Michaels schräge Duetta


Hallo liebe Lautsprecherbau-Gemeinschaft,

viel Schreiben war nie meine Stärke. Trotzdem fühle ich mich ein wenig verpflichtet, euch einen kleinen Baubericht zu meiner Duetta zu präsentieren. Ohne die ganzen tollen Bauberichte hier hätte ich diesen großen Schritt zum Selbstbau gar nicht gewagt.

Kurzer Hintergrund:
Vor etwa 6 Jahren habe ich mich in einem Hifi Studio in Singapur in die KEF Q700 verliebt. Damals hatte mich das Hifi Virus erwischt und es gab keinen Weg zurück mehr. Irgendwann kaufte ich mir den Lautsprecher und war überglücklich. Nach ca. 2 Jahren plante ich, mit meiner jetzigen Freundin zusammen ziehen und ein Haus zu kaufen. Da war mir klar, dass ein neuer, natürlich noch besserer Lautsprecher her muss. Ich habe mir einige Monate Zeit gelassen, um in Hifi-Studios, Messen etc. nach dem perfekten Lautsprecher zu suchen. Das Budget kletterte von ursprünglich 3.000€ auf über 6.000 – 10.000€ und trotzdem war ich mir nicht wirklich sicher. Anders gesagt, ich hatte nicht dieses „Liebe auf den ersten Blick“ und Kompromisslose, was ich mir allerdings bei diesem Preislevel gewünscht habe. Natürlich gibt es viele noch tollere Lautsprecher, die jedoch für normal sterbliche unbezahlbar sind. Und genau da fing es an. Wie  und woher bekomme ich meinen Traumlautsprecher?

Ich wagte einen kleinen Blick in Google bzgl. Selbstbau. Ein paar nette Seiten aus Holland, Dänemark und Deutschland wurden durchstöbert und es fing an interessant zu werden. Ich habe sonst nie etwas selber handwerklich aus Holz zusammengebaut, geschweige denn gelötet. Lautsprecherbau.de nahm mir die meiste Angst davor. Danke nochmal dafür.

Auf Lautsprecherbau.de gefielen mir die Midu2 und Duetta. Voraussetzung war, dass diese Lautsprecher einen >75m² Raum mühelos beschallen können. Und dann sah ich den Baubericht von Stefan. Ich kannte schon lange die Avalon Lautsprecher aus Amerika. Wundervolles Design. Nur der Preis ist für mich etwas lächerlich. 40.000€ für das Paar Eidolon? Nächste bitte…

Das Blatt wendet sich natürlich, wenn man sich so einen tollen Lautsprecher selber bauen kann und  den kann man dann sogar noch dem eigenen Geschmack und Wohnzimmer anpassen. Ab diesem Zeitpunkt packte mich das Selbstbau Virus

Ein paar Wochen und ich saß bei Udo auf der Couch und hörte die Duetta zur Probe. Es war wirklich nahezu dieses “Liebe auf den ersten Blick“ was den klang angeht. Genau, was ich suchte.

Da sich nun alles etwas verzögert hatte und ich ein Haus kaufte, welches zu 80% fertig renoviert war, musste ich meine Freizeit für die restlichen 20% widmen. Man kauft ja nicht jeden Tag ein Haus, aber ich konnte die Duetta einfach nicht vergessen. Schön dass meine Freundin so verständnisvoll war und tolerierte, dass ich den Bausatz bei Udo gekauft habe und dann 100% auf Lautsprecher bauen fixiert war, obwohl das Haus noch lange nicht fertig war.

Nun zum Baubericht:
Ich hielt mich überwiegend an den Baubericht von Stefans Duetta, somit lasse ich einfach die Bilder sprechen:


Im Baumarkt habe ich für 160 Euro eine Tischkreissäge gekauft. Dies war eine meiner Grundvoraussetzung, da die Lautsprecher eine 5° Neigung bekommen sollten. Somit musste fast jedes Brett mit 5° nachgesägt werden.

Die Herausforderung mit der Oberfräse. Noch nie damit gearbeitet, was sich auch als nicht zu einfach herausstellte.  Holzpaste wies sich als Wundermittel aus, da man damit gut Fehler retuschieren kann.


Die Fasen mit Hand vor zu sägen ist meiner Meinung nach die zweitblödeste Arbeit . Der Bandschleifer ist der Stärkste unter den Schleifern, um viel Material abzutragen. Man benötigt jedoch viele Bänder. Ca. 1x 40er Band pro Fase war es bei mir.

Die Weichen lies ich mir von Udo vorlöten. Die Kabel dran zu löten war kinderleicht, obwohl ich mir erstmal den Schaltplan des Hoch- und Mitteltöners mehr als zweimal anschauen musste, bevor es endlich klick gemacht hat.

Der berühmte Avalon Sockel durfte meiner Meinung nach nicht fehlen. Mit der Oberfräse gar kein Problem.


So nun kommen wir zur Nr. 1 der Drecksarbeit: Vorspachteln.  Ca. 2 Wochen dauerte das, da immer wieder etwas zu viel Spachtelmasse aufgetragen wurde, dann wieder zu wenig, dann wieder zu viel. In Zukunft würde ich es direkt vom Lackierer machen lassen. 5 Magnete pro Lautsprecher habe ich auch integriert, um in Zukunft schöne Abdeckungen befestigen zu können.


Nur den letzten Schritt lies ich vom Fachmann durchführen und zwar das Lackieren. Als die fertig lackierten Lautsprecher nun da waren, fing die Montage an. Dieser Moment war für mich wie Weihnachten und Geburtstag auf einmal

Nun stehen sie da, meine Babys. Es ist ein wundervolles Gefühl, nach ca. 3 Monaten Bauzeit die Lautsprecher fertig stehen zu sehen, anzuschließen und zu hören. Selten erlebte ich solche Emotionen.

Vielleicht noch ein paar kurze Worte zum Klang:
Als ich die Lautsprecher das erste Mal angeschlossen habe und das erste Lied (George Michael – Cowboys and Angels) über die Duettas spielte, lief es mir kalt den Rücken runter. In vielen Beschreibung hier heißt es, dass sie am Anfang schrecklich spielen, daruf habe ich mich mental vorbereitet. Jedoch klang es vom ersten Ton an schon zigmal besser als meine KEF’s. Kennt Ihr dieses Gefühl, in einem Hifi-Studio zu sitzen und Lautsprecher der Marke „Unbezahlbar“ lauschen zu dürfen? Dieses mächtige, saubere, zum Verlieben schöne Klangbild, das in einer komplett anderer Liga spielt wie gewohnt. Genau das hörte ich. Ich muss zugeben, dass ich schon sentimental wurde. So toll klangen die Duettas. Nach ein paar Tagen Einspielzeit wurde das alles noch viel besser.

Da es hier schon jede Menge an Klangbeschreibungen der Duetta gibt, würde ich es einfach mal hierbei belassen.
Ich bedanke mich bei euch Allen wegen der tollen Bauberichte, die einem wirklich weiterhelfen, die Angst nehmen, es selber zu versuchen und  viele Inspirationen bieten. Danke auch an Udo für die gute Arbeit, die er mit seinem Lautsprecherkonzepten und der Internetseite macht.

Fazit des Ganzen:
Ich hätte noch bis vor 6 Monaten nie im Leben gedacht, dass ich so etwas mal machen würde. Jetzt kann ich im Nachhinein behaupten, dass das eine der coolsten Sachen ist, die ich in meinem Leben gemacht habe.

Beste Grüße aus der Wetterau

Michael

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Hallo, gibst du denPlan zu deiner Duetta heraus? Finde die super

Hallo Ralf,
leider ist nicht gewiss, dass Michael noch hier reinschaut. Seine Duetta hat er nach dem Plan von Stefan (Stefans Duetta) gebaut, den Bericht mit einigen Baufotos findest du über die Suche. Der Rest ist Fleißarbeit, du musst 85 bis 90 Liter für den Bass und 12 Liter für den Mitteltöner in einen einfachen, eckigen Kasten bringen. Den kannst du mit MDF umkleiden und daraus deine Wunschform heraus arbeiten.

Gruß Udo

Die Volumina im K&T Bericht sind eine wenig anders? Hat das einen Grund?

Hallo Ralf,
der Aufbau und die Weiche sind auch anders. Deshalb hat meine Duetta den Nachnamen “ADW” 🙂

Gruß Udo

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