Dez 24 2017

Michael M fährt mit Linie 52 und 54

Angefangen hatte alles 2010 mit einem Paar FirstTime10, beim Bau wurde mir damals schon klar, dass sich hier ein neues Hobby für mich auftat. Die Freude an der Sache war einfach zu groß, um es bei einem Versuch zu belassen. Zu diesem Zeitpunkt war mir aber noch nicht bewusst, welche Kreise dieses neue Hobby ziehen würde. Auf das reine Stereohören folgte die Ergänzung zum Heimkino, Quickly28 und Quickly14 wurden damals den FT10 zur Seite gestellt.

Winter 2013:

Der Aufstieg in den Blues wurde mit einem Paar SB240 besiegelt. Anfangs war ich nicht wirklich zufrieden, doch es war nicht den Lautsprechern geschuldet, sondern meinem spärlichen Wissen, was Equipment und Einspielzeit angeht. Immer wieder wurde mir zu einem Stereo Verstärker bzw. einem guten AVR geraten, damals dachte ich mir, alles HighEnd-Spinner, die haben doch einen Vogel – sorry for that. 😉

Nachdem ich eines Abends aus Langeweile einen kleinen Digi-Amp an den SB240 angeschlossen hatte, tat sich eine neue Klangwelt für mich auf. Plötzlich waren Töne da, die ich vorher nie vernommen hatte. Der Klang war einfach anders, irgendwie losgelöster von den Lautsprechern. Jeder kann sich vorstellen, was von nun an passierte, getreu dem Spruch – kleine Ursache, große Wirkung. Es folgte eine lange Recherche nach Verstärkern und die Einsicht, dass günstig leider nicht gleich gut ist und Geiz keinesfalls geil. Somit war ich nach langer Einspielzeit und noch längerer Suche nach den Zuspielern mit einem Sansui AU-9500 und einem Yamaha RX-A3030 sehr zufrieden.

Februar 2017:

Der Umbau meiner Wohnung war fertiggestellt und somit stand auch wieder mehr Zeit für das Hobby zur Verfügung. Nur bevor neue Boxen gebaut werden konnten, mussten mal die Alten verkauft werden. Nachdem ich monatelang versucht hatte, meine SB240 über diverse Verkaufsplattformen im Netz an den Mann zu bringen, bekamen sie doch noch ein neues Zuhause bei einem guten Freund. Ohne SB240 wurde mir plötzlich bewusst, wie gerne ich Musik hörte. Die Emotionen, die solch ein Bluesspieler problemlos übertrug, waren mit der Übergangslösung (Quickly 14) auf einmal nicht mehr wirklich vorhanden, Musik hören machte mir mit ihnen einfach keinen Spaß. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier.

April 2017:

Die Fülle an neuen Bausätzen war im ersten Jahr des neuen Magazins sprunghaft angestiegen, ohne Probehören wollte ich diesmal aber keinen Bausatz bestellen. Eine Fahrt zu Community-Mitgliedern oder Udo war eigentlich unumgänglich, 800km in eine Richtung ließen mich bis dato aber immer wieder davon abkommen. Nach einigem hin und her und auch viel Geschreibsel im Forum brachten mich die Worte eines Bordies zum umdenken.

Zitat Matthias: „800km oder nicht, es geht jetzt um Lautsprecher, die man nicht mal eben so baut und wieder weggibt, sondern potentiell 10 – 20 Jahre bei Dir bleiben. Und auf 20 Jahre relativiert sich auch das Budget, wenn man nicht alles auf einmal bauen muss.”

Also kurzerhand Udo kontaktiert, in der Arbeit zwei Urlaubstage reserviert und ein Zimmer für eine Nacht geordert. Bei Udo angekommen, wurde ich freundlich von ihm in Empfang genommen, nach ein bisschen Gequatsche und Kennenlernen machten wir uns ans Hören.

Die Reihenfolge war L 43,  L 74, Duetta, L 54. Nachdem es von Linie 43 und Linie 74 auf Duetta ging, wurde mir klar, wieso der ER4 oft gelobt wurde. Was ich eigentlich nicht gehofft hatte, trat nun ein, das Rennen machten Duetta und Linie 54 unter sich aus. Eigentlich war ich ja wegen des 26 HD 3 und der Linie 74 gekommen, den ER4 kannte ich schon von Duetta Top und Minuetta, hatte ihn aber nie so recht ins Herz geschlossen. Witzig aber, was so ein Direktvergleich plötzlich ausmacht.

Eine genaue Klangbeschreibung abzugeben, fällt mir schwer, die gehörten Lautsprecher waren alle toll, nur eben machte die L54 für mich noch einmal alles „besser“ als die anderen. Im Vergleich zur Duetta – ein bisschen weniger Tiefgang, dafür mehr Kick. Ein bisschen weniger laid back – dafür einen Tick vordergründiger. So zu sagen, die erhabene alte Lady gegen die junge wilde Dame, hach, ein schöner Vergleich. 😀 Auch noch erwähnenswert ist die L43, mein Favorit wenn es um Preis/ Größe/ Klang geht, gefiel mir sogar besser als die L 74.

Aufbau der Linie 5:

Ein zweifarbiger Aufbau war geplant, Holz an den Seiten und in der Mitte MDF, das später mit Folie überzogen wird. Bei der Folie hatte ich auch schon eine Vorauswahl getroffen, Anthrazit Grau Metallic sollte es werden. Die Linie 54 baute ich bis auf ein paar kleine Änderungen nach dem Plan von Matthias auf. Die Linie 52, also der Center, wurde auf die Außenmasse (L)88,7x(H)22,7x(B)20,0cm abgeändert. Somit passte er viel besser unter den TV. Die Bassreflexöffnungen wanderten auf die Seite um eine durchgängige Front zu erhalten. Während der Wartezeit auf den Zuschnitt baute ich die Weichen auf, wie gewohnt auf 3mm Hartfaserplatten. Zuerst die Weichenteile aufgelegt und dann die Löcher gebohrt, verlötet wurde an der Hinterseite.

Mein Plattenlieferant vermeldete nach zwei Wochen Wartezeit weiter 2-4 Wochen, somit stornierte ich die Bestellung und machte mich auf den Weg zum Baumarkt. Dort angekommen, nahm ich, was vor Ort lagernd war, weitere Verzögerungen wollte ich nicht mehr in Kauf nehmen. Für die Linie 54 kam MDF in 22 mm und Dreischichtplatten in 27 mm zum Einsatz, die Linie 52 bekam rundum 19 mm Materialstärke verpasst. Vor dem Verleimen schnitt ich die MDF Platten auf Gehrung, danach fräste ich die Versenkung der Lautsprecher. Die Kreise waren kein Problem, der ER4 mit seiner Viereckform jedoch schon. Eine Schablone aus Hartfaserresten wurde mit Sorgfalt verleimt und vertrieb nach einer Probefräsung meine anfänglichen Ängste, ging doch schöner als vorher gedacht. Die Kisten hab ich dann wegen ihrer Größe und fehlenden Befestigungsmaterial in zwei bzw. drei Schritten geleimt, auch um die Gehrungen schön zusammen zu bekommen, war diese Vorgehensweise besser. Zuerst hatte ich den Rahmen auf eine Seite gelegt, alles ausgerichtet und den Leim trocknen lassen, anschließend das Innenleben und zu guter Letzt die Kiste mit der Dreischichtplatte abgeschlossen. Die Vergangenheit hatte mir hier immer wieder aufgezeigt, dass Ruhe und Zeit beim Verleimen wichtiger ist als gedacht.

Fertig verleimt, bündig gefräst und geschliffen konnte es ans Malen bzw. Ölen gehen.

Im vollen Arbeitseifer und mit dem Wunsch baldigst fertig zu werden, strich ich die gesamte Box mit Osmo Dekorwachs ein. Eigentlich richtig blöd, da ist Öl drin, es steht sogar an der Vorderseite der Dose und eben auch beim Namen Dekorwachs hätte bei mir was klingeln sollen. Die zu verwendende Folie hielt nicht sonderlich gut auf dem behandelten MDF. Jetzt konnte ich nur mehr hoffen, dass eine Grundierung am MDF hält. Also einmal die ganze Box geschliffen, die Kanten der Dreischichtplatten mit Malerband abgeklebt und die Grundierung gerollt. Glück im Unglück, die 1K Grundierung vom Biber hielt hervorragend auf behandeltem MDF, jetzt hatte auch die Folie einen passenden Untergrund. Wegen der leichteren Handhabung folierte ich den Center zuerst, Gott sei dank, denn so richtig gefallen wollte mir das Ergebnis nicht.

Es war zu dunkel und es passte nicht wirklich zum hellen Holz, da gefiel mir die weiße Grundierung sogar besser. Also eine Dose weißen Lack gekauft und zu rollen begonnen. Im Endeffekt waren nun drei Schichten Grundierung und drei Schichten Farbe gerollt. An den Seiten wurden drei Schichten Dekorwachs aufgetragen, dazwischen wurde immer wieder angeschliffen.

Nach einem Tag Trocknen und Auslüften konnte es endlich an den Einbau der Bausatzteile gehen, dies erfolgte schon mit routinierter Gelassenheit. Zuerst machte ich mich über den Center her. Das Anschlussterminal wurde verschraubt, die Weiche eingebaut und mit dem Terminal verlötet, als nächstes die Kiste mit Sonofil gefüllt und die Boxenkabel verlötet. Zu guter Letzt wurden die Chassis vorgebohrt und eingeschraubt. Nach Fertigstellung musste mir die Linie 52 gleich musikalisch den Zusammenbau der Linie 54 begleiten. Fünf Stunden später waren alle drei fertiggestellt. Endlich hatte ich die Boxen beisammen und sie gaben auch von Anfang an alles richtig wieder. Das war bei früheren Projekten teilweise nicht der Fall, aber man lernt ja dazu und kontrolliert die Weiche noch ein zweites, drittes, viertes Mal… 😉


Klangbeschreibung:

Die Vierundfünfzig hörte früher auf den Namen Abhöre, jetzt erst kann ich diese Namensgebung wirklich nachvollziehen. Es ist fast schon schade, dass dieser Name der klaren Linie von Udo zum Opfer gefallen ist. Denn genau dieser, also Abhöre, beschreibt diesen Bausatz im Grunde mit nur einem Wort. Gut zwei Monate sind seit der Inbetriebnahme vergangen, was ich bis jetzt sagen bzw. hören kann, ist fantastisch, im Grunde aber nicht so leicht in Worte zu fassen. Acoustic Aufnahmen wo Stimmen wie die von Frontfrau Hannah Reid von London Grammar zu Tragen kommen hat mir beim Anhören eine Gänsehaut beschert. Aber auch andere Genres können voll und ganz überzeugen, Moderat – Reminder oder auch Kimyan Law – Magic klingen hervorragend räumlich und druckvoll. Rock in Form von einer meiner Lieblings-Stoner Rock Bands Parasol Caravan – Rising funktioniert genauso wie HipHop von Macklemore and Ryn Lewis – Wings.

Sobald es aber um Musik geht, die explizit mit dem Augenmerk auf hohe Qualität aufgenommen und produziert wurde, merkt man erst, was die 54 zu leisten vermag. Dies wiederum erreicht man aber nur mit CDs oder höherwertigen Medien, passendes Abspielgerät natürlich vorausgesetzt. Nur um ein paar dieser Titel zu nennen: Hugh Masekela – STIMELA, Youn Sun Nah – Momento Magico, Ane Brun – These Days, Nils Lofgren – Keith Don’t Go und so weiter und so fort…

Im Surround Betrieb vermisse ich auch absolut nichts, ähm obwohl… ja doch, ich vermisse die klare Wiedergabe im Heck, hier spielen noch die Quickly 14. Die Front schlägt hier ganz andere Töne an, das war aber auch nicht anders zu erwarten. Der Film Oblivion ist mittlerweile zu einer meiner Lieblings-Vorführ-BluRays geworden. Da ist von Anfang an einfach alles da, Bild und Ton sind in einer hervorragenden Qualität und der geniale Soundtrack ist perfekt in die Szenarien eingebettet, ein wahrer Genuss. Ein Kumpel sagte mir, dass er noch nie so sauber und gut dargestellte Stimmen aus einem Center gehört hatte. Bis jetzt dürfte ich also alles richtig gemacht haben. 🙂

Für mich folgt jetzt noch die Erweiterung des Heimkinos mit einem Pärchen Chorus51 und die Suche nach einem passenden CD-/ Netzwerk-Spieler ist auch eröffnet, leider kann mein AVR hier nicht das ganze Potential ausschöpfen. Wenn der BluRay Player eine besser Darbietung der CD liefert als der AVR übers Netzwerk, weiß man, dass hier Handlungsbedarf herrscht.

Nachtrag: 08.08.2017:

Mittlerweile hab ich einen meiner Oldies wieder aus der Reparatur zurück und auch einen SA-CD Player gekauft. Die Kombi aus Sansui 5050 und Onkyo C-S 5VL macht alles noch einen Tick besser als zuvor. Ich kann teilweise einfach noch immer nicht glauben, was ich da höre. Auch Alben, die ich schon sehr gut kenne, werden beim wiederholten Hören nicht fad und ich hör immer wieder was Neues heraus. Ganz weit oben rangiert hier das neue Album von Lorde, Melodrama. Da verschlägt es mir einfach die Stimme und ich sitz wie gefesselt am Sofa und hör das ganze Album ohne Unterbrechung durch, eine wahre Ohrenweide!

Arbeitszeiten der jeweiligen Schritte:
Weichen: 3,5 Stunden
Gehrungen: 2 Stunden
Fräsungen: 6,5 Stunden
Leimen: 4,5 Stunden
Malen: 11,5 Stunden
Finalisierung: 5 Stunden

Summa summarum ergaben sich somit 33 Stunden Arbeitszeit, die sich auf gut zwei Wochen erstreckten.

Wo gehobelt wird fallen Späne:

Weichenbau:

Gut das ich im Forum meinen Baufortschritt dokumentierte, so wurde ich umgehend auf einen Fehler aufmerksam gemacht. Ich vertauschte die Kondensatoren für Mittelton und Bass. Gleiche Werte, jedoch unterschiedliche Qualitäten..

Fräsen:

Immer das Echtmaß kontrollieren, die Bässe waren um zwei Millimeter kleiner als von Udo angegeben! Da ich die erste Fräsung immer auf Überschlag fräse, bevor ich den Kreis durchziehe, konnte ich Schlimmeres vermeiden, so hatte ich nur ein paar Zentimeter auszubessern.

Bündigfräsen:

27 mm Platten fräsen mit einem Bündigfräser, der effektiv 25 mm Dicke bearbeiten kann, ist kein leichtes Unterfangen. Leider machte sich das auch bei den Platten bemerkbar. Wie der Teufel so will, rissen bei beiden Kisten an der gleichen Stelle, jeweils an der Oberseite, die Fasern aus. War aber kein Weltuntergang, es gibt ja Holzspachtel…

Den Ausrutscher mit Osmo Dekorwachs hatte ich eh schon im Bericht erwähnt.

Wie immer machte mir dieses Projekt Spaß und ich konnte wieder einiges dabei lernen, das hört auch nach der x-ten verklebten Kiste nicht auf. 😀

Danke an die Online-Helfer aus der Community und danke an Udo für den schönen Hörabend bei ihm. Es werden mit Sicherheit noch viele Bausätze folgen!

Liebe Grüße aus Österreich
Michael

Zur Linie 52 im Online-Shop
Zur Linie 54 im Online-Shop

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7 Kommentare auf "Michael M fährt mit Linie 52 und 54"

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Michaturbo
Mitglied

Hi Michael,

Hast du den ER4 eine Versenkung verpasst? Sieht sehr gut aus!
Meine erste 54 ist auch schon fertig, morgen dann Stereo;0)

Gruß Michael

Gipsohr
Mitglied

Hallo Michael, schön sind sie geworden.
Beruhigend ist die Ordnung deiner Werkstatt. Wie bei mir 😉
Gruß Achim

derFiend
Mitglied

Sieht klasse aus, ich wünsch Dir allzeit viel Spaß damit! Linie54 kommt schon ganz schön mächtig, aber wirkt gut in deinem Wohnraum 😉

Matthias (DA)
Mitglied
Moin Michael, Schön, Deinen Bericht zu lesen – und freut mich, dass Du tatsächlich die Anreise auf Dich genommen hast und es sich gelohnt hat. Die Linie54 ist für gut, da kann man ein paar Jahrzehnte mit verbringen 😉 Und, ich hab gehört die Chorus machen sich als rear gar… Read more »
Audicz
Mitglied

da guckt man Kurz hier rein und schon ist Bescherung. Viel Spaß mit der Abhöre Inkognito.
Gruß Dino
P.S. So ist das mit Weihnachten und Schicht, viel Zeit vor der Bescherung!
Gruß Dino