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Erster Post: 3x Chorus 72

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  • Dieses Thema hat 5 Antworten und 2 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 1 Monat, 2 Wochen von Matthias (DA).
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    • #53361
      JanV

      Der Anfang:
      Ich war immer Verfechter von 2.0 Sound. Ich dachte auch, dass ich damit für Filme gut gerüstet bin, irgendwann bin ich auf 2.1 umgestiegen.

      Ich fand meine Lautsprecher nie schlecht, Filme wurden präsent abgebildet und Effekte waren spürbar.

      Irgendwann durfte ich aber bei einem Arbeitskollegen einem Filmabend beiwohnen. Er hat ein 9.1 System und ich fand es doch sehr beeindruckend, von wo überall Geräusche und Effekte kommen konnten. Da war der Appetit dann angeregt.

      Ich fing damit an von meiner Mutter 2 Regalboxen auszuleihen, um auf 4.1 aufzurüsten. Das Erlebnis war für mich schon gut, meiner Frau gefiel es optisch natürlich mit diesem Provisorium nicht. Also baute ich was handfestes, passendes nach meinem Geschmack. Während der Recherche trag ich auf ADW. Als hier fand ich von vorn herein die Chorus Reihe sehr interessant, gerade optisch mal was anderes bei den Pappen.

      Aufgrund akuter Ereignisse wurde dies aber auf die lange Bank geschoben, ein zweites Kind bahnte sich an. Also erstmal was Preiswertes gebaut und immer noch die Chorus im Hinterkopf gehabt.

      Dann fiel mir auf, dass die Stimmwiedergabe nicht zum Rest der klanglichen Erscheinungen. Also fix aus 4 Breitbändern, die noch im Keller lagen, einen rechteckigen Kasten zusammengedengelt und die Breitbänder draufgeschraubt.

      So guckte ich dann knapp ein Jahr lang die Filme, hörte Musik, guckte fern. Chorus war immer noch im Kopf…

      Dann kam Corona, die Langeweile erhöhte sich exponential, 24/7 HomeOffice. Man(n) braucht eine Fluchtmöglichkeit. Das Kind ist aus dem „gröbsten“ raus, die Mutter kommt auch ab und an mal alleine mit dem Nachwuchs zurecht.

      Also weiter bei ADW gelesen, gerätselt, Probehören war ja leider nicht möglich.

      Schlussendlich 3x den Bausatz für Chorus 72 bestellt. Die sollen nun die Front zeichnen. Dazu bestellt habe ich die fertig aufgebauten Weichen. Löten kann ich zwar, aber bei den Preisen ein Risiko eingehen durch einen „kurzen“ die Lautsprecher zu killen, war mir dann zu wagnisbehaftet. Außerdem hat Udo sicher Routine im Aufbau der Weichen, also was soll’s.

      In meinem Kopf war sehr schnell klar, dass ich die Fronten furnieren will und den Korpus weiß haben möchte. Ich entschied mich für eine eingesetzte Front, exakt so wie in den Zeichnungen im Shop. Hat für mich aber den Hintergrund, dass ich mir erhoffte die Lautsprecher so optisch kleiner wirken zu lassen. Frau mag keine großen Lautsprecher im relativ kleinen Wohnzimmer. Prioritäten und so.

      Tja, ich bin kein Schreiner, hab wenig bis keine Maschinen, nur große Träume. Mein Vater war Hobbyschreiner, jedoch mussten wir die Schreinerei mit allen Maschinen aufgeben. Ein paar Sachen habe ich behalten, aber große Tischfräsen mit Fräsköpfen, Hobel, Planschleifer, Absaugung… wurde alles verkauft.

      Was ich noch hatte:

      Eine Handvoll Schraubzwingen, Furnier. Einen Exzenterschleifer habe ich mir vor kurzem zufällig gekauft, der war also vorhanden. Ein Freund druckte mir hierfür in seinem 3D Drucker noch einen Adapter für meinen Staubsauger, wirklich sehr hilfreich.

      Gebaut wurde aus 19mm MDF, dies habe ich entsprechend der Zeichnung im Internet bestellt. Es wurde schnell geliefert und die Maßhaltigkeit war auch angemessen (ich bin Ingenieur, da rechnet man anscheinend in anderen Maßeinheiten als Schreiner).

      Im ersten Schritt ging es dann ans Furnieren der Fronten. Ich probierte es einfach aus. Da ich mir über Fehlversuche im Klaren war, gabe es statt 3x Fronten direkt 6x um ausreichend Fehlversuche produzieren zu können. Ich schnitt also das Furnier für 2 Bretter mit sehr großzügigem Überstand aus, verteilte Leim auf der Fläche, verteilte diesen mit einer Farbrolle und legte das Furnier auf. Das machte ich zwei Mal und legte die Furniere aufeinander und verpresste es unter Zuhilfenahme von Regalbrettern mit meinen Schraubzwingen. Das ließ ich dann 12 Stunden so trocknen. Die böse Überraschung kam dann beim Entfernen der Zwingen. Der Leim hat sich durchgedrückt und ich hatte ein Sandwich aus MDF-Furnier-Furnier-MDF hergestellt. Es ging dank der Trocknungszeit auch manuell nicht mehr auseinander. Also habe ich die Bretter, versaut waren sie ja eh, verkantet in den Schraubstock gespannt und so wieder getrennt. Glücklicherweise ist das Furnier auf einem Brett heil geblieben, die Reste des anderen Furniers habe ich dann mit dem Excenter abgeschliffen. Also ein Test-Brett für spätere Zwecke vorhanden.

      Fehleranalyse sagte mir: zu viel Leim und vielleicht ist ein Stapeln beim Furnieren auch nicht so clever ohne Trennmedium. Also mal das Internet befragt. Gelernt habe ich da eigentlich auch nichts neues, außer dass manche noch Frischhaltefolie als Trennmedium zwischenlegen.

      Da ich ja Zeit verbrauchen wollte (Corona, wir erinnern uns), furnierte ich jetzt jedes Brett einzeln von vorne und hinten. Dies beugt Verzug vor, so sagte das schlaue Internet. Die Überstände nahm ich grob mit dem Cuttermesser ab und dann schliff ich mit Excenter glatt. Hier sollte man vorsichtig sein und die Drehrichtung der Maschine beachten, sonst reißt es das Furnier aus. Somit war ich auch eine gute Woche beschäftigt und alles klappte reibungslos.

      Dann fragte ich mich, wie ich denn wohl die Löcher in die Fronten bekommen soll (die Frage ob vor dem Fräsen oder danach furniert wird, stellte ich mir gar nicht). Also mal überlegt: Ich kenne da wen, der hat eine CNC Fräse zu Hause in der Garage. Ein Telefonat war mittelmäßig enttäuschend, er hat die just in diesem Moment verkauft und die neue Fräse wird auf längere Sicht nicht eingerichtet. Da kam mir der Geistesblitz, der Freund einer Arbeitskollegin schuldete mir noch einen Gefallen. Er hat eine Fräserei. Ich habe ihm die Gehäuse sowie nur die Fronten in 3D CAD gezeichnet und geschickt. Fräsen war kein Problem, also fix einen Termin gemacht. Da wir im Lockdown waren, musste dies natürlich dann sein, wenn sonst keiner in seiner Firma ist. Gnädigerweise öffneten sich mir die Pforten an Silvester um 10 Uhr morgens. Mit meinem Test-Brett vom fehlgeschlagenen Furnierversuch im Anschlag luden wir die Daten auf die Fräse, richteten diese ein und frästen mal eine Aussparung für den 7 Zöller. Ergebnis so lala. Die Kanten des Furniers waren ausgefranster als ich gedacht hätte. Wir probierten einen anderen Fräser. Damit wurde es schon besser. Also einmal die 3 Fronten durchgezogen. Ein paar Stunden später konnten wir uns dann endlich einem Bier widmen, war ja schließlich ein Feiertag (für mich).

    • #53367
      JanV

      Dann ging es an den Zusammenbau. Udos Methode mit Spanngurten schien mir nur zweckmäßig bei Gehäusen mit gefasten Kanten. Hatte ich nicht, ich wollte die stumpf aufeinander leimen. Also mal die Schraubzwingen Probe gehalten. Fazit: ich habe zu wenig große um das Gehäuse in einem Rutsch zu verleimen. Schade.

    • #53373
      JanV

      Work-Around: Ich habe zuerst auf die Fronten die Versteifung geleimt, dann die Fronten auf ein Seitenteil, dann Deckel, Boden und Rückwand aufgeleimt. So hatte ich dann 3 Gehäuse bis auf das zweite Seitenteil fertig. Jetzt habe ich die Weichen eingebaut, Kabel verlegt und die Dämmstoffe untergebracht. Das finale Seitenteil wurde im Anschluss ebenfalls problemlos verleimt.

      Da ich die Seitenteile auf Übermaß gekauft habe, um eventuelle Anpassungen nachträglich leichter wegschleifen zu können, ergab sich teils ein großer Überstand, also was tun? Alles mit Excenterschleifer begradigen? Aus der Erfahrung wusste ich, dass es dann gerne mal eine Banane in der Seitenlinie gibt. Also die Kleinanzeigen mal nach einer Oberfräse durchforstet. Günstig eine mit einem Satz Fräsern gekauft. Ein Testteil mit dem Bündigfräser bearbeitet und festgestellt, dass so billige Fräser doch ihr Geld nicht wert sind. Die Schneide war zu kurz, um die 19mm in einem Rutsch zu bearbeiten, wenn man zwei Mal in unterschiedlichen Höhen bearbeitet drückt sich das Kugellager ins MDF rein, alles nicht zufriedenstellend. Also einen Fräser im Wert der Oberfräse inklusive Fräsern bestellt… Und einen Fräszirkel in Vorausahnung zukünftiger Projekte.

      Damit fluppte es dann auch schon wundervoll und die Rohgehäuse waren nach einer kleinen Runde mit 800er Schleifkorn auf Excenter vollendet.

    • #53379
      JanV

      Finish: Ich wusste, dass wenn ich jetzt die Technik einsetze und die Gehäuse probehöre, werden diese in frühestens 3 Monaten ihr Finish erhalten. Ein Provisorium hält am längsten, ich hoffe ich bin mit dieser Meinung hier nicht alleine.

      Also wie sollen sie aussehen? Korpus weiß, front furniert Eiche geölt. Ich bestellte mir Proben von verschiedenen Ölen bei Osmo (super Service nebenbei) und entschloss mich für ein Öl mit weißen Farbpartikeln. Diese bestellte ich auch Online, alle Baumärkte haben bei uns geschlossen. Als Farbe für den restlichen Korpus hatte ich noch ein Töpfchen weiß vorrätig.

      Etwas tricky war für mich der Übergang zwischen Furnier und Lack. Ich wollte keine Schattenfuge, dies wäre nur die Notlösung gewesen. Also zuerst die Eiche geölt damit die Farbe, die eventuell unter das Abklebeband läuft, nicht gut haftet, dann abgeklebt und lackiert per Rolle. Das durfte ich (danke an die beste Frau) bei uns im Saunagebäude machen, die Temperaturen zum lackieren waren in der ungedämmten Garage von vorn herein aussichtslos.

      Wie sich zeigte, war ich mit meinem Vorgehen in der richtigen Richtung unterwegs, das Abklebeband wurde natürlich vom Lack unterlaufen. Also mit einem Cuttermesser eingeschnitten und die Überstände vom Furnier entfernt. Leider konnte ich einige Seiten nur einmal lackieren, das vorhandene Farbtöpfchen war schneller leer als geplant… Nachschub online geordert aber es war Freitag und ich wollte eigentlich am Wochenende mal hören, was meine Arbeit über die letzten 3 Wochen so an Ergebnissen gebracht hat. Gut, so ist es eben, also Technik rein und ab zum Probieren.

    • #53385
      JanV

      Und ich muss sagen: Der Wahnsinn! Klang, Auflösung und Pegel sind wunderbar. Ich mag den Klangcharacter der Chorusse, es ist exakt so wie gewünscht. Nach meinem Geschmack sind viele Lautsprecher im Hochtonbereich etwas schmalbrüstig, diese hier nicht! Und der Pegel! Ich bin zwar nur noch selten alleine zu Hause aber jetzt muss ich sogar darauf achten, ob die Nachbarn (immerhin eine Familie im gleichen Haus im Umkreis von 250 Metern) zu Hause ist oder nicht.

      Es macht richtig Spaß. Filme gucken ist wieder ein Erlebnis, Musik hören ebenfalls. Man nimmt es anders wahr als vorher. Mehr kann und will ich zum Klang auch nicht schreiben, das haben andere schon treffender geschafft.

      Jetzt muss ich nur ein neues TV Möbel bauen, die Lautsprecher passen optisch jetzt nicht mehr zu IKEA-braun, daher auch kein Bild vom finalen Setup. Apropos final: Sicherlich nicht, das Verlangen nach Chorus Sub wächst gerade nicht unerheblich in meinem Kopf…

       

      Danke fürs Lesen! Und noch viel größeren Dank an Udo fürs Entwickeln. Ich hoffe es war nicht meine letzte Bestellung bei dir.

    • #53406
      Matthias (DA)

      Grandios, Glückwunsch!

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