Olis Chorus 51

Nach gefühlt unendlicher Wartezeit wurden heute die ersten Chassis aus der neuen Eton-Produktion von der Spedition vor meiner Ladentür abgestellt. Endlich kann ich wieder die beliebten Chorus 51, 52, ihre ACL-Versionen und die Chorus 85 aktiv und passiv liefern und so die viel zu große Lücke zwischen SB und BelAir mit diesen attraktiven Bausätzen füllen. Besonders freut es mich natürlich, dass nun auch die Mühe nicht umsonst war, die einige Leser in ihre Berichte zu diesen Bauvorschlägen gesteckt haben. So darf euch heute nach langer Abstinenz Oli’s sehenswerte Umsetzung der Chorus 51 vom sonntäglichen Frühstückstisch fernhalten, viel Spaß beim Lesen.

Das Corona-Jahr 2020 hatte neben negativen Auswirkungen auch ein paar positive Seiten für mich. Durch die Umstellung auf deutlich mehr Home-Office habe ich mir täglich knapp zwei Stunden Pendelzeit erspart. Diese Zeit habe ich genutzt, um ein lang geplantes Upgrade meines Hifi-Systems anzugehen. Ich wollte ein Paar kleine, aber feine Lautsprecher fürs Wohnzimmer bauen und habe mich nach langer Recherche für die Chorus 51 entschieden.

Das ursprüngliche Design von Udo gefiel mir sehr gut, weshalb ich die Abmessungen übernommen habe. Die Ecken wollte ich allerdings abrunden, damit ich eine Holzoptik-Folie oder ein Furnier um die Box legen kann. Damit lässt sich das Ganze dann auch deutlich leichter recyceln, da ich einfach nur die Kunststoff-Folie abziehen muss. Zudem kann ich relativ einfach die Optik ändern, falls z.B. schwarz aus der Mode kommt…

Für die Front wollte ich, passend zu unserem Einrichtungsstil, Eichenholz verwenden. Ich hatte noch dünne Eichenholz-Brettchen von einer ehemaligen Schublade übrig, welche ich upcyceln wollte. Da Vollholz allerdings nicht so dimensionsstabil wie z.B. Schichtholz ist, habe ich die 10 mm dicken Vollholz-Eichenbrettchen auf 12 mm Multiplex geklebt. Ich hatte also zwei Design-Elemente; eine 2-Schicht-Front und abgerundete Ecken. Diese haben letztendlich meine Freiheitsgrade soweit eingeschränkt, dass mein finales Design feststand:

Um möglichst wenig Verschnitt zu produzieren, habe ich nach einer Software gesucht, die mir anhand vorhandener Bretter meinen Zuschnitt optimiert. Eine vernünftige, freie Software für Linux habe ich dabei leider nicht gefunden, aber ein Online-Tool, welches mit einer einfachen Email-Adresse auskommt und nicht mit Cookies oder Skripten der großen Datensammler verseucht ist. (Die Redaktion empfiehlt für Windows CutMicro)

Mit dem ausgedruckten Plan und 18 mm Multiplex-Resten bin ich dann an die große Formatkreissäge eines Bekannten gegangen. Beim Zuschneiden bin ich dann von Groß nach Klein vorgegangen, d.h. ich habe versucht, möglichst alle Bretter des gleichen Maßes in der gleichen Säge-Einstellung zu sägen, damit ich beim Zusammenbau keine Spalte bekomme. Das dauert sehr lange, vor allem die Planung! Aber es hat sich gelohnt.

Für die Ausschnitte der Lautsprecher habe ich einen Fräszirkel benutzt. Ich hatte etwas Schwierigkeiten mit verbrannten Fräskanten. Mit einem scharfen Fräser sowie höherer Drehzahl und ein paar Tests an Abfallholz hat es dann aber geklappt. Vor allem bei Hartholz ist es nicht ganz leicht, eine saubere Schnittkante zu erreichen, wenn man Rundungen fräst und sich die Faserrichtung vom Werkstück ändert. Eine Stelle habe ich leider beim Fräsen vermurkst. Dort habe ich mit einem Holzmehl/Leimgemisch nachgebessert.

Wichtig: Beim Schleifen und Fräsen von Eichenholz (Buche,…) lieber einen Mundschutz + Schutzbrille tragen, da der Holzstaub gesundheitlich nicht ganz unbedenklich ist. (Die Redaktion empflieht zusätzlich und generell für alle lauten Arbeiten auch einen Gehörschutz mit ordentlicher Dämpfung)

Vor dem Verleimen habe ich die Bretter mit Schleifpapier leicht angeraut und mit einem Mikrofasertuch vom Staub befreit. Beim Verleimen habe ich relativ wenig Leim benutzt und diesen (nur) kurz antrocknen lassen, damit der Leim etwas viskoser ist und sich die Bretter beim Pressen nicht so leicht verschieben. Mit der Verleimung und dem Spaltmaß war ich zufrieden, allerdings musste ich etwas nachschleifen, damit alle Seitenflächen plan sind.

Das Gehäuse war somit eigentlich fertig, aber eben noch eckig. Also wurden zuerst die großen Rundungen an den Außenflächen gemacht. Dort habe ich mit einem kleinen Abrundfräser angefangen und mich langsam auf einen Fräserradius von 15 mm hoch gearbeitet.

Danach kam die umlaufende 45°-Fase an der Front. Ich habe mir sehr viel Zeit genommen, da ein kleiner Fehler bedeutet hätte, dass ich nochmals von vorne anfangen müsste. Glücklicherweise ging alles gut und ich musste wenig von Hand nachbessern.

Zu guter Letzt kam das Finish mit Schleifpapier und Schleifpad. Leider war ich etwas zu übereifrig und habe die schön-scharfen Kanten etwas zu rund gemacht. Da würde ich mich das nächste Mal langsamer herantasten, um nicht zu viel wegzunehmen.

Das Gehäuse war somit fertiggestellt. Also ging es weiter mit dem Weichenbau. Hier habe ich mich strikt an den ausgedrucktem Schaltplan gehalten. Vorher natürlich testen, ob die Weichenbrettchen auch ins Gehäuse passen.

Watte rein, Kabel verlegen und Mitteltieftöner sowie Hochtöner anlöten. Da die Fläche des Hochtöners durch die Ausbesserung mit dem Holz-/ Leimgemisch nicht ganz eben war, habe ich eine Papierdichtung (Automobil) angefertigt und vor dem Verschrauben aufgelegt. Dann verschraubt, über Kreuz, und wirklich nur handwarm angezogen!

Nun, das war der Moment. Ich habe ganz schön geschwitzt beim Anlöten der Lautsprecher und beim Verschrauben, aber endlich waren die Lautsprecher fertig zum Musik hören. Die letzten Schritte haben bis spät in die Nacht gedauert, aber ich musste einfach wissen, wie sie klingen. Da mussten meine Nachbarn einfach durch.

Ich war sofort von den Hochtönern überzeugt! Klar und losgelöst, der Wahnsinn. Etwas Mitleid hatte ich mit meinen Nachbarn bei den Bass-Tests dann doch und habe die weiteren Sound-Tests auf den nächsten Morgen verlegt.

Am nächsten Tag wollte ich dann doch die Lautsprecher komplett fertig bauen, weshalb ich vor dem Musik hören, die schwarze Holzoptikfolie aufgebracht habe. Gehäuse also vorsichtig mit Isopropylalkohol entfettet und mit viel Gefühl die Folie von der einen auf die andere Seite abgewickelt. Mit einem Kunststoffspachtel und einem Cuttermesser habe ich dann noch zu guter Letzt die Luftbläschen entfernt.

Damit die Lautsprecher nicht auf dem Boden stehen müssen, habe ich mir auf dem Gebrauchtmarkt noch schöne Boxenständer besorgt und frisch lackiert. Angetrieben werden meine C51 von einem Braun Atelier A1. Als Quelle nutze ich einen CD-Spieler von Pioneer von 1990 und einen Netzwerkplayer mit Hifiberry Dac+ Pro mit überdimensioniertem Linearnetzteil. Gestreamt werden eigentlich ausschließlich CDs im Flac-Format.

Jedes Mal wenn ich mich davor setze und die Musik anfängt zu spielen, macht sich ein Grinsen auf meinem Gesicht breit. Ich höre viel elektronische Musik mit melodischem Anteil. Aber auch Jazz macht einfach richtig viel Spaß mit der Chorus 51. Daft Punk mit „Something about us“ kann ich gar nicht aufhören zu hören…

Danke Udo für den tollen Bausatz!

Beste Grüße Oli

PS:

Was würde ich das nächste Mal besser machen:

– hochwertige Fräsköpfe kaufen/ausleihen oder schärfen.
– beim Verleimen eine einfache Vorrichtung bauen, damit sich die Bretter nicht verschieben.
– noch genauer arbeiten beim Zuschneiden der Bretter, um sich später langwierige Schleifarbeiten zu ersparen.
– Die Kabel von der Weiche zu den Lautsprechern nicht zu kurz machen, lieber etwas länger…

Zur Chorus 51 im Online-Shop

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12 Comments
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Hallo Oli,

die gefallen mir auch sehr gut. Viel Spass damit,

Servus Peter

Moin Oli. Handwerklich und optisch sehr gelungen würde ich sagen. Wie hast Du die Folie am Übergang zur Front geschnitten? Mit viiiiiel Gefühl damit das Messer keine Kratzer im Holz hinterlässt? Lineal? Unterlage?……
Gruß und viel Spaß mit den Schätzchen.
Martin

N’Abend Oli,

schön sind sie geworden, ich mag die Chorus 51.
Auf den Bildern sieht man gar nicht, dass sie foliert sind.
Dass mit der Designkante kannst Du ja für das nächste Projekt vormerken. Diese Folien sind mittlerweile sehr gut zu verarbeiten, MPX schön glatt schleifen, Folie druff, anföhnen, dass se sich schön an die Kontur anlegt und dann mit scharfem Messer zuschneiden.
Meine erste Box war aus Birke MPX, die hab ich nur geölt. Bevor ich mich ans Furnieren gewagt hab, hab ich auch erst foliert, ist ein super Einstieg.

Gruß,
-Sparky

Hallo,

in dieser schweren Zeit sind es auf jeden Fall gute Nachrichten das Eton lebt. Wo die Reise hingeht, schaun mer mal.
Die Chorus 51 hier gefällt mir, ein solides klassisches Design.
Eiche.
Damit ist alles getan. 😉
Das Post Scriptum ist gut, die Zusammenfassung was beim nächsten mal besser werden könnte. Ja, die verbrannten Kanten vom stumpfen Fräser, wer kennt sie nicht. Die Baumarktfräser habe ich entsorgt.
Noch genauer zuschneiden? Hm, evtl. ist der Workflow andersrum einfacher.
Ungenauer zuschneiden!
Also ein paar Millimeter größer, die Platten welche überstehen. Die Oberfräse mit dem Bündigfräser zieht dann alles glatt.
Schöner Bericht!

VG Rundmacher

Huiii, welch frohe Botschaft, Chorus 51 ist mein absoluter Preis-Leistungs-Favorit, insbesondere wenn sie dann so hübsch mit massiver Front umgesetzt werden.
Glückwunsche und viel Freude mit den Kleinen
Matthias

Bleibt die Frage an Udo, was es sonst noch so Neues bei Eton gibt, welche Chassis bringt die nächste Charge zurück? Bei aller Mitfreude für die satori Fans, toll dass Chorus zurück ist und Hoffnung für die Hex Reihe

Hallo Matthias,

wirkliche Hoffnungen mache ich mir bei den anderen Serien nicht, lass mich aber gern überraschen. Damit etwas produziert wird, muss es Abnehmer geben. Ob die nach der langen Durststrecke noch vorhanden sind, weiß ich nicht. Bei den Chorussen scheint das wohl noch der Fall zu sein. Und das ist gut so, weil man damit tolle Lautsprecher bauen kann. Oli hat es uns hier gezeigt 🙂

Gruß Udo

Hach seufz, echt schade… Mal schauen was so kommt….

… keine speicherprogrammierbaren Steuerungen oder Umrichter 😛

Eton hatte ja an den letzten Monaten auch härter zu knabbern. Daher vermute ich, was ja auch kaufmännisch sinnvoll ist, dass jetzt erst mal produziert wird, worauf viele warten und in größerer Menge abgenommen wird. Wenn sich die Lage dann stabilisiert, wird vielleicht auch wieder „special interest“ gefertigt. Aber wer weiß das schon, letztes Jahr im Sommer ist mir meine Kristallkugel vom Schreibtisch gerollt und kaputt gegangen.

Liefertermin? „When it’s done!“ 😀

Gruß,
-Sparky

Moin Sparky,
Fang die Kristallkugel mal wieder ein, die scheint immer noch ihr Unwesen irgendwo zu treiben… Nicht auszudenken was 2023 kommt wenn jetzt jedes Jahr einer drauf gesetzt wird… ;-/
Verrückte Grüße
Matthias

Hallo Oli
Sind scnön geworden👍! Gefallen mir gut.
Gruss Adi

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