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Antwort auf: Was lange währt … (Mona Sat / Mini ACL)

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Tobias

### So, nun weiss ich nach kurzer Suche auch, dass ich meinen obigen Beitrag nicht gemütlich über einige Tage hinweg bearbeiten kann. Also wird das hier jetzt doch ein Puzzle. Ich schreibe mal die Texte fertig und mache dann ne Bildergalerie. ###

Gehäuseplanung Teil II:

Nun bin ich zugegebenermaßen zwar des Rechnens mächtig aber eher rechenfaul. Auch sitze ich ohnehin den ganzen Tag vor dem Rechner und muss mich nicht auch noch meine spärliche Freizeit mit der digitalen Planung von Holzwerkstücken verbringen. Zumal dann nicht wenn sich auch ein Hands on Ansatz eignet.

Die Überlegung war wie folgt: Ich brauchte je zwei Paar Lautsprecher mit einem rechteckigen Grundriss und einer  zum Hörer geneigten Schallwand für die Montage an der Wand vor und neben dem Hörer. Sowie einen einzelnen Lautsprecher ähnlicher Bauart zur Montage über dem Hörplatz. Berechnet sowie gemessen ergaben sich 3 unterschiedliche Winkel für die Schallwände. Damit unterschiedliche Querschnitte und notwendigerweise eine abweichende Innenaufteilung und Gestaltung der Kammern, die zwar gleiche Volumen aber nicht gleiche Formen haben würden.

Ich nahm mir vor drei Kisten mit dem doppelten Volumen aus MDF zu fertigen und diese dann an der Tischkreissäge im passenden Winkelt zu teilen um 2 gleich grosse, gleich angewinkelte Gehäuse zu erhalten. Diese wären auf Gehrung zugesagt und verleimt, bräuchten etwas Fummelei um die Grösse der ACL Kammern hinzukriegen und bekämen eine aufgesetzte Schallwand.

Für die Trennung der Kammern könnte ich auf entsprechende Gehrung gesägte MDF Stücke nehmen. Da der Winkel Der Schallwand ja bekannt wäre müssten sich diese vorbereiten und dann zurechtkürzen lassen. Bei all den Winkeln und unterschiedlichen Volumen würden die Öffnungen der ACL unterschiedliche Formen aufweisen aber die erste Kammer für den Einbau der Lautsprecher und der Weichen sollte Gross genug sein. Man hätte das eben jetzt im Detail ausknobeln können aber da das zersägen und zerspanen – zumindest mir – gehörig Freude bereitet gIng ich die Sache handfest an.

Gehäusebau

Der Aufbau der Kisten aus MDF gestaltete sich recht klar und war eine gute Gelegenheit die Einstellungen der Tischkreissäge und das Verleimen von Gehrungen einmal mehr zu üben (Klebeband sage ich hier nur leise). Für das Halbieren der Kisten auf der Kreissäge stellte ich an der Kappsäge die benötigten Anschläge mit passenden Winkeln für den Schiebeschlitten her. Da das Sägeblatt nicht beliebig weit aus dem Tisch fährt waren zwei Durchgänge notwendig und die Japansäge zerteilte dann auch die letzten Verbindungsstücke. Das lief besser als gedacht.

Auch der Zuschnitt der Schallwände gestaltete sich nicht allzu kompliziert, da Messungen an den halbfertigen Gehäusen nun präzise möglich war (Präzision auf Ebene des Holzheimwerkers natürlich, nicht das mir noch die Metallbauer vom Stuhl kippen). Die Reststücke der Schallwände wiederum Konten gleich als Material für die Kammertrennungen herhalten.

Es blieb nur die Frage, wie die korrekte Positionierung zu bewerkstelligen sei. Auch das ließ sich experimentell lösen indem eine angebrochene Packung gut riechenden aber scheußlich schmeckender Kaffebohnen zum Einsatz kam. Zunächst maß ich das Volumen der ersten Kammer sowie das der folgenden Kammern in Kaffeebohnen ab und rückte dann dem unsegmentierten Gehäuse mit dem wohlriechenden Schüttgut auf die Pelle. Mit ein paar kleinen Trennbrettchen liessen sich die Kaffeebohnen in verschiedenste Formen schieben und doch blieb die von ihnen verdrängt Luft im Volumen gleich. Kammer für Kammer wurde so definiert und die Trennwände auf passende Höhe gekürzt und eingesetzt. Die Berechnung der Form für die Öffnung in die nächste Kammer war zwar auch jeweils einzeln nötig aber das bringe ich dann auch noch her. Bis auf wenige Bohnen ging dieser Ansatz handwerklich auf.

Fräsungen für Lautsprecher und Anschlussterminal wurden gemacht und die Schallwand aufgeleimt. Hier war es wieder hilfreich die 2 gleichen Hälften in die Schraubzwingen legen zu können um den passenden Anpressdruck ohne Verschiebungen aufzubauen.

Ich fräste mit dem Fortnerbohrer noch Topflöcher für Beschläge zur Wandaufhängung an Rück- bzw. Seitenwände und wähnte mich auf der Zielgeraden.

Gehäuse-„Finish“

Zunächst folgte die allseits beliebte Vorbereitung der Oberfläche. Abschleifen! Ich hatte mir ein Pseudo-Zebranu Furnier ausgesucht, welches aus heimischen Hölzern ein wenig die Umwelt schonen und mit weisser Lasur versehen einen ansehnlichen Effekt an die Wand bringen sollte. Obwohl das Furnieren mit der Leimmethode nicht schlecht funktionierte, kam bei der Lasur mit dem Pinsel keine rechte Freude auf. Das Ergebnis überzeugte nicht und die allgemeine Unfähigkeit mit der Lasur einen vernünftigen teiltransparenten Effekt ohne Nasen, Schlieren der Schatten zu erzielen trieben mich fast in den Wahnsinn. Na gut, so sind wenigstens die Stirn- und Leimkanten weg, dachte ich, schliff die Boxen nochmals ab und sprühte stattdessen eine Schicht Grundierung für ein weisses Lackfinish auf…

Die Grundierung offenbarte eine rechte Kraterlandschaft im zuvor so glatt wirkenden Furnier mit zahlreichen Rissen, Kerben und „Poren“. Die zwei Gehäuse die schon mehrere Schichten Lasur drauf hatten sahen deutlich glatter aus. Na gut, ist ja Hobby, also übe ich mal mit 2K Spachtel und wenn ich den schon anrühre, dann lass ich auch gleich noch ein paar Magnete für die Frontbespannung ein.

Nun, was habe ich gelernt… ein Maler und Lackierer ist an mir nicht verloren gegangen. Der Spachtel härtet bei kühlen Temperaturen in der Werkstatt zwar, braucht aber über eine Woche. Wer nicht direkt ordentlich spachtelt, spachtelt zwei mal. Schleifen, grundieren, zuviel schleifen, nochmal grundieren, schleifen, lackieren, nass schleifen hat doch Sinn, lackier nur eine Seite pro Durchgang wenn Du es nicht drauf hast, schleifen kann man irgendwann, versuch nicht nur eine Ecke nachzulackieren, ach komm … jetzt einfach Klarlack drauf und Feierabend. Das Stirnholz siehst du trotzdem.

Montage

Der Aufbau der Mona Sat Weiche ist ja in seiner Komplexität begrenzt. Ihr als geneigte Leser habt aber schon festgestellt, dass ich es ja trotzdem kompliziert mache. also habe ich kleine Lochplatten geordert und die Bauteile schön darauf gesetzt um sie dann an die Rückseite der Terminals zu kleben und einfach einsetzen zu können.

Die Lautsprecherausschnitte und die Fräsungen für die Terminals bekamen noch ein Bett aus Moosgummi Dichtband und endlich konnte ich alles zusammensetzen.

Setup

Jetzt hängen sie da. In den Front Heights sind die Chassis zwar recht nah an der Decke, dafür zum Fernseher hin versetzt um an der linken Raumseite wenigstens ein paar Zentimeter von der Seitenwand entfernt zu sein.

Die Surround Heights hängen links und rechts vom Sofa etwas tiefer um die Verteilerdosen in der Wand zu verdecken. Sie sind zudem an der Seite aufgehängt und somit im Vergleich zur Front um 90 Grad gedreht allerdings ebenfalls auf den Hörplatz eingewinkelt. Die Chassis sind ebenfalls oben montiert aber zur Raummitte hin versetzt, so spielen sie knapp an den Gardinen vorbei und haben größtmöglichen Wandabstand.

Der VoG hängt mittig über dem Sofa, wurde allerdings doch an der Decke und nicht am Fenstersturz befestigt. So zielt er nun leicht am Kopf vorbei aber Morgan Freeman wird mir das wohl nachsehen.

Das Klangergebnis all dieser Bemühungen findet ihr im ersten Post. Fotos vom Bau dann nach und nach weiter unten.

 

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