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Antwort auf: Der SUB-Woofer Thread

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Cappu

Hi Schülzken,

um das mal mit Leben zu füllen, wie wäre es mit FAQs?

Hier mal ein Entwurf:

 

1. Wann und wozu wird überhaupt ein Subwoofer benötigt?

Folgende Lautsprecherkonstellationen sind gängig:

– Stereo in Zimmerlautstärke: kompakte 2-Wege-Lautsprecher

– Stereo mit Pegelwunsch: große 3-Wege-Lautsprecher

– Heimkino: Kompakt-LS plus Subwoofer

Natürlich ist das stark vereinfacht und es sind Ausnahmen und Mischformen denkbar. Allerdings sollte man wissen, dass in der Regel der Bass der pegelmäßige Engpass bei einem Lautsprecher ist. Zudem freut sich jeder Tiefmitteltöner ab einem gewissen Pegel über Entlastung im Bassbereich. Dann spielt er im Mittelton entspannter. Man landet dann bei drei Wegen, wobei dies in einem Gehäuse oder als sog. Sub-Sat-System erfolgen kann (der Subwoofer stellt dann den dritten Weg dar).

Desweiteren sollte man wissen, dass bei Musik eine untere Grenzfrequenz von 40 Hz in der Regel ausreicht. Hier ist man also mit komplett passiven Lautsprechern gut aufgestellt, es klingt ohne große Einstellerei und Einmesserei in sich geschlossen.

Bei Filmton mogeln sich aber gerne mal Frequenzen bis runter auf 10 Hz auch auf die Hauptkanäle. Dies ist trotz der Existenz des LFE-Kanals kein Fehler, denn der Tonmeister darf ein Bassmanagement (= Umleitung der Tiefbässe auf einen Subwoofer) beim Anwender voraussetzen. Mit 10 Hz überlastet man aber selbst die potentesten Standlautsprecher. Für Filmton empfiehlt es sich folglich, auch solche Lautsprecher zu trennen.

Wer sich die ständige Umschalterei ersparen möchte, bindet seine Standlautsprecher über einen auftrennbaren Stereoverstärker in das Heimkinosystem ein. Dabei hört man Musik direkt über den Stereoverstärker, der AVR bleibt dabei außen vor. Filmton gelangt dann vom AVR an die Endstufe des Stereoverstärkers. Man kann dann im AVR eine Trennfrequenz einstellen, um die Lautsprecher zu schützen. Es ist übrigens nicht verwerflich oder die Lautsprecher “beleidigend”, wenn diese Trennfrequenz rundum einheitlich (recht hoch) ist (zum Beispiel 80 Hz), im Gegenteil, oft hat das klangliche Vorteile. Sobald der Film vorbei ist und man wieder Musik hört, können die Lautsprecher ja wieder “Gas geben”.

Die höherwertigen AVR-Modelle von Denon ermöglichen übrigens unterschiedliche Einstellungen für die Frontlautsprecher, je nachdem, ob Stereo oder Mehrkanal gehört wird. Die Einstellung “Stereo ohne Sub, aber Filmton mit Sub” lässt sich hier komfortabel hinterlegen.

 

2. Ist ein Subwoofer ein nachbarschädigender Krawallbruder?

Man kann einen Subwoofer dazu missbrauchen. Seine eigentliche Bestimmung ist es aber, den Frequenzgang der Hauptlautsprecher unauffällig nach unten zu erweitern. Dies erfordert etwas Sorgfalt bei der Auswahl, Aufstellung und Einstellung des Subwoofers. Diese Mühe wird aber belohnt. Man erkennt dann, dass auch der Tiefbass zur Räumlichkeit beitragen kann und sich dort mitunter feine Details verstecken, die man bislang nicht gehört hat.

Desweiteren kann man den Subwoofer unabhängig von den Hauptlautsprechern aufstellen, was für die Basswiedergabe meist günstiger ist. Im Idealfall werden dadurch sogar die Nachbarn geschont.

 

3. Wie binde ich einen Subwoofer in ein vorhandenes System ein?

Am besten elektronisch, zum Beispiel über einen AVR. Denn bei der Umleitung der Bässe entstehen sog. Gruppenlaufzeitunterschiede im Bereich von ca. 3 bis 15 ms, die der Subwoofer dem Rest hinterherhinkt. Dieser Laufzeitunterschied entspricht einer Entfernung von ca. 1 bis 5 Metern, um die man den Subwoofer näher zum Hörplatz schieben müsste, um das wieder auszugleichen.

Durch die Phasenverschiebung kommt es zu Auslöschungen im Übernahmebereich, der Bass wird also leiser. Außerdem reagiert das Ohr bis etwa 300 Hz recht empfindlich auf Phasenverschiebungen. Die automatische Einmessung eines AVRs vermeidet solche Phasenverschiebungen, indem sie Hauptlautsprecher um den entstandenen Gruppenlaufzeitunterschied verzögert. Dies geschieht in der Regel im Hintergrund, also für den Anwender unsichtbar. Nur bei Modellen von Yamaha wird dies auch angezeigt. Dort ist die akustisch gemessene “Entfernung” des Subwoofers größer als die reale (mit dem Zollstock gemessene) Entfernung. Der AVR tut also so, als ob der Subwoofer weiter weg stünde, und gibt ihm etwas zeitlichen Vorsprung, damit die Signale gleichzeitig (in Phase) beim Hörer eintreffen.

Eine weitere Ursache für Latenzzeiten sind übrigens etwaige in Subwoofer eingebaute Filter (Subsonic, nicht deaktivierbarer Tiefpass) sowie Einmessgeräte für Subwoofer, die oft eingeschleift werden.

Muss man den Subwoofer dagegen von Hand einstellen, kann man die Phase gut per Gehör justieren. Als Faustregel gilt: Ist der Bass am lautesten, stimmt auch die Phase. Den Pegel des Subwoofers stellt man jedoch meist unbewusst zu laut ein. Hier hilft ein Pegelmessgerät oder viel Hörerfahrung. Zum Einstieg taugt auch folgende Methode: So weit aufdrehen, bis es Spaß macht, und dann wieder ein Stück zurückdrehen, bis man wieder alle Details hört.

 

4. Wie wähle ich nun den richtigen Subwoofer aus?

Im Heimkino haben sich je nach Raumsituation und Pegelwunsch ein oder mehrere Zwölfzöller als Treiber in einem Bassreflexgehäuse bewährt. Damit ein damit gebauter Subwoofer sowohl laut als auch tief und dazu noch präzise spielt, ist ein recht großes Gehäuse nötig. Dies wird flankiert durch eine recht tiefe Abstimmung, die über das Bassreflexrohr eingestellt wird. Dies kann man berechnen durch Eingabe der Parameter in eins der vielen Simulationsprogramme, die oft sogar kostenlos im Netz angeboten werden.

Unterhalb der sog. Abstimmfrequenzabstimmung entfällt übrigens die Luftfeder des Gehäuses, die normalerweise das Chassis bremst und somit auch vor zu großen Auslenkungen schützt. Es kommt zum sog. akustischen Kurzschluss, das Chassis hubt wie wild, es ist aber kein Bass hörbar, sehr wohl kann es aber zum Anschlagen kommen. Das ist nicht nur unangenehm laut, sondern schadet dem Chassis auch. Für einen Heimkinosubwoofer darf die Abstimmfrequenz daher auch gerne um 20 Hz liegen. Den dadurch entstehenden Tiefbassrückgang kann man ggf. elektronisch ausgleichen. In vielen Subwooferverstärkern ist eine entsprechende Anhebung schon eingebaut. Übertreiben sollte man es dabei aber nicht. Eine Anhebung um 3 dB bedeutet eine Verdoppelung des Leistungsbedarfs.

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