Nuba oder Josefs Linie 52 ACL

Hallo Kollegen, hier ist mein erster Baubericht und hoffentlich nicht der letzte.

Die Vorworte
Ich bin HiFi-technisch in den späten Siebzigern/ frühen Achtzigern sozialisiert. Damals gab es schon einen kleinen Versand für Lautsprecher. Die hatten ein kleines DIN-A4 Heftchen mit Sachen von JBL, Fostex, Dynaudio und anderes. Für Bauvorschläge gab es kleine Bücher, von Franzis glaube ich. Ich habe viel geträumt. Aber ich habe mich damals noch nicht getraut, Boxen selber zu bauen. Deshalb habe ich mir Elektronik von Marantz und ein Paar NS1000M von Yamaha gekauft. Damit war ich dann auch eine ganze Zeit lang glücklich.

Dann kamen das Studium, die Familie und der Job und ich hatte eine ganze Weile ganz andere Dinge im Kopf. Seit ein paar Jahren sind die Kinder groß und ich habe wieder Lust und Zeit für HiFi-Sachen.

Nachdem ich mich elektronisch erneuert und ein paar schicke Lautsprecher aus Wien gekauft hatte, war ich erstmal wieder in der Spur. Und irgendwie stößt man beim Surfen auf Udos Webseite und dann ist es passiert. Glücklicherweise brauchte mein Kumpel Karsten ein paar neue Lautsprecher und wir haben erstmal ein Paar FT12 gebaut. Ging total easy. Und dann noch eins und noch eins.

Und dann wollte ich auch mal was für mich machen. Also mal eine Linie 71 bestellt und gebaut. Ging wieder ganz easy und die waren genauso gut wie meine Wiener, nur leider optisch nicht ganz so schön.

Naja, Standboxen finde ich ganz schick. Also schnell mal die Linie 71 als Stand-Box (mit ACL nach Schülzken) umgebaut. Dabei habe ich die Boxen auch erstmalig furniert. Ging ganz easy.

Easy, easy, easy! Was heißt denn das? Für mich heißt das mit einfachen Werkzeugen und ein wenig Geschick gut klingende, schöne und Wohnraum taugliche Boxen bauen. Ich selber habe keine Werkstatt und bin auch kein Schreiner. Ich habe etwas Werkzeug, einen Küchentisch und einen Lötkolben habe ich auch (ok, in einem früheren Leben war ich auch mal Elektriker). Und das ist das Tolle an Udos Bausätzen: man kann sie auch mit einfachen Mittel bauen. Rundungen in Holz kann ich nicht, aber man kann sich mit eigenen Proportionen und Oberflächengestaltung sehr gut einbringen. Die aufgebauten Weichen und gefräste Fronten gibt es für wenig Geld und alle, die sich nicht selbst ran trauen, auch von Udo zu kaufen.

Der Bau
Zwischenzeitlich ist mir in der Bucht eine Doppel 7 über den Weg gelaufen und ich konnte nicht nein sagen. Das war schon immer meine Wunschbox. Die ist super und ich kann mir Lausprecher ohne den ER4 gar nicht mehr vorstellen. Nur habe ich jetzt keine von mir gebauten Lautsprecher. Mist, also mal bei Udo reingeschaut. Eine Duetta Top wäre doch was, oder sogar eine aktive als Stand-Box. Oder eine Linie 52 ACL. Die war neu und hat mich gereizt.

Ich habe mich ein halbes Jahr mit der Entscheidung gequält und dann ist mein Urlaub ausgefallen und ich hatte 2 Wochen frei. Also jetzt die L 52 ACL. Zwei Klicks bei Udo und der Stein ist im Rollen. Corona hat die Lieferung etwas verzögert, aber die Pläne waren ja im Netz. Erstmal MDF vom Eichhörnchen in Göttingen sägen lassen. Für die Fronten habe ich mir zwei Ersatzplatten sägen lassen. Kostet nicht viel und man braucht sie nur, wenn man sie nicht hat.

Die erste Aufgabe ist natürlich das Fräsen der Frontplatte. Karsten hat eine einfache Oberfräse von Bosch und wir haben gemeinsam schon einige Katastrophen produziert. Neu waren die Ausschnitte für den ER4. Oha, da brauche ich eine Schablone. Die Oberfräse hat eine Kopierhülse und im Internet gibt es tausend Videos. Wird schon klappen. Die Schablone habe ich dann auch mit der Fräse gemacht. War quasi Probefräsen mit Memory-Funktion.

Dann ging es an die Fronten: Erstmal die Kreise für die Bässe. Kein Problem, haben wir schon öfter gemacht. Nun das Viereck für den ER4. Schablone drauf und ab geht das. Einfach! Aber die Schablone war nicht so gut. Buche ich mal unter Schönheitsfleck, kann ich vielleicht später noch hinpfuschen (das kann ich ganz gut). Das Innere mit der Stichsäge aussägen. Einfach! Aber zu viel ausgesägt, sch….. Da gibt es einiges nach zu bessern. Die Löcher für den Helmholz-Resonator und die Terminals waren kein Problem. Oberfräsen sind Klasse, aber auch gefährlich.

Jetzt konnte alles zusammengeleimt werden. Ich habe keine langen Schraubzwingen, nur zwei Böcke zum Auflegen. Meine Erfahrung mit Ponal-Fugenleim ist, dass man damit alles für ewig zusammen bekommt. Deshalb mache ich kein großes Theater mit Zwingen und Spanngurten, sondern nehme genug Leim, damit es keine Lücken gibt, und konzentriere mich auf die Ausrichtung der Bretter. Halten tut der Leim sowieso und wenn es gut ausgerichtet ist, dann gibt es später wenig zu schleifen. Das war jetzt einfach und die sommerlichen Temperaturen waren auch hilfreich beim Leimen. Und `ne Kiste Bier (oder Steine) habe ich doch noch für das gute Gewissen drauf gestellt. Nach 12 Stunden ist alles bombenfest. Kannst mit `nem Trecker drüberfahren.

Jetzt muss ich auf den Bausatz von Udo warten. Ich nutze die Zeit, um mich mit der Oberfläche zu befassen. MDF ist ja nicht so schick und Lackieren ist meiner Meinung nach was für Profis. Ich kann das nicht und es ist mir auch zu schmutzig. Furnier ist cool. Es gibt da einige Anbieter im Netz mit sehr schönen Sachen. Ich habe mich für Makassar von Design-Holz entschieden. Das ist zwar Echtholz, aber eben kein Ebenholz (SaiRaiFo). Da gibt es schöne 250cmx32cm Bahnen, mit denen ich tolle Übergänge bekomme. Die Bahnen haben ein Flies zur Stabilisierung und werden einfach aufgebügelt. Zwei Klicks und vier Bahnen kommen zu mir. Ich liebe das Netz.

Jetzt kommen die Sachen von Udo. Alles komplett. Ich checke erstmal die Weichenteile und gucke mir die Treiber an genau an. Man muss die Sachen ordentlich anfassen und angucken. Man lernt auch mit den Händen. Kurzer Test mit den Ausfräsungen: Bässe sind ok, aber der ER4 passt nicht ganz. Wird mit einem Stechbeitel passend gemacht. Leider ist der innere Ausschnitt zu groß. Die Schrauben bekommen kein Fleisch. Ich nehme Holzkitt zum Füllen. MDF kann man schon sehr gut bearbeiten, allerdings fällt es auch leicht auseinander. Für Schrauben bohre ich immer vor.

Da das Furnier noch nicht da ist, mach ich mich zuerst an die Weichen. Ich habe ein paar Sperrholzplatten so gesägt, dass sie gerade noch durch die Ausschnitte passen. Sie sollten an der Rückwand hinter den Lautsprecher platziert werden. So eine Freiluft-Verdrahtung mag der Elektriker in mir nicht. Am liebsten wäre mir ein zentrale Lötleiste. Habe aber keine, dafür aber Lüsterklemmen. Die teilen die Weichen in zwei Bereiche (2-Wege). Die Weichenteile lege ich probeweise, bis alles ordentlich aussieht. Dann nehme ich Heißkleber zur Befestigung. Die dicke Spule mach ich mit Strapsen fest, mir ist schon mal eine runter geplumpst. Gefällt mir. Das Terminal kommt nach unten, deshalb ziehe ich das Kabel schon vorher ein.

Das Furnier ist da. Sieht etwas blass aus. Hoffentlich hilft später das Ölen.

Jetzt muss ich die Bahnen so schneiden, das ich oben einen schönen Übergang hin bekomme. Dazu mach ich pro Box zwei ineinander verschachtelte U’s. Das erste besteht aus den Seiten Links-Oben-Rechts und das zweite aus Vorn-Unten-Hinten. Dass schaffe ich gerade mit 2 Bahnen pro Box. Jetzt geht es langsam weiter: Einleimen von Furnier und Träger, 15 min. warten bis der Leim anzieht, bügeln und 15min warten und die Überstände mit einem Schleifklotz abschleifen. Bei den Ausfräsungen muss man vorsichtig sein. Alles nicht schwer, aber langsam. Und viel Wuchterei. Bin müde, aber das Ergebnis gefällt.

Ich öle das Furnier mit klaren Hartöl und jetzt sieht es richtig gut aus. Das Öl ist von Leinos und riecht etwas länger und ich muss viel lüften. Gut, dass das Wetter mitspielt.

Da ich meinen Boxen gerne Namen geben, fällt mir zu den dunklen, schlanken Schönheiten der Name Nuba ein. Nach dem Ölen trage ich noch Wachs auf. Habe mir noch mehr Glanz versprochen. War aber nicht. Gibt aber noch etwas zusätzlichen, mechanischen Schutz.

Jetzt kommt die Hochzeit. Ich löte Kabel an die Lautsprecher, setze zuerst den unteren Bass ein, danach folgt der ER4. Dann wird die Weiche versenkt und angeschraubt, die Watte eingesetzt und zuletzt der obere Bass provisorisch angeschraubt. Feddich. Nee, das Terminal noch anlöten und festschrauben. Das Reflex-Rohr habe natürlich nicht vergessen. Die Ausfräsung war etwas zu großzügig. Habe ich mit Panzerband geflickt. Plötzlich fertig, und jetzt: Mucke drauf. Mal sehen, was nicht geklappt hat.

Okay, es kommt was raus, alle Lautsprecher arbeiten, keine Phasenfehler. Alles geht und hört sich richtig an. Das kann nicht sein. Ich bin Software-Entwickler, das ist sonst nie so. Wow, ich freue mich wie Hulle. Sieht gut aus und hört sich gut an.

Die Hörprobe
Meine Erwartung: ER4 klingt harsch, Bässe sind etwas schwach, so sagen die anderen Bauberichte. Und wird wohl alles etwas weniger als die Doppel-7 sein, denke ich. Aber es klingt toll. Der ER4 löst alles perfekt auf. Die Bässe gehen nicht so tief runter, haben aber ihre eigenen Stärken. Schöner Oberbass, denke ich. Das verändert einiges. Ich höre alle meine CD`s und Streams durch. Vieles klingt neu, anders und schöner. Wie Udo schon sagt, der ER4 ist einfach Spitze. Auch gerade bei Gesang. Jetzt muss ich den Boxen aber doch Zeit geben, um sich einzuspielen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sich die Boxen einspielen oder die mich!? Demnächst mach ich dann einen fairen Vergleich zwischen der Nuba mit den Doppel-7. Ach so die Nuba spielen an einem Yamaha N803D und die Doppel-7 and einem Yamaha A-S1000. Könnte auch sein, dass sich bald ein Verstärker blamiert.

Und jetzt nochmal tausend Dank an Udo und alle Forenschreiber. Ohne eure Berichte und Infos hätte ich das nicht geschafft. Ich bin sehr glücklich. Ich würde mich freuen, wenn ich euch die Nuba in Nordhausen oder wo auch immer vorstellen könnte.

MfG Josef

Zur Linie 52 ACL im Online-Shop

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.acoustic-design-magazin.de/2020/07/19/nuba-oder-josefs-linie-52-acl/

6 Comments
neuste
älteste
Inline Feedbacks
View all comments

Hallo Josef,

der inaktve Lautsprecher schwingt bei jeder äußerlichen Anregung in seinen Resonanzfrequenzen aus, was sich zum Gesamtschall addiert. Allerdings kann ich die Auswirkung auf den Klang nicht beziffern. Idealerweise sollte immer nur ein Lautsprecher-Paar im Raum stehen oder das 2. Paar kurzgeschlossen werden. Das hat man früher häufig gemacht, um den Klang nicht zu trüben. Doch auch frühe Reflexionen von der daneben stehenden Schallwand haben einen kleinen Einfluss. Überbewerten will ich das aber nicht, sonst dürfte ich nicht mehr im Laden vorführen und unsere Treffen in Nordhausen müssten ohne Musik vonstatten gehen.

Den Vergleich zur Doppel 7 kann ich voll und ganz bestätigen. Beide interpretieren den Bass unterschiedlich und so kann schon die Aufnahme und die Platzierung mal die eine, mal die andere in Vorteil setzen. Es ist aber gut, dass sie nicht identisch klingen. Es lebe die Vielfalt 🙂

Gruß Udo

Hallo Josef,
dann steht ja wieder ein kurzes Hörvergnügen an. Ich meld mich bei Gelegenheit mal. Schöne Ausführung, Respekt!
Viel Vergnügen!

Grüße Enrico

Moin Josef,

Glückwunsch, schicker Lautsprecher.
Endlich mal wieder ne ACL wo der ER4 Verwendung findet.
Hat ja Seltenheitswert.

Gruß Schülzken

Guten Morgen ☀️

Herzlichen Glückwunsch zu den neuen. Schlank im feinen Kleid, das gefällt mir sehr gut. Gute Arbeit. Ein schönes Furnier hat einfach was.
Wünsche viel Spaß damit. 👍

Gruß Michael

@Udo: Ich hab den Fehler gefunden. Du hast in dem Bericht die C52ACL verlinkt. Nicht das jemand gleich was falsches bestellt. 😜

Hallo Michael,

danke für den Hinweis, werd ich gelich korrigieren.

Gruß Udo

6
0
Kommentar schreibenx
()
x