Linie 53 Nextel

Nach dem Umzug ins neue Haus im November 2013 war schnell klar, dass die kleinen Standboxen für das nun größere Wohnzimmer zu klein waren. Bei höherer Lautstärke war die Gewebekalotte von SEAS zu scharf und der Tiefmitteltöner aus der SEAS Excel Serie denn doch zu schwach. Und zehn Jahre alt waren die Lautsprecher auch schon. Ebenso schnell war aber auch klar, dass die Kasse nach dem Bau des Hauses leer war. Das änderte sich erst wieder Mitte 2017, so dass die Überlegungen für ein neues Lautsprecherprojekt konkreter wurden. Es sollte ein Dreiwege-Standlautsprecher werden.

Die ersten Schritte führten zunächst zu verschiedenen HiFi-Geschäften, in denen ich mir Standlautsprecher der üblichen Verdächtigen in meinem Preisrahmen – immerhin 4.000 € – anhörte. Dort stellte sich aber Ernüchterung ein. Was da teilweise fürs Geld geboten wird, war mitunter enttäuschend, auch wenn sich über den Hörgeschmack sicherlich streiten lässt. Zudem waren bis auf zwei deutsche Hersteller keiner bereit, die Gehäuse in einer NEXTEL-Lackierung zu fertigen. Bei einem der beiden war mir zudem der Aufpreis zu hoch.

Da ich in den vergangenen Jahren immer sehr gute Erfahrungen mit dem DIY-Bereich gemacht hatte, auch wenn ich sie fertig aufgebaut gekauft hatte, war die Richtung daher wieder vorgegeben. Bei einem Freund hatte ich zwischenzeitlich einen (Fertig-) Standlautsprecher – deutlich über meinem Budget – mit AMT-Hochtöner gehört. Davon war ich begeistert. Gesetzt war auch ein 20ger Tieftöner.

Damit begab ich mich auf die Suche. Nachdem ich einige Anbieter verglichen hatte, weckte ADW von Udo Wohlgemuth in Bochum am stärksten mein Interesse. Die Linie 53 traf genau das, was ich mir vorstellte.

Nachdem ich viele der Bauberichte gelesen hatte, kam ich zu dem Entschluss, die Endmontage diesmal selbst zu machen. Aber bis dahin war es noch ein Stück.

Das Einfachste war das Bestellen des Bausatzes. Das war im November 2017 schnell gemacht, die Lieferung gut verpackt, vollständig, schnell und zuverlässig. Die Abmessungen der Lautsprecherchassis waren bei mir übrigens alle maßhaltig. Das hatte ich gleich nachgemessen. Ich hatte gelesen, dass es da Abweichungen geben kann.

Mehr Zeit nahm da schon der Gehäuseentwurf in Anspruch. Der Gehäusevorschlag war mir etwas zu breit. Zudem wollte ich MDF in der Stärke 25mm verwenden. Also ging es ans Volumen berechnen und zeichnen. Danach sollten die Gehäuse h108 x b26 x t40 cm werden. Das Design sollte schlicht, reduziert und in NEXTEL grau lackiert werden.


(Original-Bauplan)

Das Gehäuse wollte ich von einem Tischler machen lassen. Auch da gibt es verschiedene Anbieter im Internet. Von sechs angesprochenen Tischlern machte nur einer ein Angebot, dass auch preislich akzeptabel war. Eine Tischlerei aus Süddeutschland machte auch ein sehr gutes Angebot, dass ich aber wegen des weiten Transportweges verworfen hatte. Also Gehäuse bestellt und mehrere Wochen gewartet. Als sie schließlich fertig waren, traf mich beim Nachmessen der Schlag. Statt der geplanten 108 cm waren sie nur 101 cm hoch. Was mich sofort zu der Frage brachte, ob es mit dem Volumen dann noch passt.

Also sofort eine Mail an ADW geschickt. Von dort kam zum Glück Entwarnung … passte noch. Ich hätte zwar nach längerem Diskutieren neue Gehäuse bekommen, aber wie sie da so standen, gefiel mir das auch.

Während der Wartezeit hatte ich mich an den Aufbau der Frequenzweiche gemacht. Wenn man sich in verschiedenen Foren vorher ein wenig einliest, stellen sich so einige Fragen. Welches Lötzinn verwenden, Heißkleber wegen Temperatur bei Widerständen, Beine der Bauteile möglichst direkt verbinden, Hoch-/Mittelton und Tiefton getrennt oder alles auf eine Platine aufbauen, andere Verkabelung, Biwiring- oder Singlewiring-Anschluss, Bauteile nicht zu nah aneinander bauen, Spulen aufrecht oder liegend festkleben, sogar das Verwenden von Edelstahlschrauben wird da diskutiert … .

Nachdem ich den Beitrag von ADW zum Weichenbau gelesen hatte und noch mehrere Fragen per Mail geklärt waren, habe ich die Weiche auf zwei Lochplatinen, getrennt nach Hoch-/Mittelton und Tiefton so aufgebaut, dass alle Bauteile direkt verbunden werden konnten. Als Kabel habe ich Standardkabel 2,5 mm² von SUPRA Cables genommen. Den Anschluss habe ich bei Singlewiring belassen, auch wenn das wegen des getrennten Aufbaus inkonsequent erscheinen mag. Mein Nachbar hat mir freundlicherweise beim Löten geholfen. Als Lötzinn habe ich welches mit einem hohen Silberanteil verwendet.

Nun ging es ans Vorbereiten der Gehäuse. Schraublöcher für Chassis und Weichen habe ich vorgebohrt, zusätzliche Elemente aus Weichfaserplatte eingeklebt. Über die Weichfaserplatten hatte ich viel Gutes gelesen. Damit waren die Gehäuse fertig für das Lackieren.

Das MDF war bereits mit Grundierfolie versehen. Für das Lackieren mit NEXTEL Lack eine Lackiererei in der Region zu finden, war auch nicht so leicht. Von zehn angefragten Firmen blieben nur zwei übrig, die das machen und die auch Erfahrung im Umgang mit dem Lack haben. So habe ich die Gehäuse nach Kiel transportiert. Das Ergebnis war sehr gut. Der fertige Aufbau ging dann schnell.


Und nun kam der spannendste Moment. Wie hört sich der Lautsprecher an? Schließlich hatte ich den Weg nach Bochum gescheut (An dieser Stelle werden bestimmt einige die Augen verdrehen). Da der Hörgeschmack sehr individuell ist, werde ich nur einige grundsätzliche Beschreibungen machen. Zudem spielt die Elektronik (bei mir Musical Fidelity M6Si und M6CD) und die Raumakustik eine wesentliche Rolle.

Der AMT-Hochtöner von ETON wird seinem guten Ruf gerecht. Er spielt sehr klar und detailliert, niemals scharf. Aber man braucht Geduld …. es dauert in der Tat einige Zeit, bis er eingespielt ist. Ich habe mit der Stärke des beiliegenden Zellkautschuk ein wenig probiert und bin letztendlich bei 10 mm gelandet, Durch das 25ger MDF ist die Kammer aber auch 3 mm tiefer als beim Bauvorschlag mit 22ger MDF. Zusätzliche Zellkautschukmatten zum Probieren hatte ich mir im Internet bestellt.

Auch beim Tieftonbereich habe ich mit verschiedenen Mengen und Materialien (gelieferte Polyesterwatte, zugekaufte Schafwolle) als Dämmung probiert. Er spielt jetzt nicht ganz so voluminös, sondern eher in Richtung tief und sehr konturiert. Das kann tatsächlich mit verschiedenen Mengen und Materialien beeinflusst werden… nicht dramatisch, aber hörbar.

Das Ausprobieren hat einige Zeit in Anspruch genommen, doch es lohnt sich. Insgesamt spielt der Lautsprecher sehr ausgewogen. Keiner der Bereiche wird betont. Langes Hören macht viel Freude und ist niemals anstrengend.

Abschließend möchte ich mich bei Udo und Jonas für die Unterstützung beim Bau Bedanken. Meine Mails wurden immer und schnell beantwortet. Das Projekt hat Spaß gemacht. Für nächstes Jahr plane ich den Austausch des Center-Lautsprechers gegen Linie 52.

TA

Zur Linie 53 im Online-Shop

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Moin Stelvio. Ich habe selten so schlicht/elegante Lautsprecher gesehen. Das Auge hört ja bekanntlich mit. So wird die Qualität der Lautsprecher nochmal betont. Ich wünsche Dir noch sehr viel Spaß mit den “Schönlingen”
Gruß Martin

Schlicht und schön!

Grüße BW

Guten Morgen,

nach langer Zeit mal wieder ne L53 und sieht zudem richtig gut aus.
Erfreulicher Bericht mit Seltenheitswert.

Die wenigsten glaub ich wissen, dass die Kombination ER4, 5″MT, 8″TT eine lange Tradition hat. Ich erinnere an BlueNote 1-3, sowie der Minuetta, allesamt sensationelle Lautsprecher, bis dann die Chassis nicht mehr lieferbar waren.

Gruß Schülzken

Moin,

die Beschichtung hat was…weiss matt wàre meine Wahl.

Ist das Hifi Rack DIY ? Das sieht interessant aus.

gruss Dirk

Die Bilder sehen klasse aus, ich bin ja ein großer Fan von grau 😉 Aber was es genau mit diesem, immer groß zu schreibenden, NEXTEL auf sich hat, hat sich mir durch den Baubericht nicht erschlossen. Was ist dessen Besonderheit?

Moin,

Nextel ist kein Lack im engeren Sinne, sonder eher eine Beschichtung mit höherer Auftragstärke. Es erzeugt eine sehr! matte Oberfläche mit hoher Blendfreiheit.
Revox hat das auch benutzt.

Gruß vom Vadder

Danke für die Aufklärung 😉

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