Vadder macht Party

Seit gut einem Jahr spielte ich mit dem Gedanken, die alten Heco-Wandboxen in ihrem Job der Terrassenbeschallung abzulösen. Bei meinem Antrittsbesuch mit dem neuen Mopped in Bochum fiel die Entscheidung für die Party 12. Blieb noch eine Überlegung offen, wie die Oberfläche partytauglich gestaltet werden kann. Das Ganze sollte jetzt kein High-End-Finish erhalten, sondern als „Mal-eben-Projekt“ laufen. Letztendlich wurde als Reminiszenz an die 70er Jahre ein Belag aus selbstklebenden Nadelfilzfliesen gewählt.

Um eventuellen Neueinsteigern in den Boxenbau ein wenig die Angst vor dem ersten Bauvorhaben zu nehmen, habe ich den Aufwand einfach als Zeitschiene zusammengefasst.

Chronologie einer Party

08:30 Zuschnitt im Baumarkt

09:30 Teile zu Hause sortieren

10:00 Boxen zusammen leimen

10:30 Pause, Leim anziehen lassen. Wer es nicht schon erledigt hat, kann jetzt die Weichen löten.

12:00 Ausschnitte fräsen

13:00 Chassis, Weichen, Terminals, Dämmung einbauen

14:00 Oberfläche bekleben

15:00 Fertig

Absolut unfair ist der anschließende Hörtest. Die Party musste am Destiny Purer gegen die Duetta antreten. Wie gemein von mir!

Der Hochtöner durfte seine Qualitäten mit Janis Joplin‘s “Summertime” beweisen. Zwar fehlte ihm die Auflösung und Unbestechlichkeit des ER4, wodurch die Dame etwas „flach“ klang. Jedoch waren keine grundsätzlichen Fehler hörbar. Die Party lässt einfach nicht darstellbare Frequenzen weg, statt die Wiedergabe zu versuchen und damit Partialschwingungen zu provozieren. Und das finde ich so schon ziemlich gut.

Der Bass wurde mit “Hey Now” von London Grammar malträtiert. Auch hier kam alles sauber aus den Kisten. Nur fehlte natürlich im Vergleich zur Duetta die letzte Oktave und die Couch vibrierte nicht so schön mit.

Genug der Unfairness. Es war Zeit für alte Partymusik ohne Duettakonkurrenz. Und jetzt legten die Kisten los. “Another One Bites The Dust” stand mit einem fast unglaublichen Drive im Raum und forderte eindeutig zum Mitwippen auf. “A Kind Of Magic” hätte jedem Autoscooter in den 80s gut zu Gesicht gestanden. Und der Kinderchor aus “Another Brick In The Wall” schmetterte fröhlich vor sich hin.

Es wurde noch einige weitere, nicht zu komplexe Titel aufgelegt. Bei allen zeigte die Party 12 eine fast unglaubliche Präsenz. Man meinte immer, die Aufforderung „tanz mit“ zu hören. Was soll ich sagen? Auftrag erfüllt, und zwar bestens.

Jetzt wollte ich die Kisten nicht auf den Terrassenboden stellen, sondern deutlich höher positionieren. Nach einigen Überlegungen zum Selbstbau von Sockeln entschied ich mich für Studiomonitorständer von Gear4Music. Da die Deutschland-Niederlassung gleich um die Ecke in Mülheim a.d. Ruhr ist, konnte ich die Teile flink selbst abholen. Zu dem Verkaufspreis hätte ich mit Mühe das Rohmaterial bekommen. Manchmal ist DIY eben unwirtschaftlich.

Auf den Ständern durften die Kisten dann noch eine Freiluftvorstellung am Selbstnachbau des Burmester 933 mit Musik vom Laptop geben.

Erwartungsgemäß fiel der Sound natürlich gegenüber dem Wohnzimmerequipment wahrnehmbar ab. Aber das war zu 90% dem eher miesen DAC im Tragecomputer geschuldet, der Rest lag am Amp und den fehlenden Wänden.

Die Kastratentenöre der Bee Gees machten trotzdem ganz schön “Night Fever”. Selbst (Rock-)Oper ging gut. Der “Pinball Wizzard” aus Tommy flipperte sich dynamisch über die Terrasse.
Zum Abschluss gab es was Schmusiges. “Samba Pa Ti” schwebte mit so viel Schmelz durch den Garten, dass ich kurz nachschaute, ob die Fische im Teich schon Klammerblues tanzten.

Herz, was willst du mehr?

Und jetzt…let‘s party!!!!

Vadder

Nachtrag
Wer die Party 12 bauen will, sollte pro Box an ein Paar Kistengriffe denken. Ohne Tragehilfe sind sie schon schwierig zu transportieren.

Zur Party 12 im Online-Shop

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vanillebaer

Anstelle von innenliegenden Griffen finde ich bei sowas auch einfach fest geschraubte Kordeln / dünnere Taue Ganz nett (oder Lederriemen)

Michael

Herzlichen Glückwunsch zu den neuen. Ich weiß zwar nicht warum diese tollen Lautsprecher es nicht in die Sonntagsausgabe geschafft haben 😉 denn ich finde das hätten sie verdient. 👍
Die letzte Gartenparty auf der ich geladen war spielte ein kleiner Bluetoothlautsprecher. Also ist das hier die Outdoor-Bluesklasse.
Wünsche allen die diesen Lautsprecher belauschen dürfen viele schöne Stunden.

Gruß Michael

Udo Wohlgemuth

Hallo Michael,

der Bericht sollte tatsächlich erst heute morgen erscheinen, aber dafür hätte ich auch das richtige Datum im Veröffentlichungsplaner eintragen müssen 😉

Gruß Udo

MartinK

Hallo Vadder. Du spielst mir voll in die Karten. Suche schon länger eine Argumentationshilfe für große Lautsprecher für draußen.
Ansonsten hat mich die Klangbeschreibung sehr gefreut. Man hört sonst nur wenig über die PA – Linie. Hier habe ich das Gefühl, die Teile sind klanglich fast auch für das Wohnzimmer geeignet. Wobei die Stärke schon beim Outdoor-und Livefeeling liegen dürfte. Gruß Martin

Rundmacher

Hallo Vadder,

zwei Stunden für das Kleben, eine Stunde fräsen und eine Stunde Weiche.
Wow.
Das ist sportlich, das schaffe ich nicht.
Ich klebe immer erst eine Ecke und lasse über Nacht trocknen.
Danke für die Klangbeschreibung, das kann ich mir sehr gut vorstellen.
Das sind richtige Freiluftboxen, die Nachbarschaft hat auch etwas davon.

Es grüßt freundlich
Rundmacher