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#10032
Monti

Hi Uwe,

ich bin auf Deine Erfahrungen mit der Raumakustik sehr gespannt. Kennst Du Deinen Raum bzw. die „Macken“?

Weshalb frage ich? Bei einer kleinen Hörsession zwischen Weihnachten und Silvester bei mir hat Daniel sein Mess-Equipment mitgebracht (danke an dieser Stelle noch mal!). Wir haben festgestellt, dass mein Hörraum ausgerechnet am Hörplatz eine massive Senke bei ca. 50 Hz und eine bei 140 Hz hat. Nur zugegeben kleine Änderungen der Lautsprecherpositionen zur Rückwand haben nur marginal was gebracht. Eine andere Hörposition war da viiieeeel effektiver. 🙁

Daraufhin habe ich mich mal im www auf die Suche nach Möglichkeiten der Optimierung der Raumakustik gemacht…

Mein Erkenntnis-Gewinn zusammengefasst: man muss wissen, was man erreichen will, also ziemlich genau die problematischen Frequenzen kennen, sonst geht’s in die Hose. Diese kann man für einen „idealen“ Raum relativ einfach berechnen, ob das in der Praxis dann tatsächlich so ist, ist die andere Frage. Messen macht also Sinn.

Wer nun etwas ausführlicher an meinem Erkenntnisgewinn teilhaben möchte:

Die erste Raummode berechnet sich nach der Formel
f = Schallgeschwindigkeit / (Raumlänge * 2)

und für die 2. Raummode gilt im idealen Raum:
f = Schallgeschwindigkeit / Raumlänge

Mein Wohnzimmer ist 8,17 lang, das ergibt für die 2. Raummode eine Frequenz von ~42 Hz (Schallgeschwindigkeit bei Raumtemperatur = 344 m/s). Das finde ich schon mal ziemlich dicht am Messergebnis! 🙂 🙁

Möglichkeiten der Raumbedämpfung:
1. poröse Absorber (Dein Basotect)
2. Plattenabsorber
3. Helmholtzresonatoren
4. Diffusoren

Der poröse Absorber wirkt am besten in der Schallschnelle, also dem Mittelpunkt der Schallwelle zwischen Wellental und -berg. Um die richtige Dicke bestimmen zu können, muss ich wissen, welche Frequenz zu bedämpfen ist bzw. wo die Schallschnelle ist:
d= Schallgeschwindigkeit / (Frequenz * 4)
Z.B.:
430 Hz sind zu bedämpfen:
d=344/(430*4)=0,2m

Daraus folgt, dass die Vorderseite der Platte 20 cm Abstand von der Wand haben muss. Für die Dicke der Absorberplatte reicht aber die Hälfte, weil die Geschwindigkeit der Schallschnelle nach 1/8 der Wellenlänge zu vernachlässigen ist, also reicht eine Platte von 10 cm Dicke, die in einem Abstand von 20 cm mit der Vorderseite zur Wand hängen muss.
Für mein 50 Hz Problem fällt diese Methode aus, ich würde eine 86 cm dicke Platte benötigen, die 1,72 m vor der Wand hängt. Hübsch ist anders…

Plattenabsorber fallen für diy meiner Meinung nach aus, weil die Berechnung zu komplex ist und von zu vielen Unwägbarkeiten abhängt.

Helmholtzresonatoren scheinen für meinen Fall das richtige zu sein. Hier findet man auch im www Berechnungsmöglichkeiten für die passende Frequenz. Die einfachste Möglichkeit ist eine Holzkiste mit definiertem Volumen und einem darauf abgestimmten Reflexrohr. Quasi ein Lautsprecher ohne Chassi. Für 50 Hz könnte die Kiste z.B. 41 cm hoch, 40 cm breit, 25 cm tief und ein 15 cm langes Reflexrohr mit einem Durchmesser von 10 cm haben. Angeblich wirken sie in der Raumecke am besten, das gilt es für mich mal auszuprobieren… 🙂

Last but not least der Diffusor: der ist quasi eine definierte Unebenheit der Wand, an der der Schall reflektiert wird.
a. Ist diese Unebenheit deutlich kleiner als die Frequenz der auftreffenden Schallwelle, so wird der Schall einfach reflektiert. Raufasertapete eignet sich also nicht wirklich.
b. Ist die Unebenheit deutlich größer als die Frequenz, so wird der Schall nach dem Reflexionsgesetz (Einfallswinkel = Ausfallswinkel) von jeder „Unebenheit“ zurückgeworfen.
c. Ist die Unebenheit etwa gleich groß wie die Wellenlänge, so wird der Schall an den Kanten gebeugt und diffus zurückgeworfen. Bedeutet für mein 50 Hz Problem einen Keil von 6,88 m Kantenlänge. Für 140 Hz müsste die Kantenlänge „nur“ noch 2,46 m sein. (Wellenlänge = Schallgeschwindigkeit / Frequenz). Fällt auch aus.

Diffusoren eignen sich also wohl auch eher für entsprechende Spezialräume, weniger für ein Wohnzimmer.

Wie Anfangs gesagt: ich bin gespannt auf Deine Erfahrungswerte!

Ciao
Chris

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