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#3192
Andre

Das Runde muss um das Eckige II

Jetzt bin ich zwar kein sogenannter „Digital Native“, aber ich verbringe trotzdem recht viel Zeit in den Unweiten des Weltweitnetzes und es gibt für Selbermacher und Lautsprecherbauer viele Quellen für Informationen, teils verlässlich, teils nicht. Eine Quelle, die beides ist, ist zum Beispiel „diyAudio.com“. Hier stolperte ich auf der Suche danach mit kleinem Aufwand MDF zu verbiegen, auf einen Artikel, der den Spieltrieb in mir weckte. Bisher war ich noch der Meinung Heißluft oder ein Bügeleisen führen zum Ziel. Die jetzt gefundene Aussicht, den Aufwand zu minimieren (Kosten auch!) und Zeit zu sparen waren mir weniger wichtig in diesem Moment, als die Idee an sich. Ammoniak!

Nach den Schilderungen des Forenmitglieds im diyAudio Forum soll sich MDF nach einer eingehenden Behandlung mit Ammoniak dazu erweichen lassen sich in hübsche Formen verbiegen zu lassen, ohne dabei allzu viel Widerstand zu leisten. Da tun sich völlig neue Welten auf. Kein Schleifen, kein Fräsen, nur ein bisschen NH3 auf das Werkstück und Ruckzuck haben wir ein Apfelmännchen geformt.

Jetzt ist das Thema nicht neu und ich muss zugeben, dass ich auch an anderer Stelle gelesen habe, dass das geht. Aber immer wurde davor gewarnt. Gesundheits- und Umweltschaden sind vorprogrammiert, die Ausdünstungen sind noch lange gefährlich etc. etc. Das alles konnte jetzt aber meine Neugier nicht mehr bremsen. Das wird ausprobiert!

Man nehme: Ammoniaklösung, besser bekannt als Salmiakgeist und einen Rohling, um den man das MDF biegen möchte und ein paar Hilfsmittel, damit das MDF auch an Ort und Stelle bleibt. Ab zum Baumarkt also und sowohl das Reinigungsmittel als auch ein Probestück MDF in 3 mm Stärke gekauft. Die empfohlene Atemschutzmaske habe ich nicht besorgt, weil die adäquate PSA (persönliche Schutzausrüstung) beim Umgang mit Ammoniak den preislichen Rahmen gesprengt hätte. Spätestens hier muss ich ein großes Ausrufungszeichen setzen: ! Der Umgang mit dem Zeug (Salmiakgeist) ist wirklich nicht ohne und sollte nur in sehr gut belüfteten Orten (am Besten draußen!) mit Schutzhandschuhen erfolgen. Dass das so ist, habe ich beim ersten Öffnen der Flasche am eigenen Leib erfahren. Ein Atemzug reicht aus, um vor diesem Zeug Respekt zu bekommen und als ich die Flasche das erste mal, neugierig wie ich war, im Gartenhaus öffnete war es, wie Schülzken treffend bemerkte, als wenn man den Flaschengeist befreit. Uiuiui! Haut das auf die Lunge! Da warten wir wohl besser auf schönes Wetter und machen das mal draußen, wenn die Kinder nicht da sind.

Die Flasche stand also ein paar Tage ungenutzt im Giftschrank (Kinder!!!) rum und als der erste Versuch endlich starten konnte, war das erst mal ernüchternd. Den Salmiakgeist habe ich mit dem Pinsel auf das Probestück auftragen (Luft anhalten nicht vergessen!) und dann versucht das Stück um ein Stück Abflussrohr zu biegen.

Knack!

OK. Nicht entmutigen lassen. Vielleicht ist es ja so wie immer. Viel hilft viel! Also, neues Stück MDF genommen und dann mehrfach von beiden Seiten das Probestück mit dem Pinsel nach und nach getränkt und siehe da: Das MDF verfärbt sich tatsächlich, wie im diyAudio Beitrag beschrieben, leicht grünlich und wird weich. Es lässt sich tatsächlich langsam um das Rohr biegen (Durchmesser 12 Zentimeter). Hurra! Das funktioniert soweit. Jetzt muss das Ammoniak nur noch so weit verdunsten, dass der Kleber des MDF wieder hart wird. Also Werkstück fixiert und abgewartet:

MDF biegen

Nach etwa einer Stunde war von der Durchfeuchtung nur noch wenig zu sehen und ich konnte mir das Ergebnis mal genauer anschauen:

MDF verbogen

Operation gelungen, Patient krumm!
Das werde ich weiterverfolgen! Nicht verschweigen möchte ich, dass durch das Lösen des Klebers im MDF sich auch etwas die Struktur des Materials ändert. Die Spannung beim Biegen lässt die Fasern aus ihrem Gefüge brechen, so dass sich die Oberfläche aufraut, Das MDF ist jetzt nicht mehr so glatt wie vorher, dafür hat es die gewünschte Form und ich habe ja einen Exzenterschleifer…

Wird fortgesetzt…

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