Yogas SB 18

Seit über einem Jahr höre ich mit der leider ausgestorbenen Minuetta Musik. Und was soll ich sagen, ich bin nach wie vor begeistert. Toller Klang – super Lautsprecher!!! Dennoch, an lauen Wintertagen kommt man schon in die Versuchung, ein paar neue Bauberichte zu lesen. Da sind dann richtig tolle Kreationen dabei und schwupps schlägt dieser Virus wieder zu. Ihr kennt ihn bestimmt auch. Es kribbelt und juckt, man liest und sucht und findet. Die SB 18 sollte es sein. Als Zweitlautsprecher, der mal schnell abgebaut und woanders aufgebaut werden kann. Mit den Minuettas geht das leider nicht, sind ein wenig zu schwer.

Kontakt per Email aufgenommen Termin ausgemacht und ab ins Hörstudio. Leider hatte Udo wenig Zeit, weil er ein verstopftes Abflussrohr im Keller hatte. Wasser stand schon im Keller, doch Udo blieb relativ gelassen. Seine Aussage: Wenn ich nachher runtergehe, hat sich nicht viel verändert. Wasser steht bestimmt noch dort. Also noch ein wenig geschwatzt und den Bausatz mitgenommen.

Einen Baubericht wollte ich aus zwei einleuchtenden Gründen verfassen, zum einen, um die Arbeit, des Lautsprecherbau Magazins, in dieser Form zu würdigen. Weiterhin sollte ein Baubericht erfolgen, damit Neuanfänger sehen, dass man auch mit zwei linken Händen eine tolle Kreation zusammen basteln kann.

Eigentlich wollte ich das Ganze aus Schiefer machen, doch ich bin dann letztlich doch davon abgekommen, da mir das dann doch zu schwer wird. Hab dann meine Planung auf Holz reduziert und wollte die beiden Seitenteile aus Schiefer machen. Auch davon bin ich ab. Ich habe mich für 25 mm MDF entschieden, um dem Ganzen ein wenig „Stabilität“ zu verpassen. Ok, 19 mm hätten auch gereicht, doch wat man hat, dat hat man.

Das war das Ziel. Eine SB18 – quadratisch, praktisch, gut. Mir kommt es im Endeffekt auf den Klang an. Der Ehrgeiz hat mich dann aber doch ein wenig eingeholt und so wollte ich meine SB18 ein wenig schöner machen.

So hatte es angefangen: Ein Sammelsurium aus Bauteilen und Hölzern.

Ein paar Wochen später (mittlerweile ein wenig mehr Zeit und keine Termine) sollte die Frequenzweiche zusammengebastelt werden. Also ab ins Internet und geschaut, wie sind diese Pläne zu lesen Ein paar Notizen gemacht und die Teilchen auf nem Blatt Papier ausgelegt. Dann habe ich mich entschieden, die Weiche zu teilen. HT und MT/TT getrennt. Vorlage gab ein bereits existierender Baubericht. Ich hoffe, ich habe das Urheberrecht nicht verletzt.

Jetzt gings los. Holzbrettchen her, Lötkolben angeschmissen und die Heißklebepistole aktiviert. Hört sich an wie Rambo Teil I. War es auch, nicht für mich, sondern für die Widerstände, Luftspulen und Kondensatoren. Die armen Dinger. Das Grauen nahm seinen Lauf. Ein paar Beispiele gefällig für meine Kreation? Ich sag da nur: Nicht schön – aber selten.

Nach der Fertigstellung erst mal gecheckt, ob da überhaupt ein Ton rauskommt. Sicher ist sicher. Chassis raus, angeklemmt und siehe da, es funzt. Glückwunsch Jochen, geht doch. Und nun zum Holz. Zuschnitt wie beim letzten Mal Online bestellt und ein paar Änderungswünsche angebracht. Nach 2 Wochen war alles zuhause. Um das Gewissen und die Lust am Basteln zu befriedigen, diesen schönen Pyramidenschaumstoff eingeklebt. Mit Sprühkleber (im Hintergrund sichtbar. Blaue Kappe von T….) Ich sag’s Euch, unter Kleben versteh ich was anderes. Hat schon ein Weilchen gedauert bis ich die Verarbeitungsweise heraus hatte. Zu guter Letzt hat´s dann gepasst.

Die Kisten waren schnell zusammengeleimt – mit dem Super Duper Ponal Holzleim. Schraubzwingen???? Wat ist dat? Laut Meister nicht notwendig, also einfach nur Kasten Bier drauf und gut is. Danach ging es ans Ausbessern von kleinen Fehlern und ans Schleifen. Dazu Holzpaste in die noch zu sehenden Fugen gestopft und trocknen lassen. Am nächsten Tag von Hand ein wenig geschliffen, denn die Vorder-/Ober- und Rückseite sollten mit Kunstleder bezogen werden. Die Seiten sollten vor dem Lederbezug aufgedoppelt werden, damit eine kleine Nut entsteht, in welche ich das Leder reindrücken wollte. Im Vorfeld habe ich dann ein paar Versuche durchgeführt. Zuerst das MPX geschliffen und dann gebeizt. Es sollte was Dunkles sein, aus diesem Grund habe ich mich für Ebenholz und Schwarz entschieden. Beize gleichmäßig auftragen und dann das überflüssige Material runterwischen. Endbehandlung mit Holzwachs. Anschließend aufpoliert.

Dummerweise passte nach Aussage meiner Frau beides nicht zusammen. „Wir“ entschlossen uns daher die Seiten weiß zu wachsen, da unsere Holzwände ebenso behandelt wurden. Das MPX wurde erst ein wenig feucht gemacht, damit sich die Fasern aufstellen und anschießend geschliffen. Von Hand, da die Fläche ja nicht so groß war. Anschließend das Weißwachs von Schulte mit nem Lappen mehrfach aufgetragen. Da ich keinen großen Maschinenpark habe, musste ich mir beim Aufdoppeln der Seiten ein wenig aushelfen. Man(n)/ Frau sieht das Ergebnis. 4 x 12,5 kg von oben bringen jedes Brett zum halten. Man muss halt aufpassen, wenn zu viel Leim verwendet worden ist, dann neigt das Brett ein wenig zum „Schwimmen“. Also gut ausrichten! Das Ergebnis lässt sich sehen

Jetzt kommen wir zu dem Teil, den ich mir doch ein wenig leichter vorgestellt habe. Rincewind und Franki haben mich in Kerpen davor gewarnt. Aber was ein Sturkopf ist, denkt sich, lass die mal reden, wir bekommen das hin. Und so begann die Story.

Zuschneiden des Kunstleders durch Frauenhand, sollte ja gerade werden, noch war alles easy. Das Kunstleder wurde in Vorversuchen ein paarmal auf MPX verleimt, auch an Rundungen. Der Sprühkleber (TESA) hat sich als beratungsresistent herausgestellt. Holzleim funzte gut. Zumindest im Vorabtest.

Dann nahm das Drama seinen Lauf. Gegen 10 Uhr abends am Ostersamstag Holzleim auf die Schallwand aufgebracht und das Ganze mal ausgerichtet. Vielleicht ein wenig zu lange gewartet, wer weiß, aber dummerweise haben wir das Kunstleder nicht mehr in die Nut gebracht. Wat nu? Kunstleder wieder ab und die Nut verbreitert, mit Gewalt und einem Küchenmesser. Der nächste Versuch. Kunstleder dieses Mal von einer Seite in die Nut gesteckt und dann langsam zur anderen Seite geklebt. Dieses Mal hats geklappt. Passendes Brett auf das Leder gelegt und nen Kasten Wasser drauf. Trocknen lassen. Am nächsten Tag die ganze Sache wiederholt, bis alle Seiten verarztet waren. Dann ging es daran, die Chassis und das Terminal an die richtigen Stellen zu setzen. Cuttermesser ausgepackt und das Leder bearbeitet. Anschließend die Chassis verlötet und das Ganze verschraubt.

Gut es sind ein paar Stellen drin, die nicht so doll sind, aber ich bin zufrieden. Bei der zweiten Box steigerte sich das Drama zum saisonalen Höhepunkt und Gewitter. Wie man sieht, habe ich doch nicht so doll geschliffen, wie ich gedacht habe. Da ich auf Stoß und nicht auf Gehrung zugeschnitten habe ( beim nächsten Mal wird das anders) sah man die Stoßkanten durch das Leder. Weiterhin gab es einige Blasen und nicht geklebte Segmente. Es sah einfach Sche… aus. Was tun? So lassen, nee, da hatte mich dann doch der Ehrgeiz gepackt. Also alles runter und nachschleifen.

Nachdem die Schallwand erneut geschliffen war (dieses Mal mit einem Schleifi), konnte eine neue Bahn Kunstleder aufgebracht werden. Auch wieder mit Holzleim. Mit der Erfahrung, die wir jetzt hatten, ging es ein wenig leichter von der Hand. Nachdem alles getrocknet war, wurden die Chassis reingeschraubt und die Gummifüsse angebracht.

Dann war der doch so lange erwartete Moment gekommen. Lautsprecherkabel anschließen, Lieblingsmusik rein und lauschen. Was soll ich sagen: Ich bin begeistert!!!!! Ich bin nicht der Typ, der seine klanglichen Hörergebnisse detailliert in Worte fassen kann. Aus diesem Grund kann ich nur sagen, das ist absolute Spitze. Mein Arbeitszimmer und ich freuen uns über den Nachwuchs. Jetzt kann gearbeitet und gleichzeitig mit Genuss Musik gehört werden.

Meine Minuettas im Wohnzimmer freuen sich auch, denn sie werden in Zukunft ein wenig entlastet.

Jochen

 

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