Der richtige Bausatz für Stereo oder Heimkino

Es ist wirklich nicht gerade wenig, was im Magazin vor- und im Shop zum Kauf eingestellt wurde. Dennoch ist es recht einfach, das Passende zu finden, wenn man von vornherein ein paar Kriterien beachtet.

Generell sind die Lautsprecher in Familien mit jeweils recht ähnlichem Klangcharakter eingeteilt. Die U_Do’s bilden den Unterbau, auch wenn sie klanglich schon eine Menge bieten. Sie sind quasi die Anmacher für kleines Geld, die neugierig auf das nächste Level machen. Das wird von den SB’s geboten, die Musik homogener darstellen. Ihr Klang ist leicht füllig, aber ohne Übertreibung. Sie spielen “schön”. Mit der Chorus-Reihe von Eton kommt noch etwas mehr Dynamik dazu, die Linien 4 – 7 sind etwas analytischer. Am Gipfel steht die Duetta-Familie, die das wiedergibt, was der Tonmeister aufgemischt hat.

Das 2. Kriterium für die Auswahl ist die Chassis-Größe und hier hilft die Physik. Mehr Membranfläche kann tiefer. Kompaktboxen brauchen einen 17er Bass, um Musik vollwertig wiederzugeben. Kleinere Membranen brauchen Unterstützung durch Wandnähe und begrenzende Flächen.  Zum Musikhören benötigst du ein homogenes Zusammenspiel und eine gut abgestimmte Tonalität der beteiligten Chassis, die sich am besten in Bass, Mittel- und Hochton aufteilen. So geht es tief genug und mit passender Feinzeichnung für alle Instrumente, von denen keines vorlaut sein darf. Also nimm für Stereo das Größte, was an den Aufstellort passt. Als Faustregel gilt dafür: die Raumfläche in Quadratmeter sollte wenigstens dem Durchmesser des Basses in Zentimeter entsprechen. So passen die tiefen Frequenzen noch in das Zimmer und du findest sie nicht nur beim Nachbarn wieder.  Nicht nachdenken musst du über kleine Boxen in großen Räumen. Ihre geringe Membranfläche müssen sie durch Hub kompensieren, was schon bei mittleren Pegeln angestrengt klingt. Der artgerechte Antrieb ist ein Stereo-Verstärker oder die Aktivierung.

Eine Besonderheit stellt die ACL-Bauweise dar. Sie holt durch den Gehäuseaufbau tieferen Bass aus schlanken Boxen. Das schafft sie allerdings nur auf Kosten des maximalen Pegels. Wer nicht Parties mit diesen Spezialisten beschallen will, bekommt von ihnen in kleinen bis mittleren Raumgrößen weit mehr, als sie optisch verraten.

Heimkino dagegen lebt vom Effekt. Deshalb braucht man hier einen dicken Subwoofer, der Druck macht und dazu geschlossene oder vom AVR tiefbassbegrenzte 15er oder 17er als Satelliten, die bis etwa 80 Hz runter kommen. Besser als ein BMT sind zwei BMT in der Front und im Center. So müssen die untenrum nicht unnötig Hub machen, was den maximalen Pegel senkt. Hinten reicht die einfache Bestückung aus, aber fünf bis sieben gleiche Boxen rundum sind nicht verkehrt. Für den sparsamen Umgang mit den Finanzen haben wir aber auch die U_Do-Reihe als Ergänzung zu den SB’s und die Chorusse zur Duetta-Reihe konzipiert. Als High und unter die Decke passen die U_Do 41 Wall oder die Chorus 51 Wall.  Für den Einbau in die Wand haben wir die InWall’s erfunden, platzsparend sind aber auch die OnWall’s. Ist der Subwoofer um 10 dB zu laut, bringt das kein Leid, sondern Freud, weil er heftig in den Bauch haut und die Atombombe lebensnah explodiert. Zwei Bässe sind auch hier keine sinnlose Investition.

Nicht ganz einfach wird es, wenn die Lautsprecher für beide Einsatzzwecke her halten sollen. Wie du schon aus den unterschiedlichen Kriterien heraus liest, müssen hier Kompromsse geschlossen werden. Du musst abwägen, was dir wichtiger ist. Eine gute Stereobox kann auch Heimkino, sollte bei Musik aber ohne Subwoofer tief genug herunter reichen.  Für den Heimkino-Betrieb werden sie vom AVR um 80 Hz herum getrennt und der Subwoofer darf sich darunter austoben. Zu überlegen ist dabei, für die Musikwiedergabe einen Stereo-Verstärker zwischenzuschalten. Der kann das besser als der AVR, der auf Rundum spezialisiert ist und die erforderliche Basskontrolle an ein Aktivmodul abgibt.

Und schon sind wir beim letzten Punkt, dem Geld. Hier gilt: Kauf das Beste, was der Geldbeutel hergibt. So zahlst du nur einmal und hast alle Neugier auf das, was das Bessere besser kann, hinter dir gelassen.

Zugegeben, Hören per Mail ist schwierig, hilft jedoch recht gut beim Entwirren. Aber du kannst auch erst einmal mit der Mona oder der U_Do 71 starten. Die geben schon einen Ausblick auf das, was noch möglich ist. Und die Kinder, sonstige Verwandte oder gar Freunde freuen sich später bestimmt, wenn sie selbstgebaute Lautsprecher geschenkt bekommen. Auch der preisgünstige Einstieg ist also kein verlorenes Lehrgeld. Wenn du noch ein paar Ermutigungen brauchst, sieh dir das Kaufberatungs-Forum an. Dort kannst du auch selbst Fragen stellen. Vergiss dabei nicht, den ausgefüllten Fragebogen in deinen Thread zu stellen. So können die User dir leichter Antworten geben, die nicht vom Verkäufer der Bausätze kommen 😉

Udo Wohlgemuth

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