foo’s Duetta

Mein erster Besuch in Bochum liegt inzwischen schon eine gute Weile zurück. In dem sagenumwobenen Zeitloch mit Sitzgelegenheit haben wir damals in einem Rundumschlag so ziemlich alles gehört, was im Laden vorführbereit war. Sowohl der Herr des Hauses als auch jeder einzelne Lautsprecher hatten Charakter, die Geräte tönten aber auch sehr unterschiedlich. Und um genau diese Unterschiede herauszufinden, waren wir ja auch da.

Bei der abendlichen Heimfahrt die Eindrücke sortiert, kristallisierte sich Eton als bevorzugter Hersteller heraus. Davon gab es zu der Zeit zwei Serien, die sich vor allem im Hochtonbereich unterschieden. Keramikkalotte oder AMT. Beides gefiel. Doch was ist jetzt die beste Box für unseren Geschmack? Mein Freund war vor allem von den Symphonies angetan, heute als Linie 4 bekannt. Mir hatten es sofort die Lautsprecher mit dem AMT Hochtöner ER4 angetan. Dann war da noch diese „Duetta“, „Queen of Blues“ genannt, die gefiel mir am besten. Der Kollege wiegelt ab. „Die ist zu groß für Dein Wohnzimmer. Ein 8“ reicht locker“. Mag ja sein, es ist aber nicht unbedingt die Bassgewalt, die mein Gefühl auslöste. Eher das große Ganze, eben nicht eine Box zu hören, sondern Musik. Ob es der ER4 war, der die Musik einfach so in den Raum lässt?

Es folgten jedenfalls im Laufe der Zeit verschiedene Projekte aus ADW Bausätzen, auch eigene Entwürfe. Lautsprecherbau ist bei mir ein schon seit Schulzeiten (lange her :-)) latent vorhandenes Interesse. Bei Udo im Regal fand ich auch mal einen armen arbeitslosen Bändchenhochtöner mit dem ich erste, eigene Experimente abseits von Kalotten machte. Alles, um mich auf den großen Tag vorzubereiten, an dem ich dann mit meiner Traumbox loslege.

Da im Wohnzimmer seit Jahren eine angestaubte große Kiste mit Doppel-8“er ganz passabel vor sich hin tönt, geistert das Duetta-Thema einige Zeit recht peripher in meinem Hinterkopf herum. Diese verschiedenen Kleinprojekte führen mich dann aber doch so ganz langsam zum echten Blues. So entstand dann auch die Duetta Top, ganz simpel nach Plan gebaut, mangels Zeit nur ein einfacher MDF Kasten.

Seitdem kann ich all die begeisterten Berichte im Magazin mehr als verstehen. Schon die Top spielt so genial, das ich mich kurz bei dem Gedanken ertappte: ‚lohnt‘s die Arbeit und die Investition wirklich?‘ Eigentlich war ich schon ganz glücklich.

Dann in Eschborn 2017 war es plötzlich wieder da, dieses Gefühl. Tolle Boxen aller Couleur waren dort vertreten. Aber nein, fast ganz unscheinbar steht da Axel‘s silber-rotes Duetta-Gerät und sagt mir:

„so willst Du deine Musik hören“

Ich habe ein großes Fahrzeug, ich hätte sie alle einladen können … Nee, es hilft nix, die ‚Dicke‘ wird gebaut!

So entstanden die ersten Entwürfe. Gehäusedesign? Einteilig? Mehrteilig? Nach Plan? Oder doch beim Avalondesign klauen? Alles nichts Neues. Am Ende hatte ich sechs oder sieben verschiedene Ideen im CAD skizziert. Fragen an Udo wurden immer wieder schnell und geduldig auch mehrfach beantwortet. So richtig konnte ich mich immer noch nicht entschließen.

Im letzten Oktober ergab sich dann ein Zeitfenster, in dem das Projekt endlich starten sollte. Also nochmal alle Entwürfe gecheckt, für nicht perfekt aussortiert und aus dem Affekt einen neuen, komplett anderen schnell skizziert. Schon nach wenigen Tagen wusste ich, was ich wollte, zeichnete nun präzise und bestellte das Upgrade von der Duetta Top zur Duetta.

Der Ablauf des famosen Nachmittags, an dem ich zur Abholung der Brocken in Bochum war, bildet in diesem Forum ein eigenes Thema:

Dort zeigte ich auch meinen Entwurf und die Skepsis bezüglich der Machbarkeit waren der endgültige Beweis, dass ich endlich loslegen muss.

Als praktisch veranlagter Berufsmodellbauer habe ich eine kleine Werkstatt und diverses Hand- und Elektrowerkzeug zur Verfügung. Auch meine kleine CNC-Maschine hat mir beim Lautsprecherbau schon gute Dienste geleistet. Trotzdem fürchtete ich, mich jetzt etwas verhoben zu haben. Gibt es doch diverse Teile der Konstruktion an denen kein einziger rechter Winkel zu finden ist. Zum Fräsen der langen Teile ist meine Maschine zu klein, außerdem hatte ich mir vorgenommen, soweit als möglich „analog“ mit meinen eigenen Händen zu arbeiten. Der Einsatz diverser High-Tech Methoden ist natürlich trotzdem eingeplant.

Die Duetta soll dem Ursprung entsprechend zweigeteilt entstehen. Mehr als akustischen hat das vor allem praktischen Nutzen, bei mehr als 1,3 m Höhe. Und es ermöglicht ein paar ganz nette Details. Die Oberfläche plante ich in Echtholz, genauer Bergahorn. Bei Templin habe ich ein sehr interessantes Furnier mit einer tollen Maserung gefunden. Für mich auch Neuland, furniert habe ich noch nie. Wofür gibt’s aber Youtube und Google. Wenn ich es nicht probiere, lerne ich es nie, wird schon irgendwie gehen. Kurz habe ich mit dem Gedanken gespielt, aus stabverleimtem Ahorn 25 mm massiv aufzubauen. Die Berechnung der benötigten Menge und der Quadratmeterpreis im dreistelligen Bereich ließen mich davon schnell wieder Abstand nehmen. Ich war mir ja nicht mal sicher, ob ich das Ganze auch so wie geplant hinkriege.

Sobald der Schlachtplan stand, ging es in den Baumarkt. 22er MDF in solcher Menge, dass der örtliche Obi-Sägespezialist gleich abgewunken hat. Also ab in die nächstgrößere Stadt und im Bauhaus den altbekannten Profi an seiner Säge angetroffen. Schade eigentlich, das der ganze Zuschnitt ja von mir erst noch weiter zerkleinert werden sollte; die Platten hätten saugend gepasst.

Was ich nicht selbst an Werkzeug besitze, musste ich mir bei Freunden ausleihen. So wusste ich von vorhergehenden Projekten, dass angesichts von rund 30 Gehrungsmetern ich mich dafür nicht auf meine altgediente Metabo Handkreissäge verlassen kann, ohne früher oder später schreiend davon zu laufen. Also habe ich mich auf die Suche nach einer Alternative gemacht und fand bei einem Freund die Auswahl zwischen einer Tischkreissäge mit allem drum und dran sowie einer Festo Tauchsäge. Nach Abwägen allen Fürs und Widers lieh ich mir die Festo, weil ich damit flexibler bin und es dank Führungsschiene bei den großen Seitenteilen einfacher zu händeln geht. Wie sich zeigen sollte, war das die richtige Entscheidung.

Das letzte Aufbäumen des Hammersommers 2018 Anfang November! habe ich dann für die staubintensiven Sägearbeiten im Freien genutzt. Die Arbeit ging sagenhaft gut voran, so dass ich schon bald die ersten Passproben machen konnte. Die Dimension meines Projektes wurde mir hier erstmals so richtig bewusst.

Verschiedentlich musste ich zwar Korrekturen vornehmen aber immerhin nur ein Teil neu anfertigen. Wenn man mal noch eben schnell …. Hat man sich auch schnell mal vermessen.

Inzwischen war auch das bestellte Furnier angekommen und es waren ein paar Entscheidungen zum weiteren Vorgehen zu treffen. Am liebsten hätte ich die Fronten unter meine CNC gelegt und der Maschine die Auschnitte für die Chassis überlassen. Doch der Profi sagt, besser sei es, erst zu furnieren und dann zu fräsen. Hmm, die fertigen Kästen passen aber nicht mehr auf meine Maschine. Also freue ich mich auf Kopierring und Fräszirkel. Ich wollte ja Handarbeit. Doch halt, eine genaue Vorrichtung zum Ausfräsen des Öffnung für den ER4 kann doch meine CNC. Denn sowas Nobles wie einen variablen Fräsrahmen hatte ich natürlich nicht zur Hand. Dafür habe ich aus der Grabbelkiste des Baumarktes alle 8-10 mm MDF Reste geholt und mich drangesetzt.

Wer also eine Oberfräse mit 21er Kopierring besitzt und demnächst einen ER4 einzufräsen hat, ich hätte da was abzugeben:

So entstanden, inzwischen ins Warme umgezogen, nach und nach vier veritable Hamsterkäfige. Spanngurte und Krepptape waren dabei meine besten Freunde. Aufgrund der schiefen Winkel ringsum wäre ohne eine Helling mit Zwingen nichts zu machen gewesen. Mit Krepp gibt‘s mehr Pressdruck auf die Kante als mit Spanngurten. Dagegen kriegte ich alleine arbeitend mit den Spanngurten alles recht stressfrei positioniert.

Als Klebstoff diente vor allem der gute, alte Fugenleim. Bei solch komplexen Aufbauten tut man sich mit Expressleim keinen Gefallen. Ein paar Minuten zum Ausrichten müssen schon drin sein. Beim Zuschneiden der Deckel und Böden habe ich etwas Luft gelassen, damit auch wirklich alles sicher ineinander passt. Zur genauen Positionierung dieser Teile dienen Lamellos. Dieses System ist so narrensicher, dass ich es für meine Boxen nicht mehr missen möchte.

Für diese Verklebungen sowie alle weiteren, wo ich ganz auf Nummer Sicher gehen wollte, da ich sonst keine nachträgliche Reparaturmöglichkeit gehabt hätte, habe ich zusätzlich Ponal Konstruktions PU Kleber verwendet. Das Zeug quillt ganz anständig, auf manchen Bildern ist das weiße Zeug ganz gut zu sehen. Nur einschmieren sollte man sich damit nicht. Den Schmier kriegt man kaum von der Haut runter. Man darf sich auch nicht von der anfänglichen Konsistenz der ausgehärteten Masse täuschen lassen. Ich habe zuerst geglaubt, das wird nicht soviel halten wie versprochen. Weil, wenn man nach ein paar Stunden die Überstände mit dem Stechbeitel abzieht fühlt es sich an wie Styropor. Erst nach ein, zwei Tagen erreicht der PU Kleber die volle Härte. Deckel und Boden der Mitteltonkammer sind mittig gegeneinander abgestützt. Im Bassabteil habe ich aus Reststücken jede Menge Verstrebungen recht willkürlich eingepasst.

Parallel zum Bau des Gehäuses machte ich mich dann auch über die Elektrik her. Sehr erstaunt war ich, als ich im Karton von Udo die Bauteile für die komplette Duettaweiche fand, war ich doch davon ausgegangen, dass diese als Upgrade nur ergänzt werden müsse. Um so besser, ums Löten bin ich nicht bange. Sehr schnell reifte bei mir der Plan, dass die wunderschönen Jantzen Audio Bauteile auch etwas besonderes verdient haben. Klar klingt auch der frei verdrahtete Aufbau mit Heißkleber auf einer alten Pappe. Aber Stil hat das nicht. Wir geben uns so viel Mühe mit dem Gehäuse, um dann diese schönen Teile peinlich im Dunkeln zu verstecken, also nee…

So oder so ähnlich muss auch schon der Lautsprecherbau- und Flugmodellbaukollege Stefan Hessenbruch gedacht haben, als er seine SB 23/3 baute und davon im Magazin und per Youtube Video berichtete. Der Ansatz hat was und ich war so frei das für meine Duetta weiter zu spinnen.

Ob und wie es vom Layout passt, habe ich wieder im CAD getestet.

Mir war zwar hier auch noch nicht klar, ob und wie die Weiche später mal noch zu sehen sein wird. Nun, der Weg ist ja hier auch schon ein Ziel. Deswegen habe ich aus MDF-Resten (hatte ich schon erwähnt das ich da so eine Grabbelkiste leer gekauft hatte?) eine Basisplatte gefräst und die Teile dann darauf angeordnet. Wichtig war mir dabei eine Spulenanordnung, die gegenseitige Induktion vermeidet. Also Kippen der Achsen nach der ‚Rechte Hand Regel‘ und größtmöglicher Abstand untereinander. Verdrahtet wurde größtenteils nur mit den Anschlußdrähten der Bauteile und mit 1,5 qmm abisoliertem Installationskabel. Oberseitig wurden die Luftbrücken sauber über den Bauteilen angeordnet. Für eine schöne Optik sorgen schwarze Gewebeschläuche, die ich über die Drähte gezogen und an den Enden mit Schrumpfschlauch gesichert habe. Die Unterseite wurde kreuzungsfrei direkt auf dem Holzbrett verdrahtet.

Zwischenzeitlich waren alle Teile fertig verleimt und wurden flächig mit dem Exenterschleifer und 240er Scheiben plangeschliffen. Gröber war wirklich nicht nötig. Die Überstände an Böden und Deckeln wurden per Bündigfräser und Bandschleifer beseitigt. Wichtig fürs Furnieren ist eine popoglatte Vorbereitung. Also auch kleine Macken und Ecken ausspachteln. Tipp für‘s MDF: Wenn man wieder mal beim Rumschubsen von zentnerschweren Kästen nicht aufpasst und sich eine Delle reindrückt, Spucke hilft! Nach kurzer Zeit quillt das Material wieder in seine urspüngliche Form.

So weit, so gut! Bis hierhin wusste ich Bescheid. Einmal tief durchgeatmet und dann den Leim fürs Furnieren aufgerührt. Die Kontaktklebermethode ist mir bei so einer großen Kiste zu heikel. Pressen geht nicht, da ich keine parallelen Wände habe. Bleibt noch Bügeln. Und damit’s auch nicht zu einfach wird, möchte ich die auffällige Maserung des Furniers auf der Schallwand und im Rücken der Box spiegeln. Also habe ich den passenden Strich auf dem Holz gesucht, die Bahnen übereinander gelegt und mit der langen Aluschiene und dem frischen Cutter sauber getrennt. Anschließend habe ich die Bahnen stumpf mit wasserfestem Fugenleim verklebt. Weiter ging es gemäß Udo’s Beschreibung. Es hat erstaunlich gut funktioniert.

Ein paar Eigenheiten gibt es beim Bügeln aber doch zu beachten. Zum einen glättet sich das Furnier unter der Wärmeeinwirkung besser als ein Baumwollhemd. Sogar die feinen Knitter gehen weg. Aber, es schrumpft auch! Was zu einem Aufgehen der Spiegelfuge um etwa einen Millimeter führt. Auch andere, unter Spannung stehende Bereiche des Furniers können aufreißen. Was mich anfangs fast zum Verzweifeln brachte, habe ich schließlich akzeptiert und versucht, das Beste draus zu machen. Immerhin geht die Spiegelfuge sehr gleichmäßig in die Breite, so das man sie mit Clou Holzpaste wieder fast unsichtbar machen kann.

Während des Furnierens entstand die nächste Parallelbaustelle. Ich wollte anstatt eines Bassreflexkanals eine runde Röhren haben. Das Jet Set 100 wäre geeignet. Ich hatte das Ding auch schon mal in der Hand und für mich entschieden, dass da das Preis/Leistungsverhältnis gar nicht passt. Was anderes Gutes, das auch noch gut aussieht, gibt’s meines Wissens nicht zu kaufen. Also: DIY! Wofür gibt’s denn so modernes Teufelszeug wie einen 3D Drucker?

Ein Rohr mit den passenden Massen war schnell gefunden. Beim Dachdeckerbedarf im Bauhaus lag ein ca. 78 cm langes PVC Standrohr mit 100 mm Innendurchmesser und 4 mm Wandstärke. Perfekt! Auf dieser Basis habe ich mir im CAD einen hübschen Flansch gezeichnet. Der Öffnungsquerschnitt erweitert sich trompetenförmig vor die Schallwand. Das innere Ende muss mit einem 4 mm Radius auskommen. Nach wenigen Tagen erhielt ich die aus robustem Polycarbonat gedrucktem Rohteile. Ich hätte nicht geglaubt, wie zäh dieses Zeug tatsächlich ist. Es hat zwei halbe Nächte gebraucht, bis ich die Flansche sauber mit den Rohren verklebt hatte und die Oberflächen fertig zum Füllern und Lackieren waren. Am Ende hat es sich aber gelohnt. Die Optik ist nun genau so, wie ich es wollte. Und die Abmessungen des Resonators stimmen bis auf wenige Millimeter mit der Bauplanvorgabe überein. Da ich mich auch ziemlich an die 90 Liter Volumenvorgabe für die Basskiste gehalten habe, sollte das passen.

Nach dem Furnieren habe ich sofort die Oberflächenbehandlung vorgenommen, um das helle Holz beim Weiterbau zu schützen. An Reststücken habe ich verschiedene Mittelchen getestet. Als da wären Holzlack AquaClou farblos, Osmo Hartwachs, Leinölfirnis, Clou Arbeitsplatten-Hartöl und Clou Flüssiges Bienenwachs. Am meisten überzeugt hat mich das Bienenwachs. Bin als Imker ja vorbelastet:-) Es trocknet sehr schnell, dringt durch die Formulierung in alkoholischer Lösung tief ins Holz ein und bietet eine recht unempfindliche Oberfläche mit einem tollem Griff. Und es riecht gut! Ganz im Gegensatz zum sonst auch gerne verwendeten Osmo Hartwachs.

Einige Schrecksekunden gab es hierbei auch. Eindringliches Knirschen und Knacken einige Minuten nach Arbeitsbeginn sorgte für Entsetzen. Durch die neuerliche Anfeuchtung des Furniers traten all die Stellen zu Tage, an denen ich nicht sorgfältig gebügelt hatte. Nochmaliges Bügeln hat aber geholfen. Abschließend habe ich das Bienenwachs mit einem sehr feinen Schleifvlies seidenmatt aufpoliert.

Inzwischen waren auch die Ausfräsungen für die Chassis fertig. Diese Arbeit ist nichts Neues und wurde auch schon oft genug dokumentiert. Meine Frässchablone für den ER4 hat sich auch bewährt. Die einzige Besonderheit ergibt sich aus der Schallwandbreite von durchgängig 215 mm. Dadurch steht der 280 mm Korb des Tieftöners über und läuft seitlich in die breite 30° Fase hinein. Soweit war mir das aus dem CAD ja auch klar. Nur hatte ich bisher nicht zu Ende gedacht, wie ich den bis etwa 7 mm tiefen keilförmigen Hohlraum hinter dem Korb ausfülle. Letztendlich fand ich eine einfache und gut aussehende Lösung. Anstatt der 9 mm Frästiefe, die der Korb des 11“ Basses eigentlich verlangt, habe ich 17 mm tief gefräst und in den Zwischenraum einen 8 mm Adapterring aus MDF eingelegt. Dieser wurde CNC gefräst und passend zum Chassis schwarz matt lackiert. So passt er sich perfekt in das Gesamtbild ein.

Nun fehlte nur noch die Bestückung des Gehäuses mit der Technik. Das war ein recht entspannter Arbeitsschritt. Die externe Weiche musste noch irgendwo untergebracht werden. Dazu dient der Hohlraum hinter dem ER4. Aufgrund der großen, hexagonalen Grundfläche des Oberteils fällt das 20 Liter Abteil des Mitteltöners mit 185 mm recht niedrig aus. Der Rest des Oberteils ist offen geblieben. Da der Hochtöner unter dem Mitteltöner angeordnet ist, ergibt sich nun dahinter ein komfortabler Raum über dem Deckel des Bassgehäuses. Also stelle ich die Weiche einfach auf den Bass und fräse noch eine Öffnung von hinten in die rückseitige Wandung des Oberteils. So bleibt die Weiche sichtbar und gut zugänglich. Für die Steckverbindungen zwischen allen Beteiligten habe ich 4 und 6 mm hart vergoldete und hoch belastbare Steckverbinder aus dem RC Modellbaubereich verwendet. Diese haben nachweislich sehr gute Übergangswiderstände und sollten auch im Audiobereich ihren Zweck erfüllen.

Das Volumen der Dämmwolle aus dem Bausatz füllte nach dem Öffnen der Rolle gefühlt meine Garage komplett aus. Einen kleinen Teil davon habe ich nun verwendet. Der Mitteltöner darf seinen Rücken bequem in das locker gefüllte Bett legen. Im Bassabteil habe ich erst mal nur die Wände ausgeschlagen, damit möglichst viel der rückseitigen Bassenergie für den Bassreflexresonator zur Verfügung steht. Da mein Wohnraum teils zu derben Bassmoden neigt, werde ich da sicher noch experimentieren müssen.

Die letzten Tage zur Fertigstellung waren ein echter Kraftakt. Jetzt wollte ich auch fertig werden. Bloß nichts mehr kaputt machen. Mit dem Festziehen der Schrauben war es endlich geschafft. Jetzt durften die Dicken ins Wohnzimmer umziehen. Trotz der vorgerückten Stunde musste bei einem guten Glas der erste Ton erklingen.

Ich bin schon ein bisschen Stolz auf die neuen Tonmöbel. Mir gefallen sie. Die paar kleinen Fehler betrachte ich als Beweis, das die selbstgebaut sind. Wären sie perfekt geworden würde mir das ja keiner glauben 🙂

In den folgenden Tagen kam ich immer später ins Bett und ich hörte auch Platten, die schon seit Jahren kein Tageslicht mehr gesehen hatten.

Jetzt kommt der schwierigste Teil meines Berichtes. Jetzt erwartet Ihr eine Klangbeschreibung.

Lasst es mich mal so sagen, ich weiß jetzt ungefähr, wo die Schwächen meiner restlichen Kette liegen. Die Duetta ist dermaßen schonungslos offen und ehrlich, dass kaum ein Fehler verborgen bleibt. Auch gute und schlechte Aufnahmen muss ich ab sofort in getrennten Regalen unterbringen. Manche Platten, speziell diverse, ältere Rock-Liveaufnahmen gehen gar nicht. Die auf Durchschnittslautsprechern ansonsten gut klingende Irish Tour ‘74 von Rory Gallagher zum Beispiel fällt jetzt durch. Umso besser wirken Auflösung und Dynamik bei guten Aufnahmen, ganz egal ob alt oder neu. Eine der Platten die mich sowohl als Vinyl, als auch als CD seit Jahrzehnten begleitet ist die Time Out von Dave Brubeck. Ich weiß schon, dass den Machern im Jahr 1959 ein fast audiophil zu nennendes Werk gelungen ist. Wenn ich nun die Platte über die Duetta höre, kommt es mir so vor als säße ich zwischen den Akteuren im Studio.

Anderes Beispiel: Das Gefühl, das mich beim Hören der Atom Heart Mother Suite von Pink Floyd überkam, kannte ich bislang nur vom Hören über einen guten Kopfhörer. So stelle ich mir einen LSD Trip vor. Über Lautsprecher noch nie wahrgenommen.

Bei Kammerjazz á la Wollny, E.S.T. und Co ist die Duetta dann endgültig in Ihrem Element. Da stellen sich mir echt die Haare auf, wie im Livekonzert. Druckvolle Anschläge auf Bassdrum, Toms und Cymbals erklingen ansatzlos und räumlich angeordnet. Das Anzupfen von Saiteninstrumenten wird sehr naturgetreu wiedergegeben. Besonders gut gefällt mir die Darstellung von akustischen Bässen, wie z.B. der von Jean-François Jenny Clark im Folk Song for Rosie, Paul Motian Trio, Le Voyage. Da spürt man förmlich wie der Musiker sein Instrument würgt und wringt.

Die Duetta hat eine sehr tiefe Abstimmung des Basses mit leichter Unterbetonung des Oberbasses. Das passt gut in meinen Hörraum. Das Dröhnen, welches mich bei großer Lautstärke bislang an meinen alten Lautsprechern immer störte, hält sich so deutlich in Grenzen. Der Mittel/Hochtonbereich mit dem 7/360 und dem ER4 sind pure Energie und Musikalität. Die Töne entstehen nicht an einem Lautsprecher, sie sind einfach im Raum. Musikdarbietung in 3D sozusagen.

Ihr merkt, ich finde das Teil ganz große Klasse. Bis auf weiteres bin fertig mit der Suche nach dem “besten” Lautsprecher. Ich danke vor allem Udo für die Erfindung dieses famosen Lautsprechers, aber natürlich auch der restlichen ADW Community für die vielen Anregungen und Berichte.

Markus

PS: Die erste, große Bewährungsprobe beim Event in Nordhausen hat meine Duetta mit Bravur bestanden.

Zur Duetta im Online-Shop

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ENDLICH mal wieder eine SCHÖNE Duetta – seltenes Kunststück!

Grüße BW

JoKa

Hallo Markus,
Bochum, Eschborn, Nordhausen, Designstudien, Hexagon, Zweiteilig Echtholz, Gehrungsschnitte, CNC, Lamellos, Weiche nach Stefan, Frässchablone, CAD-Layout, Furnier, Bügelmethode, BR aus Polycarbonat, 3D-Drucker, Adapterring, Bienenwachs …
Mannomann, da wird einem ja ganz schwindlig, bei so vielen Details!
Gut nachvollziehbar und mit allen Tücken und Schwierigkeiten hast Du einen sehr schönen und ausführlichen Bericht geschrieben. Danke dafür.
Das Detail mit der nur rückseitig einsehbaren Weiche (in auch hexagonalem Ausschnitt) gefällt mir besonders gut. Sehr unaufdringlich. In Nordhausen war Deine Duetta ein echter Hingucker.
Grüße, Jo

Sparky

Guten Abend, trotz Montage-Marathon schreibe ich auch mal wieder etwas, nicht, das ich hier demnächst einen Nachruf auf mich entdecke weil man mich für tot erklärt hat…. 😉

Schön, das es mal wieder ein Dickschiff auf die Titelseite geschafft hat, und ein hübsches noch dazu.
Die Form gefällt mir, man möchte meinen, durch die Front wirke die Dicke “breiter”, doch das helle Holz und die Schrägen machen optisch einen schlanken Fuß. Der 11er, der die Kanten der Schrägen bricht, tut da sein übriges, das gefällt, hat das gewisse Etwas.

Zur Weiche sag ich nur “Chapeau!”, hätte ich keinen Nerv zu, bei mir landen die immer
als “avantgardistisches” Heißklebergebilde im Gehäuse, was wohl aus optischen Gesichtspunkten auch besser ist… Eine Weiche wie die Deine präsentiert man da natürlich im Gegenteil gern der Allgemeinheit.

Viel Spaß mit den Dütten.

Gruß,
-Sparky

Audicz

Hallo foo,
die Duettas konnte ich ja schon in der Heimat des Doppelkorns anschauen, anfassen und bewundern. Ein freudiges oha als ich die Weiche entdeckte gab es auch.
Sowohl die Duetta selbst, als auch der Bericht sind sehr gelungen und machen Lust wieder an zu fangen.
Danke, Dino

Rundmacher

Hallo foo,

da ist er, der Baubericht.
Ein Referenzbericht, das ist er.
Das ist eine professionelle Schreinerarbeit dachte ich als sie in den großen Saal gerollt kam. Bei der Betrachtung der Weiche wusste man sofort das es keine Schreinerarbeit ist, das ist mehr. Das ist Enthusiasmus.
Ein paar Fragen meinerseits wurden beantwortet, das mit dem schwarzen Zwischenring z.B. und das die Planung länger als der Bau gedauert hatte ist mir mehr als verständlich.
Mit dem Bericht ist mir heute ein wenig der Enthusiasmus geraubt in die Werkstatt zu gehen und die nächsten Kästen weiter zu kleben. Aber Nr. 22 und 23 müssen fertig werden, das bleibt so. 😉

Auf jeden Fall war deine Duetta die Ballkönigin hier, danke.

Gruß Rundmacher

MartinK

Hallo Markus. Ich bin auch einer derjenigen, die in Nordhausen Gefallen an Deinem Werk gefunden haben. Dein Bericht ist sehr unterhaltsam und auch informativ. Jetzt wo ich weiß, wie die Lautsprecher entstanden sind, ist mein Respekt noch größer. Gehrungsschnitte mit der Tauchsäge funktionieren nicht an der an sich fertigen Platte sondern nur beim Abschneiden vom Ganzen oder ?
Gruß Martin

foo

Hallo Martin,

Ich habe allerdings den Holzzuschnitt so gewählt, dass ich genügend „Fleisch“ zum Sägen hatte. Aber auch Korrekturschnitte an der eigentlich fertigen Platte haben meist gut funktioniert.

LG Markus

MartinK

Aha. Mir geht es so, dass wenn der Schnitt am Rand der Platte sein soll, die Schiene quasi in der Luft hängt und ich etwas Passendes unterlegen muss. Soll die Gehrung in die andere Richtung gehen, klappt es weil dann die Schiene auf dem Werkstück liegt. Oder habe ich einen Denkfehler?

foo

Moin Martin
Das geniale an der Festo Führung ist das das Sägeblatt immer genau an der Kante der Schiene läuft, egal welcher Winkel eingestellt ist. Wenn man also mal noch 1 Grad oder so nachschneiden muss, ist’s kein Problem. Dranschneiden geht natürlich nicht 😏

Stefan

Herzlichen Glückwunsch! Sieht toll aus!
Und Danke für die Erwähnung. Ich fühle mich geehrt/geschmeichelt 🙂

Weiterhin viel Freude mit der Queen of Blues,
Stefan

foo

Danke für die Blumen.

Deine Videos waren für mich auch Inspiration 👍

SCI3NTIST

Als ich mich neulich eher zufällig durch die Eventgalerie klickte, dachte ich noch: schade, dass es zu dieser Duetta scheinbar keinen Baubericht gibt. Und da ist er auch schon…

Starkes Design und astrein ausgeführt, Glückwunsch. Was die Weiche angeht: ganz klarer Designvorteil gegenüber einer aktiven Box, diese Variante einer Weiche fand ich schon bei Stefan H. extrem chic. Kommt auf den Merkzettel für das nächste Projekt.

Viele Grüsse
Thomas

Harald

Hallo Markus, ein super Baubericht und tolle Lautsprecher hast Du da geschaffen. Vor allem die Weiche finde ich sehr fein. Ich bin ein großer Fan von sichtbaren Weichen. Bei meinen SB18 habe ich sie auch zur Schau gestellt. 🙂
Sehe ich das richtig, Du verwendest als 3D- CAD das Rhino? Dieses kommt auch bei mir zum Einsatz.
Glückwunsch zu der tollen Arbeit und weiterhin viel Freude damit.
Gruß Harald

Dilettant

Herzlichen Glückwunsch zum Bau der Königin – und zu diesem famosen Bericht! Ich habe lange nicht mehr eine so liebevolle Konstruktion gesehen. Als Furniergeschädigter hat mich am meisten begeistert, wie sauber Du die Kanten im Frontbereich gebügelt bekommen hast. Großen Respekt vor der Leistung!

Bei dem beschriebenen Udo-Besuch war ich ja auch zugegen. Bei mir spielen sich gerade die Chorus 73 warm, in die ich mich damals verguckt habe. Ich bin auf der tonalen Himmelsleiter also noch zwei Stufen tiefer…

Viel Spaß mit Deinen Boliden!
Liebe Grüße
Uwe

foo

Hi Uwe,

Wieso tiefer? Vielleicht daneben 😎 Bei einem Freund von mir werkelt die Chorus 74 im Wohnzimmer. Sie ist deutlich anders als Duetta ( darum stehtudie da). Aber nicht schlechter.

LG Markus