Mai 14 2015

E-Dings Doppel 7

Als ich vor gut zwei  Jahren mehr schlecht, als recht die kleinen RS100PC zusammenbastelte, war mir schnell klar, dass ich wohl noch viel Zeit mit Schleifpapier, Lötkolben, Holzleim und Klebepistole verbringen werde. Irgendwann standen bei mir dann die Bluestone Twins im Wohnzimmer und die BluesBox15 PC auf dem Schreibtisch. Bereitwillig übernahm ich natürlich auch die Versorgung  der halben Verwandtschaft und einiger meiner Freunde, mit adäquaten Schallwandlern. Es ist schon ein virulentes Hobby und es macht einen Heidenspaß, sich am Wochenende richtig „schmutzig“ zu machen, gerade wenn man sonst nur Projektpläne, Excel-Tabellen und  irgendwelche PowerPoint-Folien durch die Gegend schiebt.



Aber nun zur Doppel7

Bei einem „spontanen“ Abstecher nach Bochum, konnte ich nicht nur Udo, seine Couch und den Charme hiesiger Taxifahrer kennenlernen (der dem der Berliner Kollegen, in nichts nachzustehen scheint), sondern auch die Little Princess und die Duetta ausgiebig hören. Für mich stand damals sehr schnell fest: „Irgendwas mit ER-4“.

Da mein Wohnzimmer nicht riesig ist und auch die Twins schon in der Lage waren, meine liebe Nachbarin in helle Aufregung zu versetzen, fiel die Queen leider aus. So landete ich zunächst bei der Duetta Top. Da sich meine Frau jedoch nicht mit dem Design von Lautsprecherständern anfreunden konnte, unabhängig davon, ob sie 50 oder 500€ kosten, kamen Kompakte nicht in Frage. Also fiel die Wahl auf die Duetta Top in der Standversion. Der zwischenzeitliche Vorschlag, doch lieber die Doppel7 zu bauen, kam von dem Forumsmitglied „schuelzken“. Die Argumente bzgl. höherem Wirkungsgrad, mehr Punch und direkterem Bass bei gleichen Abmessungen haben mich letztendlich überzeugt. Also Doppel 7!

Gehäuse

Das Gehäuse sollte weitestgehend klassisch aussehen, aber hier und da ein paar Akzente setzen. Der Korpus besteht aus MDF und entspricht den Abmessungen aus dem Magazin, wobei die Schallwand hervorgehoben werden sollte. Hierzu habe ich ein zweigeteiltes Design entworfen. Das Oberteil wurde aus zwei Multiplex-Platten angefertigt; einem Rahmen und der eigentlichen Schallwand mit den Fräsungen für die Chassis. Beide Teile wurden verleimt und geschliffen. Die Kanten habe ich mit einer Oberfräse abgerundet, anschließend gebeizt, mit mehreren Schichten Flüssigwachs behandelt und zum Abschluss mit feiner Stahlwolle poliert.


Der Korpus wurde ebenso verleimt und geschliffen. Glücklicherweise konnte ich die Schleifarbeiten dieses Mal bei einem Freund mit großem Grundstück vornehmen und das Bad in Ruhe lassen. Darüber hinaus mussten wieder Wohnzimmertisch und die Arbeitszimmer-Kommode herhalten. Es folgten mehrere Schichten Grundierung, mit Zwischenschliff und das Lackieren mit der Rolle. Da ich nur ein kleines Arbeitszimmer habe, ließ ich die Gehäuse dort trocknen; leider etwas ungünstig auf einem hohen Sideboard positioniert. Gemerkt habe ich, dass diese „Trocken-Konstruktion“ wohl etwas instabil war, als ich eines Morgens kurz nach 5 durch ein lautes Scheppern geweckt wurde. Ihr kennt doch sicherlich das Gefühl, genau zu wissen, was passiert ist, aber dennoch zu hoffen, dass es etwas anderes war? Tja, war es aber nicht. Unser Kater „Rudi“ hat das wackelige Konstrukt zum Einsturz gebracht, was neben ein wenig Tapete und Parkett, auch das Gehäuse arg in Mitleidenschaft zog.

Also fluchen, Kaffee trinken, nochmal fluchen und Schadensbegrenzung einleiten, was in diesem Fall durch neuen Leim, ner Menge Schleifpapier, Spachtel und Lack ganz gut gelang. Dann wurden die BR-Rohre eingesetzt. Mir ist aufgefallen, dass man bei großen BR-Rohren das MDF der inneren Rückwand zu gut sieht. Um dies zu vermeiden, habe ich diese Stelle einfach mit schwarzer Farbe besprüht. Da die Lautsprecher nicht einfach so auf der Erde stehen sollten, habe ich mir Sockel anfertigen lassen. Die einzelnen „Füße“ der Sockel dienen als Aufnahme für Spikes. Bearbeitet wurden sie wie das Gehäuse. Etwas schwierig war das Lackieren der kleinen Kanten mit der Rolle. Hat aber mit etwas Feingefühl und sehr vorsichtigem Zwischenschliff ganz gut geklappt. Sockel und Gehäuse habe ich durch eine Multiplex-Platte getrennt. Die Kanten der Platte wurden geschliffen, schwarz gebeizt, mit Flüssigwachs bestrichen und poliert.

Nun ging es an die Weiche. Da gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, da Beschreibungen hierzu schon ausreichend vorhanden sind. Alle Bauteile, samt Plan, waren da, wurden auf kleine Brettchen geklebt, verlötet und ins Gehäuse gepackt. Bevor ich die Weiche ins Gehäuse klebe, teste ich sie immer noch einmal „nackt“. Dazu verbinde ich sie mit den mitgelieferten Chassis und hänge sie an einen Verstärker. Das erspart mir (fast) immer böse Überraschungen beim ersten Betrieb der fertigen Boxen. Beim ersten Test klang ein HT allerdings sehr dumpf und matt. Mit Udos Hilfe war der Fehler auf der Weiche recht schnell gefunden. Dabei muss ich hier die ferndiagnostischen Fähigkeiten Udos mal hervorheben. Eine kurze Beschreibung des Problems und es folgt  eine Antwort a la: „Guck doch mal……!“ Sehr schön!

Nun wurden die Gehäuse mit Sonofil  befüllt und die Schallwände verleimt. Das Anschließen der Chassis ging ebenso schnell von der Hand. Ein erster Testlauf brachte jedoch Ernüchterung. Klasse Auflösung, tolle Bühne aber kein Bass bei einer Box. Verdammt! Ich hatte doch alles kontrolliert. Auch hier half Udo, an einem Sonntagabend, recht schnell und empfahl mir den Test mit einer Batterie am Terminal. Siehe da, die beiden Bässe einer Box bewegten sich asynchron. Es stellte sich heraus, dass ich einen davon verpolt angeschlossen hatte. Ja, manchmal sieht man den Wald…..usw..

Klang

Was soll ich groß schreiben? Wahnsinn! Muss man gehört haben. Freunde, die mittlerweile eine Kera 360.1 oder SB12 ACL ihr Eigen nennen, waren sichtlich begeistert. Der ER-4 braucht zwar etwas Zeit, um sich einzuspielen, aber dann zaubert er eine Musik ins Zimmer! Herrlich! Während ich bei den Twins schon angefangen habe, meine CDs zu sortieren, hat die Doppel7 zu einem nochmaligen Kahlschlag in meiner Musiksammlung geführt. Auflösung, Bühne, Dynamik…alles passt. Die D7 bleibt dabei vollkommen gelassen, im Gegensatz zur lieben Nachbarin. 😉

2Cellos
Die Jungs spielen auf 2 Celli diverse Cover-Songs. Das geht in die Richtung „Apocalyptica“, nur etwas „schrammelfreier“. Michael Jacksons „Smooth Criminal“ kommt dabei unheimlich klar und detailliert rüber. Man hört fast jede einzelne Saite, egal ob sie gezupft oder gestrichen wird.  Selbst das Atmen der Musiker, die nicht singen ;), ist hörbar. Auch in schnellen Doppelpassagen verliert die D7 nie die Kontrolle. Passt!

Katie Melua
Die Frau muss ich hier nicht groß vorstellen. Die Doppel7 stellt die Gute absolut plastisch dar. Herrlicher Schmelz in der Stimme; da könnte ich stundenlang zuhören, auch leise.

Hiromi
Eine „kleine“ Jazzikone aus Korea und Virtuosin am Flügel. Alle Instrumente sind in Breite und vor allem Tiefe ortbar. Da kommt nichts aus den Lautsprechern. Die Musik steht im Raum. Faszinierend ist, dass auch kleinste Geräusche, wie z.B. das Drücken der Klavierpedale, deutlich hörbar werden. Das ist Live-Atmosphäre.

FKA twigs
Nennt sich „Alternative R´n`B“; da muss man sich erstmal reinhören. Die leicht gesoundete Aufnahme passt aber. Die elektronischen Bässe schieben schon mächtig an und eine glasklare Stimme von „twigs“ bildet den Gegenpol. Eigentlich eine „boom-zisch“ –Aufnahme, aber ganz ohne Wummern und Ohrenbluten. Deutlich wird hier aber, wie schonungslos die Doppel7 mit schlechten Aufnahmen funktioniert. „Twiggy“ kommt also ins Auto.

Alice Russell
Eine Frau, eine Stimme…und was für eine. Den Sansui auf 11 Uhr gedreht und sie schiebt dich von der Couch. Die Drums lassen dich jedes Mal blinzeln, auch wenn du versuchst, es zu unterdrücken. Bassgitarre? Oh ja! Die D7 kann tief, sehr tief sogar, auch wenn sie hier nicht ganz das Niveau der Queen erreicht. Geschenkt! Sie dickt dabei nicht auf, sondern spielt neutral und knochentrocken. Ok, Poti auf 13 Uhr……so höre ich wenigstens das Klingeln meiner Nachbarin nicht. 😉

Fazit

Die Bluestone Twins sind klasse mit hohem Spaßfaktor, die SB12ACL hervorragend musikalisch und die Kera 360.1 schon ganz weit oben. Die Doppel 7 packt, für mich, allerdings nochmal eine deutliche Schippe oben rauf. Trotz der verhältnismäßig kompakten Größe, spielt sie durch alle Frequenzbereiche vollkommen bruchlos und neutral. Auflösung? Die Paradedisziplin des ER-4! Dynamische Sprünge? Immer her damit! Bühne? Plastisch! Bass? Schnell, trocken, tief!

Was gibt’s zu meckern? Die Sensibilität, die man beim Hören von Musik entwickelt, macht Spaß, führt aber dazu, dass man auch weitaus kritischer hört. Gerade Stücke, die ich nun oft auf der D7 genieße, werden dann schnell anderswo unerträglich, wenn sie eben nicht in der nun gewohnten Qualität wiedergegeben werden. Da war ich früher unempfindlicher. Die Bluesklasse ist, zumindest in Berliner Haushalten, noch viel zu unterrepräsentiert. …. aber ich arbeite dran. 😉

Noch was

Man kann viel, bunt und blumig schreiben, aber das Lesen wird das Hören nicht ersetzen können. 10 Minuten auf Udos Couch führen oft zu mehr Erkenntnis, als eine wochenlange „Taub-Recherche“  im Internet. Also kurz: Hören! Hören! Hören!

Vielen Dank nochmal an Udo für die IMMER schnelle und pointierte Unterstützung und auch ans Forum hier, welches auch Abseits des LS-Baus, viele gute Tipps und aktiven Support  zum Thema HiFi bereithält.

Gruß e-ding

 

Zur Doppel 7 im Online-Shop

 

doppel7_2, miduheimkino_1, duettaheimkino_1

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.acoustic-design-magazin.de/2015/05/14/e-dings-doppel-7/

Hinterlasse einen Kommentar

Schreibe den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar