Hypex NC 400 oder das Ende der guten, alten Zeit

Gern haben wir auf die Frage nach dem passenden Verstärker für unsere Bauvorschläge auf “Alteisen” verwiesen, das günstig in Internet-Kleinanzeigen geboten wird. Früher wurden Amps mit Haltbarkeit und Klangfülle, nie mit periodisch wechselnden Eingängen und fragwürdigen Must-Have-Features fast für die Ewigkeit gebaut. Das Gewicht verriet die Netzteil-Dimensionen,  einher ging allerdings ein Stromhunger, der heute nicht mehr zeitgemäß ist. Aufgefangen wird das durch die Weiterverwendung von bereits eingebauten Resourcen, die nicht dem Sondermüll zugeführt werden müssen.  So weit, so gut.

Leider hat es sich bei den Verkäufern schnell herumgesprochen, dass die Nachfrage groß ist. So stieg in den letzten Jahren der Preis für das Altgut in teils Schwindel erregende Höhen. Oft ist zudem eine Revision der Geräte nötig, die zusätzlich Geld verschlingt und den ökologischen Vorsprung ökononisch schnell zunichte macht. Umdenken ist daher angesagt, neue Technologien dürfen nicht ideologisch verblendet ausgeklammert werden. Unsere “Aktivitäten” haben uns gezeigt, was mit modernen Schaltnetzteilen und Class-D geht.

“Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei”, sagt der so gern von mir zitierte Volksmund. Als umfangreiche Sammlung aller wesentlichen Erkenntnisse des Lebens gibt er uns einfache Hilfen, damit wir immer schnell zu einer richtigen Endscheidung finden. “Was hat das mit Lautsprecherbau zu tun?” könnten man jetzt berechtigt fragen. Nun, eigentlich nichts. Doch da mein lieber, alter Marantz nicht mehr so recht beidseitig Musiksignale für die passiven Versionen unserer Testboxen von sich geben wollte, erinnerte ich mich an den Spruch und ersparte ihm ein zweites Ende in absehbar kurzer Zeit. Und schon wieder hatte der Volksmund den richtigen Rat parat: “Jedes Ende ist auch ein Neuanfang.”

Wir sind schon fast ein Jahr mit Hypex aktiv. Da passte das DIY-Kit NC 400 der Oranjes genau in unser Beuteschema.  Es ist ein reiner Mono-Block, der mit den großen NCore-Endstufen bestückt ist, die in kleinerer Version auch in den Fusion-Amps arbeiten. Mit 200 Watt an 8 Ohm, 400 Watt an 4 Ohm und immerhin 580 Watt an 2 Ohm ist genügend Leistung vorhanden, um beim Vorführen auch mal das ganze Mietshaus zu beschallen. Qualitativ hält es locker mit allen hochpreisigen Stereo-Verstärkern der Hifi-Welt mit und ist mit 685 Euro inklusive Mehrwertsteuer pro Kanal nicht billig, aber trotzdem noch im bezahlbaren Rahmen. Auch darauf müssen wir achten, wenn wir unsere 150 Euro Bluesklasse damit anpreisen. Ein “Solch einen teuren Verstärker habe ich ja nicht” darf kein Hindernis beim Verkauf der Bausätze sein.

“Dann bau doch selbst” sollte auch nicht mit “Davon hab ich keine Ahnung” gekontert werden können. Elektronik-Basteln ist nun wirklich nicht mein Hobby. Vor Strom hab ich gehörigen Respekt, im Gegensatz zu Sparky bin ich nicht spannungsfest. Doch den NC 400 zusammenzusetzen, ist so einfach, das hab sogar ich geschafft. Zwischendurch konnte ich noch ein paar Fotos schießen, die meine irrwitzige Behauptung belegen.

Wer bei einem DIY-Kit viele Beutel mit haufenweise kleinen Bauteilen und noch kleinerer Beschriftung erwartet, wird von Hypex enttäuscht. Alle stromrelevanten Teile sind bereits fertig auf Platinen gelötet, die Verbindungen werden mit konfektionierten Kabeln gesteckt. Das Gehäuse aus zwei schwarzen Alu-Halbschalen, beschrifteter Front und gelochter Rückwand ist ebenfalls Teil des Sets.

Der Zusammenbau beginnt hinten, was in diesem Fall kein Widerspruch zu “Fangen wir mal von vorne an” ist.  Wenn man sich dabei auch noch die Zeit nimmt, die Beschriftung zu lesen, wird man die rote Polklemme nach oben setzen.

Die kleine Platine mit dem LED-Licht wird vorn auf die untere Halbschale geschraubt. In Stellung “0” ist das Licht aus, auf “2” beleuchtet es das dunkle Zimmer fast ganz allein.

Das Schaltnetzteil sitzt hinter der LED-Platine und wird mit vier Schrauben befestigt. Obwohl es mehr Durchlässe gibt, kann man es nicht an der falschen Stelle einbauen.

Auch die Verstärker-Platine hat ihren Platz, der durch drei Schrauben vorgegeben ist.

Oh, wie peinlich! Um dem Plan entsprechend die Kabel zu stecken, sollte das Netzteil richtig herum eingeschraubt werden. Dann muss die Seitenwand für das Steckerstecken nicht umständlich verbogen werden.

Das komplette Innenleben ist innerhalb weniger Minuten angeschraubt, die Stecker passen nicht verkehrt herum auf ihre Gegenbuchsen. Das Ganze nennt sich einfachstes  Lego für Erwachsene.

Auf zwei Aluleisten wird die Front gesteckt und mit Madenschrauben gesichert. Füße drunter – fertig.

Mit Hilfe des NC 400 ist es leicht, unsere passiven und aktiven Bauvorschläge zu vergleichen. Beide Varianten haben die gleiche Technik und so muss der Zuhörer nicht gedanklich zwischen unterschiedlich klingenden Verstärkern interpolieren. Aufgebaut haben wir die beiden Monoblöcke vor gut drei Wochen, seither sind sie nicht mehr verzichtbarer Bestandteil beim Testhören im Laden. Tschüss, lieber Matrantz, danke für die treuen Dienste. Auch eher Schnee von gestern ist nunmehr sogar unser langjähriger Begleiter Destiny Experience KT 88, seit dem Einzug der NC 400 ist die Röhre kalt.

Die kleinen, schwarzen Kästen sollte jeder ins Auge fassen, der nach einem neuen Verstärker für unsere Bauvorschläge sucht. Er mischt der Musik keine Eigenwilligkeiten bei, degradiert sie aber auch nicht zu emotionsloser Nüchternheit. Räumliche Darstellung, Auflösung und Dynamik stehen nicht hinter den aussortierten Amps zurück, der Bass ist straff und kontrolliert. So haben wir uns den Neuanfang gewünscht.

Udo Wohlgemuth

Zum Hypex NC 400-Monokit im Online-Shop.

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Sehr Interessant das Teil

Wie schlägt er sich denn gegen ein Symasym hat jemand schon mal einen Vergleich gemacht?

Lg

Moin Christian,
Symasym ist relativ, mache hier schwören drauf, das sind dann auch meist die Versionen die mit viel Aufwand und teuer gebaut worden. Selbst habe ich einen symasym aus der oberen Preisklasse glaube ich noch nicht gehört, wohl aber zwei oder drei der Standard Versionen.
Die haben mich einerseits beeindruckt was zum günstigen Preis machbar war, so richtig gut fand ich für meinen Geschmack allerdings keinen.
Den direkten Vergleich habe ich nicht, allerdings den zu meiner eigenen Referenz, die ich bei Udo dann auch mit den hypex aktivmodulen vergleichen konnte.
Mit all diesen Einschränkungen, verzerrter Erinnerung und unterschiedlichen Räumen, nur indirekter Vergleich aus der Erinnerung heraus… wäre meine Einschätzung, das der symasym tendenziell etwas wärmer spielen könnte, aber nicht an die gute Auflösung der hypex aktivmodule ran kommt.

Wenn Udo in diesem Artikel schreibt es sei der große Bruder der aktivmodule, sollte das sogar noch etwas besser kommen.

Wenn ich aus dem Bauch heraus zwischen den beiden entscheiden müsste wäre ich klar beim hypex.

Wenn du allerdings warmen Sound lieber magst könnte der symasym – wenn richtig und aufwändig aufgebaut- die bessere Wahl sein.

Nochmal disclaimerv/ Einschränkungen:

Nur indirekter Vergleich aus meiner Erinnerung

Grundannahme, das der hypex amp min so gut spielt wie die aktiv Module

Symasym ist nicht gleich symasym

Vielleicht gibt es ja noch weitere Erfahrungen damit aus dem direkten Vergleich

…reisen die zwei Bochumer NC 400 dann auch nach Nordhausen mit an???

LG, Jo

Sehr schön, dann können wir die mal gegen die Hifiakademie an Duetta testen, mit nem geilen Vorverstärker und CD Spieler. 😉 Die NC400 waren mir damals schlicht zu teuer.
Gruß Dino

Hallo Udo!

“Oft ist zudem eine Revision der Geräte nötig, die zusätzlich Geld verschlingt und den ökologischen Vorsprung ökomonisch schnell zunichte macht.”

Diesen Satz verstehe ich nicht. Was hat ressourcenschonendes Verhalten mit den Kosten für eine Revision zu tun? Die Gesamtkosten für erneute Ressourcenbeschaffung für ein Neugerät sind Höher als die Revisionskosten.
Die modernen Geräte fast aller Hersteller sind nicht mehr für die “Ewigkeit” gebaut, denn die Reparaturmöglichkeit wurde beim Design nicht vorgesehen. Dieses trifft auch auf Hypex zu. Damit ist die Ökobilanz trotz der geringeren Leistungsaufnahme für den Popo.

Ansonsten, Daumen hoch auf die nCores. Diese sind seit der Markteinführung (2010 oder 2011) DIE Referenz für Pulsweiten modulierte audio Versträrker-Endstufen. Allein auf das Hypex US-Patent US8289097B2 wird von Größen wie B&W, Harman Industries, Texas Instruments verwiesen. Die Hypex nCore Endstufen werden als angepasste OEM Module von Herstellern (wie z.B. NAD) eingesetzt.
Wer also überlegt ein Good Old HiFi Gerät der Top-Klasse zu holen, sollte sich ruhig die nCore Endstufen genau ansehen. Denn diese (eine geeignete Vorstufe vorausgesetzt) bieten “HighEnte” Leistung für durchaus bezahlberen Preis. Entsprechende Endstufen der Hype-Marken (Sansui, Marantz, Accuphase usw.) sind auch nicht billiger.

Grüße
Rincewind

“Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and`re neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben……. undso immer weiter….”

Meine Deutschlehrerin, die mit den blassblauen Seidenschal, hätte sicher Tränen in den Augen.
Dass hier jemand an Hermann Hesse erinnert, einfach ergreifend 😀

Durfte sie bei meinem letzten Besuch schon hören, und fand sie im besten Sinne unaufdringlich. Entlockten den Duetta Top alles was man von ihnen kennt und erwartet, und hatten stets alles im Griff!

Jetzt noch einen passenden D/A Wandler ins Programm nehmen und die Kette steht 😎👍

Ja gern, mit Betonung auf passend 😉

Ansonsten feiner Schritt, ADW wird zum Komplettversorger

Moin,

im Forum findet man ja schon Verschiedenes zu Hifiberry-DIY-Streamern. Da gibt’s inzwischen auch Input-Erweiterungen für diejenigen, die auch noch eine weitere Quelle anschließen möchten. Alternativ für DIY ein Khadas Tone Board? Kann neben seiner Funktion als USB Dac ebenfalls eine weitere digitale Quelle über SPDIF wandeln.

Dem kann ich mich nur anschließen und das Khadas Tone Board wärmstens empfehlen.
Dieses bereitet nun schon seit einer Weile an meinem Schreibtisch die digitalen Signale für Kopfhörer und Monas auf.
Klanglich ist das Board uneingeschränkt zu empfehlen und bleibt dennoch bezahlbar. PreisWERT eben 🙂

Hallo Udo,

danke für Deine Experimentierfreude!
Welchen Vorversärker nutzt Du mit Deinen neuen Monoblöcken?

Grüße

Max

Als DIY VV kann ich den Sokrates MkII empfehlen. Das Teil ist ein echter Kracher, allerdings nicht ganz trivial zusammenzubauen http://www.2pi-online.de/html/sokrates_mk_ii.html

PS: ich habe noch einen kompletten, ungenutzten Satz Platinen inklusive Phono Pre abzugeben 😁

Huch, so genau habe ich nicht hingeschaut. Es handelt sich aber auch um ein privates Projekt. Der Anbieter ist nicht auf große Stückzahl ausgelegt. DIY halt.

Hallo HaZu,
Ja, den Sokrates finde ich auch sehr interessant und gut durchdacht. Leider fehlt mir die Zeit die Platine selbst zu bestücken.
Sollte sich aber ein Geschäftsmann finden, der die Platinen aufgebaut verkauft, evtl sogar mit Gehäuse, würde ich bestimmt schwach 🙂
Grüße
Max

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