Okt 15 2011

Olafs Duetta

Alles fing an, als bei einem der mit meinem Kollegen üblichen Gespräche über Stereo, High End, Digital oder Analog usw. das Thema Selbstbau-Lautsprecher aufkam. Bis dato war ich mit meinen “Spark 5” sehr zufrieden, sehr hochauflösend, räumlich, fein zeichnend, alles Attribute die mir sehr wichtig waren. Okay, sie könnten ein klein wenig mehr Druck für mein ca.25m² Wohnzimmer haben!  Als er mir dann von Lautsprecherbau.de und den Selbstbau Projekten erzählte, dachte ich mir damals: Nett!!!

Aber doch eher was für Einsteiger, die richtig guten Lautsprecher muss man halt immer noch für teuer Geld kaufen!! Angestachelt von dem Gespräch, schaute ich mal ins www. Und?, na klar, man kommt unweigerlich auf die Lautsprecherbau.de Seite!

Also, mal eben die Projekte durchgestöbert, Meinungen gelesen und zu dem Entschluss gekommen, meinen Kollegen nach Bochum zu begleiten, da dieser die BlueNote in die engere Wahl genommen hatte. Nach langer Fahrt und einigen Umwegen dann spät bei Udo Wohlgemuth eingetroffen. Erster Eindruck von draußen: Nett!! Aber “High End” sieht anders aus! Udo machte uns in seinem sehr “persönlichen“ Studio die Tür auf und war gleich hundert Prozent für uns da (das nenne ich mal kundenorientiert!!).

Da mein Kollege sich wie gesagt für die BlueNote interessierte, wurden uns diese mal gleich vorgeführt und mit allen technischen Details erklärt! Toll, dachte ich, aber nicht mein Geschmack! Udo schloss dann mal die Duetta an und was ich da hörte, faszinierte mich auf eine sehr angenehme Art und Weise, die schwer zu beschreiben ist (dies haben schon viele vor mir versucht)!

Okay, mit diesem Höreindruck und dem Gefühl, dass da jemand in der Selbstbau-Lautsprecher-Szene es mit seinen Kunden ehrlich meint, diese gut informiert und auf alle Fragen rund ums Thema eine Antwort weiß, verließen wir Bochum Richtung Heimat. Zu Hause angekommen, stöberte ich erst einmal im Internet nach weiteren Selbstbau-Lautsprecheranbietern. Mich Interessierte das Thema Horn-Lautsprecher ungemein, ebenso waren Ionen-Hochtöner auch eine Interessante Alternative, so dass ich noch weitere Vorführstudios besuchte.

Nach vielen Vergleichen, etlichen Autobahn-Kilometern und immer dem Höreindruck der Duetta im Hinterkopf konnte ich die BlueNote mal wieder live hören (mein Kollege hatte sie mittlerweile fertig gestellt), Sofort war diese angenehme Art und Weise wieder da , wie der Eton Airmotion aufspielte. In diesem Moment wurde mir klar, die Duetta wird es.

Die Planung:

Als erstes musste ich mir Gedanken über eine Wohnzimmer taugliche Form machen (sind ja schließlich keine kleinen Lautsprecher), welche dann auch von meiner Frau akzeptiert werden sollten. Schnell war klar, Eckig geht gar nicht, also irgendwie rund (uns gefiel ja schließlich auch die Form unserer Spark 5). Inspiriert von Daniels Duetta nach Kais Bauplan (auch hier zu lesen!) und einigen Fertiglautsprechern, stand die Form im Kopf fest und war mal schnell aufs Papier gezeichnet. Meine Frau unterstützte das Konzept! Und jetzt kommt das Tolle: Noch nix bei Udo bestellt, aber zu jeder Zeit hat er mir meine Fragen beantwortet und mir den Mail-Kontakt mit Daniel ermöglicht. Der mir seinen Bauplan per PDF Datei geschickt, was für mich eine grobe “Maßrichtung” war. Dafür an dieser Stelle meinen Dank.

Das Fertigen:

Nachdem die Teileliste fertig war, ab in den Baumarkt und das Material grob zuschneiden lassen, musste eh alles nach Schablone fertigen. Als erstes kamen die Spanten dran, diese habe ich nach hinten länger gelassen, damit ich später einen separaten Raum für die Frequenzweichen habe, der noch mit Quarzsand ausgefüllt werden sollte.

Dann ging’s ans Verleimen. Frontplatte mit den Spanten verbunden, Rückwand rauf und das Ganze festzwingen. Ich verwendete auch Spanngurte, die sich durchaus als sehr vorteilhaft heraus stellten. Die obere Spante (Deckel) faste ich leicht an, um später den Lautsprecher mit einer Neigung von ca.14 Grad aufstellen zu können.


Nachdem die “Gerüste” fertig waren, kleidete ich innen alles mit 7mm Weichfaser-Dämmplatten aus (Laminat Trittschall-Dämmung). Ebenso die Seitenteile, die aus mehreren Schichten 4mm Pappel Sperrholz bestehen. Ich fertigte eine Seite vor, dann leimte ich die Seitenteile Schritt für Schritt aufeinander, was sich mit den Spanngurten sehr gut machen ließ.


Nach etlichen Leimschichten und genauso vielen Litern Leim (pro Seite ca. 2,5 Liter), waren die Seiten fertig, nun kam das planschleifen. Das machte sich mit dem Bandschleifer hervorragend, nur Vorsicht, eine Unachtsamkeit und man hat ganz schnell zu viel runter geschliffen!

Im Vorfeld habe ich schon die Kabel eingezogen, weil es im Nachhinein durch die zusätzliche Kammer auf der Rückseite sich schwer hätte realisieren lassen.

Danach kam das Furnieren an die Reihe, Wir entschieden uns, die Seiten in Natur zu lassen, weil meiner Frau die Holzmaserung des Pappel-Sperrholzes sehr gut gefiel. Also eben mal zum Furnier-Shop gefahren und festgestellt, es gibt kein Pappel-Furnier (für Front und Rückwand) zu kaufen, da es zu empfindlich ist. Als Alternative wurde mir “American White Pappel“ vorgeschlagen, diese hatte allerdings gar nix mit der Pappel auf meinem Sperrholz gemeinsam. Auch im Internet war kein Erfolg zu vermelden. Deshalb musste ich mir selber helfen, habe Sperrholz grob aufs Maß geschnitten und dann für ca. 6 Stunden in der Badewanne eingeweicht. Vorsichtig konnte ich das Furnier vom Trägermaterial nun abziehen. Nach dem Austrocknen wurde Leim auf Furnier und Box aufgetragen, gewartet, bis er leicht angetrocknet ist und mit dem Bügeleisen in ständiger Bewegung Box und Furnier verleimt. Klappt Prima!

Als nächstes kümmerte ich mich um die aufgesetzte Schallwand. Alle Maße der Chassis übertragen, Oberfräse mit Fräser versehen und los ging es. Mit einem selbstgebauten Fräszirkel wurden Mittel- und Tieftöner ausgefräst. Für den Hochtöner habe ich mir an den Seiten Anschläge zur Führung montiert!

Die Fase rund herum habe ich mit der Tischkreissäge gemacht. Links und rechts vom Hochtöner habe ich eine leichte Vertiefung zur besseren Abstrahlung gemacht (diese wurde später aus ästhetischen Gründen verlängert).

Bevor es nun zur Endbehandlung des Furniers kommt, musste ich den Sockel noch gießen.

Lautsprecher auf den Kopf gestellt, alles in Waage ausgerichtet, dann einen Rahmen aus 4mm Rückwand und Spanngurt um den unteren Teil des Gehäuses gezurrt. Innen wurde alles mit Folie ausgekleidet, Draht eingelegt (für bessere Haltbarkeit) und zum Schluss das Ganze mit Beton aufgefüllt! Nach dem Aushärten des Betons hatte ich das ideale Gegenstück zu meiner Lautsprecher-Oberseite.

Da war allerdings noch ne ganze Menge spachteln und schleifen angesagt, so ein Betonklotz ist ganz schön porös!. Oberhalb habe ich noch die Trittschall-Dämmung aufgeleimt, damit habe ich keine direkte Verbindung zum Korpus und gleichzeitig eine schöne Schattenfuge.

Nach so viel Vorarbeit wurde das Ganze mit dem Paket von Intertechnik belohnt. Gleich mal alles ausgepackt, angefasst und für gut bepfunden. Der Bauplan für die Frequenzweichen ist wirklich einfach zu verstehen, also alles erst einmal selektiert, dann beschriftet und schon konnte die Lötstation hochgefahren werden. Da ich die Weiche in der Extrakammer unterbringen wollte, mussten alle drei auf kleine Platten montieren werden.

Es folgten die letzten Fräsungen für das Biwiring-Terminal und den Reflexkanal.

Da das Terminal rechteckig war, baute ich mir links und rechts einen Anschlag. So konnte ich der aufgezeichneten Linie folgen, musste nur noch die Ecken mit einem Stechbeitel nachbearbeiten und schon passte das Terminal.

Nun kamen die Lackierarbeiten. Zuerst wurde die Schallwand schwarz lackiert und auf den Korpus geleimt.

Und nun nahm das Unheil seinen Lauf. Als erstes das Furnier wässern, damit sich die Fasern beim Lackieren nicht hoch stellen, und ordentlich schleifen- Da ich keine Lackier-Kabine besitze, versuchte ich es mit Rollen. Den guten Treppenlack gekauft und in mehren Schichten Klarlack aufgetragen. Nach der ersten Schicht nochmal mit Stahlwolle drüber und dann immer nass in nass übergerollt. So stand es auch in der Beschreibung, war allerdings ein Fehler. Die Oberfläche war eine einzige Orangenhaut! Schrecklich, alles vers……!??? Auch die Schallwand, die ich ja vorher schwarz lackiert hatte und auch mit Klarlack überzog, sah genauso verhunzt aus!!

Nach längerem Haareausraufen und etlichen Stunden gegen die Wand laufen, kam mir die Idee. Frag doch mal so einen Lackprofi aus der Auto-Branche. Gesagt getan, in der Nähe einen „Lackprofi“ gesucht, gefunden, hingefahren, Problem beschrieben und der erklärte sich gleich bereit, mir die Macken „rauszupolieren“. Wir haben sofort einen Termin gemacht, Samstag kann ich Sie wieder abholen! Mit größter Aufregung und großer Erwartung fuhr ich Richtung “Lackprofi“. Was ich jetzt sah, verbesserte meine Stimmung in keinster Weise! Nur soviel: Wässern und Schleifen, wie bei Metall, sollte man MDF nicht!!!!

“Besser geht’s nicht” sagte er und ich stand sprachlos daneben, wie versteinert, hatte nur das große Entsetzen in den Augen. Die Schallwand, um die Ausfräsungen herum, war aufgequollen, die Orangenhaut war genauso da wie vorher!!! Das ging richtig in die Hose!

Was so ein richtiger Selbstbauer ist: In die Hände gespuckt und los geht’s. Habe mich komplett mit Schleifpapier von 320’er bis 1500’er, Schleifpaste und Politur eingedeckt und den ganzen Sonntag meine Lautsprecher mit einem Exenterschleifer runter geschliffen. Mehr falsch als so ein Profi konnte ich ja jetzt auch nicht mehr machen, dachte ich mir. Es stellte sich als gut raus, dass ich immerhin 5 Schichten Klarlack aufgetragen hatte, damit war genug Material zum Bearbeiten da.

In diesen Zusammenhang fragte mich meine Frau, ob ich nicht die Vertiefungen links und rechts vom ER4 länger und größer machen könnte, aus ästhetischen Gründen. Da ich die aufgequollene Schallwand eh komplett runter schleifen musste, war das eine meiner leichtesten Übungen. Nach etlichen Stunden schleifen und genauso vielen mit Schleifpaste und Politur, konnte sich das Ergebnis sehen lassen, nein, besser sogar, ich war richtig zufrieden, meine Stimmung war wieder da, wo sie hingehörte: Ganz Oben!

Danach kam dann das Grundieren der Schallwand und das Probieren verschiedenster Schwarzmatttöne. Mittlerweile war ich auch von der Idee weggekommen, den Lautsprecher komplett in Hochglanz haben zu wollen. Entschieden hab ich mich dann für Seidenmatt, was eine gute Entscheidung war, weil es viel besser mit den Eton Chassis  harmoniert!

 Ich weiß nicht wieso, aber aus irgendeinem Grund sollte das wohl alles so laufen wie es gelaufen ist. Durch die ganze Überarbeitung des Gehäuses haben die Lautsprecher in ihrer Form für mich nur gewonnen! Deshalb gilt hier das Sprichwort: “Nichts ist so schlecht, dass es nicht für irgendwas gut ist

Jetzt kam die Elektronik zum Einbau. Ich hatte ja die Weichen schon fertig und musste sie nur noch in die Öffnung des Doppel-Terminals einbauen. Lötstation wieder hochgefahren und ans Werk gemacht. Das klappte alles prima und der Platz war hervorragend, da die Weichen nicht mit Schallwellen im Inneren des Lautsprechers in Berührung kommen. Die Kammer soll, wenn der Lautsprecher sich eingespielt hat, dann noch mit Quarzsand gefüllt werden, um allerletzte Gehäuse-Resonanzen zu unterdrücken!

Den mittlerweile fertig gespachtelten (gefühlte 10’mal) und lackierten Sockel unter den Lautsprecher verschraubt. Durch die Trittschall-Dämmung auf dem Sockel und vier Gummif´üße habe ich die Entkoppelung so gut wie möglich gestaltet, damit mein Laminat nicht die ganze Zeit mitschwingt. Jetzt noch die Chassis in ihre Aussparung einbringen, löten, festschrauben. FERTIG!!!

Da standen Sie nun! Die Erwartungen waren hoch. Zwar habe ich die Duettas ja schon bei Udo gehört, aber jeder hier weiß, in den eigenen vier Wänden ist alles anders! Okay, ich wusste, sie müssen erst einmal eingespielt werden, deshalb störte mich der etwas zu schwache Bass zu diesem Zeitpunkt wenig. Dass allerdings nach Stunden der Bass immer noch so dünn war, machte mich stutzig. Kurz noch einmal auf den Schaltplan geschaut und sofort die verkehrte Polung des Basses entdeckt, kurz umgelötet, wieder alles verstaut. Man muss schon alles richtig machen! Anlage einschalten, Hören. JA, da ist es wieder! Genau mein Geschmack, Räumlichkeit, Präsenz, Tiefe und das alles so ausgewogen, dass es nur noch Spaß macht, Musik zu hören.

Klar, dass der eigene Lautsprecher für jeden Selbstbauer das Beste ist, was es auf den Markt gibt. Schließlich hat man viele Stunden mit dem Bau verbracht, sich die Finger wund geschliffen, unendliche Wartezeiten zwischen den Leimvorgängen erduldet. Jeder noch so tiefe Tiefschlag verbindet einen mehr mit seinem Projekt!

Trotzdem versuche ich, in der Klangbeschreibung neutral zu bleiben, soweit es mir möglich ist. Sehr viel muss man auch nicht mehr über den Klang der Duetta sagen, ich glaube, hier wurde schon genug darüber geschrieben.

Nachdem ich mir noch zwei Endstufen gegönnt habe (weil die Duetta’s in Ihrer Größe es einfach verdient haben, so angefeuert zu werden), entdecke ich meine CD Sammlung neu. Sie spielen einfach freudig, luftig auf, sind nie aufdringlich und das Beste, egal bei welcher Lautstärke überzeugen Sie mit ihrer Auflösung und räumlichen Tiefe!

Da bei mir die Lautsprecher auch den Ton bei bewegten Bildern angeben, mussten Sie auch in diesem Bereich überzeugen. Und das taten sie auch zu hundert Prozent, da machen Filme gleich doppelt so viel Freude, dank des trockenen Basses auch ohne Subwoofer!

Es macht Spaß, über so ein Projekt zu lesen, aber noch mehr Spaß bringt es, die eigenen selbstgebauten Lautsprecher in den eigenen vier Wänden zu sehen und zu hören. Deshalb kann ich an dieser Stelle dem Udo nur Danke sagen. Ohne ihn wäre es mir nicht möglich gewesen, solche tollen Lautsprecher zu besitzen. Vergleicht man einmal, was hiesige Lautsprecher-Hersteller für Preise aufrufen, möchte ich erst gar nicht wissen, was mich meine dann wohl “draußen“ gekostet hätten! Danke auch an alle Selbstbauer, die ihr Projekt hier veröffentlicht haben. Das machte mir meine Entscheidung leichter, es einmal selbst zu versuchen. Ich bin nicht enttäuscht worden, und kann nur jeden raten, nicht zu zögern und es auch zu wagen.

Olaf aus B.

 

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