Baubericht: MIDU für meine Frau

Die Zeit gibt es endlich her, mein schlechtes Gewissen – in Nordhausen habe ich einen Baubericht versprochen – tut den Rest dazu. Ich brauche hier keinem zu erzählen, wie man Lautsprecher baut. Einige viele machen das viel besser als ich, sowohl handwerklich als auch rhetorisch. Ich möchte hier all diejenigen warnen, die sich NICHT an ihr Projekt Selbstbau wagen: Wartet nicht zu lange! Ihr bereut später jede Minute, die die Objekte eurer Wahl nicht am Kabel und Verstärker hingen.

Nach dem Besuch bei Matthias in Darmstadt, dafür nochmals Danke, war schnell eine Entscheidung gefallen. Da das geplante Budget leicht überschritten werden musste, noch etwas gearbeitet und gespart. Irgendwann dann schnell bei Udo die Chassis und zwei gefräste Fronten als Backup bestellt und mir ein paar Tipps in Bochum abgeholt. Ab dann begann meine persönliche Elbphilharmonie und BER.

Optik, Größe, Verstärker, Sockel, Terminals, Verkabelung, Aufstellung usw., alles wollte ich im Vorfeld zu 100% planen. Auch eine Aktivierung stand im Raum. Gott sei Dank war ich etwas flexibler als die Manager der o.g. Projekte. Ich konnte es mir gerade noch leisten, für schmales Geld ein paar Prototypen zusammen zu nageln. Dabei habe ich in der kurzen Bauphase schnell erkannt, dass mit meinen Werkzeugen, baulichen Gegebenheiten und meinem Nervenkostüm keine für mich in Frage kommende Qualität produziert werden kann.

Das war aber erstmal egal, da ich ab diesem Zeitpunkt schon meine MIDUs genießen durfte. Außerdem konnte sich meine Frau schon mal an die beiden gewöhnen. O-Ton meiner geliebten Ehefrau : „Ich hätt‘s mir schlimmer vorgestellt. Mach Farbe dran, dann ist´s gut.“

Nebenbei: Der Teufel Center war die perfekte akustische Täuschung. Viele meiner Bekannten meinten, so ein Center macht alles schon ein bisschen luftiger. Unwissend, dass dieser mit „WLan-Kabeln“ angeschlossen war.

Nach Weihnachten dann die Kisten schnell ins Auto gepackt und im Tiefflug nach Nordhausen. Dort angekommen erst einmal erschrocken, dass die Brocken in den zweiten Stock mussten.  Mit Hilfe anderer ADW-wohlgesinnter Verrückter und einer Sackkarre war das aber schnell erledigt.

Dann erstmal rumgelaufen, die vielen Leute dort versucht kennen zu lernen und schnell eingesehen: Der weite Weg nach Nordhausen hat sich mehr als gelohnt.

In den heiligen Hallen im Saal stand also die Blues-Klasse, befeuert von einem Monster von Class-A-Verstärker eines etwas älteren Herren. Leider konnte ich in der kurzen Zeit nicht alle Namen behalten, geschweige denn, den Nick-Names zuordnen. Verzeiht mir dahingehend bitte.

Als es dann gegen Abend etwas ruhiger und leerer wurde, durfte ich mir meine Lieblingsstücke an eben diesem Verstärker mit meinen MiDus zu Gemüte führen und auch mal etwas lauter hören. Ich ging erhobenen Hauptes aus dem Saal. Die besten, wenn auch nicht schönsten Lautsprecher waren natürlich meine MiDus. Das wird aber jeder über seine Konstruktion denken. Und eben, alle haben Recht. Mehr könnt ihr im Bericht über Nordhausen 2019 lesen.

Einen Tag später alles wieder eingepackt, nach Hause geflogen und dann einige Zeit erstmal nur Musik gehört, ohne mir großartig Gedanken über die Fortführung meines Projektes machen zu müssen und wollen. Schöne Zeit.

Meine Frau hatte sich auch schon fast mit den “naggischen“ (nackten) MDF-Gehäusen angefreundet, als ich einen Finanzierungsantrag für neue Gehäuse stellte.

„Was kostet das Ganze?“ „Kommt ganz darauf an, wie sie aussehen sollen.“ Und jetzt mein absolut perfekter Schachzug: „Schatz, du kannst alles nach deinem Gusto gestalten, so lange sich die Front und Gesamtgröße nicht erheblich ändert“. Ich war der Held. Auf Udos Seite hat sie dann einige Sachen gesehen, die es galt, in den neuen Gehäusen zu vereinen. Modern, schlicht, wenig rund und keine Holzoptik. Als Vorbild diente Jensens GrandDuetta in weiß mit folierten Fronten in Carbonoptik.

Nach der Planung habe ich dann versucht, einen Schreiner oder Tischler zu finden, der das alles umsetzen sollte. Leider war noch keine Corona-Zeit und so landete ich in einer „Apotheke“, preislich jedenfalls. Kein anderer Betrieb wollte mir einen Termin nennen und das war mir dann doch zu wage. Den Zuschnitt und die Fräsarbeiten erledigte diese Firma dann aber schnell, sauber und sehr genau.

An den schrägen Ecken der Fronten hab ich mir beim Folieren das Leben genommen, also ab damit zum Profi. Die Fronten mussten natürlich Top werden. Und das hat der Junge absolut super hinbekommen.

Den Zusammenbau habe ich dann mit Unterstützung der Familie selbst erledigt. Trotz Superzuschnitt gestaltete sich das wegen verzogener MDF-Teile und fehlendem Werkzeug nicht ganz so einfach wie erhofft.

Die Chassis wollte ich nicht einfach mit Holzschrauben befestigen. Ich habe da einiges ausprobiert und bin bei Spreiznietmuttern hängen geblieben, die ich mit Sekundenkleber in den Bohrungen fixierte.

Alle Löcher gebohrt, Rampamuffen für die Frequenzweichen eingeschraubt, grob geschliffen und dann ab zum Lackierer. Diese Suche gestaltete sich ebenso schwierig wie die nach einem Schreiner. Mangels Auswahl, Lust und Zeit landete ich wieder in der „Apotheke“. Muss aber sagen, da hat sich jeder Euro bezahlt gemacht. Die restliche Arbeit zu Hause war dann schnell erledigt, Frequenzweichen rein, Kabel angepasst, Anschluss-Schrauben und Chassis rein, fertig.

Ran an den Verstärker und direkt die erste große „Enttäuschung“. Die klingen keinen Deut besser als meine Prototypen. Aber eben auch kein bisschen schlechter. Eingespielt waren sie ja schon und so konnte ich ca. 2 Jahre nach dem Besuch bei Matthias meine finalen MiDus genießen.

Zu der Klangbeschreibung möchte ich mich nicht groß äußern. Schlechte Aufnahmen werden halt relativ schlecht wiedergegeben, gute gut und sehr gute sehr gut. Und der Unterschied ist gewaltig. Mit schlechten Aufnahmen kommt die Musik aus den Lautsprechern, bei sehr guten Quellen einfach aus dem Raum. Habe mir dann irgendwann noch einen alten Yamaha CA-2010 zugelegt. Der hauchte dem ganzen System noch mehr Leben und Freiheit ein. Der Bass ist jetzt so knochentrocken, wie ich mir das gewünscht habe.

Und wenn jemand fragt, wo die Carbonfronten geblieben sind. Das war nur meine 2. Wahl. Kurz vor Vollendung habe ich endlich die Optik gefunden, die mir von Beginn an vorschwebte: So genannter Kräusellack, Schrumpflack oder neudeutsch Wrinklelack. Aber sucht man nach solchen Begriffen, wenn man Lautsprecher baut? Wer schön sein will, muss leiden.

Fazit :
Alles richtig gemacht? Nein, natürlich nicht. Mehr geht immer, aber da wären wir wieder bei der Elphi und dem BER. Wer solch ein Projekt als Selbstbauer angeht, sollte irgendwann einfach mal den Absprung schaffen, alles genial und 100%ig planen zu wollen/ müssen. Und ich hätte von diesem Baubericht bestimmt auch ein Buch schreiben können.

Bin ich zufrieden? Ja, und das zu 100 Prozent!

Würde ich es nochmal machen ? Ja klar, aber…

Danke an Udo, Danke an die Community, Danke an meine Frau

Markus (SL)

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Sehr cool, dicker Glückwunsch!
Freut mich, dass der Besuch Früchte getragen hat
Liebe Grüße
Matthias

Cool, eine Midu habe ich hier lange nicht gesehen. Sind sehr schön geworden, ich persönlich wäre bei der Carbonfront geblieben, aber alles gut.
Hut ab, das du es geschafft hast sie fertig zu machen, nachdem sie halbfertig schon fleißig gespielt haben.

Grüße Kai

Moin Moin,

Älterer Herr ist doch noch ganz nett ausgedrückt und passt ja auch noch gerade so ;-).

Gruß
Sohnemann

Moin Markus,
Da isser ja, der Bericht. Sehr schön, das frischt noch mal alle Erinnerungen auf… von dem Treffen bei Matthias, über Nordhausen, wo ich Deine Schätze begutachten durfte (irgendwie war da viel zu wenig Zeit … aber das mit Udo’s Zeitloch ist ja nix neues 😀)
Die Zwei sind sehr schön geworden. Und schön zu sehen das Du Deiner Grundidee treu geblieben bist. Ich meine mich zu erinnern das Du in DA schon gesagt hast das es diese werden.
Ich hoffe wir sehen uns alle bald (alle) nochmal …
Gruß, Markus

: “eines etwas älteren Herrn” .. klingt doch gut 😂 (duckunwech)

….befeuert von einem Monster von Class-A-Verstärker eines etwas älteren Herren.

Also ich hab sofort beim ersten Teil des Satzes begonnen wunderschöne Bilder mit meinem geistigen Auge zu malen…

…so ist der Rest total emotionslos ohne jegliche Registrierung von Fakten an mir vorüber gegangen.

Also, wem nochmal gehört das Monster?

Hallo Markus,
ja, war schon ein langer Weg. Die Zeit in Nordhausen war halt schon recht knapp. Deutet aber auch darauf hin, dass sie recht kurzweilig und interessant war. Ich hoffe, wir sehen uns irgendwann mal wieder.

Hömma Spätzeken,

der jetzt noch etwas ältere Herr administriert die Boxen auf den Bildern gleich in froschgrüne Grundfarbe mit pinken Sternchen um 🙂

Da sie aber dafür dann doch zu chic geraten sind, lasse ich es vielleicht auch.
Was lange währt…

Noch viel Spaß mit den Teilen vom Vadder

Hallo Vadder,
wieder eine Gesicht mehr, das ich zuordnen kann.
Danke für deine Gnade, und ich hoffe, dass ich irgendwann noch mehr Namen mit Köpfen verknüpfen kann.

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