Mai 08 2017

Kays SB 18, mal schnell zwischendurch

Mitten im Bau einer Doppel 7 kommt es mir auf einmal in den Sinn, eine SB18 zu bauen. Klingt verrückt, ist es auch. Wie kam es dazu? Hier kommt die Kurzfassung, detailliert im nächsten Absatz:

das Wohnzimmer wird renoviert – alte Lautsprecher passen optisch nicht mehr
also die Cantons verkauft
im Keller-Heimkino stehen noch 5 Quicklys –  verkauft
paralleler Bau der Doppel 7 läuft etwas schleppend
Problem: keine Lautsprecher mehr im Haus!

Lösung: Ich  brauche etwas auf die Schnelle, was ich später zu Standboxen ausbauen kann = SB 18

Die Story mit mehr Details:

Circa ein Jahr her ist es, dass meine Frau und ich die Renovierung unseres Wohnzimmers beschlossen haben. Nachdem ich vor ca. 3 Jahren einen Satz Quicklys für einen Heimkinoraum im Keller gebaut hatte und seitdem immer wieder die Bauberichte im gelben Forum aufgesogen habe, war das jetzt der Startschuss für den Bau eines Paares Lautsprecher aus der Bluesklasse. Schon seit meinen Anfängen beim Lesen der Bauberichte war es die Doppel 7, die mich faszinierte. Im Sommer ging es los mit dem Umbau – alte Möbel raus, Fußboden raus – alles neu. Die Canton GLE 490 in Nussbaum/Cappuccino passten nicht mehr zu unseren neuen Möbeln und Wandfarben. Gott sei Dank aber gefielen sie jemand anderem aus dem Kleinanzeigenparadies. Fortan war Musikhören nur noch im Keller angesagt mit den Quickly 36. Angetrieben von einer Serie weiterer, schneller Verkäufe bei Kleinanzeigen landeten dann auch meine fünf Quicklys als Versuch in der Bucht. Wie es das Schicksal so wollte, dauerte es keine 3 Wochen und die fünf hochglanzweißen Kisten zogen auch aus. Blöd nur, dass die Weihnachtszeit vor der Tür stand und der Bau meiner Doppel 7 irgendwie nicht so recht vorankam. „Wir brauchen Musik nächste Woche, wenn ich mit den Kindern Weihnachtsplätzchen backe“, so die Aussage meiner Frau. Wir reden hier gar nicht erst über WAF, sondern darüber, dass gar nichts vorhanden war. Ein Anruf bei meinem Vater half mir vorübergehend aus der Klemme. Er hatte noch einen Satz Hecos aus seiner Jugend liegen. Die waren weiß und passten so auch zu unseren neuen Möbeln. Problem vorerst gelöst. Ich verbrachte in der Vorweihnachtszeit so manchen Abend im Keller und bastelte mal wieder an alten Receivern und Dual Plattenspielern herum. Die Musik aus dem Baustellenradio war nicht gerade eine Offenbarung. Meine Idee: Ich brauche Lautsprecher im Bastelkeller, mit denen kann ich dann auch gleich die Vintage HiFi Komponenten testen. Nach  4 Jahren aufmerksamen Lesens im Forum kennt man sich ja mittlerweile in Udos Welt bestens aus. Selbstverständlich gab es eine große Auswahl an möglichen Bausätzen. Bluesklasse sollte es auf jeden Fall werden. Die Eton-Fraktion stand in der Werkstatt und wartete auf die Vollendung. Also was bleibt übrig? SB Acoustics natürlich. Den Kellerraum in dem die Quicklys standen wollte ich im Laufe des Jahres umbauen und renovieren und daraus ein gemütliches Musik-/Kinozimmer machen. Ein mögliches Upgrade zu einer Standbox wäre nicht verkehrt, denn dann könnten die neuen Lautsprecher gleich als Frontsystem in das Musikzimmer einziehen. Demnach kommt die SB 18 in Frage. Alles andere machte für mich irgendwie keinen Sinn. Kurze E-Mail an Udo, ob sich bei SB in der Zukunft irgendetwas ändern wird?  Udo verneinte, also wurde kurzerhand bestellt.

Die Optik:

Für den Bau der SB 18 hatte ich mehrere Ideen für das Outfit: Front lackiert  und den Rest furniert, oder auch Front in Kunstleder und/oder Alcantara? Auf keinen Fall Lack, das dauert mir zu lange! Wenn ich die Front lackieren würde und die Seiten furniere, müßte ich die Front später auf Maß zusägen, da noch nicht feststand, wie dick das Furnier wird. Das würde die Bauzeit wohl etwas verlängern. Am Ende entschied ich mich für Furnier an allen Seiten und auf jeden Fall eckig, es sollte schnell gehen. Bis Weihnachten sollten die Kisten fertig sein. Ich googelte „Furnier Hamburg“ und fand die Firma Ulrich Furniere und war dort von dem Produkt Motion begeistert. In der darauffolgenden Woche war ich geschäftlich im Süden von Hamburg unterwegs und stattete der Firma Ulrich Furniere einen Besuch ab. Ein paar Blätter Motion hatten sie zwar da, aber nur auf einer Trägerplatte – Gesamtstärke damit 6 mm, zu viel für mich. Das Material sieht echt gut aus, aber man sollte etwas Lieferzeit einplanen, wenn man das haben will. Wird nur auf Kundenwunsch produziert und dann erst ab größeren Mengen. Also kann man sich „nur“ an einen laufenden Auftrag ranhängen. Bei ca. 800.000 m² Furnier im Lager war ich dann auch etwas geplättet und entschied mich einfach auf die Schnelle für Nussbaum und nahm zwei Blätter mit. Das Holz ließ ich mir im örtlichen Bibermarkt aus 19er MDF zuschneiden. Wie sagt man so schön bei uns im Norden: „Und nu geit dat los!“

Die Wochenendbox:

Freitagabend habe ich mit Hilfe von einer Kiste Wasser die Gehäuse verleimt. Dazu brauche ich nicht mehr viel sagen, die Bilder sprechen für sich. Samstagnachmittag habe ich dann die Gehäuse geschliffen und das Furnier zugeschnitten.


Am Sonntag nutzte ich dann die Mittagspause von unserem Jüngsten und breitete mich auf dem Esstisch aus. Die Basteltischdecke von den Kindern schützte den Tisch und das Bügeleisen von meiner Frau war schnell auf Wolle vorgeheizt. Ich hatte noch nie furniert, aber nach der Anleitung von Udo verlief das Ganze recht einfach. Plötzliche Hektik und Aufbruchsstimmung unterbrach meine Arbeit. Das nachbarschaftliche Adventstreffen auf der Spielstraße lag an, naja egal, die letzten 4 Blätter Furnier bügelte ich dann während des Tatorts drauf. Ausgerechnet das letzte Deckelteil machte dann Probleme, aber pünktlich um 21.45 Uhr war auch der Fall gelöst. Feierabend für mich und die Tatortkommissare!

Montag habe ich die beiden Holzkisten dann mit ins Büro genommen, wo sich meine provisorische Werkstatt für die Doppel 7 befindet. Schnell die grüne Boschfräse angeworfen und die Löcher gefräst.  Nach 5 Stück Quicklys und 2 Stück Doppel 7 geht das quasi im Schlaf. Zirkel an die Fräse – Radius einstellen und Attacke. Obwohl schon eine neue Festoolfräse in ihrer Verpackung schlummernd in der Werkstatt steht – es ja aber schnell gehen sollte – griff ich auf Altbewährtes zurück und die Grüne durfte die 19 mm in einem Atemzug verhaften.
 
Abends zurück zu Hause bekamen beide Kisten dann eine Ölung aus Leinölfirnis. Auf zwei VHS Kassetten ließ sich das Ganze auch gut drehen. Den Unterschied vorher/nachher kann man auf dem Foto gut sehen. Der Leinölfirnis feuert die Maserung schön an. Nach 24 Stunden Trocknungszeit sollte man noch eine zweite Ölung vornehmen. Also am Dienstagabend schnell die beiden Kisten noch einmal liebevoll mit Schwamm und Öl gestreichelt. Nach ca. einer halben Stunde kann man dann das überschüssige Öl mit einem Baumwolltuch abwischen. Funktioniert einwandfrei! Leinölfirnis duftet (manche würden auch sagen, er stinkt) etwas, also den Raum gut durchlüften und vielleicht auch die kommenden Tage. Kleiner Tipp am Rande: Ich würde mit dem Leinölfirnis nicht in einer Wohnung hantieren, lieber draußen oder im Keller. Es könnte sein, dass die Mitbewohner oder sogar die eigene Ehefrau da etwas gereizt reagieren. Ähnlich wie ein Stück Fleisch, sollte man die Lautsprecher danach gut abhängen – äh ablüften lassen.

Am Mittwoch sollte dann die Hochzeit sein – also rein mit der Technik. Die Weichenbauteile habe ich mit Heißkleber auf zwei Holzbrettchen geklebt und verlötet. Dann habe ich die Löcher für die Polklemmen gebohrt und die Klemmen mit den Anschlusskabeln verlötet. In den Lautsprechern löten geht nicht sehr gut und tut auch mächtig weh an den Fingern ;-). Die Weichen habe ich dann mit Heißkleber an die Rückseiten geklebt, die Anschlusskabel für den Hochtöner und TMT habe ich vorher schon angelötet. Zum Schluss noch die Löcher für die Schrauben vorgebohrt und die Watte reingestopft. Löten – Schrauben – Fertig!

Der Klang:

Zwei Stück SB 18  an zwei Tagen und drei Abenden – und sie sehen sogar noch recht anschaulich aus. Während ich Nummer zwei mit den Chassis verheiratete, durfte sich Nummer eins schon im Nebenraum mit Udo Lindenberg und meinem Dual CV1600 bekannt machen. Klang verdammt gut, was da in meine Werkstatt herüberschwappte. Nummer zwei gesellte sich schnell dazu und Udo durfte erst einmal seine CD „Stärker wie zwei“ bis zum Ende abspielen. Danach wechselte Udo auf Schallplatte mit „Stärker als die Zeit“, die auch komplett durchlief. Michael Jackson mit „off the wall“ wollte auch noch auf den Dreher – keine Widerrede meinerseits. Jetzt mußte natürlich ein Klassiker her! Also schnell Dire Straits in den CD Player geschoben und Lied Nr. 9 ausgewählt. „Brother in Amrs“, was sonst! Obwohl ich alle Möbel aus dem Musik-/Kinokeller schon auf den Sperrmüll geworfen hatte und ich auf dem Fußboden vorm Heizkörper saß, konnte ich nicht aufstehen und gehen. Die Höhen glasklar, die Bässe schön knackig und nicht aufdringlich, wunderbar. Die Bühne war breit gefächert und die Musiker standen alle etwas hinter den Lautsprechern. Im Vergleich dazu bei meinen Quickly 36 war die Bühne nicht so breit und das Geschehen war viel dichter an einem dran.

Jetzt musste einmal etwas Modernes ran. Schnell den Raspberry gestartet und mit einem freien DIN Anschluss am alten Dual verbunden (ja das geht auch). Eierphone rausgeholt und über WLAN die Runeaudioseite vom Raspberry angesteuert: David Guetta, Family of the year, Coldplay, Adele, London Grammar, Adoro – jeder darf einmal ran – breites Grinsen im Gesicht – alles richtig gemacht! An dem Abend spielte ich noch einiges querbeet vom Raspberry ab. Die SB18 nehmen alles hin, ohne mit den Achseln zu zucken, spielen das Gebotene einwandfrei und wunderbar ab. Dabei zeigen sie einem auch gerne, welche Aufnahmen nicht von bester Qualität sind, was bei digitaler Musik ja manchmal der Fall sein kann. 0.30 Uhr es ist Donnerstag, der 22.12.2016 – Weihnachten kann kommen.

Über die Feiertage verbringe ich noch einige Stunden mit den SB18 zusammen und lausche dem wunderbaren Klang. Ein kurzes Intermezzo im Wohnzimmer an der zukünftigen Wirkungsstätte der Doppel 7 ändert nichts an dem positiven Eindruck. Ein automatisch einsetzendes Heben und Senken des linken Fußes, während Dire Straits „money for nothing and the chicks for free“ verkünden, verrät mir, dass der Klang der Lautsprecher nicht so übel sein kann. Im Wohnzimmer sind die Höhen zwar dominanter und die Bässe etwas zurückhaltender, allerdings ist der Raum insgesamt auch gut 55 m² groß und die Lautsprecher hängen an einem Yamaha Verstärker. Über Yamaha wird ja häufig berichtet, dass sie im Bassbereich eher zurückhaltender sind. Die SB 18 sind natürlich nicht für dieses Raumvolumen geschaffen. Damit wird die Geschichte dieser SB 18 aber auch weitergehen, denn irgendwann werden sie zu einer SB 36 wachsen und wahlweise das große Wohnzimmer oder den dann ca. 20 m² großen Musikkeller beschallen. Die ursprüngliche Idee mit der Verwendung im Bastelkeller ist quasi schon wieder überworfen (und damit ist automatisch schon ein weiteres Projekt in der Pipeline).

      

Nachtrag zur Optik:

Am Anfang des Bauteils hatte ich über Alcantara oder Kunstleder geschrieben. Ein Stück Alcantara hatte ich während der Bauphase schon besorgt. Da ich dieses SB 18 Bauprojekt für mich zum Testen und Ausprobieren auserkoren hatte, wollte ich jetzt noch einen weiteren Schritt wagen. Einen Streifen Alcantara mittig über die Lautsprecher. Für die Breite hatte ich 11 cm ermittelt, was etwas breiter als der Hochtöner ist. Bleiben noch 12 cm übrig. Durch zwei geteilt, macht das 6 cm pro Seite. Eine Leiste in 6 cm diente mir als Anschlag. Mit einen Multitool habe ich dann die Lautsprecher ca. 5 mm tief eingeschlitzt. Das Alcantara zugeschnitten und Holzleim dünn auf das Furnier aufgetragen. Den Stoff habe ich dann schön glatt gestrichen auf den Leim und mit einem kleinen Schraubenzieher die Überstände links und rechts in die Rillen gestopft. Leider musste ich die Polklemmen noch einmal ablöten und abschrauben damit der Stoff auch auf der Rückseite sauber anliegt. Mit dem Ergebnis bin ich allerdings sehr zufrieden.

Grüße aus dem Norden der Republik.

Kay

 

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9 Kommentare auf "Kays SB 18, mal schnell zwischendurch"

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Audicz
Mitglied

Hallo Kay,
Sehr schön mal ne SB18 zwischen rein geschoben! Sehr schöner Bericht. Da bin ich mal auf die D7 Ekstase gespannt….
Viel Spaß beim Einspielen!
Gruß Dino

Kayhh
Mitglied

Moin Dino,
die D7 Ekstase findet auf der Couch statt beim Hören ;-). Der Baubericht von Max zur SB36 in D´Appo-Form hat mich natürlich schon wieder zum Nachdenken angereizt. Aber vorher muß das Zimmer dafür erst einmal gemacht werden.
Gruß Kay

offenesauge
Mitglied

Sehr edel, überragender WAF-Faktor!

Ben
Mitglied

Super Optik, gerade mit dem nachträglich reingezogenen Alcantara.

Michael
Mitglied

Da sag ich doch mal schnell zwischendurch “Klasse geworden, das gefällt”.

Tolle Arbeit, sehr stimmiges Design. Viel viel Spaß damit.

Michael

Harald
Mitglied

Hallo Kay,
für “mal schnell zwischendurch” sind das grandiose Lautsprecher geworden. Vor allem der Alcantara Streifen sieht echt klasse aus. Ich trau mich gar nicht sagen, dass ich an meinen SB18 schon seit Monaten dran bin. Kann mich nur Max anschließen: Tolle Arbeit!

Noch ein Gruß aus dem Süden
Harald

Kayhh
Mitglied

Hallo Harald,
meine Doppel 7 hat auch 5,5 Monate verschlungen und sind im schlichten Weiß gehalten. Manchmal geht es schnell und manchmal braucht es etwas länger…egal am Ende ist man doch stolz es geschafft zu haben. Mach die SB18 mal fertig, da kommt echt gute Musik raus
Gruß Kay

max
Mitglied

Hi Kay,

wow – tolle Arbeit. Wenn das “mal schnell zwischendurch” ist… was passiert dann erst bei der Doppel7 :-O

Gruß aus dem Süden,
Max

Kayhh
Mitglied

Hallo Max,
Danke! Die Doppel 7 sind fertig…der Bericht wird hier auch irgendwann kommen. Der Bau hat mich aber ein paar graue Haare gekostet…habe lackiert. Furnier ist da wesentlich gutmütiger.
Gruß Kay

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