23. November 2025

Daniels Ladies – ein ausführlicher Baubericht

Autor: Gastautor

Kleine Warnung vorab: Bauberichte arten bei mir gerne mal aus. So ist auch dieser wieder sehr lang und ausführlich geworden. Und ich hoffe, der Ein oder Andere bekommt Anregungen für seine Herausforderungen beim Bau. Viel Spaß!

Das erste Mal in Berührung mit Lautsprecher selbst bauen kam ich vor ca. 5 Jahren über einen Arbeitskollegen. Der wollte für sein Auto ein bisschen mehr und hatte sich eine kleine Bassbox überlegt. Er fragte mich, ob ich ihm da nicht beim Bau etwas helfen könnte. Meine Werkstatt bestand zu dem Zeitpunkt noch aus einem Basteltisch und rudimentären Handwerkszeug. Zuschnitt durfte also der örtliche Baumarkt erledigen und es wurde – nach meiner heutigen Sicht – mal eben zusammengesetzt. Das klang auch gar nicht so völlig verkehrt. Zufällig habe ich davon sogar noch ein Bild gefunden.

Dieser sehr pragmatische Ansatz hat mich dann dazu verleitet zu suchen, ob es das denn nicht auch in ausgefeilter gibt. In die Eigenauslegung wollte ich mich dann zwar nicht einarbeiten, aber einen Bausatz könnte ich mir vorstellen. Wie so viele andere auch, bin ich dann recht schnell bei Udos Kreationen und diesem Magazin gelandet. Einige Wochen habe ich wahrscheinlich fast alle Artikel und Foreneinträge verschlungen. Da meine kleine Kompaktanlage mich bis dahin musikalisch nicht enttäuschte und ich sie nachbarschaftstechnisch schon nicht ausnutzen konnte, blieb es dann aber auch erstmal bei dem Wissen, wo ich bei Gelegenheit etwas finden könnte. Und ich sagte mir: irgendwann bestimmt und dann gleich Bluesklasse.

Nun sind seit 2-3 Jahren Nachbarn kein Problem mehr und meine Werkstatt war auch schon ganz gut vorangekommen. Da dachte ich mir, so ein Paar Boxen wäre doch ein super Geschenk zum 30. Geburtstag. Also mal angefangen zu sparen und die Auswahl einzugrenzen. Da ich dann doch eher der Typ „einmal und dann gescheit“ bin, blieben aus den unterschiedlichen Beschreibungen die Lady und die Doppel 9 aus der BelAir Reihe in der engeren Auswahl. Die Suche nach einem mir passenden Verstärker wollte ich mir ersparen. Daher dann auch gleich in der aktiven Variante. Das bietet sich bei mir auch soweit an, da ohnehin mein Computer praktisch der primäre Zuspieler sein sollte.

Das Probehören

Zur Vorbereitung der Entscheidung habe ich dann den Urlaub bei der Verwandtschaft letztes Jahr genutzt und ein Probehören bei Udo vereinbart. Aus meinen üblichen Liedern der letzten Jahre einige Titel rausgesucht, die ich entweder sehr mag, oder aus meiner Sicht einen gewissen Anspruch an die Wiedergabe stellen könnten. Aus diesem mehrstufigen Selektionsprozess habe ich mir dann die interessantesten Vertreter noch als FLAC gekauft (Hierfür bin ich dann letztlich bei Qobuz hängen geblieben). Es blieb dann ein bunter Mix übrig. Hier mal eine kleine Übersicht, die wir dann meiner Erinnerung nach auch gehört hatten, mit Anmerkung, warum ich dieses Lied gewählt hatte.

1. Adiemus: Orchestral mit verschieden Instrumenten und einem insgesamt „fülligen“ Klang.

2. THE DARK SIDE OF THE MOON – Jenny of Oldstones: Sehr markante Stimme mit unterschiedlichen Ausprägungen, Metal Härte und gleichzeitig Harfe und sanfte Anschläge.

3. Alice Cooper – Poison: Die Aufnahme hat sich dann als Fehlgriff gezeigt. Wo man eigentlich einen anhebenden Bass erwartet hätte, blieb es flach. Als hätte beim Abmischen jemand auf einheitliche Lautstärke getrimmt. War dann quasi die Filteraufnahme, die zeigt, dass die Boxen halt Mist auch genau so wiedergeben.

4. André Rieu & Emma Kok – Voilà: Ich hatte einige Wochen Ohrwurm, als ich es fand. Orchester und entsprechend Bandbreite der Töne. Einige hohe feine Töne (Xylophon?) im Hintergrund und gleichzeitig tief gezupfte Streicher.

5. Heart of Courage: Hüllt einen in tiefen Klang ein.

6. Lindsey Stirling – The Arena: Violine und Bass, keins von beidem sollte nervig sein.

7. Mono Inc – Warriors: Hier kann schnell mal Fülle in der Stimme fehlen. Feines „Glockenspiel“ in den Höhen und volle Stimme.

8. A*Teens – Firefly: Fällt „etwas“ aus der Reihe. Hat über allem ein sehr hohes Klimpern. Klingt schon fast nach Tinitus. Also mehr als Gehör- und Wiedergabetest gedacht

9. Elane – My Ivory Fairy ; Nightwish – diverse ; und andere waren dann nicht mehr vollständig zum Zuge gekommen. Da waren ganz schnell mit kurzem Umstecken schon 3-4 Stunden rum. Ich weiß es schon nicht mehr.

Zunächst gabs erstmal noch angesteckte schlanke Boxen auf die Ohren. Ich meine, es müssten 52 ACL gewesen sein. Schon echt nicht verkehrt. Aber mir fehlte da doch was. Ich höre selten laut und möchte dann auch bei geringen Lautstärken schon Fülle haben. Daran fehlte es mir dann doch irgendwie.

Dann gings an die Doppel 9. Joa, das ist schon was anderes. Klangfülle, das Monumentale von Filmmusik und Orchester kommt gut rüber. Aber auch die feinen Anschläge von Glockenspiel kommen klar durch, ohne auffällig zu werden. Grundsätzlich habe ich den Eindruck, gegenüber meinen kleinen Boxen gerne auch mal lauter zu machen, ohne dass es sich zu laut anfühlt. Das kann gefallen. Auch mal kurz die Presets der Hypex vorgeführt. Ja, man merkt die Bassanhebung, aber obwohl ich bei den meisten Liedern ja im Grunde im Bass unterwegs bin, brauchts das halt nicht. Zumal die leichte Absenkung oben dann doch auch wieder etwas wegnimmt.

Jetzt noch die Lady. Irgendwie komisch. Sollte die nicht durch den größeren Bass da mindestens mithalten können? Mitten und Höhen auf jeden Fall mit der Doppel 9 vergleichbar, aber irgendwie ist mir da Fülle im Bass verloren gegangen. Udo meinte, kann schon je nach Geschmack sein. Deswegen gibt es ja zwei sehr ähnliche, aber nicht gleiche Optionen. Aus diesem ersten Probehören sind also die Doppel 9 als Gewinner und Plan hervorgegangen. Warum ich jetzt die Ladys vorstelle? Nun kommen wir zum nächsten Jahr.

Nach dem Geburtstag war der Plan, die Abholung mit einem letzten bestätigenden Vergleichshören zu verbinden. Also im Herbst den Urlaub mit dieser angenehmen Tätigkeit verknüpft. Diesmal hat mich meine Schwester noch begleitet und ich hatte nochmal ein paar neue Lieder gesucht. Einfach mal die Suche nach Titeln, was andere denn so vorschlagen, gestartet. So kamen noch in die Liste:

1. Zhao Peng – The Moon Represents My Heart: klare Gitarrenanschläge und Flöten. Dazu eine tiefe Stimme. Beim Probehören auf einer Bluetoothbox waren wir noch am rätseln, was für ein Blasinstrument das denn ist. Es passte nicht so recht zu den bekannten Flöten. Auf den großen Boxen war dann klar, dass es zwei verschiedene sind.

2. Allan Taylor – Colour to the Moon: Schöne klare Gitarre, sanfter tiefer Bass, Saxophon oder Flöte, sehr hohe Schwebung über allem. Man kann schöne Fülle mit klar getrennten Quellen hören.

3. Luc Arbogast – Nausicaa: Basierend auf der Moldau, volle Stimme, fast orchestrale Bandbreite, mit etwas Basslast

4. Falling in Reverse – I’m not a Vampire (Revamped): Filmmusikmäßig angehaucht. Einfach mal erweitert aus meinem üblichen Hörspektrum.

Da ich ja vom letzten Mal wusste, dass man sich zeitlich schnell verliert, haben wir die Kleinen übersprungen und sind direkt in den Vergleich der Doppel 9 und Lady gegangen. Erstmal die Doppel 9, um zu klären, dass der Eindruck vom letzten Jahr noch stimmt und man sich weiterhin wohl fühlt. Mal die bekannten und neuen Lieder angespielt. Irgendwie doch anders als in der Erinnerung. Plötzlich fehlt mir Fülle. Mal versuchsweise Preset mit Bassanhebung getestet. Ja, so hatte ich das in Erinnerung. Nur eben schon in Normaleinstellung. Na gut, schieben wir es auf die getrübte Erinnerung über das Jahr.

Dann mal noch die Lady. Ja, was ist denn hier los. Plötzlich spürt man die Bässe und die Fülle ist da. Also genau der umgekehrte Eindruck zum letzten Jahr. Ein Grinsen im Gesicht und der Kommentar von meiner Schwester: „Du musst wohl die nehmen. Das passt definitiv eher zu deinem üblichen Hörportfolio.“ Sie hatte ja keine Altlasten, sondern beide zum ersten Mal auf dem Ohr.

Laut Udo haben wir die Lautstärke im Vergleich zu anderen Probehörern leise gehalten. Dennoch waren die Bässe schon leicht körperlich spürbar. Als Hörerlebnis also definitiv angenehm und ich würde behaupten diese zusätzliche Wahrnehmung erhöht den Eindruck der „Vollständigeit“. Ich kann mir bis heute nicht erklären, woran das liegen könnte, dass sich die Eindrücke innerhalb des Jahres so gedreht haben. Vielleicht war ich beim ersten Mal durch die Motorradanfahrt sensorisch anders vorbelastet oder mein Wunschgeschmack hat sich geändert. Ich schätze mit einem Rest Gewöhnung oder Aufstellung in meinem Raum, hätte ich auch die Doppel 9 zufriedenstellend bekommen. Mir zeigt es nur, dass man möglichst fit und unbelastet und ggf. auch mit Abstand mehrfach Probehören gehen sollte, um sein Optimum zu finden. Meine Restunsicherheit, dass ich etwas überhört haben könnte, habe ich dann damit getröstet, dass die Aktivierung mir ja zur Not alle möglichen Anpassungen erlauben würde. Aber in der Klasse kann man wenig wirklich falsch machen. So sind final doch die Ladys die Gewinner geworden und durften direkt mitfahren.

Das Bauen

Zunächst mal die Konstruktion festlegen. Zuerst dachte ich noch, ich gehe den sichersten Weg und nehme Udos einteiligen Vorschlag und setze die Hypex-Module auf. Aber nach ein paar Tagen Bedenkzeit festigte sich doch der Wunsch, die Module zu integrieren und klare Außenflächen zu halten. Also frisch ans Konstruieren.

Ich hatte immer wieder Angst um den Volumenverlust von knapp 3 Liter der Modulkästen und habe mich und damit teils bestimmt auch Udo in den Wahnsinn getrieben. Nach einigen Rechnungen und Vergleichen mit Udos FreeCAD Modellen konnte er mich letztlich doch überzeugen, dem nicht zu viel Bedeutung zuzumessen. Seine Antworten waren grob zusammengefasst recht eindeutig „Junge, weniger denken, mehr bauen“ Für mich als Kopfmensch und Datenvergleicher nicht ganz einfach. Aber der Erfahrung beuge ich mich mit etwas Zureden dann eben doch. So ergab sich dann die Konstruktion ohne große Abweichung zu seinem Aufbau. Die Außenmaße änderten sich aufgrund der anders geplanten Materialstärke. Außenwände in 21mm und die Innereien in 18mm. Die Maße in Klammern sind die Originalmaße aus Udos Vorschlag.

Nachdem die Konstruktion geklärt war, konnte der Bau beginnen. Zuerst ging es daran, das bestehende Holzlager zu sichten. Ich wusste noch, dass ich auf jeden Fall genug Platten an 18 mm und von meinem Bettumbau noch einige Streifen 21 mm Birkenmultiplex hatte. Also erstmal kontrollieren, für welche Teile die 21er Streifen noch passen würden. Es ergab sich, dass die Streifen gut für die Fronten, Seiten, Deckel und Boden reichen würden. Für die Rückwände würde es also 18 mm werden.

Alle Außenteile zunächst grob aussägen. Mit den 150x110cm Vollplatten wird es in der Werkstatt schon etwas eng. Aber man kommt noch zurecht. Einer der 21mm Reststreifen hatte noch ein Schraubenloch. Hier habe ich den Rohschnitt noch so großzügig lassen können, dass ich das später mit einem der aufgesetzten Teile abdecken könnte.

Bevor es an die maßhaltigen Schnitte ging, bekam die Führungsschiene noch einen neuen Splitterschutz. Wenn der sauber eingesägt ist, lässt sich damit sehr präzise (Bereich 0,1 mm) anlegen und sägen. Hier einmal alle Außenteile, bis auf Deckel und Boden. Die hatte ich erst vergessen und dann gemeinsam im Block gesägt. Außenteile bekamen auch eine Langseite direkt als Referenz für zukünftige Winkel und Maßbezüge markiert.

Für zukünftige Teile würde ich empfehlen, die Seitenteile lang zu lassen und erst auf Breite zu bringen und dann Boden und Deckel abzutrennen. So kann man sicher sein, dass die Breite auch wirklich gleich zu den zugehörigen Seiten ist. Für die Breitenmaße, die ich wiederholgenau brauchte, habe ich mir eine kleine Anreißschablonen gebaut. Markieren dann jeweils mit dem Anreißmesser. So fällt die Strichstärke des Bleistifts als Unsicherheit nochmal raus.

Wie schon gesagt, bekommt man so schon wirklich gute Genauigkeit hin. Abweichungen sind gerade so spürbar, wenn man die Teile übereinanderlegt. Mit einem Maßband sind sie praktisch nicht messbar. Ein Parallelanschlag für die Schiene oder eine Tischsäge sind hier auf jeden Fall im Vorteil, wenn es um die wiederholgenauen Schnitte geht. Das sollte dann auch an den Seiten ersichtlich werden. Um diese möglichst gleich zu halten, war die Idee, sie im Paket zu sägen. Also beide Platten aufeinandergelegt, mit Zwinge auf dem Tisch gehalten und die Schiene mit Zwingen gut angezogen. Mit den Fingern ließ sich die eine Seite wunderbar aufeinander ausrichten. Nach dem Schnitt auch wunderbar kein Versatz.

Und dann der Schock:

Beim Anlegen der Schablone an beiden Enden fällt ein Versatz auf. Ich hatte extra in mehreren Durchgängen gesägt, um zu vermeiden, dass ich die Schiene oder ein Brett durch zu viel Last versetze. Mit Anreißmesser markiert und peinlich auf die Ausrichtung geachtet. Und dann kommt da 1 mm Versatz rein. Und ausgerechnet so, dass ich an der schmalen Kante unter meinem Sollmaß bin.

Jetzt könnte man – wohl zu Recht – sagen: 1 mm/ m ist doch völlig fein und das bisschen Volumen wird nichts ausmachen. Für mich in dem Moment, wo ich schon vorher um jedes bisschen mit Udo diskutiert hatte, war das aber indiskutabel. Auch das Ausweichen auf genug vorhandenes 18er MPX kam für mich nicht in Frage. Nicht, dass das irgendwie rationales Verhalten gewesen wäre, aber in solchen Momenten kann ich ein ziemlicher Dickkopf sein.

Um zu schauen, wie viele Teile ich nachkaufen müsste, noch das andere Seitenpaket angegangen. Gleiches vorgehen, aber alle Zwingen nochmals fester gezogen und Abstände von Lippe zu Kante mehrfach gemessen. Und wieder das gleiche Ergebnis. Ich weiß bis heute nicht, wo es herkommen könnte. Witzigerweise habe ich dann später mal einen Test gemacht. Zur Hauptmarkierung nochmal weitere im Abstand von 1-2 mm gezogen, um erkennen zu können, wenn mir die Schiene verrückt wäre und dann in einem Durchgang durch. Hier hatte ich dann keinerlei Versatz. Wahrscheinlich hätte ich mir hier tatsächlich Ärger erspart, wenn ich jedes Brett einzeln gesägt hätte.

Also Nachkauf planen. Samstag Nachmittag 16:30 Uhr. Leider weiß ich, dass der örtliche Baumarkt von Birke auf Eukalyptus umgestellt hat. Damit hatte ich noch nie gearbeitet und es scheint leichter als Birke zu sein. Beides keine guten Voraussetzungen, dem meine ersten Lautsprecher anzuvertrauen. Also genug Baumärkte in der Umgebung gesucht. Im Nachbarort ist die Auswahl größer. Hier lag meine Hoffnung. Angekommen festgestellt, dass die im Winter schon um 17 Uhr schließen und es war 16:58. Na toll. Der nächste hatte auch wieder nur Eukalyptus. Der dritte war dann ein Obi. Der hatte zwar 21er Birke, aber keinen mehr am Zuschnitt. Erst wieder Montag ab 12.

Nummer vier dann schon der Hornbach in München. Auch wieder nur Eukalyptus 21 mm. Oder 18er Buche. Hmm, Buche müsste ja noch dichter sein, was gut wäre. Aber halt kein 21er. Da war er wieder mein Dickkopf. Nummer fünf dann nach einigem Herumfahren, weil wohl anscheinend einige Events an dem Abend und so immer wieder Straßen gesperrt waren, das Bauhaus. Hier bekam ich dann für einen saftigen Preis meine gewünschten Platten.

Um 21 Uhr war ich dann wieder daheim. Bezogen auf die weitere Bauzeit hätte ich auch bis Montag warten können und dann zum Holzhändler in der Nähe. Wäre wohl preis- und qualitätstechnisch besser gewesen – aber ich erwähnte ja meinen Dickkopf.

Vorteil der Geschichte war, dass die nun versägten Seitenteile als Rückwände herhalten konnten und somit der gesamte Korpus aus 21er würde. Hier dann einmal alle Teile sortiert und markiert aufgestellt.

Zum Verkleben hatte ich mir überlegt, PU-Leim zu nehmen. Der schäumt leicht auf und davon versprach ich mir, dass dann auch letzte Ungenauigkeiten in der Leimfuge zuverlässig abgedichtet würden. Mit der jetzigen Erfahrung würde ich wohl nicht nochmal damit arbeiten. Es hat alles gut funktioniert und vorteilhaft ist, dass rausgequollener Leim aufgrund seiner Schaumstruktur sich hervorragend abschaben lässt. Aber man möchte ihn halt auf keinen Fall an den Fingern haben, was Ausrichtaufgaben, wo man sonst mal mit den Fingern die perfekte Ausrichtung erspürt, erschwert. Er klebt auf allem wie verrückt. Nur Holzverbindungen werden nicht wirklich robuster als mit Weißleim und das Aufschäumen braucht man auch bei nur halbwegs passenden Verbindungen nicht. Eine Raupe Weißleim brückt auch genug und bildet anstelle eines Schaums in der Fuge dann eine massive Barriere. Und wenn eine größere Lücke geschlossen werden muss, dann sollte man ohnehin eher einen Spachtel mit Schleifstaub oder gekauft nutzen.

Für die ersten Erfahrungen mit dem PU-Leim habe ich mit den Kästen für die Aktivmodule angefangen. Dabei auch festgestellt, dass durch die zähere Konsistenz die Teile stark zum Verschwimmen neigen. Für die weiteren Teile wurde daraufhin beschlossen, mit Dübeln für Fixierung zu sorgen. Die Stirnseiten habe ich nachträglich zugesägt. So ergibt sich sicher eine einheitliche Auflagefläche. Da kam mir die Schnitttiefe meine Tauchsäge mal gut zur Hilfe.

Mit den hier gewonnenen Erkenntnissen gings an den Korpus. Die Teile erstmal trocken ausgerichtet und miteinander fixiert. Die kleinen Eckenspanner haben hierbei schon erstaunlich gut geholfen. Zum Bohren habe ich die Teile nochmal zusätzlich mit Zwingen gegeneinander gespannt. Im trockenen Zustand Löcher für 6er Dübel durch die Seite gebohrt, Leimraupe aufgetragen und verzwungen. Das stumpf Durchbohren habe ich mir hier erlaubt, weil es einfach schnell geht und sicher fluchtende Bohrungen ergibt. Die Dübel werden durch das Furnier später ohnehin verdeckt. Lässt man die Außenseiten roh, sollte man sich da natürlich etwas mehr Mühe geben. Da ich nur drei ausreichend lange Zwingen hatte, mussten Deckel, Boden und Reflexkanalbrett nacheinander geleimt werden. Den Deckel habe ich erstmal nur gegen eine Seite geleimt. Die zweite Seite sollte, wenn die Abtrennungen für die Mitteltöner-Kammer auch fest wären, geleimt werden. Soweit zumindest der Plan.

Für die Ausrichtung des Kanalbrettes habe ich mir einen langen Streifen in zwei Streifen gesägt. Mittels aller vorhandenen Möglichkeiten auch einmal trocken fixiert für die Dübel. Oben schrieb ich ja, dass ich die zweite Seite erst zum Schluss aufleimen wollte. Aber wo das Paket dann so da lag, kam ich irgendwie auf den Gedanken, Boden und Kanal direkt auf beiden Seiten zu verleimen. Das sollte mir dann noch etwas Zusatzarbeit verschaffen. Die MT-Abtrennung wurde als L vormontiert. Hier mal die Nuten meines Tisches als Vorderzange genutzt.

Beim Einschieben in den vorverleimten Korpus dann erstmal ein Schreck. Da sind ja noch gehörig Spalte. Habe ich so schief gesägt? Links ist der Deckel. Hat sich dann gezeigt, dass eher der Deckel etwas verspannt und nicht rechtwinklig auf der Seite steht. Nachdem der Trenner gegen den Deckel gezogen war, wurde auch der Spalt zur zweiten Seite kleiner. Was aber noch als Problem blieb, war, dass ich ja irgendwie den Trenner in einem Ansatz an allen Seiten anleimen musste. Zumindest zur ersten Seite und zum Deckel. Die Lösung war die Beschaffung von zwei neuen Zwingen mit extra tiefer Ausladung. Damit konnte ich genau auf dem Steg des Trenners ansetzen und sauber gegen den Deckel ziehen. Als Positionierhilfe einfach ein kleines Brett als Anschlag an die Seite gezwungen.

Dann wieder trocken gedübelt. Das Einfädeln zum Bohren ging noch einfach. Dann mit Leim auf den Dübeln war schon schwieriger, da wie gesagt die zweite Seite ja immer irgendwie zubleiben möchte. Entsprechend sieht man auch erstmal, dass ich zwischendrin hängen geblieben und eine Leimspur hinterlassen habe.

Die zweite Seite bleibt erstmal noch unverleimt. Die Aussteifungen müssen ja auch noch rein. Die Versteifungen wurden mit den Fingern ausgerichtet, während eine Zwinge immer etwas Spannung hält, dass sie nicht von alleine verrutschen. Dann konnte die zweite Seite verleimt werden. Hier zeigte sich dann beim Auflegen, dass da etwas Verzug drin war. War sie am Boden ja schon vorher bündig ausgerichtet verleimt, wollte der Deckel irgendwie überstehen. Mit Spanngurt und Zwingen also alles mal etwas zurechtgerückt für die Dübelbohrungen. Jetzt kam der schwierige Teil. Irgendwie musste ich jetzt Spalt zwischen der Seite und den Teilen bekommen, um da Leim zugeben zu können. Ein Stab diente als Spreizer.

Bei der unteren Versteifung gab es keine Chance den zähen PU-Leim in den Spalt zu bekommen. Da war eine Einwegspritze mit Weißleim das Mittel der Wahl. Bei den übrigen Kanten wurde es dann etwas großzügiger aus der Tube irgendwie rein gegeben. Beim Zuziehen waren dann die zwei neuen Zwingen gute Hilfen. Dem Resultat sieht man die Sauerei und sehr großzügige Leimgabe gut an. Man merke sich also: Zweite Seite nach den Innereien auflegen ist zu empfehlen.

Bei der zweiten Box wusste ich es dann ja schon etwas besser. So ging es hier ganz gut von der Hand. Es kamen auch nochmal drei 500er Zwingen in den Werkstattpark. Damit konnten dann mehrere Teile auch bequem gleichzeitig geleimt werden. Erstmal alles auf eine Seite geleimt sieht auch irgendwie spannend aus.

Die zweite Seite war dann mit all den Zwingen auch kein großes Problem mehr. Ein paar Klötzchen als Unterlage helfen, dass man gut ansetzen kann. So stehen die zwei Gerüste dann da.

Auch wenn es funktionell wohl relativ egal ist, habe ich die ganzen Leimüberstände abgekratzt. Ein scharfes, kleines Stecheisen und das ausgebaute Hobelmesser meines Handhobels sind hierfür genial. Erstmal nur auf der Rückseite der Mitteltonkammer, wo ich mit aufgeleimter Rückwand eben nicht mehr hinkomme. Dann die Rückwand aufgeleimt. Die habe ich einfach ringsum mit Überstand gelassen. Da kümmert sich dann der Bündigfräser am Ende drum. Hier brauchte ich dann das aufgerüstete Zwingensortiment auf jeden Fall. Auf die Rückwand kam dann die Box fürs Aktivmodul. Hier musste dann mal wieder etwas getrickst werden, um anpressen zu können. Die zwei Zwingen oben sind nur, weil sich das Andruckbrett sonst seitlich verschoben hatte.

Und in meinem Übertreibungswahn der Dichtigkeit habe ich nach dem Entfernen der Leimüberstände die Kanten nochmal mit Weißleim abgezogen. Eine alte Scheckkarte hat da genau den passenden Radius für.

Wo es bei der Rückwand mit der Ausrichtung der Verstärkung noch gut passte, musste ich vorne noch etwas nacharbeiten. Um das zu prüfen, hilft eine Leiste, die über die ganze Breite geht. Und dann mit Handhobel und Schleifklotz vorsichtig abnehmen, bis die Leiste nirgends mehr hängen bleibt.

Dann habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich die Front aufleime. Der PU-Leim quillt ja gerne raus und ich wollte innen doch irgendwie nicht den Überstand haben. Durch die Chassislöcher käme ich ja nicht mehr so einfach zum Saubermachen wie bisher. Also mal kurz recherchiert und gefunden, dass sich PU und Weißleim miteinander vertragen können. Das zuerst mal an einer Testleiste prüfen. Die Idee ist, eine Weißleimraupe als Sperre zu haben, dass der PU-Leim dann nur zu einer Seite raus kann.

Das hielt gut und gab keine negativ erkennbaren Einflüsse. Wobei ich da jetzt keine Lastverleimung mit ausführen würde. Also einmal Doppelraupe auf die vorderen Kanten.


Und dann wieder alles zusammen zwingen. Da die Rückwand hier schon Höhe extra brachte, konnten die Druckleisten teils nicht mehr so hoch ausfallen. Da kommen die 500er Zwingen schon ans Limit. So liegen dann nach der Wiederholung die beiden großen Kisten auf dem Tisch. Die Überstände habe ich erstmal gelassen. So konnte es mir egal sein, ob beim weiteren Handling für die Ausschnitte noch Schäden an die Kanten kommen.

Nun geht’s wieder ans Öffnen. Die Ausschnitte müssen rein. Angefangen habe ich mit dem Freimachen der Modulbox. Erstmal nur ein größeres Loch gesetzt und mit dem Bündigfräser soweit gefräst, dass ich genug sehen kann, um das Gröbste dann mit der Stichsäge raus zu holen. Hier aufpassen, dass das Blatt nicht zu lang ist und anstößt. Dann mit dem Bündigfräser sauber auf Kontur gebracht. Leim aus den Ecken und nochmal nachgedichtet. Über Sinn brauchen wir hier wohl kaum diskutieren.

Der Ausschnitt für den Reflexkanal kam auf gleiche Weise. Für die Chassisausschnitte wurden die Mittelpunkte erstmal angezeichnet. Um von den Kanten messen zu können, wurde an ein paar Stellen schonmal bündig gefräst. Das Loch auf dem Bild ist nicht verbohrt, sondern war einfach schonmal, dass ich zum Trocknen die Kammer zumindest etwas öffne. Zum Abschätzen und Einstellen des Fräszirkels die Durchmesser mit dem Zirkel aufgezeichnet.

Fräser auf Kante bringen und dann erstmal den inneren Kreis so tief, dass ich die entstehende Kante später als Anschlag für den Bündigfräser nehmen kann, wenn die äußere Nut gezogen ist. Und dann die äußere Nut gezogen. Zwischendrin geprüft, ob es passt. Die Tiefe habe ich an den Chassis abgemessen und kontrolliert. Nach Udos Zeichnung hätten die Chassis schon deutlich übergestanden. Ich habe sie jetzt mit dem Kantenradius also gerade so ca. 0,5mm über der Front stehen.

Beim Fräsen einen Ast im MPX gefunden. Erstmal etwas die Kanten sauber ziehen. Aus einem Rest einen Flicken schnitzen und einpassen. Man sieht es zwar später nicht, aber dicht wird auf so einem Absatz schwierig.

Für den Mitteltönerausschnitt musste ich mir nochmal einen kleinen Fräszirkel basteln. Der ist sehr primitiv geworden, aber funktioniert bestens dafür.

Für den Hochtöner war ich mir erst unschlüssig, wie ich die Schablone für den Kopierring basteln soll. Dann bin ich wieder über ein Video von Heiko Rech gestolpert. Schablonen aus Legosteinen. Da musste ich doch mal schauen, ob mein Fundus etwas Passendes hergibt. So ganz die perfekte Auswahl war nicht da, aber es sollte reichen. Und tatsächlich ergibt sich so eine sehr gut passende Größe. Erstmal eine Probefräsung, ob die Maße auch hinkommen. Abdeckung sagt: „Passt gut.“

Vorteil dieser Konstruktion ist auch, dass man wunderbar Mitten abgreifen kann. Ein Extrasteg für die Höhe. Die Stöße an den Platten für die seitliche Ausrichtung. Wie man sieht, bieten die Verbindungsplatten auch gleich die Möglichkeit Zwingen anzusetzen.

Und einmal alle Ausschnitte fertig. Wo ich die Kopierringe schon angeschafft hatte, auch gleich genutzt, um einfach mit Leisten als Anschlag einen Absatz für die Aktivmodule zu fräsen.

Da in den nächsten Schritten die Kanten und Flächen fürs Furnieren empfindlicher werden, habe ich den Tisch etwas abgedeckt. Ich hatte noch eine ungenutzte Badezimmermatte. Die ist so leicht geschäumt und sollte einen gewissen Schutz bieten. Es hat sich allerdings auch gezeigt, dass die unter dem Druck beim Furnieren dazu neigt, an Lack zu haften. Lässt sich aber recht problemlos wieder abrubbeln.

Irgendwie schien mir die Qualität der neuen Seitenteile nicht so fein wie meine alten Platten. Zumindest hatte ich in der Oberfläche überall kleine Ausrisse. Und an den Kanten auch. Da ich nicht abschätzen konnte, ob sich das später im Furnier zeigen würde, habe ich das ausgespachtelt. Die Dübellöcher bei Bedarf auch gleich mit gespachtelt. Erstmal nur die Kantenausrisse. Wo ich dann aber dabei war, habe ich in einem Anflug von Wahnsinn die ganze Fläche gespachtelt und dann eben auch wieder geschliffen. Man sieht dann schon, dass da einige Stellen gut gefüllt wurden.

Die Chassisabsätze wollte ich schwarz streichen, dass um die Chassis später kein helles Holz durchschimmert. Und wo ich dabei war, kam mir die Idee, die Rückwand, für die ich kein Furnier vorgesehen hatte, auch einfach schwarz zu streichen. Da die Seiten dunkel werden sollen, würde sich so wenig Kontrast ergeben, wenn man von der Seite auch mal die Rückseite sieht. Da die Maserung noch etwas sichtbar blieb, bleibt so auch eine gewisse natürliche Optik erhalten.

Für das Aufbringen des Furniers hatte ich mir verschiedenen Methoden angeschaut. Lange war Aufbügeln mein Favorit. Bei dem hellen Furnier und für den Anfang war mir das dann aber doch zu unberechenbar. Und dann kam ich auf die Idee, einfach mit einem Anpressbrett und Quertraversen zu verpressen. Das Anpressbrett wurde mit Kork belegt. Davon versprach ich mir nochmal etwas Schonung, dass keine Druckspitzen entstehen und dass auch bei eventuellen Oberflächenrauigkeiten dennoch überall Druck ankommt. Normalerweise würde man die Wölbung im Brett verfluchen, hier kommt sie mir aber sehr gelegen. Die Druckstege drücken später erstmal an den Seiten. Durch die bretteigene Vorspannung wird so auch noch zusätzlich Druck in die Mitte gebracht.

Angefangen mit der Front. Erstmal auflegen und grob zuschneiden. Ich habe die Furnierrückseite gleichmäßig mit dem Zahnspachtel mit Weißleim eingestrichen. Dann wird das Ganze einmal gut verspannt. Hier war ich mal wirklich froh über meinen MFT mit der Lochplatte. Die Zugstangen sind M10 Gewindestangen. Reststreifen vom Zuschnitt bilden die Drucktraversen. Wie man sehen kann, bringt man so viel Druck drauf, dass trotz der gegenteiligen Vorwölbung sich die Platte an den Rändern runter biegt.

Das Aufpressen war wunderbar erfolgreich. Mit dem „Streichtest“ ließ sich keine lose Stelle finden. Man erkennt, dass durch das dünne, helle Furnier sich die Öffnungen der Chassis abzeichnen. Hier sollte man also darauf achten, dass man als Untergrund nichts zu Kontrastreiches nimmt. Mir hilft es so aber, später die Ausschnitte wieder gut frei zu bekommen.

Was ein bisschen wie Leimdurchschlag aussieht, ist tatsächlich ein Farbunterschied im rohen Furnier. Als ich es das erste Mal gesehen hatte, habe ich erstmal schon Angst bekommen, dass meine Oberfläche später ungleichmäßig wird. Aber dann konnte ich den Schimmer auch auf einem rohen Stück Furnier finden und war beruhigt.

Auf die gleiche Weise kamen so dann die Seiten und das Ganze bei der zweiten Box auch nochmal. Auf einer Seite habe ich mal versucht, den Leim auf den Korpus anstelle auf das Furnier zu bringen. An sich funktionierte das auch. Aber da der Leim die überstehenden Kanten auch etwas stabilisiert fand ich die Nachbearbeitung angenehmer, wenn ich den Leim auf das Furnier gebe.

Die Gewindestangen waren leider so knapp beieinander, dass auf der Seite liegend die Box zwar gerade so dazwischen passte, aber nicht mit viel Luft. Und so habe ich mir trotz Klebebandschutzschicht um die Gewindestange ein kleines Stück ausgerissen. Das Eck habe ich dann mit einem kleinen Flicken vorsichtig wieder aufgefüllt. Hier helfen das helle Holz und die wilde Maserung, dass das später kaum noch sichtbar ist.

Für den Transport kamen kleine Rollen unten dran. Mit den Abständen steht die Box noch stabil und die Rollen schauen in keiner Position seitlich über die Box. Bisher habe ich auch noch keinen Rand vermisst, der die verstecken könnte.

Mittlerweile war schon Weihnachtsurlaub bei der Familie angesagt. So wurden die letzten Schritte dann in Wohnzimmer und Werkstatt meines Vaters verlegt. Der Deckel wurde mit dem Bügeleisen furniert. Eine Presse über die Länge wäre auch interessant geworden und nicht mal eben greifbar. Beide Seiten mit dem Zahnspachtel gleichmäßig mit Weißleim eingestrichen. Hier habe ich geschaut, dass ich nicht zu viel Leim habe. Und dann eben mit dem Bügeleisen auf voller Leistung und mit etwas Druck aufgebügelt. Dafür, dass es mein erstes Mal war, ging das wirklich gut von der Hand. Nach der Erfahrung würde ich sagen, das kann man durchaus auch für die große Fläche machen. Die Pressmethode finde ich da aber dann doch etwas entspannter, wenn man die Möglichkeit hat. Die Überstände habe ich dann mit einer Schere vorgeschnitten und mit dem scharfen Hobeleisen auf die letzten Millimeter gebracht. Das letzte Stück dann wie üblich von Hand mit dem Schleifblock. Für die nächsten Schritte sind die Boxen dann in die Werkstatt gezogen.

Einmal alles fein abschleifen mit 240 und 320 auf dem Handschleifklotz. In der Nähe sieht man den Flicken zwar noch deutlich, aber da sind Bilder einfach gnadenlos. Mit etwas Abstand wird es schon schwerer, das zu erkennen.

 

Interessant ist auch, dass sich die Schichtung vom Multiplex durch das Furnier abzeichnet, wenn man genau schaut. Ob hier der Kantendruck doch zu groß war oder man das mit Spachteln hätte verhindern können, kann ich nicht sagen. Live muss man aber schon danach suchen, um es wieder zu sehen. Am Deckel zeichnet sich ganz fein eine helle Linie vom Leim ab. Aber auch das ist nur aus direkt Nähe sichtbar. Hier könnte vielleicht das Aufbringen mit einem Leimroller helfen, dass man weniger Leim als mit dem Zahnspachtel hat.

Nachdem also alles fein abgeschliffen ist und man die letzten vermeintlichen Makel identifiziert hat, geht es an die Oberflächenversiegelung. Die Herausforderung ist bei meiner Kombination, dass das Schwarz wahrscheinlich etwas Anfeuerung und Kontrasterhöhung vertragen kann. Das Helle soll aber möglichst wenig in seiner Farbe beeinflusst werden.

Ich hatte etwas überlegt, was ich denn nehmen könnte, und etwas mit meinem Fundus experimentiert. Leinöl gibt dem hellen Furnier doch etwas viel Gelbstich. Mein Holzsiegel-Lack gibt etwas weniger Gelbstich, aber so richtig zufriedenstellen fand ich Hochglanz-Lackoptik dann doch nicht. Zum Glück haben wir im Ort einen Farbfachmarkt. Da habe ich dann einfach mal nach einer möglichst wenig anfeuernden, vergilbungsfreien Beschichtung gefragt. Empfohlen wurde mir dann eine Lasur, die für helle Hölzer gedacht ist, um gerade Nachdunkeln durch UV zu vermeiden (Adler UV 100). Ein erster Test ergab, dass die Farbe des Holzes dadurch tatsächlich nicht sichtbar beeinflusst wird. So dann das Resultat. Auf dem vorderen Deckel erkennt man noch etwas feuchten Glanz. Der Verschwindet dann beim Trocknen komplett und man erhält praktisch die frisch geschliffene Optik wieder. Auf der hinteren Box gut zu sehen. Als Resultat bleibt die natürliche Optik vollständig erhalten. Das Schwarz bleibt so etwas anthrazit-farben. Da würde ein Anfeuern durchaus auch gut wirken. Aber im Zusammenspiel bin ich sehr zufrieden.

Die Chassisausschnitte auszuarbeiten, war dann eine etwas knifflige Angelegenheit. Denn natürlich neigt das Furnier dazu, entlang der Maserung weiter zu reißen, wenn man schneidet. Und in dem Stadium will man wirklich keine Macken mehr rein bringen. Hier ist dann wirklich scharfes Werkzeug, viel Fingerspitzengefühl und Geduld beim Schleifen gefordert. Die grobe Vorarbeit habe ich an einem Ausschnitt mit einen Raspelfräser und einem Dremel gemacht. Das funktionierte ganz gut. Aber zu nah an den Rand wollte ich damit nicht. Somit blieb fein Schnitzen und Schleifen auch da nicht aus. Aber es war machbar. Kleine Stellen, wo ich die schwarze Farbe abgekratzt hatte, habe ich schlicht mit Edding ausgebessert. Im Grunde sieht man die ohnehin nicht. Wenn man auf die schwarzen Absätze verzichten kann, wäre es wohl einfacher, die Ausschnitte erst nach dem Furnieren zu fräsen. Das Schwarz nachträglich wäre mir aber zu riskant gewesen.

Ich hatte die Ausschnitte für die Hochtöner ja mit den Blenden kontrolliert. Dummerweise musste ich dann feststellen, dass die eigentlichen Chassis doch nochmal so 0,5-1mm größer sind. Damit passten sie gerade so nicht in die Ausschnitte. Am Probeausschnitt ging es gerade noch so. Der war aber anscheinend nicht tief genug, sodass ich nur an der Fase geprüft hatte und das eben gerade so ging. Den finalen Ausschnitt also besser auch nochmal mit dem Hochtöner testen. Hier habe ich also „todesmutig“ die Feile am AMT angesetzt. Ringsum mit Klebeband abgedeckt, dass keine Metallpartikel in die Membran kommen können. Die letzten Späne dann vom magnetischen Gehäuse zu bekommen, ging am besten mit einem Stück Knete.

Wie man sieht, war es wirklich nicht viel. Und auch wenn ich bisher keine negativen Auswirkungen feststellen kann, empfehle ich es nicht zur Nachahmung.

Wo alle Chassis auf Passung geprüft sind, geht es an die Kabelverlegung. Die Modulkammer bekam ein 8 mm Loch. Da passen die sechs Einzeladern satt durch. Die Position wurde so gewählt, dass der entstehenden Kabelschlaufe genug Platz zum Modul bleibt. Als Durchführung zur Mitteltonkammer kam ein 6 mm Loch. Für die vier Adern von Hoch- und Mitteltöner passt das perfekt.

Dann einmal Hochtöner einsetzten. Durch die weiterhin knappe Passung brauchten die sanften Druck und saßen auch ohne Schrauben schon verliersicher. Für die Dämmung habe ich vom großen Bogen, den Udo mitgegeben hatte, einen Streifen in etwa der Höhe der Mitteltonkammer abgeschnitten. Der halbiert gab dann für jede Kammer einen Streifen, den ich gefaltet und einfach eingesetzt habe. Die vier entstandenen Lagen ergab dann in der Mitte eine Tasche für den Mitteltöner. Der übrig gebliebene Streifen Dämmung hatte ziemlich genau die Höhe der Basskammer. Also den wieder halbiert, dass ich für jede Box die gleiche Menge hatte, und ebenfalls gefaltet. Durch die Versteifungen im Inneren lässt sich das nicht ganz so perfekt drapieren wie in der Mitteltonkammer. Aber es ragt nicht in den Kanal runter und schien mir die Beschreibung „gut gefüllt, aber nicht gestopft“ fürs erste gut zu erfüllen. Auch hier bekam der Bass ein „Nest“.

Von den finalen Kabelabdichtungen mit Heißkleber und den Modulen in der Kammer gibt es leider keine Bilder. Der Zusammenbau war am Abend vor der Abreise und ich wollte sie ja noch einmal vorführen. Da sind dann die Detailbilder etwas auf der Strecke geblieben. Ich kann aber sagen, dass durch die gute Füllung der Löcher mit den Kabeln das zusätzliche Einbringen von Heißkleber nicht unbedingt erleichtert wurde. Gab ein bisschen mehr Sauerei als erwartet. Aber es scheint alles dicht und war noch machbar. Dann gings ans erste Hören im väterlichen Wohnzimmer. Daneben noch seine aktuellen Boxen. Da fällt dann mal auf, dass die Ladys schon nicht die kleinsten sind.

Bevor ich an die Schlussworte gehe, noch ein kleines Extra. Ich war mir die ganze Zeit nicht so ganz schlüssig, wie ich den Empfänger der Fernbedienung unterbringe. Mir widerstrebt in eine Box ein Loch in die Front zu bohren. Dann hatte ich schon überlegt, dass ich einen Lichtleiter im Reflexkanal verlege und den Empfänger dann in der Box unterbringe. Durch Zufall kam ich dann auf folgende nette Idee. Ich hatte erstmal provisorisch den Empfänger einfach hinten raushängen lassen. Das Flachkabel passt genau durch einen der Lüftungsschlitze im Modul. Wo der Empfänger dann so auf dem Schreibtisch lag, kam mir, dass das für mich, da ich meist eh da sitze, eigentlich eine perfekte Position ist. Also wurde beschlossen, das Provisorium gleich dauerhaft zu machen. Und weil der Empfänger selbst etwas verloren wirkt, bekam er selbst nochmal eine kleine Box gebaut. Zwei Lagen Multiplex aufeinander geleimt und eine Tasche hinten ausgefräst, dass die Länge der mitgelieferten Lichtleiter passt. Dann furniert und hinten wie innen schwarz gestrichen und wieder in 2 Schichten lasiert. Und am Ende habe ich jetzt mein kleines Empfangsmodul auf dem Tisch stehen.

So, kommen wir zu meinem Abschluss. Danke, wer bis hierher durchgehalten hat. Der Bau zog sich letztlich über etwa 3 Monate. Ich habe mal wieder einiges gelernt beim Bau und hatte auch einige Freude dabei. Wie so oft bei neuen Projekten war es auch eine willkommene Ausrede die Werkstatt weiter auszustatten. Für mein erstes Furnierprojekt, und dann gleich in der Größe, bin ich sehr zufrieden, wie gut das alles geklappt hat. Da muss man also wirklich nicht übertrieben Angst vor haben.

Das Design mit der Furnierkombination gefällt mir ausgesprochen gut. Gerade auch, dass die seitlichen Furniere die Front mit ihren 0,5 mm etwas einfassen, gibt einen schönen Effekt. Da hatte ich etwas Angst, dass das komisch wirken könnte. Normalerweise hat man ja bei Gehrungen keinen Überstand einer „Farbe“ oder eben eine ganze Plattendicke.

Was ich auch lernen musste, ist, dass man den Chassis definitiv etwas Einspielzeit gönnen muss. Ich hatte ja den am Anfang beschriebenen Bass vom Probehören im Gedächtnis. Nur wollte sich die ersten Stunden da so gar kein Gefühl von einstellen. Ich war schon am Suchen, was denn so die Erfahrungen mit der Dämmung sind, da ich fürchtete, dass ich es vielleicht doch übertrieben hatte. Es kamen zwar einige sehr tiefe Töne aber nicht wirklich „Druck“. Gleichzeitig hatte ich im Kopf, dass etwas Zeit ja nicht schaden kann und wollte mir auch noch etwas Gewöhnungszeit gönnen. Und nach so 1-2 Tagen war es fast stündlich wahrnehmbar mehr Druck. Da kam dann richtig Freude auf.

Der Einsatzort ist wohl nicht die beste Option für Boxen. Aber tatsächlich habe ich am Schreibtisch sitzend eine akzeptable räumliche Auflösung und es klingt genau dort fast noch am besten. Ganz die Tiefenwirkung wie bei Udo schaffe ich allerdings nicht. Da wird dann wohl mal irgendwann ein größerer Raum für sorgen müssen.

Zum Vergleich hatte ich auch mal kurz meine alten kleinen Lautsprecher der Kompaktstereoanlage auf die Ladys gestellt. Ein 100% Vergleich ist allein aufgrund dessen, dass man die Lautstärke kaum exakt gleich trifft, schwierig. Ein paar Unterschiede konnte ich aber doch wahrnehmen. Im Vergleich zu den kleinen wirken die Ladys, als hätte man ein Tuch von den Boxen genommen. Es wirkt einfach alles deutlich klarer. Und auch wenn selbst bei den kleinen der Bass voluminös wirkt, so scheint der immer etwas aus Resonanzen zu kommen. Das lässt ihn zwar voluminös, aber auch etwas drückend/ dröhnend wirken. Hier gibt die Lady einfach ein klareres Erlebnis. Auch wenn das bedeutet, dass einige Lieder erstmal wirken, als hätte man weniger Bass, zeigen andere doch, dass da nun definitiv mehr geht. Vielleicht gehe ich doch noch irgendwann hin und nehme einfach mal etwas Dämmung wieder raus. Einfach, um selbst mal Erfahrung mit dem Einfluss zu sammeln. Das ist, wie schon jemand hier im Forum anmerkte, das Schöne am Selbstbau; Man weiß, wie es zusammen gehört und traut sich auch mal, einfach etwas zu testen. Aber grundsätzlich bin ich erstmal voll zufrieden mit meiner Wahl und dem Ergebnis meiner Arbeit. Und das ist ja wohl die Hauptsache.

Ich hoffe, ihr hattet etwas Inspiration beim Lesen und kann nur sagen der Selbstbau ist auf jeden Fall eine lohnende Erfahrung.

Daniel

Zur BelAir 73 (Lady) passiv im Online-Shop
Zur BelAir 73 (Lady) aktiv im Online-Shop

zum Thema

Ähnliche Beiträge

Aggerflash’s U_Do 73

Na dann mal Hallo zusammen, nachdem ich hier ja mal gefragt habe, welche Lautsprecher für mein Wohnzimmer was wären, und

Weiterlesen »

Die Mona als Soundbar

Die Einleitung Am Anfang stand der Wunsch nach aktiven Lautsprechern … aber das ist eine andere Geschichte, die an einem

Weiterlesen »
Community

Kommentare

1 Kommentar
neuste
älteste
Inline Feedbacks
View all comments

Moin Gemeinde.

Heute einen Baubericht zu meiner Favorotin Nr 2 zu lesen hat mich echt gefreut.
Beide Ladys sind Lautsprecher die ich, als klassisch aus – und eingebildeter Musiker, mit einem Spitzenorchester gleichsetzen würde, das nicht alle Stücke der Literatur immer mit der Großbesetzung spielent/spielen muss, aber alle Musiker könnten es, und der Klang bleibt dabei typisch gleich.
Eine Lady als ‚Schreibtisch-Lautsprecher‘, das toppt sogar noch meine SB23. Chapeeau 😉
Wohl dem, der Räume hat um solchen Lautsprechern gerecht zu werden.
Um das Klagen auf hohem Niveau zu beenden, bleibt jetzt nur, die Lichtgestalt des deutschen Fußballs , den Kaiser Franz, etwas angepasst zu zitieren: So, jetzt setzt euch hin und hört Musik!
Lady ist dazu die beste Voraussetzung
Gruß
Rodscher

Nach oben scrollen
1
0
Kommentar schreibenx