Illumi 34

Der Anfang war gemacht. Aus dem ersten Illumi-Bausatz wurden gleich drei, die sich im gleichen Gehäuse tummelten und die gesamte Bandbreite von Breitband mit Reflex bis geschlossenem Zweiweg abdeckten. Doch wer sich auf getaner Arbeit ausruht, macht seine Rechnung ohne den Leser, der stetige Entwicklung erwartet. Eigentlich sind wir es ja selber Schuld, haben wir doch nahezu alle Chassis-Linien konsequent mit Heimkino- und Upgradefähigkeit ausgestattet. Was bleibt da anderes, als auch die Illumi-Reihe entsprechend unserer Bausatz-Philosofie zu erweitern. Illumi 34 ist eine stattliche Standbox im modernen Schlankheitswahn, von quadratisch keine Rede. Ob dennoch praktisch und gut muss sich noch herausstellen.

Wie in den kleinen Schwestern beherrschen die MW 16 P-8 – nun natürlich als Paar pro Box – das wesentliche Geschehen, das im Bass und Mittelton stattfindet. Einfach wär es gewesen, das Volumen der Illumi 17 zu verdoppeln, das Gehäuse auf einen Meter Höhe umzurechnen und unter deren Bestandteile einen weiteren Bass zu setzen. Besser gefiel uns jedoch ein Aufbau in D’Appolito-Optik und der erforderte eine Bauhöhe von mindestens 115 cm, damit der Hochtöner – natürlich der TW 29 R-B –  optimal in Ohrhöhe sitzt.  Dabei laufen beide MW 16P-8 parallel am gleichen Weichenzweig und nehmen den Hochtöner freundlich in die Mitte.

Als Baustoff für den Holzschrein war Dreischichtplatte aus Fichtenholz vorgesehen, diesmal in 19 mm Dicke. Im Baumarkt stand noch eine Platte im Maß von 2,5 x 1,25 m, die wir uns vierteln ließen. Einerseits passten die Bretter dann besser in den Kofferraum, andererseits konnten wir sie so leicht auf unserer Tischsäge auf Gehrung schneiden. Zwar sind die offenen Kanten der Platten nicht hässlich, aber durch den 45°-Schnitt können wir den Eindruck erwecken, dass wir Vollholz verarbeitet hätten.

Damit wir mit dem Holzvorrat für ein Paar Illumi 34 auskommen, durften wir nur wenig Verschnitt haben.  Deshalb nutzten wir nahezu die volle Plattenhöhe, die Boxen wurden 1,23 m hoch.  Der Holzlistenrechner generierte für den Zuschnitt auf Vollgehrung die Liste, nach der wir die vier Platten weiter aufteilten.

Materialstärke: 19,0 mm
123,8 x 26,9 4 Seiten
123,8 x 21,8 4 Front/Rückwand
27,9 x 21,8 4 Deckel/ Boden
18,0 x 7,7 6 Versteifungen

In der Sketchup-Zeichnung verzichteten wir allerdings auf die Schrägschnitte, es hat nicht jeder eine Säge im Keller stehen.

Wer nachrechnet, kommt auf eine Bruttofülle von 50 Litern. Das ist etwas größer als nötig, der Bass reicht dadurch marginal tiefer und wird dafür unhörbar leiser. Dem WAF schadet dieses Mehr an umbautem Raum eher nicht. Wenn die Kiste nicht in 123 cm Höhe gefällt, wird es in 115 cm auch nicht besser.

Nicht wirklich schwer ist der Aufbau der Boxen, man muss allerdings von Vornherein das Ende planen. Wir haben zuerst einmal ein paar Pappwinkel und Zurrgurte auf den wohlbekannten Arbeitstisch gelegt, danach begann die Kleberei.

Damit die Gurte noch genügend frischen Fugenleim zusammenziehen konnten, war zügiges Arbeiten angesagt. Deshalb gab es keine Zeit für lange Worte zwischen den Klebeschritten.  Dennoch werden kaum Fragen offen bleiben, Revisionsöffnungen selbstverständlich ebenfalls nicht.

Im Keller wurden die Schleifarbeiten erledigt, eine kleine Rundung wurde auch noch angezogen. Verschönert wurde die helle Fichte mittels rotbraunem Lasurwachs, den wir mit einer Rolle und Zwischenschliff per Hand zweimal aufbrachten.

Tatächlich schafften es die Illumi 34 diesmal “in schön” in die Messkammer, wo das Maßnehmen für die Weiche stattfand. Hier hielten wir uns an die Vorgaben der 17er, die nach oben und unten jeweils Filter 3. Ordnung verlangte. Warum sollten wir die Welt auch in eckig neu erfinden, wo sie in rund schon so gut funktioniert. Eine Kleinigkeit änderten wir dennoch, ein kleiner Widerstand hinter dem Kondensator parallel zu den Bässen erbrachte eine bessere Phasenanbindung zum Hochtöner. Bei fast 90 dB in einem Meter Abstand bei 2,83 V war allemal eine Korrektur für Röhrenhörer angezeigt, also glätteten wir die Impedanz mit Kondensator, Spule und Widerstand parallel zum Terminal und somit vor der Weiche.

Messungen:

Blieb nur noch der Umzug in den Hörraum, vielen Leser als der Ort mit dem Sofa bekannt. Hier stand schon der Rotwein bereit, die Röhre war vorgeglüht und der Plattenspieler kam langsam auf Touren. Naja, so ganz ehrlich war ich beim vorherigen Satz nicht, denn Alkohol und Arbeit gehörten bei mir noch nie zusammen. Auch wenn das Hören zum Vergnügen wurde – das sei schon mal vorweg genommen – bleibt es stets des Erzählers Pflicht, nüchtern über das Wahrgenommene zu berichten. Also blieben nur schwarze Scheibe und Glühlampe übrig, doch auch das reichte für anhaltenden Genuss.

An das Plattenregal gingen wir diesmal von rechts heran, dort befindet sich die Klassik. Eher ziellos griffen wir nach der erstbesten Scheibe, es war – welch glücklicher Zufall – Bachs “Toccata und Fuge”, eingespielt von Karl Richter in der Jaegersborg-Kirche in Kopenhagen. Beeindruckend war die Kraft der großen Pfeifen, die, ohne uns ins Sofa zu pressen (1978 fügte man den Aufnahmen noch nicht den drückenden Oberbass zu), dem feinen Spiel des Meisters das nötige Fundament gaben. Ein gutes Stück hinter der Boxenlinie tat sich das Kirchenschiff auf, der Nachhall zeigte uns seine Größe. Jeder leiseTräller hatte Kontur, auch wenn er gerade mal so nebenbei in den lautesten Passagen des Orgelwerks gespielt wurde. “Die Orgel kann beten” steht als erster Satz hinten auf dem Plattencover, dem schließen wir uns ohne jede Wertung an. Hätte es nicht gelegentlich einen kleinen Knackser im Vinyl gegeben, wär uns während der gesamten Darbietung die Position der Boxen verborgen geblieben.

Es dauerte ein wenig, bis wir uns nach dem Besinnlich-Ruhigen für etwas Mitreißenderes entscheiden konnten. “Tequila” von David Sanborn fand Gnade und riss uns sofort vom Sofa. Das Tenor-Sax begleitet von der treibenden Percussion bis in den tiefen Basskeller meisterte die Illumi 34 klaglos auch in größerer Lautstärke, die wir eigenartigerweise am Ende des Titels erreicht hatten. Das Youtube-Video läuft weiter, jetzt mit reduziertem Pegel, im Hintergrund. Auffällig ist dabei, dass es beim Schreiben keineswegs stört, bei vielen Boxen und Saxophon nicht unbedingt selbstverständlich. Und das beantwortet auch die Frage aus dem ersten Absatz: Illumi 34 ist ganz einfach ausgedrückt praktisch und gut. Dass diesmal Rock oder Charts kein Thema in der Klangbschreibung waren, soll keineswegs die Eignung der Satoris für diese Musik schmälern. Wer derart unangestrengt und stressfrei Klassik und Jazz wiedergibt, hat auch vor weniger Anspruch keine Angst. Allerdings: Spektakulär war kein Begriff, der uns für die schlanken Boxen eingefallen ist.

Udo Wohlgemuth

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Andre

N’abend allerseits,
ich habe die Erleuchtung auch schon hören dürfen- zusammen mit Rodscher- und wir waren uns einig: spitzen Konstruktion, eindeutige SB Gene, etwas mehr Auflösung, etwas präziser im Bass, die wird viele Geschmäcker treffen.
Gruß
Andre

Stefan

Ich bin ein wenig verwirrt. In der Klangbeschreibung steht u.a. man wäre vom Sofa gerissen worden. Und dann kommt der letzte Satz, der da lautet “Spektakulär war kein Begriff, der uns für die schlanken Boxen eingefallen ist”.
Es ist zwar sympathisch, wenn selbst der Entwickler und Verkäufer ehrlich ist, aber ich weiß jetzt nicht, was ich davon halten soll.
Ist das jetzt ein Seitenhieb auf die gelb-schwarzen, bei denen Bausätze dieser Baureihe aktuell in den Himmel gehoben werden? Das würde ich nicht verstehen, denn Udo hat selbst bereits dazu aufgerufen Stichelein zu unterlassen, weil man sich auf seiner Seite mit ADW Produkten auseinander setzt.
Ansonsten bleibt es aber für mich so stehen, dass hier ein “normaler” vielleicht auch “durchschnittlicher” Bausatz entstanden ist. Aber das wiederum ist weder der Anspruch von Udo noch der Bluesklasse.

BatBen

Hallo Stefan,

wo steht denn das mit dem vom Sofa gerissen? Oder bin ich blind?

Gruss Ben

derFiend

Spannend, sowohl die Lautsprecher, als auch die Tatsache das Udo jetzt mit LS Vorschlägen in schön arbeitet 😉 Würd ich gerne mal hören, ich glaub das findet begeisterte Nachbauer!

rodscher

Moin, das Hören der Illuminaten hab ich Dir voraus.
Das ist die Gnade des unangemeldet Reinschneiens;-)
Das Teil ist ein echter Spassmacher
Langzeittauglich

Gruß Rodscher