Illumi 15 und 30 – weiter geht’s

Schön war der Sommer, was wir nicht nur dem ungewöhnliche  Wetter auf das Wohlfühl-Konto schreiben. Nach der MiniACL haben wir es uns erlaubt, eine kleine Pause einzulegen. Trotzdem gab es vier neue Bauvorschläge, die unsere fleißigen Leser fast ohne unser Zutun zur Welt brachten. Ganz untätig waren wir dennoch nicht. Wir nahmen uns die kleinen Satori-Chassis zur Brust und entwarfen mit dem MW 13 P-8 die notwendigen Heimkino-Ergänzungen zu den Illumi 17 und 34, hochwertige PC-Boxen, platzsparende Schmalsäulen für das kleine Wohnzimmer und zwei bis vier komplette Installationen, die je nach Gusto mit einem bis vier mittelgroßen Subwoofern kombiniert für hohen Filmgenuss sorgen. Namen haben wir für die vielen Sets natürlich auch gefunden: Illumi 15 BR und Illumi 30 BR.

Von den beiden Versionen des MW 13 mit unterschiedlicher Impedanz entschieden wir uns für die Achtöhmer, weil sie vielfach kombinierbar sind und so die von uns gewohnte Familiengründung einfach machen.  Hier das Datenblatt des

MW13 P-8

Ausstattung:
Membran Pappe mit Papyrusfasern Polplattendicke 5 mm
Sicke Gummi Wickelhöhe 15 mm
Korb Druckguss Magnetdurchmesser 63 mm
Polkernbohrung ja Befestigungsbohrungen 6 mm
Zentrierung Flachspinne Außendurchmesser 133 mm
Magnet Neodymmagnet Einbaudurchmesser 111 mm
Schwingspule 30,5 mm Einbautiefe 74 mm
Träger Fiberglass Frästiefe 7 mm
Parameter:
Fs 46 Hz Cms 1,56 mm/N
Diameter 96 mm Mms 7,7 Gramm
ZMax 55 Ohm BL 6,1 Tm
Re 5,9 Ohm VAS 11,4 Liter
Rms 0,77 kg/s dBSPL 87 dB/2,83V
Qms 2,89 SD 72 cm²
Qes 0,35 MMD 7,3 Gramm
Qts 0,31 Zmin 6,5 Ohm
Messungen:

Illumi 15 BR

Die Parameter des MW 13 P-8 gaben wir in LspCAD ein, das uns daraus ein seiner Meinung nach ideales Gehäuse errechnete. Mit knapp 5 Litern war es erschreckend klein, der Bass verlor schon recht früh an Pegel.  Also verdoppelten wir den Rauminhalt und kürzten das Reflexrohr auf praktische 14,5 cm. Schon kamen wir auf 55 Hz@-3dB, das gefiel uns weit besser.

Die Holzliste errechnete unser Excel-Blatt, das in der oberen Navigation unter Tools zu finden ist. Damit die nötigen Vorgaben für den Bassmitteltöner bei eigenwilligen Gehäuseänderungen nicht erst erfragt werden müssen, steht das ausgefüllte Sheet hier zum Download bereit. Für unseren Holzzuschnitt in Dreischichtplatte wählten wir die “Vollgehrung”, in Sketchup zeichneten wir jedoch die “Front aufgesetzt”-Liste, weil die auch im Baumarkt zugesägt wird. In das obere Loch muss später der aus den anderen Illumis bekannte Ringradiator TW 29 R-B geschraubt werden, der die 15 BR nicht nur in der Front obenrum ergänzt.

Die Klebe-Doku macht sich natürlich mit der anspruchsvolleren Variante mit rundum 45°-Schnitt besser, immerhin werden dabei nicht nur sechs Bretter stumpf auseinander geleimt. So können wir von der aufwendigen Vorbereitung berichten, die in Pappwinkel in passendem Abstand und genügender Anzahl auf Zurrgurte auflegen bestand. Naja, den meisten Lesern werden auch schon die unkommentierten Bilder zum Bewundern unserer handwerklichen Meisterleistung reichen.

Nach dem Beischleifen der Kleberreste ging es mit den bestückten Gehäusen in das Messlabor, wo die Frequenzgänge der beiden Chassis miteinander zur klanglichen Einheit verschmolzen wurden. Beide Komponenten wurden mit Filtern 3. Ordnung in ihre Bahnen gelenkt, drei Widerstände halfen dabei tatkräftig mit.


Immer eine Frage wert ist der Einbau der Weiche und des Dämmmaterials, bei uns Polsterwatte von der Rolle. Mit dem Zusatz “Lautsprecher-” wär es vermutlich zwei- bis dreimal teurer und dennoch aus den gleichen Fasern hergestellt und ebenso 400 Gramm pro Quadratmeter schwer.

Nun, die Weiche kleben wir mit ein paar Klecksen Heißkleber auf die Rückwand, so kommen wir im Bedarfsfall nach Ausbau des Basses wieder ran. Wir nutzen aus gutem Grund keine Platinen, denn daran werden die Verbindungen auf der unsichtbaren Seite verlötet. Die für die Illumi 15 BR pro Box nötigen 20 x 80 cm Watte teilen wir in zwei Teile, die wir rechts und links an die Seitenwände legen. Unten führen wir sie am Reflexrohr vorbei bis zum Boden der Box.

Zum Abschluss haben wir die Illumi 15 BR auch noch gemessen.



Im Hörraum stellen wir die Lautsprecher immer parallel zu den Seitenwänden auf, was  unsere Sitzposition auf die 30°-Achse mit dem glattesten Amplitudenschrieb bringt. Diese Aufstellung hat sich in den meisten Fällen als genau richtig erwiesen, nicht nur hörtechnisch. Es ist ein Naturgesetz, dass eingewinkelte Lautsprecher sich (von selbst?) wieder gerade ausrichten, wenn man das Zimmer mal kurz verlassen hat. Gefüttert wurde die Illumi 15 BR testweise mit leichter Kost, Mann am Klavier, Frau mit Gitarre.  Um es einfach zu halten: Es gab keinen Grund zum Meckern. Bühne, Auflösung, Dynamik, Ortbarkeit, Loslösen von den Boxen gelangen ihr sehr gut. Selbst das Bassfundament war vorhanden, wenn auch Bassdrum und E-Bass mitmachen durften.

Ob das nicht noch besser mit ACL ginge – die Frage hör ich schon. Beantworten kann man sie erst, wenn die Bauweise am MW 13 P-8 erprobt wurde. Wer das übernimmt? Nun, du oder ich. Als kleine Nachdenk-Hilfe sei auf die Simulation oben verwiesen, die glaubt, dass schon 3 x 5 Liter genug sind.

Illumi 30 BR

Wie die Überschrift verrät, war nach der Erfindung der Ilumi 15 BR natürlich nicht das gesamte Sommerloch geschlossen. Ein Center mit Zusatzfunktion musste auch noch her.  Also malten wir ein doppelt großes Futteral auf das Sketchup-Papier, wie es uns vom Gehäuserechner aufgelistet wurde.


Da wir keinen zusätzlichen Füllstoff für unsere Internet-Seite brauchen, verzichten wir auf die Bau-Dokumentation, die sich nur durch die Brettgröße vom oberen Klebeexzess unterscheidet. Der Weichenaufbau folgte den Vorgaben der Illumi-Serie, also 3. Ordung pro Zweig und Lautstärkeregelung. Weil die Illumi 30 BR mit fast 90 dB/ 2,83V/ 1m glänzt, durfte sich auch die Impedanz über eine Glättung freuen. Röhrenhörer werden es ihr gleich tun.




Wer den letzten Satz aufmerksam gelesen hat, erkennt schnell, dass wir gar nicht nur einen Center für das erleuchtete Heimkino im Sinn hatten. Immer noch steht uns der reine Musikhörer näher und ohne Stereoeignung lassen wir kaum mal eine Box aus dem Messraum. Unser Credo: Was Musik macht, kann auch Schauspiel.

Mangels AVR und Blueray blieb uns im Hörraum eh keine andere Wahl, wir streamten Musik von der Festplatte über die Röhre an unser neues Lautsprecher-Paar. Bei der Auswahl ließen wir Charts und HipHop links liegen, dafür baut wohl niemand schmale Bluesklasse. Jazz, Klassik, Blues und Soul waren angesagt. Die große Schwester machte nicht schlechter als die kleine Verwandte, nur war sie mit der doppelten Membranfläche noch etwas druckvoller und durch die Chassisanordnung noch tiefer gestaffelt. Fast schwindelig wurde uns, als wir Manu Katsché beim Werkeln zuhörten, Emotion pur, als Maria Callas ihr “Ave Maria” sang- verzeiht mir die Plattitüde – engelsgleich. Den Blues überließen wir der kürzlich von uns gegangenen Queen of Soul: “Today I sing the Blues“, nicht typisch für Aretha Franklin, aber es passte trotzdem ganz genau.

Natürlich liegen die Qualitäten der Satori-Chassis im Besonderen bei den feinen Tönen, aber sie ist auch nicht das Mädchen, von dem Bob Dylan einst sang, es habe nie gelernt, auf der Straße zu überleben. Keineswegs waren die Illumi pikiert, als wir mit den “Hells Bells” den Raum pegelmäßig nah an seine Grenzen brachten.  Wer das so souverän bis zur Bassdrum runter schafft, kann auch Heimkino.

Udo Wohlgemuth

Zur Illumi 15 BR im Online-Shop
Zur Illumi 30 BR im Online-Shop

Verwandte Beiträge

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.acoustic-design-magazin.de/2018/09/02/illumi-15-und-30-weiter-gehts/

7
Hinterlasse einen Kommentar

Please Login to comment
4 Comment threads
3 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
6 Comment authors
neuste älteste
Rincewind

Hallo!

Ich hatte die Möglichkeit die Illumi 15 in Ruhe auf meinem Schreibtisch zu hören. Mein Eindruck ist, dass die Satori Chassis deutlich mehr Details als die normalen SB’s spielen und zwar über den ganzen, verfügbaren Bereich: Von Bass bis zum Hochton.
Die Abstimmung der Illumi 15 hat eine feine Wärme und dennoch bleibt die Box extrem präzise. Was mich besonders beeindruckt hat, dass die kleine Kiste auf dem Schreibtisch und Wandnah aufgestellt hörbar ca. 40Hz darstellen kann. WOW!
Der kleine Tiefmitteltöner kann bei höheren Lautstärken gerne hüpfen, doch der Klang bleibt bestehen. Dabei wird durch das BR Rohr eine Menge Luft bewegt und zwar Geräuschlos!

Sehr feiner Lautsprecher – diese Kiste ist auf jeden Fall eine Steigerung zu meinem (nicht mehr Lieferbaren) Micro 2006

Anhören lohnt sich, so eine kleine und entspannte “englische” Box habe ich schon lange nicht mehr gehört!

Grüße
Rincewind

schuelzken

Hallo Leutz,

letzte Woche machte ich mich mal wieder auf nach Bochum.
Illumi15 hören war angesagt.
Ich sag nur eins, wer die Satori Chassis sein eigen nennt kommt voll auf seine kosten.
Dieser 5″ macht seine Sache sehr gut.
Da geht weit mehr als die Lautsprechergröße erwarten lässt.
Die bruchlose Anbindung zwischen HT und BMT ist hier die Kunst.

Gruß Schülzken

Dilletant

Wunderbar! Endlich steht das Update für meine SB15 und SB30. Ich freue mich schon auf einen Hörvergleich im Laden. Da werde ich wohl meine Böxchen mitbringen müssen…
Liebe Grüße
Uwe

Stefan Hessenbruch

Die Satori Serie reizt mich. Eigentlich gerade wegen der Optik der Körbe. Obwohl man die ja später gar nicht mehr sieht… Aber alleine zu wissen, das da sowas edles im Gehäuse werkelt erhöht den Spaßfaktor.
Aber um die Dinger einfach mal eben zu bestellen und zu bauen sind sie deutlich zu teuer. Nach dem Umzug ins neue Heim stehen außerdem andere Dinge weiter oben auf der Einkaufs-Prioritäten-Liste. Und bevor ich in Satori investiere muss ich wohl wirklich erstmal zum Probe hören kommen.
Zu dumm, das es keine ADW Filiale in Süddeutschland gibt.
@derFiend: Satori gefällt Dir doch auch, oder? Willst Du nicht mal den Vorreiter machen? 🙂
Ich komme dann auch gerne zum einhören vorbei. Da helf’ ich gern 😀

LG, Stefan

derFiend

Erstmal ist es ja toll das Udo auch an dieser Stelle weitermacht und, wie gewohnt, alles zu einer Runden Serie ausbaut 😉
Ähnlich wie Dich reizen mich die Satori natürlich. Aber auch du wirst in deinem neuen Haus noch feststellen das es nur begrenzt sinnhaft ist in jedem Raum einen Lautsprecher zu haben, auch wenn die Bastelseele das immer wieder anstrebt 😛

Ich glaub die einzig dauerhaft realistische Chance wäre, wenn wir alle zusammenlegen und die Süddeutschland Probehörzentrale einrichten 😀

Alternativ wäre mal eine Gemeinschaftsfahrt nach Bochum zu organisieren…

Stefan Hessenbruch

Gemeinschaftsfahrt nach Bochum… Die Idee gefällt mir.
Aber das würde ich erst machen wollen, wenn meine Finanzen so sind, das ich auch gleich was bestellen kann 🙂
Ansonsten komme ich in Teufels Küche…

LG, Stefan

Gipsohr

Apropos Teufels Küche…hast du da schon welche?? 😉

Aber auch eine Probehörzentrale hört sich gut an – mein 14 qm Keller sind da aber einfach zu klein! Da standen neulich die SB36 drin … eieiei … klangen die gut!!!