Mai 03 2017

Caldera 1 gibt Laut

Im Wesentlichen sind wir durch mit unseren Alternativen zu den nicht mehr lieferbaren Bausätzen, fast 40 neue Kits wurden von uns seit der Neugeburt des alten Magazins vorgestellt. Die Bandbreite reicht von sparsam bis nah an das Ende der Fahnenstange, fast jeder Anspruch und jedes Aufgabengebiet ist in bester Qualität neu abgedeckt. Nirgendwo sonst gibt es solch ein komplettes Programm, das sich innerhalb seiner Reihen nicht nur perfekt ergänzt, sondern bei Bedarf auch mitwachsen kann. Dennoch besteht kein Grund, uns wohlgefällig zurückzulehnen und dem angeblich süßen Nichtstun hinzugeben. Es bleibt immer noch genug zu tun, denn ein Magazin lebt von Veränderung. Eine noch nicht aufgearbeitete Lücke gibt es bei den Lautsprechern, die hifi-tauglich mit hohem Pegel aus tragbar kleinen Chassis glänzen. Keinesfalls dürfen sie im Konzert der Bauvorschläge fehlen. Doch da sind wir schon beim Dilemma der Moderne angekommen, die lautstarken Chassis mit musikalischen Genen sind heute sehr selten. Bei Monacor fanden wir dann doch noch außerhalb der PA-Schiene ein Exemplar dieser anderen Art.

Eher unscheinbar versteckt sich der SP-6/ 108 Pro im Webshop von Monacor in der Liste der Sechszoll-Hifi-Chassis, wo er mit dem Zusatz “PA-Kompakt-Tiefmitteltöner” versehen ist. Naja, bei PA denkt man nicht an diese Größe, wenn man “Bass” meint. Auch sind die angegebenen 92 dB/ W/ m nicht wirklich das, was der Musiker oder Beschaller braucht, für Hifi und acht Ohm ist das jedoch eine ganze Menge. Lauter bei 2,83 V ist sein Bruder SP-6/ 100 Pro, der eine Nennimpedanz von vier Ohm im Datenblatt stehen hat. Den wollten wir jedoch genau deswegen nicht verwenden. Unser Ziel hieß, einen Lautsprecher zu kreieren, mit dem auch ein schwachbrüstiger AVR zurecht kommt und dem vier Ohm Last zu wenig sind, um die Anforderungen der CE-Prüfung zu erfüllen (etwas Lesestoff dazu fanden wir bei Nubert). Auch als Spielpartner erwünscht ist eine wattarme (Single ended) Röhre, die in den meisten Fällen auch lieber eine höhere Impedanz “sieht”.

SP-6/ 108 Pro


Ausstattung:

Membran:KohlefaserPolplattendicke6 mm
SickeGummiWickelhöhe12 mm
KorbStahlbleckMagnetdurchmesser100 mm
PolkernbohrungjaBefestigungsbohrungen4 mm
ZentrierungTopfspinneAußendurchmesser168 mm
MagnetFerritmagnetEinbaudurchmesser142 mm
Schwingspule30 mmEinbautiefe78 mm
TrägerKaptonFrästiefe5 mm


Parameter:

Fs55 HzMms13,6 Gramm
Diameter130 mmBL7,34 Tm
ZMax79,6 OhmVAS15,1 Liter
Re5,8 OhmdBSPL89 dB/2,83V
Rms0,72 kg/sL1kHz0,61 mH
Qms6,46L10kHz0,31 mH
Qes0,51SD133 cm²
Qts0,47MMD12,8 Gramm
Cms0,61 mm/NZmin6,5 Ohm


Messdiagramme:

(An den ungewöhnlichen Farben der Messkurven erkennt der Gewohnheitsleser sofort, dass es wieder ein Update von Clio gab. Zwar hatten wir die Bildschirmfarben auf üblich gestellt, die Printfarben haben wir aber übersehen. Da die Aufarbeitung gut eine Stunde dauern würde, die dargestellten Ergebnisse jedoch nicht anders sind, haben wir sie uns gespart.)

Als idealer Begleiter des SP-6/ 108 Pro wird im Monacor-Webshop der DT-300 empfohlen, dem zusätzlich ein Plastiktrichter als Wellenführung aufgeschraubt werden soll. Der sorgt für eine stärkere Bündelung schon bei (für Hochtöner) tiefen Frequenzen und so für eine gleichmäßige Pegelminderung unter zunehmendem Winkel. Beide HT-Teile wurde uns zusammen mit den BMT von den Bremern zum Testen geliefert, wir schraubten die Kameraden umgehend auf unsere Messwand.

DT-300 WG

Ausstattung:

Membran:SeidePolkernbohrung:ja
Schwingspule:30 mmFerrofluidja
Wickelhöhe:k.A.Bohrungen:4
Polplattendicke:k.A.Außendurchmesser:116 mm
Linearer Hub:k.A.Einbauöffnung:88 mm
Membranfläche:7 mm²Einbautiefe52 mm
Magnet:FerritFrästiefe:5 mm


Messdiagramme:

Aus den Parametern des SP-6/ 108 Pro errechnete uns LspCAD ein Reflexvolumen von knapp 26 Litern und HP 70, wollte aber für unser Empfinden zu tief abstimmen. Daher beschnitten wir das Rohr auf 8 cm, bevor wir es in die noch zu bauenden Schatullen einsetzten. Den Bauplan gibt es natürlich als Sketchup-Datei.

Da ein paar Bilder von dreidimensionalem Holzpuzzlen immer gern gesehen sind, peppen wir diesen Bericht damit etwas auf. Jedesmal nur zu schreiben: “Wir haben eine neue Box, die heißt xyz123 und klingt gut.” wird für die Leser nach 20 Wiederholungen möglicherweise etwas an Spannung verlieren. Um die geneigte Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten, erklären wir daher anhand von schönen Fotos wortlos unsere berühmte Tandem-Bauweise, bei der wir im steten Wechsel die Trockenzeit des Leims zum Kleben der jeweils anderen Box nutzen.

Nach dem Bau sparten wir uns erst einmal die Rasur der überstehenden Kanten, auch der ausgequollene Leim durfte weiterhin auf dem MDF kleben. Neugierier als auf die Kasten-Optik waren wir auf die Messungen der Chassis in der Box, mit der unsere Weichenfindung stets beginnt. Nun, es hätte schlimmer kommen können, dennoch

waren diesmal mehr als vier Bauteile nötig, um die Amplitude dem Auge gefällig zu machen. Der Bass wurde mit einer Spule und einem Kondensator mit zugeschaltetem Widerstand gezähmt, ein Saugkreis glättete den Buckel um 600 Hz. Dem Hochtöner genügten ein 12 dB-Hochpass und ein Spannungsteiler, dessen Komponenten jedoch nicht klassisch angesiedelt wurden. Für Röhrenhörer gehört selbstverständlich eine Impedanzkorrektur zum Pflichtprogramm.


Messungen:

Als die Weiche fertig war, haben wir die eckigen Kisten geschliffen und mit Wandfarbe eingerollt, auf die wir sofort Steineffektlack sprühten. Nachdem alles trocken war, wurden die Innereien eingebaut.

Die Weiche wird mit ein paar Tropfen Heißkleber hinter den Hochtöner oberhalb der Versteifung an die Rückwand geklebt. Eine Matte Dämmwatte (30 x 40 cm) Legten wir unter das Reflexrohr, zwei weitere mit 40 x 50 cm werden in der Mitte zusammen gefaltet. Sie füllen die Box parallel zu den Seitenwänden.

Die Kabel schauen etwa 15 cm aus den Ausschnitten heraus. Vor dem Anlöten sollte überprüft werden, dass sie sich dafür die richtigen Öffnungen ausgesucht haben. Beim Bass ist die breite Fahne der Pluspol, beim Hochtöner ist sie zudem noch rot markiert. Vor dem Anschrauben der Chassis vorbohren.

Nun konnten die Caldera 1 in den Hörraum umziehen, wo wir sie bestimmungsgemäß an einen AVR der schwachen Fraktion anschlossen. Mein alter Pioneer hatte an Vieröhmern schon mehrmals bewiesen, dass er trotz angegebener 7 x 160 Watt kein Kraftprotz ist, wirklich laut konnte er damit auch nicht und Stereo kannten wir viel besser. Doch Heimkino ist mit genau zwei Lautsprechern recht mühsam, also stellten wir den Verstärker auf Zweikanal. Wir begannen mit Schwierigem: Yello Tough, Till Tomorrow. Oh, das ging recht gut, als der Pegelsteller -25 dB anzeigte. Der Bass reichte nicht abgrundtief herunter, war aber durchaus mit Kontur versehen. Die Anblasgeräusche von Till Brönners Trompete waren realistisch und konnten dem Instrument örtlich zugeordnet werden. Geh’n wir mal auf -10, die wir an vier Ohm nie erreichten. Kein Problem, bei -2 war es dann den Ohren schon zu viel, die Boxen hätten noch weit mehr geschafft.

Das bewies dann unser Marantz-Vintage-Amp, der zudem der Musik eine ganze Menge mehr an Grundton, Dynamik, Auflösung und Bühne beimischte. Durchaus in ihrem Element waren die Calderas bei Volbeat’s “Guitar Gangsters & Cadillac Blood”. Die Instrumente schwammen nicht durcheinander, die Stimme kreischte nicht, die Bassdrum wurde tatsächlich angeschlagen. Nicht wirkliche Begeisterung kam jedoch auf, als wir ein paar Stücke aus der Charts-Klasse von der Festplatte auslasen. Für die unmittelbar herrschende Langeweile konnten die Boxen jedoch keineswegs verantwortlich gemacht werden. Konzerte von Elli Golding oder Christina Aguillera werde ich wohl nie besuchen müssen, das haben mir die Boxen jedenfalls recht eindrucksvoll bewiesen. Da bleib ich besser zuhaus und hör guten, alten Gitarrenrock, das geht auf den Calderas mächtig ab. Alternativ bau ich noch drei weitere davon, stell einen oder zwei ContraSub 12 dazu und fang an, mich für Heimkino zu begeistern.

Udo Wohlgemuth

Zur Caldera 1 im Online-Shop

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37 Kommentare auf "Caldera 1 gibt Laut"

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Makarenko
Mitglied

Hallo Udo,

doch noch mal eine Frage der Belastbarkeit. Welche Verstärkerleistung wird denn benötigt um die Kaldera 1 an ihre Grenzen zu bringen?

Gruß Jürgen

Beilster
Mitglied
Hi Udo, sehr interessanter Bauvorschlag! Das wäre evtl. noch was für mein geplantes Kellerkino… Lässt sich die Box sowohl freistehend als auch wandnah (im flachen Gehäuse) platzieren oder muss dafür die Weiche angepasst werden? Ich habe gelesen, dass es von anderen Entwicklern eine Weiche für wandnahe oder freie Aufstellung gibt.… Read more »
Matthias (DA)
Mitglied

Ach schick, die würd ich doch glatt gegen die FT13 tauschen 😉
Falls jemand nen Kirschfurnierten Koax sucht…

Wie ist denn so der Maximalpegel der Calderas?

Matthias

Marius
Gast

“Im Wesentlichen sind wir durch mit unseren Alternativen zu den nicht mehr lieferbaren Bausätzen…”

Aber hoffentlich gibt es von deiner Seite noch weitere interessante Bauvorschläge in Zukunft zu bestaunen. Insbesondere würde ich mir etwas mit den neuen SB Acoustics Coaxen wünschen:)

mfg Marius

nymphetamine
Mitglied

Caldera = (Vulkan)krater
Ob das eine Anspielung sein soll… 🤔

Michael M.
Mitglied

Sehr schön, ich mag laute Kisten. 😀
Ich würd jetzt gerne noch wissen wie der Name zu stande gekommen ist, oder les ich drüber?

mfg
Michael

derFiend
Mitglied

“Eine Caldera ist eine kesselförmige Struktur” …. ich Tipp mal auf die Optik/Beschaffenheit des HT ?

Michael M.
Mitglied

Also das könnte ja sogar stimmen, ich dachte nur, was haben die mit nem Krater gemeinsam. 😀

derFiend
Mitglied

Na, auf den Bildern wirken sie deutlich kesselförmiger als sonstige HT die ich von Udo´s Bauten so kenne. Aber vielleicht schlüsselt er uns das noch selbst auf 😉
Erstmal jedoch danke für all den Fleiß Udo, es lohnt sich immer hier vorbeizuschauen 😉

Köter
Mitglied

Hallo Udo,

auch wenn´s die Chassis Kombination schon andernorts verbaut wurde freut es mich, dass du dein Portfolio so stimmig erweiterst.
Noch mehr hat mich allerdings gefreut, dass du nun Volbeat hörst! ^^

Weiterhin viel Spaß & besten Gruß nach Bochum,
Köter

Justus
Mitglied

Moin,

wo wurde diese Kombi denn schonmal verbaut?

Gruß
Justus

JoKa
Mitglied

Sehr schön: Laut, dynamisch, kompakt, preisgünstig, mit Waveguide und einer Abstimmung, die ohne Sub auskommen sollte. Genau passend für den alten Verstärker im Vereins-Versammlungsraum. Wird heute noch bestellt.
Danke für die Entwicklung,
VG Jo

e-ding
Mitglied

Moin Jo,

hiermit melde ich mich mal zum Probehören an. Bastel schneller! 😉

@Udo
Ist auch eine “Triple” Caldera geplant? 😉

Gruß
e-ding

JoKa
Mitglied
Hallo e-ding, wir machen per mail einen Termin ab und den stell ich dann hier als kleines Event ein, falls noch mehr Leute Interesse haben, Miss Dynamic small (Caldera 1) und Miss Dynamic large (Linie 44) nebeneinander zu hören. Die Caldera geht danach relativ zügig weiter an meinen Köpenicker Segelverein.… Read more »
e-ding
Mitglied

Super! Freu mich drauf!

Gruß
e-ding