SB23/ 3 mit runden Ecken

Lange überfällig der Bericht zu meinen SB23/ 3. Hier nun aus der Erinnerung ein paar Worte zu deren Entstehung.

Anfang des Jahres (also kurz vor dem ersten Lockdown) habe ich mich entschieden die SB23/3 fürs Wohnzimmer zu bauen. Zunächst habe ich diverse andere Lautsprecher ins Auge gefasst und jeweils mit Sketchup gezeichnet. Zum Schluss sollte es dann folgende Version werden.

Ein paar Tage bevor die Baumärkte dann endgültig schlossen, habe ich mir passendes Holz besorgt. 2 x 2,70m lange MDF Streifen für die Korpusseiten sowie 4 Platten für Vorne und Hinten. Ich denke, dass wird später deutlicher.

Meinem ersten Versuch lag folgender Plan zugrunde. Die langen MDF-Streifen sollten an 4 Stellen geschlitzt, dann um jeweils 90° gebogen werden. So sollten sich „unten“ die Kanten treffen und dort mit Flachdübel und Leim verbunden werden.

Nun ja, so ein 2,60 m langer Streifen ist schon in Gänze nicht gut zu handhaben. Wenn man dann auch noch den 1. Fehler macht und „in der Mitte“ anfängt die Platte zu schlitzen, dann wird der Streifen recht wabbelig. In Folge wurden alle weiteren Schnitte immer schwieriger. Irgendwie habe ich es aber hinbekommen, den Streifen zu schlitzen. Nun hatte ich erstmal das Problem, dieses Ding heile wieder von der TKS zu bekommen. Aber auch das ging, irgendwie. Bei ersten Probebiegen allerdings, hat sich der Streifen verkantet und dann „Kracks“. Der lange Streifen war nun 2-teilig.

Okay, das passiert, wenn man Neues ausprobiert. Ich hab dann an dem defekten Stück erst noch ausprobiert ob das biegen auf 90° geklappt hätte. Hat es nicht.

Zurück auf Los…Lockdown…Kein Holz auf die Schnelle…Nach ein paar Tagen Bedenkzeit auf Ebay Multiplex Platten bestellt. Um mir das Leben um die Hälfte leichter zu machen, habe ich diesmal die Streifen in halber Länge+ Aufmaß, dafür doppelt so viel bestellt. Die Multiplexplatten dann jeweils an 2 Stellen geschlitzt. (wie viele Schlitze und wie man das errechnet, steht im Forum in der Baudokumentation). Dann 2 Halbschalen hergestellt und diese aufeinander geleimt. Somit hatte ich zwar oben und unten eine Stoßkante, aber es war wesentlicher einfacher als bei den anfänglichen MDF Teilen. Somit hatte ich dann Seiten, Boden und Deckel in Einem und mit einer gefälligen Rundung. Läuft doch bis hierhin…

Jetzt konnte bereits die Rückwand aufgeleimt werden, da an der keine Fräsungen vorgenommen werden mussten. Danach noch vier Holzstreifen als Verstrebung eingeleimt.

Als nächstes stand die Mitteltonkammer auf dem Programm. Dazu das KG Rohr auf die entsprechende Länge geschnitten. Ca. 10000 mal gemessen wo ich es einkleben muss, damit es dann auch mit dem Ausschnitt an der späteren Front zusammenpasst.

Das klingt sicherlich alles ziemlich leicht für den gewohnten Leser in diesem Magazin, aber ich habe mir zwischen den Schritten recht viel Zeit gelassen, um Flüchtigkeitsfehler zu vermeiden.

Zwischenzeitlich habe ich dann an der Front die Kreise ausgeschnitten. Das musste ja nun nicht aufs Zehntel genau sein, da ja später noch eine aufgesetzte Schallwand drauf kommt. Also Mittelpunkte ermittelt, Kreise gezogen und dann mit der Stichsäge ausgeschnitten.

Glücklicherweise hat der Mitteltonausschnitt genau auf das bereits eingeklebte KG-Rohr gepasst und ich konnte somit die Front ebenfalls aufkleben und das KG Rohr abdichten. Ah zuvor habe ich noch 2 kleine 3 mm Löcher in das KG Rohr gebohrt um später die LS Kabel da durchzustecken.

Jetzt wäre die Box sicher schon einsatzbereit, aber doch recht unansehnlich fürs Wohnzimmer. Vor, während und nach der Fertigstellung habe ich mir immer wieder Gedanken gemacht, wie ich den Korpus ansehnlich Weiß bekomme (Weiß war gesetzt). Da die Front und Rückseite aus MDF bestand, ging lackieren nicht wirklich. Hier im Forum wurde ja schon ausgiebigst darüber diskutiert, dass die MDF Kanten auch Jahre später irgendwann wieder „sichtbar“ werden, egal wie viel Mühe man sich im Vorfeld gibt.

Also bin ich auf die glorreiche Idee gekommen, die ganze Kiste zu furnieren. Also einmal drumherum und dann noch Front und Rückseite. Danach wollte ich auf dem Furnier lackieren. Flugs günstiges Furnier ohne große Maserungen (ich glaub, es war Linde) bestellt, welches breit genug war, dass ich „nur“ ein Blatt pro Rundherum und je 2 für vorn und hinten brauchte. Das Furnier habe ich mit der Bügelmethode aufgebracht. Das hat relativ gut geklappt, außer bei einer Ecke, da habe ich nicht genug gepresst mit dem Bügeleisen. Am Ende musste ich dort großzügig das Furnier raus schneiden und ein neues Stück einarbeiten. Front und Rückseite waren dagegen relativ leicht.

So, auch bis hierher für den ambitionierten Handwerker/Bastler nachvollziehbar und allemal schaffbar. Nun kam ich zum größten Fehler, den ich bei dem Projekt begangen habe. Ich mag keine Kunstharzlacke. Die Werkzeuge sind nur schwer zu reinigen und sie stinken und sowieso. Also der Griff zum wasserlöslichen Lack. Abgefüllt in eine airless Handspritze und drauflos gespritzt. Ja, so wie es sich liest, so naiv bin ich da ran gegangen. Die Folge waren Beulen, Dellen und Aufwerfungen vom Furnier. Der Leim scheint doch nicht überall das gemacht zu haben, wozu er eigentlich hergestellt wurde.

Hier stellte sich nun doch ein Anflug von Panik ein. Aber nachdem ich hier im Forum gefragt habe, was man da machen kann, wenn man überhaupt noch was retten kann, bekam ich beste Hilfe vom Thomas (VIELEN, VIELEN Dank noch einmal). Mit seinen Tipps und Ratschlägen habe ich die Oberfläche wieder einigermaßen hinbekommen. Ein paar Gramm Spachtelmasse sind da aber schon bei draufgegangen.

Ich kürz hier mal ab. Nach einigen Schichten Lack und letzlich einer Schicht Klarlack war der Grundkorpus fertiggestellt. Die aufgesetzte Schallwand habe ich entsprechend der gewünschten Form zurecht geschnitten, furniert und die Löcher für die Chassis gefräst. Das Furnier wurde noch geölt. Die Schallwand besteht aus MDF, das Furnier aus, ja aus was eigentlich?? Ich weiß es nicht mehr. Ahorn? Irgendwas hübsch Gemasertes 🙂

Die Schallwand habe ich dann mit Montagekleber auf den Korpus geleimt und endlich die Lautsprecher, sowie die zwischendurch aufgebauten Weichen verbauen können.

Zum Klang: Will ja jeder hören, wie gut, wie hoch auflösend die gerade aufgebauten Schätzchen sind. Ich kann das immer noch nicht bewerten, da ich auch zu wenig vergleichbare Lautsprecher gehört habe. Außerdem ist der Rest der Kette bei weitem nicht HighFidelity. Der Zuspieler ein Sabaj A4, die Quelle meist AmazonMusic und manchmal eine CD. Ich kann nur sagen, dass Musik hören (egal in welcher Lautstärke) entspannt ist. Auch über einen längeren Zeitraum. Und darum komm ich nun auch endlich zum Ende. Mit diesem Paar SB 23/ 3 bin ich rundum zufrieden. In meinen Augen sind sie ganz gut gelungen.

Klar würde ich liebend gern wieder etwas bauen, aber im Moment ist wirklich kein Bedarf, der auch erklärbar wäre. Vielleicht in ein paar Jahren wieder.

Vielen Dank an all diejenigen, die bis hierher gelesen haben, an Udo für diesen Bausatz und an Thomas als Top Erste Hilfe Mensch.

Arno

Zur SB 23/ 3 im Online-Shop

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Moin Moin,
schick sind sie geworden. Zugegeben: ich finde das Standard-Design der 23/3 etwas gewöhnungsbedürftig. Aber hier tauchen dann immer wieder so schöne Umsetzungen/Inspirationen auf … ne wat is dat n dolles Forum … genießen ist nun angesagt…. bin mal gespannt ob Dein Musikgeschmack bzw. Deine Zuhörmentalität durch die Bluesklasse beeinflusst wird (rede aus Erfahrung) 😀
Viel Spaß mit den Beiden!
Gruß, Markus

Hallo Arno,
sind sehr schön geworden.

Der Biegeradius gefällt mir sehr gut. Die aufgesetzte Blende machts optisch schlank.

Das könnte ich mir sehr gut auch bei meiner doch Panzerschrankmäßigen Duetta vorstellen.

Da bin ich schon gut von Deinem Baubericht inspiriert mal in weitere Überlegung zu gehen. Danke.

MDF-Schnittkanten habe ich zuletzt mit Universalgrundierung von Jäger vorbehandelt, dann Echtrost drauf. Bisher sieht man garnix von einem Übergang, ist aber auch nicht mit einer glatten Lackoberfläche zu vergleichen.

Servus

Peter

Moin Arno,

Die SB 23/3 stand lange oben in meiner “HabenwollenListe”. Hören konnte ich sie bis heute leider nicht. Habs auch beim letzten Treffen in Nordhausen versäumt. Die eigenwillige Anordnung der Chassis macht sie nicht hübscher, aber ungemein attraktiv. Eine echte Designrakete (z.B. auch als Sarkophag :-). Deine erinnern mich mit der Applikation mich ein bisschen an Öfen – weshalb mir ein paar Füsse darunter gefallen täten- und strahlen Gemütlichkeit aus.
Gelungen finde ich auch die handwerklichen Herausforderungen die du toll gemeistert hast.

Ich erinnere mich immer daran, wie ich mit einem in 5 Minuten aus Resten zusammengedengelten Fräszirkel, und eben auch 1000 mal nachmessen einfach erstmal 1 1/2 Runden ausfrässte, dann der Sekundenkleber am “Zentrierstift” zeigen musste, so Nicht!. Die Löcher wurden fasst alle mit einer Mischung aus MDF und Leim wieder “aufgefleischt”. Und? Hat geklappt!

Nach Sonntagsschneespaziergang den Bericht bei einer Tasse heissen(!) Kaffee geniessen, da fühlt sich die Welt einfach in Ordnung an, oder @Herr Zeller? 😉

Danke für deinen Bericht und viel Spass mit deinen tollen Lautsprechern.

Marc

Genau … geht nix über nen leckeren Kaffee zu einer guten Lektüre … schon ein Ritual 😀

Hallo Arno,

sehr schönes, extravagantes Design. Sieht toll aus.
Ich kann mir gut vorstellen, was in Dir vorging, als die Streifen gerissen sind…
Meinen Respekt hast Du!

Gruß

Henning

Lieber Arno, Community

Ich kann spontan ein paar Tipps aus eigener Erfahrung mitgeben:

  • MDF-Kanten werden schön, wenn man sie vorher mit einer Isoliergrundierung behandelt. Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht mit Adler DD Isoliergrund (mangels Spritzpistole mit feinen Schaumstoffwalzen aufgetragen). Darüber funktionieren sowohl Acryl- und Kunstharzlacke wie auch Öle und Wachse.
  • Für solch grosse Biegeradien würde ich mich mal nach Formteilen umschauen. Gerade solche Viertelschalen gibt’s günstig. Ausser natürlich, wenn man mal selber probieren möchte.

Und warum hast du den Korpus furniert, wenn du ihn nachher sowieso lackierst?

Gruss
Dani

Ah, und natürlich herzliche Gratulation für das gelungene Design. Gefällt mir.

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