Marias SB 18

 

Bevor mein Freund in den Sommerferien anfing, sich geradezu fanatisch mit dem Selbstbau hochwertiger Musikboxen zu beschäftigen, hatte ich wohl noch nie in meinem Leben einen Gedanken daran verschwendet, dass man den Hörgenuss seiner Lieblingsmusik in Eigenregie verbessern könnte. Als interessierte Freundin habe ich den Prozess des Bauens der Duetta Top mitverfolgt, die nach langer Recherche bei uns eingetroffen war und habe ab und an auch ein bisschen mitgeholfen. Dann hatte ich plötzlich an meinem Geburtstag ein großes schweres Paket auf meinem Tisch.

Nee…, oder…? …doch! Der Inhalt bestand aus den Bauteilen der SB 18 – einem Bausatz aus der Bluesklasse. Jetzt hatte ich mein eigenes Bauprojekt! Ich war begeistert!

Die erste Herausforderung war die Auswahl der Materialen zum Bau des Gehäuses. Meine Designvorstellungen waren schlicht und einfach: die Box sollte aus 21 mm Multiplex bestehen, der Korpus mit schwarzer Holzlasur, zwar deckend, aber dennoch die Holzstruktur sichtbar lassend, die Front sollte naturfarben belassen werden. Um es nicht ganz so einfach zu machen, sollten die Seitenteile auf Gehrung geschnitten werden, sodass die Kanten im spitzen Winkel verleimt werden können. Also wurde nach dem Neuberechnen der Maße zunächst einmal Holz beim lokalen Holzhandel bestellt und dort auch gleich zugeschnitten. Die Front habe ich letztendlich bei Speakerspace bestellt. Dort werden die Aussparungen präzise zugeschnitten, der einzige Nachteil ist, dass man eine ganze Weile auf seine Ware warten muss. Dann verging erst mal viel Zeit, weil ich für die Arbeitsschritte „auf Gehrung schneiden“ und „Kanten anfasen“ auf die Holzwerkstatt meines Mitbewohners angewiesen und er im Sommer nicht immer zu Hause war.

In der Zwischenzeit konnte ich mich aber schon mit dem Löten der Weichen beschäftigen. Hierfür hatte ja mein Freund alle nötigen Arbeitsgeräte zur Hand und ich konnte mich so unter sachkundiger Anleitung auf dieses Neuland wagen. Ein bisschen Fingerspitzengefühl ist schon nötig, um eine schöne Verbindung herzustellen, ansonsten muss ich aber sagen, dass das Löten an sich leichter war als ich gedacht hatte (wenn man sich von den Bleiausdünstungen nicht zu sehr benebeln lässt und den Weichenplan im Vorhinein gut durchdenkt!). Nach zwei Abenden waren sie ganz zu meiner Zufriedenheit fertig gestellt. Fehlten also „nur noch“ die Gehäuse.

Nachdem die Teile soweit zugeschnitten waren, dass es nur noch ans Verleimen ging, leimten wir an einem Abend die beiden Boxen mit dem altbewährten Fugenleim zusammen. Ich hatte den Tipp bekommen, die auf Gehrung geschnittenen Teile zunächst auf dem Boden mit Klebeband miteinander zu fixieren und dann erst zu verleimen, was zum größten Teil auch gut funktionierte.

Leider waren die Seitenteile nicht ganz sauber auf Gehrung geschnitten und standen dadurch einige Millimeter über. Wir rätselten mit den leichten Überständen, wohin man sie besten platzieren sollte, damit man sie hinterher möglichst gut abschleifen kann. Über dieses Gegrübel hatten wir dann am Ende (aber zum Glück noch vor dem Ankleben der Frontseite) etwas Essentielles ganz vergessen: die obere Begrenzung des Bassreflexkanals. Das bescherte mir dann noch einmal eine Verzögerung in der Fertigstellung, weil nun die anfangs gefertigten Brettchen nicht mehr in ausreichender Spannung eingeklebt werden konnten und neu zurecht gesägt werden mussten. Als aber auch das erledigt und die Boxen in ihrer ganzen Größe fertig gestellt waren, war es ein gutes Gefühl und die Spannung auf ihren Klang unendlich groß. Schließlich hätte man jetzt schon alles einbauen und Probe hören können, aber sie brauchten schon noch ein ansprechendes Äußeres. Meine Wahl fiel auf OSMO Dekorwachs in schwarz für die Rückseiten und Leinölfirnis für die Front. Nach zwei Anstrichen und einmaligem Zwischenschleifen hatte ich auch das gewünschte Ergebnis erzielt: eine schöne gleichmäßige Oberfläche, bei der dennoch die Holzmaserung dezent zur Geltung kommt.

Die „Stunde der Wahrheit“ fiel dann auf den Donnerstag vor Weihnachten. Gemütliche Atmosphäre im Zimmer geschafft, Kabel an die Weichen gelötet, Dämmwolle zurecht geschnitten, Chassis eingesetzt und die Terminals eingesetzt: fertig! Jetzt nur noch anschließen, Musik an und los! Der Klang hat meine Erwartungen voll und ganz erfüllt, und auch meine Mitbewohner waren sehr angetan. Jetzt höre ich sie seit gut einem Monat und freue mich jedes Mal über die super Klangqualität, auch das vielbesungene „Live-Gefühl“ der SB 18 kann ich nur bestätigen.

Natürlich war ich ganz schön stolz am Ende dieses „Akustikwunder“ selbst zusammengefügt zu haben. Ich kann nur allen Freundinnen empfehlen, sich auch für die Bastelwut ihrer Freunde zu erwärmen und allen Freunden empfehle ich, ihre Freundinnen zum Geburtstag mit einem schweren Paket zu überraschen :). Ich habe viel gelernt und noch mehr Spaß gehabt, vor allem bei einem so tollen Ergebnis!

Maria

 

Zur SB 18 im Shop

sb18_2

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.acoustic-design-magazin.de/2012/02/15/marias-sb-18/

Hinterlasse einen Kommentar

Please Login to comment