Linie 7 – der Trilogie dritter Teil

Linie 4 und 5 sind durch, sie erfreuen bereits einige Nachbauer mit dem Wohlklang, für den die Eton-Chassis allgemein bekannt sind. Auf Basis des 4-312 und des 5-212 wurden je vier Bausätze mit Ausbaupotenzial nicht nur für den Stereo-Hörer entworfen, gemeinsam bilden sie auch noch ein exzellentes Heimkino. Natürlich machte das die Weichenentwicklung nicht einfacher, aber durch ein wenig Herausforderung wird das Basteln auch für uns erst richtig schön. Dass uns dabei noch die Wiederbelebung  von sieben nicht mehr lieferbaren, aber sehr erhaltenswerten Bauvorschlägen gelang, rundete das Ganze für uns dann ab. Fehlt also nur noch die Linie mit dem Siebenzöller als Basis, doch die folgt einer anderen Logik.

Wie es sich gehört, stellt sich der Neue hier erst einmal vor. Sein Name ist 7-312, mitten in seiner wirklich schwarzen Membran thront ein wohlgeformter Phase Plug aus Aluminium. Selbstverständlich ist er mit allen technischen Finessen gefertigt worden, die heute nur noch erwähnt werden müssen, wenn sie denn fehlen. Einzigartig ist dagegen die patentierte Membran, über die wir in diesem Magazin bislang eher zu wenig geschrieben haben.

Zwei Lagen zugfestes Kevlar ummanteln eine Honigwabenkonstruktion aus Nomex und bilden so eine angesichts ihrer enormen Dicke leichte, dabei extrem stabile Membran bei gleichzeitig hoher innerer Dämpfung. Dadurch arbeiten die Eton-Membranen bei jeder Lautstärke wie Kolben, die Luft vor sich bewegen, ohne durch einknickende Ränder oder Resonanzerscheinungen der Musik eigene Noten beizumischen. Erst außerhalb des Nutzbereichs weisen die Sandwiches eine Resonanz auf, die bei der Weichenentwicklung berücksichtigt werden möchte. Unterschiedlich war im Lauf der Jahre die Beschichtung, die von leicht klebrig über grünlich nun zu schwarz gewechselt ist. Auch hierum kümmert sich ein gewissenshafter Philipp Vavron, Etons Chassis-Entwickler, bis die richtige Zusammensetzung gefunden ist.

Datenblatt 7-312/C8-32 Hex

Parameter:

Fs 34 Hz Mms 17,1 Gramm
Diameter 132 mm BL 8,68 Tm
ZMax 135 Ohm VAS 33 Liter
Re 6,6 Ohm dBSPL 88,2 dB/2,83V
Rms 0,59 kg/s L1kHz 0,80 mH
Qms 6,27 L10kHz 0,40 mH
Qes 0.32 SD 137 cm²
Qts 0,31 MMD 16,2 Gramm
Cms 1,26 mm/N Zmin 7,7 Ohm

Messungen:

Linie 71

Der erste Bauvorschlag einer Linie wird aus einem Basis-BMT und dem nach unserer Regel dazu passenden Hochtöner gebildet. Hierbei setzen wir auf eine konsequente Einhaltung, Phase Plug und 26 HD 3, Dustcap und ER4. Folglich musste als Partner der Keramik-HT herhalten. Für das 16 Liter Reflexhaus verwendeten wir diesmal 20 mm starkes Buche-Multiplex, das wir einst für Zuschnitt-Tests eingekauft hatten. Um BMT, HT und ein ungekürztes HP 50 in der Front unterzubringen, musste der Kasten außen 44 cm hoch und 23 cm breit werden. Das ergab exakt 27 cm Tiefe. Die Baupläne haben wir der Sketchup-Zeichnung entnommen.

Gebaut haben wir, ohne vor und nach jedem verklebten Brett auf unseren Fotografen warten zu müssen. Die gesparte Zeit konnten wir diesmal für den Schliff und das Ölen der Bucheplatten verschwenden. Manchmal will man es auch schön haben, ohne dafür Photoshop (heißt bei uns PhotoScape) nutzen zu müssen. Anschließend wurden zwei 10er Löcher für die Polklemmen in die Rückwand gebohrt, Kabel gezogen, zwei Matten Dämmstoff (40 x 40 cm) in die Box gelegt und die Chassis angelötet.

Nach getaner Schreinerarbeit durfte die Abteilung Weichenentwicklung ran. Ohne einschnürende Vorgaben durfte sie ein Netzwerk entwerfen, das den Frequenzverlauf der Linie 71 in gefällige Rundungen brachte. Heraus kam ein Filter erster Ordnung mit Saugkreis auf die angesprochene Resonanz für den 7er und ein 12dB-Filter für den Hochtöner, den ein Spannungsteiler auf die passende Lautstärke zurecht stutzte. Da unsere Eton-Lautsprecher gern mit Röhren kombiniert werden, war die Impedanz-Glättung Pflicht. Was sie bewirkt und warum gerade Glimmleuchten sie brauchen, hat Sparky sicher schon häufiger im Forum erklärt.


Der Schaltplan ohne Bauteilwerte und ein Foto der aufgebauten Weiche wird den Nachbau erleichtern. Beide Chassis werden gleichphasig angeschlossen, dann klappt es auch mit der Adition der Zweige im Übergang von BMT zu HT.


Messdiagramme:

Im Hörraum, zufällig mit dem Laden identisch, durfte die Linie 71 dann zeigen, warum sie uns noch in der umfangreichen Sammlung an Bauvorschlägen unbedingt gefehlt hat. Frau und Gitarre standen beeindruckend knapp hinter der Lautsprecherbasis, dabei völlig von den Boxen losgelöst auf den Bühne. Eva Cassidy’s “Time after Time” gehört sicher zu den schönsten Covers des fast ein halbes Jahrhundert alten Cyndi Lauper-Songs. Jeder Zupfer an den Saiten passt, die Stimme klingt unangestrengt und trotzdem angenehm betonend. Welch ein Unterschied zu dem heute leider üblichen Geschrei junger Frauen, die begleitet von Computer generiertem Brei zu Superstars hochstilisiert werden. Ich will nicht behaupten, dass wir Musik nie zuvor so gehört haben, nur soviel: Alles erklang aus einem Guss, kein “Hör mal, der Bass! Die Mitten! Der Hochton!” Statt dessen Instrumente und Gesang. Gut, bei Bassdrum bebte nicht das Sofa, aber vor uns stand auch nur eine kleine Kompaktbox frei auf einem Ständer in 42 m².

Es mag einige Leser enttäuschen, doch die Linie 71 beendet nun eine Zwischenlösung, die eher aus Neugier vor Jahren den 7-360 mit dem 26 HD 1 als Kera 360 zusammen führte. Diese Kombination passt nun nicht mehr in unsere lupenreine Linienführung, die wir auch nicht durch einen liebgewonnenen Bauvorschlag verwässern wollen.

Linie 72

Innerhalb der Linien hat sich eine Ordnung ergeben, die der 2 einen Aufbau auf den Leib schrieb, der als Center verwendet werden kann. Das setzt voraus, dass die 3 einen 11-Zoll Bass erhält, den es mit Phase Plug nicht gibt. Da wir die erfolgreiche Regel nicht aufgeben wollen (siehe oben), verzichten wir auf die Linie 72 und kommen ohne langes Zögern zur

Linie 73

In unserer Symphony-Reihe erfreuten sich Dusty und Phase 34 großer Beliebtheit, die Linie 73 knüpft hier baulich nahtlos an. Zwei 7-312 nehmen einen 26 HD 3 in die Mitte. Um den Hochtöner dennoch in Ohrhöhe tönen zu belassen, muss die Box 1,2 m hoch werden. Rein rechnerisch brauchen die beiden Bässe zusammen etwas mehr als 30 Liter Luft im Rücken und mindestens 19 cm Innenbreite. Das ergibt eine Tiefe von gerade einmal 14 cm, sieht nicht wirklich gut aus. Also haben wir den Rauminhalt auf fast das Doppelte vergrößert. “Darf man das denn ungestraft?” wird nun mancher denken. Nun, für einen Lautsprecher gibt es nicht nur ein passendes Maß, es ist an die Aufgaben geknüpft, die erfüllt werden sollen. Das Gehäuse ist für den Lautsprecher eine mechanische Frequenzweiche, die unterschiedliche Charakteriken aufweist. Benannt sind die nach den Wissenschaftlern, die sie zuerst beschrieben haben. Bessel, Butterworth und Tschebyscheff sind dabei die Suchbegriffe, unter denen mehr über die Theorie zu finden ist. Kurz und knapp: Im großen Gehäuse ist der Bass leiser, reicht aber tiefer. LspCAD zeigt einen 7-312 bei ungekürztem HP 50 in 10, 15 und 30 Litern. Natürlich kann auch über die Länge des Reflexrohres der Frequenzverlauf noch beeinflusst werden, wir wählten für die Linie 73 ein HP 70, das wir auf 12 cm kürzten.

Da zufällig noch die Verpackungen der Phase 34 im Keller standen, mussten wir nur neue Fronten mit etwas größeren Bassausschnitten fräsen und auf die Kästen kleben. Wer dieses Privileg nicht hat, braucht den Sketchup-Plan. Eine Matte Dämmstoff (50 x 160 cm) wurde in vier Stücke geschnitten und gleichmäßig in der Box verteilt. Der Bereich um das Reflexrohr blieb dabei frei.

Die Weiche folgte der Vorgabe durch die Linie 71, nur wurden nun zwei 7-312 parallel angeschlossen. Die Wirkung der Filterung zeigen die Diagramme dem interessierten Auge, eine Impedanzkorrektur wurde auch ermessen.




Messdiagramme:

Auf den Fotos gut zu sehen sind die rückenschonenden Möbelrollen, auf denen wir die Linie 73 zur Hörprobe in den Laden rollten. Anzunehmen war, dass sie neben der Frau mit Gitarre auch den Mann am Klavier ins rechte Licht rücken können. Deshalb dachten wir bei der Musikauswahl diesmal in eine jüngere Richtung und streamten den alten Klassiker “Paint it black” gesungen von Vanessa Carlton von der Festplatte zu den Boxen. Sofort schüttelte der Bass das Polster unter dem Hintern merklich, Differenzierung bis in die tiefsten Töne, die Rockmusik bietet, die Sängerin deutlich nach vorn gerückt, wie wir es auch von der Phase 34 kannten. Na gut, der Hochton war etwas schrill aufgenommen, das verriet uns Vaya Con Dios mit dem alten Zigeuner-Swing “Nah Neh Nah”, wo nichts weh tat außer den alten Knochen nach dem Herumhüpfen. “Musste das denn wieder sein?” wird meine Frau später fragen. Klare Antwort: “Ja!”

Guten Gewissens können wir nun Dusty und Phase 34 hinter uns lassen, Linie 73 ist nicht nur Ersatz. Und was nehmen wir dazu, wenn wir neben Old Fashioned Stereo auch ein Heimkino installieren möchten? Na klar, zwei Mitteltöner!

Linie 74

Als Lösung in größter Not entstand vor langer Zeit aus der Dusty 34 die Little Princess, um eine Auftragsarbeit aus Neu-Ulm zu einem guten Ende zu bringen. Zwei Dreizöller spielten darin die zentrale Rolle und das machten sie sehr gut. Leider war aus ihnen jedoch kein Center oder Rear zu generieren, weil ihre Resonanzfrequenz dafür zu hoch lag. Also erklärte ich die Princess zur klassischen Stereobox, was aber nur so lange funktionierte, bis Dieter mir einen weniger klassischen Center aus ihrer kompletten Bestückung abnötigte. Als er auch noch ein fertiges Gehäuse in Bochum ablieferte, war es vorbei mit Ziererei, sein Bericht heißt bekanntermaßen “Fünf Prinzessinnen“. Eine Nachfolgerin für die zu recht sehr beliebte Prinzessin zu bauen, war eigentlich einfach: Die Bässe durch die phasepluglosen 7-212 ersetzen, die Mitteltöner heißen nun 3-212, aber dann verbiegen wir die Regel, nach der Dustcap und ER4 zusammen gehören. Bei der Linie 74 kommt erschwerend die fehlenden Center und Rears dazu, die auch allein mit den neu benannten Dreizöllern nicht baubar sind. Langes Abwägen ergab, dass seinen Platz besser der 4-312 einnimmt, in der Linie 4 gibt es diese Ergänzungen bereits. Naja, steht schon oben, Linie 7 folgt einer anderen Logik. Also ran ans Werk, der neue Behälter wird 5 cm höher, damit der Hochtöner nicht mit den Mitteltönern kollidiert. Schnell war er mit Sketchup gezeichnet.

Die inneren Bretter haben wir diesmal der schöneren Optik wegen aus schwarzem MDF und oben auf Gehrung geschnitten, die Seiten fertigten wir aus 18 mm Birke-Multiplex. Der Zusammenbau war zwar einfach, ein paar Bilder davon sind jedoch immer schön.

Beim Bau gab es eine bislang nie erlebte Besonderheit. Die Zurrgurte haben wir selbstverständlich ordentlich gespannt, dabei aber nicht die Schwächung der Front durch die Chassis-Ausschnitte beachtet. Nach Durchtrocknung des Fugenleims war die Schallwand mittig um einen glatten Zentimeter nach innen gewölbt. die Seiten standen vorn weit vor. Mit dem Bündigfräser haben wir den Überstand weggefräst, so entstand eine “Curved Front”, die schon im Forum für Gesprächsstoff sorgte. “Aber dann stimmt doch das Volumen nicht!” hör ich es schön tönen. Naja, auf die vierte Stelle hinter dem Komma kommt es dabei auch nicht an. Zudem sorgt das Dämmmaterial (50 x 160 cm in fünf Teile schneiden, einer füllt die MHT-Kammer, der Rest das Bassabteil) für eine virtuelle Vergrößerung des umbauten Inhalts. Das HP 70 benutzten wir ungekürzt.

Für die Weiche hatten wir bereits einen wesentlichen Teil der Arbeit bei Jo’s Linie 44 geleistet, sie hat das gleiche “Oberteil”. Nun fällt natürlich auf, dass die Topologie nicht zur Linie 71 und 73 passt. Muss sie auch nicht. Für das Heimkino haben wir die Linie 4 als Ergänzung vorgesehen, also muss die 74 nur dazu kompatibel sein. Ein paar kleine Änderungen ergaben sich durch die völlig andere Front-Geometrie, sie sind jedoch mehr dem Betrachter als dem Zuhörer geschuldet. Das Ohr überhört schmale Welligkeiten, die ihm das Auge jedoch als mögliche Ursachen für Klangverfärbungen suggeriert.

Die Bässe werden mit einem Filter 2. Ordnung ausgekoppelt, dürfen aber etwas höher als bei der Linie 44 laufen. Sie müssen zum Oberteil verpolt angeschlossen werden, damit die Zweige sich addieren. Das ist kein Fehler im Schaltplan, wie es gelegentlich vermutet wird. Auch für die Linie 74 bieten wir eine Impedanzkorrektur als Option an.

Messungen:

Fertig wurde die Linie 74 am letzten Montag spät abends, die ersten Höreindrücke erinnerten natürlich stark an die verwelkten Prinzessinnen. Viel Zeit, sie zu sammeln, hatte ich nicht in der angebrochenen Nacht, auch am nächsten Morgen gab es anderes zu tun. So traf es sich gut, dass am Dienstag gleich mehrere prominente Forenfreunde zu Besuch kamen. Aki, Duetta-Besitzer seit meiner K+T-Zeit, suchte gerade eine schlanke Box und hörte sich zur Einstimmung die SB 36 an. Sie gefiel ihm ausgesprochen gut, doch dann entdeckte er die noch leicht versteckte Linie 74, die er sogleich zum Vergleich anschloss. Am Donnerstag postete er im Forum unter off-topic:

“Mittel-Hochton:
So etwas habe ich noch nicht gehört, meine Probe-Stücke klangen erstmalig „plastisch“ (= d’Appolito ?). Auch Schülzken lobte den Mittel-Hochton. Deutlich lebhafter als eine gut eingespielte Duetta (mit dem Ursprungs-Spannungsteiler vor dem ER4) aber nicht ganz so „pushend“ wie Little Prinzess, wo mir das zu viel war. Kurzum: Gefiel mir hervorragend, am besten selber hören!

Bass:
Ist in Udo’s Laden etwas schwer zu beurteilen – da wird der heimische Hörplatz zeigen, wo die Raum-Moden hängen. Meine Bass-überbetonten Probestücke ließen dort jedenfalls bislang ungehörte Bass-Konturen erkennen, was mir gut gefiel. Insgesamt erschien mir der Bass nicht vorlaut. Eine andere Klasse als der rollende SB-Acoustics. Wenn das zu Hause zu schlank werden sollte, kommen Widerstände vor Hoch-Mittelton, bis es mir gefällt. Gekauft!

Auch Sparky, selbst Little Princess gewöhnt, sprach der Linie 74 mehr Körper und Ruhe bei weniger Lebhaftigkeit zu, nannte sie weniger anstrengend. Ob ihn da seine Granduetta schon etwas “erzogen” hat? Da sehe ich gerade Schülzken vor meinem inneren Auge verschmitzt lächelnd nicken.

Udo Wohlgemuth

Zu den Bauvorschlägen aus der Linie 7 im Online-Shop:

Linie 71 (ersetzt Kera 360.1)
Linie 73 (ersetzt Dusty/ Phase 34 und Kera 360.2)
Linie 74 (ersetzt Little Princess)

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Ralph

Hallo, welchen Sub würde man zu einer Linie 71 nehmen wenn man diese mit mehr Druck unten rum ausstatten möchte? Den Chorus11? VG Ralph

Alechs

Hallo.
Wo kann man sehen, welchen Wikungsgrad die Linie 71 und 73 haben? 13W Röhrenpower reichen, um auch mal laut zu hören?
Viele Grüße

Sparky

Mahlzeit,

der Wirkungsgrad in Schalldruck (dBSPL) lässt sich den Frequenzschrieben entnehmen. Wie laut “laut” ist, ist allerdings subjektiv. Wer sein Leben ohne Gehörschutz im Stahlbau, Schmiede oder Discothek verbrachte, mag es lauter als Bibliothekare 😉 Morgens hört man ein Geräusch gleichen Schalldrucks “lauter” als abends, weil das Gehör von der (hoffentlich) angenehmen Nachtruhe erholt ist und der Geist aufmerksam. Alkohol begünstigt die Tendenz, lauter zu hören, als es nüchtern gesund oder angenehm wäre.

Wegen dieser Aspekte sage ich unter Vorbehalt ja, 13 “Röhren”-Watt reichen, wenn nicht gerade eine Turnhalle oder Party beschallt werden muss.

Gruß,
-Sparky

Alechs

Danke Sparky
88dB klingt gut. Und die Nennimpedanz der Box? Die Lini73 wird mit gleicher Leistung lauter spielen, als die 71, weil sie mehr Membranfläche hat? Ich bezweifle jetzt mal, dass 13W für die Linie73 ausreichen. Mein Hörempfinden ist denke ich “normal”, wobei es mir meistens zu laut ist..

Sparky

Guten Abend,

um das zu Verstehen ist erst mal von Nöten sich vor Augen zu führen was der Wirkungsgrad einer Box aussagt und wie unsinnig er eigentlich als maßgebliches Bewertungskriterium ist 😉

Der Wirkungsgrad wird unter festgelegten Bedingungen gemessen, man stellt ein Messmikrophon auf Distanz X, gibt eine elektrische Leistung Y mit Frequenz Z vor und guckt, was dann dabei herum kommt. Je “lauter”, desto mehr db. Man kann also sagen es ist eine Einheit “Bumm pro Watt”. Dabei wird aber noch nicht die Größe des anzuregenden Raumes, sprich die Menge der zu bewegenden Luft berücksichtigt. Wie Du schon richtig sagst, braucht es auch “Hubraum”. Wenn das nicht so wäre, könnte sich jeder eine Needle in einen Flugzeughangar stellen und mit dem Walkyrenritt die Tore aufsprengen. Würde man den Wirkungsgrad eines Lautsprechers in % oder Watt angeben (was durchaus möglich ist), dann wird dem Einen oder Anderen staunend die Kinnlade runter klappen 😉

Nun zurück zu Deiner Frage: Ich habe einen Verstärker mit Leistung X, kann Box Y “laut”?. Wenn ich bedenke mit 18 Watt KT90 Eintakt und ner Granduetta auf knapp 50qm Lautstärken spielen zu können wo manch “hart gesottener” schon mal sagt dreh leiser, man will sich nicht anbrüllen beim Unterhalten, sage ich JA.

Aber halt unter Vorbehalt. Warum?

Faktor Mensch habe ich oben beschrieben. Wenn es nun auch elektrisch sein darf: Je größer der Raum, desto mehr Luft muss ich bewegen, desto größere Membranfläche brauche ich, desto mehr Kawupptizität die zu schieben. Aber es soll auch schön klingen. Was sagen mir dabei elektrische Watt? Erst mal gar nichts. Ich kann eine kleine Transe dranhängen und die so hoffnungslos in’s Clipping treiben, um die Schwingspulen der Chassis durchzubrennen, Watt satt sozusagen. Klingt das gut? Nein.

Je mehr Membranfläche ich habe, desto höher die Gegen-EMK des Lautsprecher. Was ist das nun wieder? Nun, ein Chassis, das ich irgendwo hinbewegt habe, will auch wieder in Grundstellung zurück schwingen. Und wer in Physik das Glück hatte, nicht wegen Unterrichtausfall den vorgegebenen Lehrstoff verpasst zu haben, weiß jetzt schon, was es bedeutet, wenn eine (Schwing-)Spule in das Magnetfeld eines Permanent(Treiber)Magneten eintaucht – die Box wird zum Generator und speist Energie zurück an den Verstärker. Der muss nun irgendwo hin damit. Dann kommen auf einmal so Faktoren wie die Siebung und der Dämpfungsfaktor in’s Spiel. Ich kann einen schlappen 100 Watt Verstärker nehmen, der durchweg unkontrolliert und “plödderig” spielt, weil er die Lautsprecher nicht vernünftig gebändigt bekommt oder einen 10 Watt Verstärker, der sauber konstruiert wurde und bis zur Lastgrenze die Treiber vor sich her prügelt. Ohne Faktor Raum und Mensch würde da bis zu einer gewissen Grenze erst mal der 10 Watt Kandidat das Rennen machen, wobei dann eine 90 dB Box lauter spielte als eine 80 dB Box.

Also: Kann eine 13 Watt Röhre eine Linie 73 treiben? Ja, wenn ich keine 110 dB Pegelorgie im Tanzsaal verlange und der Verstärker in der Lage ist, eine 73er zu Bändigen. Zum Vergleich: Ich habe mit einem 10 Watt 300B Eintakter schon an der Duetta ACDC Thunderstruck jenseits der 100dB Marke (1m entfernt) auf 45 qm gehört – das Zauberwort heißt in dem Falle Eisen, viel Eisen 😉

Gruß,
-Sparky

Sparky

@ Udo: ich guck mal, was ich machen kann….
Aber so abstrakte Konzepte wie Schalldruck und Wirkungsgrad zu skizzieren will ein paar Tage überdacht werden 😉

Gruß,
-Sparky

Gerd

Wagt jemand ein paar vergleichende Worte zur Line 54 zu schreiben?

Joschi

Hallo.
Hatte gestern das leider viel zu kurze Vergnügen Linie 71 und 74 zu hören.
Was soll ich sagen?
Der Meister kann es einfach.
Klang vom allerfeinsten. Selbstbaugemeinde schlägt zu und baut. Eure Ohren werden es euch danken.

Sparky

Guten Morgen,
Ich werde ja viele Dinge genannt, aber “prominent” ist da selten bei 😉
In der Tat ist der Klangcharakter der neuen Prinzessin ein anderer als ihrer kleinen Schwester. Die Magnesium Mitteltöner der Little Princess spielten offensiver nach vorne, das war mehr oder weniger auch ein Alleinstellungsmerkmal. Die Linie 74 lässt es da etwas ruhiger angehen, macht aber eine größere Bühne. Tonal fügt sie sich daher besser in die neue Linien Philosophie ein als ihre kleine Schwester.

Sicherlich wird es auch jene geben, welche die Little Princess gerade wegen ihres “frechen” Charakters mochten. Im direkten Vergleich wird die L74 entspannter zu Werke gehen, dafür aber breiter aufspielen.
Und wer doch unbedingt die kleine Schwester haben möchte, ich hätte da noch ein Paar… 😉

Gruß aus dem fernen Osten,
Sparky

Aki

Hallo Sparky,

war letzte Woche noch mal bei Udo. Auf der Hinfahrt überholte mich im Tunnel eine hochdrehende zwei-rädrige “Rennziege” mit recht offenem Auspuff. Herrlicher Adrenalinschub. LP = Rennziege, Duetta = Limousine. Der Vergleich wurde später von Udo bestätigt. Ist doch schön, wenn man beides hat. Bei Dir steht auch was zum “Heizen” in der Garage 🙂

Wenn man älter wird, liebt man tendenziell mehr die ruhigere Gangart. Mein kleiner Super-Seven wird zunehmend weniger bewegt, macht dann aber höllischen Spaß 🙂

Dies nur, damit meine oben enthaltenen klanglichen Vorlieben eingeordnet werden können.

LG Aki

schlamperl

Kleine Frage: Hat Eton auch 8 Zöller ausser im Carhifibereich? Ich finde immer nur 7 Zoll und wie immer hier vorgestellt, die Ungeraden.

Kann das sein?

schlamperl

Thx, also ist der einzige 8er in der 43 und 44. Hätte gern mehr davon auch bei den kleinen…duck und wech!

Justus (CE)

Hallo,

in der Linie 4x kommt der 8-512 und in der Linie 5x der 8-412 zum Einsatz.

Den 8-212 gibt’s auch noch:
http://www.eton-gmbh.com/produkte/home-hifi/symphony-ii/

Und noch einen bei den Orchestras:
http://www.eton-gmbh.com/produkte/home-hifi/orchestra/

Das reicht doch, oder?
Was meinst du mit “die ungeraden” und “den kleinen”?

Gruß
Justus

schlamperl

Mahlzeit Justus,

Jo das reicht! Manchmal shieht man wohl vor lauter Wald die Bäume nicht. Mit den Ungeraden meinte ich die Angabe der Chassigröße und mit Kleinen meine ich die Größe des Lautsprechers. Danke fürs raussuchen!

Gruß Jörg

schuelzken

Nabend Lautsprechervolk,

da isse ja, die längst erwartete L7 Vorstellung.

Ohne zu wissen was mich bei “mal wieder Udo besuchen” erwartet, durfte ich als einer der ersten am Dienstag lauschen.

Und Sie ist meiner Meinung erwachsener geworden. Von einer LittlePrincess zur Princess. Der Grund findet sich im Mittelton. Das klingt schon sehr viel runder. Was bei der LittlePrincess frech daher kam, hat jetzt mehr Harmonie im Klangbild. Gerade Stimmen haben mehr Körper. Wer L44 gehört hat, weis direkt was gemeint ist.

Gruß schuelzken

schlamperl

Mhhh Udo!

Wenn ich meine nicht erst letztes Jahr gebaut hätte, könnte ich glatt schwach werden.
Sehr sehr schön, das Ganze in SCHWARZ! Werde ich mir bestimmt mal anhören kommen und evt. finde ich mindest ein neues Opfer, welches sich infizieren lässt.

Gruß Jörg

Michael

Hallo an die Herren Wohlgemuth,

ein herrlicher Bericht zu drei neuen Lautsprechern. An dieser Stelle will ich wieder einmal meinen großen Respekt kund tun. Rein optisch gefallen mir die tief schwarzen Chassis richtig gut. Ich glaube ich sollte sie mir nicht zu schnell anhören. 😉
Bin mal gespannt was noch alles kommt. Die Qual der Auswahl wird immer größer. Da sollten die Zeiten für das Probe hören aber auch mal angepasst werden. Denke so bis 22:00 Uhr muss das da schon gehen. 😉

Duck und weg
Michael

Paul

Hallo Udo,
sehr schön! Die 74 will ich bald mal hören.
Bist du dir bei der Benennung eigentlich sicher? Nach deiner logischen Herleitung hätte ich anstelle von “73“ eher 72 oder vielleicht “72 Stand“ als Name erwartet… oder hast du vor, noch eine Version mit geringerem Volumen als Center mit dem Namen 72 nachzulegen?
Weiterhin frohes Entwickeln! Toll, dass der Nachschub nicht nachlässt
Paul

Matthias (DA)

Na dann bleibt ja nur noch die Frage, wann Eton nen Phaseplug für 11″ fräst 😉

hooly

Jap, ich hätte auch auf eine Duetta mit 26HD3 gehofft!

Henning

Ok, Termin freischaufeln und hören kommen 🙂

Kai

Moin zusammen! Das sind ja komplizierte Regeln für die Linien.. Der 26 HD 3 ‘darf’ also nicht mehr mit den 5-ern zusammen verbaut werden? Rein optisch kann man der Meinung sein, dass er besser zum Phaseplug der 4-er passt, dieses Merkmal gibt es aber auch bei einem der aktuellen 5-er (5-312). Nicht jeder bevorzugt den ER4. Es ist ja nicht so, zumindest meiner Meinung nach, dass der Keramikhochtöner die schlechtere Lösung wäre. Ich erinnere an die Symphony 25, eine sensationell gute Box, die nun leider keinen Nachfolger bekommen hat..

Udo schreibt hier: ‘Der erste Bauvorschlag einer Linie wird aus einem Basis-BMT und dem nach unserer Regel dazu passenden Hochtöner gebildet. Hierbei setzen wir auf eine konsequente Einhaltung, Phase Plug und 26 HD 3, Dustcap und ER4.’ Die Einschränkung 26 HD 3 plus 4-er ist zumindest nicht genannt.

Was spricht demnach gegen eine Alternative für all jene, die keinen ER möchten, oder die 26 HD 1/3 einfach als richtig(er) für das eigene Hörempfinden identifiziert haben? Vom Eton-Heimkino mal abgesehen, wo sich der deutliche Preisunterschied ja noch aufsummiert. Ich habe gut 7 Jahre die Kera 360.2 hier gehabt, uind finde die Kalotte nur genial, nichts in Richtung 2. Wahl gegnüber dem Er 4.

Vielleicht wäre das ein lohnenswertes Leserprojekt? Mir fällt dazu die SB 24 ACL ein, eine Box, die ich so nicht auf dem Zettel hatte.

Lieben Gruß in die Runde, Kai

PS: Regeln, die man selbst aufgestellt hat, muss man ja nicht unbedingt mühsam in Granit meißeln.