Die Contras – da sind sie wieder

Es gibt immer wieder Bauvorschläge, die nahezu über Nacht verschwinden, weil eine wesentliche Komponente nicht mehr produzirt wird. So geschah es plötzlich und nahezu unerwartet mit der Contra-Reihe, als ihr Hochtöner DT-350 NF ausverkauft war. Selbstverständlich hatte Monacor schon im Vorfeld für einen Nachfolger gesorgt, aber manchmal hilft selbst guter Wille nicht, Engpässe zwischen Auslauf des einen und Lieferbarkeit des anderen zu vermeiden. An die eigenen Nase fassen muss ich mir jedoch auch, weil der DT-352 NF schon weit mehr als einen Monat in meinem Regal lag, bevor ich ihn testweise in die Contra-Gehäuse schraubte. Auch meine Zeit ist begrenzt und gelegentlich gehen andere Dinge vor. Aber jetzt ist es endlich geschafft – die Contras sind wieder da.

Die augenfälligste Veränderung des neu gestalteten Hochtöners ist die Verschraubung von Frontplatte und Magnetsystem, die gegenüber dem alten  um 45 Grad gedreht ist. Weiterer Unterschiede liegen auf der “Dark Side”, die nach dem Einbau nicht mehr sichtbar ist. Die angekoppelte Kammer, verantwortlich für die tiefe Resonsanzfrequenz, ist mit einem Kunststoffdeckel geschlossen, seine markanten Prägungen will ich nicht  als technische Raffinesse beweihräuchern. Die für den einheimischen Hersteller des HT typisch zweigeteilten Anschlussfahnen mussten weichen, identisch breite Fahnen ersetzen sie. Ein wenig suchen muss man nach der Markierung für den Pluspol, sie ragt als recht unauffälliges “+” aus dem Kunststoff heraus. Von einer sehr geringen Serienstreuung  können wir ausgehen, anderswo wird das durch Ferrofluid im Luftspalt kompensiert. Hier in gewohnter Form das Datenblatt des

DT-352 NF

Ausstattung:

Membran: Aluminium Polkernbohrung: ja
Schwingspule: 25 mm Ferrofluid nein
Wickelhöhe: 1,3 mm Bohrungen: 4
Polplattendicke: 2,5 mm Außendurchmesser: 110 mm
Linearer Hub: 1,2 mm Einbauöffnung: 78 x 96 mm
Membranfläche: 5 mm² Einbautiefe 46 mm
Magnet: 2 Ferritringe Frästiefe: 3 mm

Parameter:

Fs 743 Hz ZMax 19,7 Ohm
Re 6,8 Ohm L1kHz k.A. mH
Qms 2,23 L10kHz 0,03 mH
Qes 1,18 Zmin 7,2 Ohm
Qts 0,77 SPL 2,83V/ 1m 90 dB

Messdiagramme

Viel zu bauen gab es nicht, die Gehäuse der Contra 1 und 2 standen noch im Laden.  Richtigerweise muss man sagen, dass auch sie nur die Palingenese längst vergessener Bauvorschläge waren und nunmehr ihren dritten Frühling erleben. Lediglich für die Contra 3 brauchten wir ein neues Zuhause. Fotos vom Bau gibt es nicht, hier waren wirklich nur sechs Bretter und zwei Versteifungen zu verleimen. Unverändert blieben die Zeichnungen, wir hätten bestenfalls noch ein “Neu” in den Titel einfügen können.

Angefangen haben wir natürlich wieder mit der Contra 1, die Sketchup-Zeichnung steht hier zum Download bereit.

Die alte Weiche klebte noch an der Rückwand der Contra 1, schnell war der Hochtöner angelötet und verschraubt. So ging es in den Messraum, um die Auswirkungen des neuen Tweeters auf den Frequenzgang zu inspizieren. Zugegeben, wir hätten auch erst den HT ohne Weiche in der Box messen können, aber die marginalen Unterschiede bei den Normwand-Messungen ermutigten uns, den 2. Schritt zuerst zu tun. Und sieh an, alte Weiche und DT-352 NF zeigten sogar einen glatteren Übergang zum SPH-135 HQ als das Original.

  

Dass in der obersten Oktave grob 3 dB weniger (rot/ blau) gemessen wurden, störte uns nicht. Eine unverzüglich einberufene Hörprobe ließ uns oben nichts vermissen, im Gegenteil, der Hochton war entspannter, als wir ihn vom Vorgänger in Erinnerung hatten. Wandnah aufgestellt reichte auch der Bass aus, ohne auch nur ansatzweise dicklich zu werden.

Um aus der Contra 1 die 2 zu machen, benötigt man nur das zusätzliche Unterteil und ein Brettchen, mit dem der Reflexkanal des Oberteils von innen verschlossen wird. Es spricht aber auch nichts gegen einen schlitzlosen Neubau oder gar die einteilige Ausführung, die Nymphetamine hier vorgestellt hat.

Keine weiteren Umstände machten die Messungen der modifizierten Contra 2. Das Bassabteil samt SPH-220 HQ und Tiefpass-Weiche wurde einfach unter die Contra 1 gestellt, der Hochpass-Kondensator in den Pluspol des 1er-Terminals geschraubt und der Reflexschlitz fest mit Polsterwatte verschlossen.  Der Rest der Schaltung blieb ohne jede Änderung im Oberteil.

Dass der Kanal auf den Fotos nicht mehr zu sehen ist, verdanken wir PhotoScape und seiner wunderbaren Clone-Funktion.  Nicht weiter bearbeitet wurden dagegen die Messdiagramme, wenn wir davon absehen, dass der Bereich unter 200 Hz aus der Nahfeldmessung eingefügt wurde.

Übernehmen könnte ich nun auch die Klangbeschreibung der Contra 2, die neue Version macht eigentlich bis auf den etwas entspannteren Hochton nichts anders. Aber weshalb hätte ich dann überhaupt diesen Bericht schreiben sollen. Deshalb:

Bei seinem letzten Besuch spielte mir Vadder eine Acapella-Version vom Hörtest berüchtigten “Hotel California” vor, sechs Kubaner ahmen mündlich die Gitarren, Drums, E-Bass, sogar die Stimmen nach.  Nichts zu meckern gab es, als ich mir das Ganze per Youtube auf die Contra 2 lud. Sänger und Instrumentalisten hatte genügend Platz auf der Bühne, von links nach rechts: Sänger, Lead-Gitarre, Drums, E-Bass, Toms und Percussion, die ihre fest gefügte Ordnung erst für die großartigen Schlusssoli aufgaben. Doch auch danach muss die Übertragung nicht abgebrochen werden, auch der unmittelbar folgende Police-Titel “Every breath you take” ist hörenswert. Bei Guns N’ Roses “Welcome to the Jungle” durfte es auch etwas sehr viel lauter werden, ohne dass der Hochton gequält nach Hilfe schrie. Kaum verwundern wird es, dass mir auch Metallica’s “Enter Sandman” auf den neuen Contra 2 gefiel. Satte Drums, jaulende Gitarren, Metal halt, aber nicht bis zur völligen Selbstaufgabe zu Tode komprimiert.

Doch genug davon, kommen wir zum Abschluss, der Contra 3.  Den Bauplan und die Sketchup-Datei zum Herunterladen muss man nicht lange suchen, hier sind sie.

Auch dem Center stand die originale Weiche gut zu Gesicht, nach den erfolgreichen Updates der Contra 1 und 2 wird es niemand anders erwartet haben.


Auf weitere Messungen haben wir verzichtet, die zeigen kaum etwas, das man nicht aus den alten Diagrammen heraus interpolieren kann.  In einer recht kurzen Hörprobe bewies die Contra 3 eine gute Sprachverständlichkeit und eine natürliche Stimmwiedergabe. Im geschlossenen Gehäuse reicht der Center tief genug herunter, um auch als komplette Front zusammen mit dem ContraSub 12 und den luftdichten Oberteilen der Contra 2 (natürlich ohne Hochpass) ein hervorragendes Heimkino abzugeben.

Udo Wohlgeemuth

Zur Contra 1 im Online-Shop
Zur Contra 2 im Online-Shop
Zur Contra 3 im Online-Shop

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Audicz

Hallo Udo, dann kann der Gegenentwurf ja weiter existieren.
Nach nochmaligem Betrachten des Hochtöners, auch wenn jetzt gedreht um 45 Grad, erinnert mich sehr an den in meinen MB Quart. Auch der doppelte Magnetring ist vorhanden. Zufall?
Gruß Dino