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Antwort auf: Musiktipps zum Probehören von Lautsprechern

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BigBernd

Ich möchte hier auch kurz ein paar meiner Favoriten beisteuern. Wie ihr seht, ist das Spektrum sehr breit aber zum Glück ist Musik Geschmackssache und jeder darf sich seine Lieblinge selbst aussuchen.

Zum Warmwerden

Tommy Emmanuel – „Endless Road“ oder „Mystery“
Hier schaue ich nach Klangtreue, suche nach für mich unnatürlichen Dellen im Spektrum und achte auf Feinzeichnung (Anschläge, Flageolett)

Jennifer Warnes – „Big Noise, New York“
Alles drin, was ich zum Bewerten brauche. Trimme damit auch mal PA Anlagen auf meinen Geschmack. Bühnenbreite, Ortbarkeit und gute Bassabstimmung sind dann dabei die Kriterien. Die Kollegen jaulen schon immer, wenn der Track startet aber ich kenne ihn halt sehr gut und das ist ja das Entscheidende.

Dynamik

Ein für mich schöner Gradmesser der Dynamikfähigkeit eines Lautsprechers ist eine Aufnahme vom Dresdner Kreuzchor:

Mauersberger – „Wie liegt die Stadt so wüst“
Die Aufnahme unter Gothart Stier ist zu dem auch ein unfreiwilliger Basstest, weil man fleißig die LKW durch die Aufnahme fahren hört.

Und wenn ich schon bei Dresden bin, kann ich mir auch das „Dresdner Amen“ anhören. Oft verwendet – am bekanntesten sicher bei

Wagner – „Parsifal“
Die Ouvertüre bietet sich an, um einen Überblick über Dynamik und Auflösung zu bekommen. Wer es schmutzig und brachial mag, nimmt eine Aufnahme vom Orchester der Bayreuther Festspiele unter Boulez. Eine gezügelte Variante mit mehr Räumlichkeit und besseren (De)Crescendi haben die Berliner Philharmoniker zum Beispiel unter Barenboim.

Und wenn die Lautsprecher noch nicht explodiert sind, empfehle ich einmal Strawinskys Feuervogel durch den Raum brennen zu lassen. Dabei sollten nach meiner Erfahrung entweder Orchester oder Dirigent russische Wurzeln haben. Meine Lieblingsversion mit Gergiev gibt es wohl leider nur auf youtube.

Hochmitten/Hochtöner

Will ich wissen, ob mich dieser Bereich nervt, teste ich mit:

I love you because (Musical) – „Because of you“
Ich finde die Kompositionen darin wunderschön aber das amerikanische Klangideal einer weiblichen Musicalstimme kratzt doch ziemlich schnell an meinem Trommelfell. Wenn der Lautsprecher in diesem Bereich noch Überhöhungen bringt, dann…

Marvin Gaye – „Ain‘t nothing like the real thing“
Ist nicht mehr ganz so übertrieben aber in der Mitte knatscht es ab und zu doch ziemlich. Wenn es gut läuft, kann man bei der Gelegenheit schon mal auf die Stereobreite schielen. Alte Left,Center,Right (LCR) Aufnahmen halt. Herrlich!

Stereobreite/-tiefe

John Scofield – „Snake Dance“
Ich achte auf folgendes: a) rechte Rhythmusgitarre muss brav in ihrer Ecke bleiben, b) ist die Tiefenstaffelung vom Drum-/Percussionset sauber und c) verschwimmt der mitunter hakelige Basslauf nicht zu sehr

Heavytones (ja, die vom Raab) – „Living it up“
Stereoeffekt Rhythmusgitarre/Backing vocals, allgemein Panorama und Harmonie der Lautsprecher im Bassbereich (Bassgit. + Kick)

Auflösung

Steely Dan – „Black Cow“
Ich achte auf Stereobreite sowie -trennung und Zusammenspiel zwischen Bass und Kick. Ein Kriterium für Auflösug ist die linke Rhythmusgitarre. Klingt sie immer sauber aus und sind im Refrain trotz „mehr Verkehr“ noch die Anschläge sauber zu hören?!

Red Hot Chilli Peppers – „Hump de Bump“
Andrew Scheps lässt die Neve Konsole glühen! Die Mischung ist neben dem beachtlichen Pegel dazu noch sehr dicht. Im Chorus sollten die Anschläge der Bassläufe noch gut zu hören sein. Miese Lautsprecher schlucken auch extrem viel vom Text. Kleines Detail: Klicken vom Pickupwechsel direkt auf der Eins vom ersten Refrain. XD

Loudnesswar – Andrew Scheps ist ja dessen ungekrönter Sieger. Das Metallica Album „Death Magnetic“ sei hier deshalb nur am Rande erwähnt. Aber ein gutes Stichwort, um die Pegelorgien vor allem im Bassbereich zu beginnen:


Bass

Ich reiche hiermit der musikalischen Vergangenheit die Hand und ziehe sie symbolisch mit einem Ruck und dem Basseinsatz des folgenden Liedes in die Gegenwart:

Justin Timberlake – „That Girl“
Fantastische Soul Attitüde mit modernem Geklingel und Schub. Können die Lautsprecher die Kunstkick und den Subbass auseinander halten?

LuchMoney Lewis – „Whip it“
Ein alter Motown Song – neu verwurstet. Man kann sich darüber streiten, ob man es gut findet – mir macht es gute Laune und mit der Bridge nach dem zweiten Refrain zerstöre ich entweder Amp oder Chassis. Wenn doch alles heil bleibt, kenn‘ ich danach alle Raummoden von 35Hz bis 100Hz.

Eine weitere interkulturelle Brücke schlagen „The Doors“. Aber jemandem, der elektronische Tanzmusik neueren Datums nicht mag, hilft wahrscheinlich auch nicht der Name.

Skrillex feat. The Doors – „Breakn‘ a Sweat“
Über das musikalische Virtuosität von Skrillex fange ich gern mit jedem Streit an – über die von „The Doors“ eher weniger. Die Herren waren gemeinsam im Studio und herausgekommen ist ein EDM Track, der die Bass Chassis schon beim ersten Einsatz zum Verzweifeln bringen kann. Wenn der Bass im Refrain sauber mit der Synth Hook mitläuft, liebe ich es. Und Jim Morrison hat mit seiner Vision ziemlich genau getroffen – das war 1969!

So weit bis hierher.

Viele Grüße Ben

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