillig den Subwoofer mitten auf die Tanzfläche stellen. Aus diesem Grund verzichteten wir auch auf eine Reflexöffnung, die in diesem Fall eher Problem statt Lösung birgt. Auch wenn wir eine recht kompakte Bauweise vorgeben, darf der Sub unter Einhaltung des Volumens so umgebaut werden, wie er am besten passt. Selbst ein dreieckiger Eckensteher ist eine sinnvolle Konstruktion.

Der SPA-8 PA (fs = 75 Hz, Qts = 0,49, Vas = 11,5 l, Mms = 24 g) wäre schon mit 10 geschlossenen Litern zufrieden gewesen, doch dann würde er schon unterhalb von 200 Hz zu viel Schalldruck verlieren. Zur sorgenfreien Ankopplung an den Sub wählten wir das dreifache Volumen, was immer noch einen handlichen Kasten in 50 (H) x 30 (B) x 30 (T) cm und genügend Platz auf der Front für Bass und Horn ergab.

Zum Nachbau notwendig sind die Sketchup-Zeichungen von PartyTop und PartySub15

Einfach hatten wir es mit den Messungen für den Subwoofer, den wir an das Monacor SAM-300 D anschlossen. Später wird man sehen, dass wir uns nicht einmal die Zeit nahmen, ihn im Keller von seinen Leimüberschüssen zu befreien. Naja, ganz ehrlich: Allein hätte ich ihn nicht die schmale Treppe herunter gebracht. Auf Jonas zu warten, hätte zeitlichen Verzug bedeutet, für den Bericht war die Verschönerung der Oberfläche jedoch nicht relevant. Gemessen wurde die Box auf dem Boden stehend, das Micro lag etwa 1 m davor. Dies ist die sinnvollste Methode, einen Subwoofer in einem nicht schallarmen Raum zu messen. Da die Trennung zum Satelliten möglichst unterhalb von 100 Hz erfolgt, haben wir nur 40, 80 und 100 Hz im Diagramm dargestellt. Die genaue Einstellung wird im Partykeller mit den eigenen Ohren ermessen, dafür muss auch an Pegel und Phase gedreht werden. Dazu stellt sich ein Tester auf die Tanzfläche, während der andere das Einstellen vornimmt.

Die gesparte Zeit brauchten wir natürlich für die Satelliten, denen jeweils Filter dritter Ordnung den Frequenzgang gerade bogen. Der Hochtöner benötigte selbstverständlich auch noch einen Spannungsteiler, damit er den BMT nicht um gute 10 dB überschrie. Für die Addition muss der Hochtöner phasengedreht angeschlossen werden.

Übrig blieben etwa 91 dB, für einen 8er Bass mit 8 Ohm schon ganz beachtlich. Am Ende haben wir den MRD-44PA aber doch noch etwas lauter spielen lassen, weil andernfalls die natürliche Wandnähe der Satelliten im Partyraum den Grundton zu stark betont. Ausgerichtet werden die Tops auf die Tanzfläche, wo der maximale Pegel erwünscht ist. Leute, die abseits sitzen, freut es, dass sie nicht mehr der vollen Dröhnung ausgesetzt werden. So können sie sich unterhalten, ohne dem Gegenüber ständig das Ohr abkauen zu müssen.

Eingeklebt wurde die Weiche auf die Satelliten-Rückwand oberhalb des Basses. Dort kommt man im Bedarfsfall gut ran und Murphy’s Gesetz kann nicht wirken. Gefüllt werden die Tops mit einer aufgerollten Matte (40 x 160 cm) Dämmstoff.

Der PartySub 15 wird mit einer locker zusammen gerollten Matte Dämmstoff (150 x 160 cm) gefüllt.

Aus dem Messraum durften die Partyboxen dann zur Hörprobe in den Laden wandern, wo sie der Luxus pur erwartete. Da ich keinen einsatzbereiten AVR mehr habe und an meinem Uralt-Marantz kein Subwoofer-Ausgang vorhanden ist, durften sie ein wenig mit dem Experience KT 88 spielen, dessen Basstrumm-Anschluss ich bisher immer für überflüssig hielt. Aber in der Not …

Wie es heute auf Parties zugeht, kann ich nicht beurteilen. Zu meiner Zeit wurde auf Feten immer heftig Rock gehört, laut, mit ordentlich Bassanteil, von dem es gern auch ein bisschen mehr sein durfte. Jethro Tull’s “Lokomotiv Breath” gehörte zu den Stücken, bei denen ich nicht sitzen bleiben konnte. “Geht das auch laut?” fragte mein Sohn, der hinten gerade die Fräse angeworfen hatte. Nun, der Amp kann bis gut über Hälfte aufgedreht werden, dann woll’n wir mal. Ob auch meine Augen leuchteten, hab ich nicht gesehen, die von Jonas taten es jedenfalls. Er hätte sicher auch ein paar Titel gekannt, die er mit den Partyboxen hören könnte. Das muss er aber ein andermal machen, denn getreu dem Motto “I can get no satisfaction” kramte ich eine Scheibe nach der anderen raus. Großartig, wie der Subwoofer den Bauch massierte, seine 850 cm² Membranfläche können halt Luft bewegen. Dazu gesellten sich die klaren Mitten und Höhen der Satelliten, die nicht einmal den optimalen Platz direkt an der Wand einnehmen konnten. Ungewöhnlich für ein Horn war nicht das kleinste Zischeln zu vernehmen, erst recht konnte von Schärfe keine Rede sein. “Das reicht für jede Feier”, brüllte mir Jonas ins Ohr, zustimmend nickend gab ich ihm Recht. Somit war auch der 2.Teil der Anforderungen an unser neues Partyboxen-Set erfüllt.

 

Zwei kleine Anmerkungen seien noch erlaubt: Wenn du in deinem Partykeller eine passende Verstärkeranlage installieren möchtest, solltest du dir den Monacor STA-553 D ansehen. Er liefert für schlanke 350 Euro neben drei kräftigen Endstufen auch das Management für Sub und Sats. Ansteuern kannst du ihn mittels Mischpult, an das er über symmetrische Ausgänge angeschlossen wird.

Anmerkung 2: Ist es nicht reichlich schade, wenn ein ganzer Kellerraum nur sporadisch sportlichen Vergnügungen vorenthalten bleibt? Wenn die dort untergestellten Lautsprecher für das Tanzen reichen, kannst du mit ihnen auch ein pegelfestes Heimkino einrichten, das gar nicht erst zulässt, dass sich bis zur nächsten Party Staub auf den Boxen breit macht. Eine Leinwand, ein Beamer und zwei weitere PartyTop im Rücken sind sicher eine gute Investition.

Udo Wohlgemuth

Zur PartyTop im Online-Shop
Zum PartySub 15 im Online-Shop
Zum STA-553 D im Online-Shop
Zum SAM-300 D im Online-Shop

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.acoustic-design-magazin.de/2017/01/29/partybox/

Hinterlasse einen Kommentar

13 Kommentare auf "PartyBox"

Benachrichtige mich zu:
avatar
Kuhlschrank
Mitglied

Hallo Udo,

auch von meiner Seite gäbe es sehr großes Interesse an 12 Zöllern, die ja als perfekter Kompromiss im PA Bereich gelten.

Liebe Grüße

Benjamin

Michael
Mitglied

Super Baureihe. Mona 2.1 in XL. Und das zu so einen fairen Preis.
Daumen hoch.

Michael

MartinK
Mitglied

Ich bin froh, dass es mit PA weitergeht.
Liebäugle schon länger mit einem Open Air Kino.
Man wird hören.
Gruß Martin

WU
Mitglied
Hallo Udo, auf die neue PA-Serie hab ich mich schon gefreut. Die Anlage in unserem Proberaum braucht dringend ein Upgrade und ich habe alle vertröstet, dass ich warten möchte, bis du was neues im Angebot hast. Ist denn schon eine Box mit zwei 10ern oder 12ern, die den Hochtöner in… Read more »
Sparky
Mitglied
Guten Abend, die Mysteries konnte ich ja schon früher hören und war erstaunt was die zu leisten vermochten. Und die hier sehen vom Material her schon was besser aus…. ich bin zwar kein Partylöwe, aber auf die Boxen definitiv gespannt. Wieder ein Grund, sich auf das Therapiesofa nach Bocum zu… Read more »
Axel Hurow
Mitglied
Hallo Udo, da läuft mir ja wieder das Wasser im Mund zusammen. Vielleicht finde ich im laufe dieses Jahres einen Raum, in dem ich die neuen Party Lautsprecher installieren kann… Hast Du die Möglichkeit, etwas zum Klang – Character im Vergleich zu den Mystery Partys zu sagen. Diese sind bei… Read more »
Justus
Mitglied

Da ist ja wieder ein neuer Bausatz. Ich freu mich!
Sind die auch im Laden zu hören oder wird’s langsam zu voll?

Die Mysterys sind ja schon gut gewesen, aber wenn Udo hier (wie bei allen anderen Nachfolgern) wieder ne Schippe mehr Klangqualität draufgesetzt hat, dann wird das echt ne gute Party.