Chorus 72, 73 und Sub 11 – wir wollen nur spielen

Nahezu komplett ist nun die 5er Chorusline. Sie erfüllt mit nur drei Bauvorschlägen fast alle Wünsche nach Heimkino und Musikgenuss, ausbaufähig sind die beiden kleinen zudem. Selbst als Ergänzungen für das Duetta-Theater taugen sie, wenn man nicht unbedingt den ER4 auf allen Effektkanälen braucht. Also können wir uns nun an das Rundmachen der Chorus 7-Reihe machen, der noch der Center fehlt, der zugleich auch als Komplettfront im beeindruckenden Filmpalast herhalten darf. Um das zu schaffen, schicken wir ihn nicht unbegleitet in die Welt. Ihm zur Seite stellen wir daher auch noch den ChorusSub11, damit auch das stilgerechte Fundament vorhanden ist.

Mit dem Subwoofer wollen wir auch gleich starten, er ist nun mal die Basis für das  effektvolle Cinemavergnügen. Voraussetzung für tieffrequente Luftbewegung ist eine große Membran, die bietet uns Eton mit dem 11-612/C8/50 RP aus der (nicht mehr so) neuen Orchestra-Serie. Mit 12 mm Hub, 23 Hz fres und hoher mechanischer Güte ist er die ideale Besetzung für unsere Basskiste, von der wir nicht nur ein undifferenziertes, dumpfes Brummen verlangen. Traditionell stellen wir für bisher nicht verwendete Chassis ein Datenblatt zusammen, dem wir die Messdaten in Textform als Zip-Datei beipacken. Die kann der interessierte Selbstbauer für eigene Projekte mühelos in ein vorhandenes Simulationsprogramm tippen und so auf die Tauglichkeit des Chassis für seine angedachte Anwendung spekulieren. Gemessen wurde in 50 cm Abstand auf unserer hauseigenen Normschallwand mit kalibriertem Mikrophon.

Datenblatt 11-612/C8/50 RP
Messungen in Textform als Zip-Datei

Ausstattung:

Membran Pappe Polplattendicke 8 mm
Sicke Gummi Wickelhöhe 18 mm
Korb Druckguss Magnetdurchmesser 134 mm
Polkernbohrung ja Befestigungsbohrungen 6 mm
Zentrierung Flachspinne Außendurchmesser 280 mm
Magnet Ferritmagnet Einbaudurchmesser 246 mm
Schwingspule 50 mm Einbautiefe 111 mm
Träger Kapton Frästiefe 9 mm

Parameter:

Fs 23 Hz Mms 64,3 Gramm
Diameter 216 mm BL 12,81 Tm
ZMax 134 Ohm VAS 133,9 Liter
Re 5,3 Ohm dBSPL 89,6 dB/2,83V
Rms 1,28 kg/s L1kHz 1,01 mH
Qms 7,41 L10kHz 0,45 mH
Qes 0,31 SD 366 cm²
Qts 0,3 MMD 60,3 Gramm
Cms 0.71 mm/N Zmin 5,93 Ohm

Messungen:

LspCAD wär mit 45 Litern Reflexvolumen zufrieden gewesen, wir hielten gute 60 Liter mit Abstimmung um 30 Hz für besser. Das ließ uns etwas Reserve für den Bassboost, den wir am SAM-2 stufenlos zwischen 20 und 50 Hz mit bis zu 6 dB regeln können. Monacor stellt dafür eine Bedienungsanleitung und ein Datenblatt zur Verfügung, so müssen wir hier nicht alle Details niederschreiben. Erwähnenswert finden wir jedoch die integrierte Trennregelung für den Satelliten, die besonders für ältere Stereo-Verstärker mit Pre-Out und -In ein wunderbares Feature ist. Doch zuvor steht der Gehäusebau an. Dafür braucht man bekanntlich einen Bauplan, den haben wir mit Sketchup gemalt.

Für den Holzzuschnitt bemühten wir den Holzlistenrechner und zersägten nach seiner Aufstellung schwarzes MDF für die inneren und 18 mm Multiplex für die seitlichen Bretter. Für das Verkleben haben wir in diesem Bericht sechs Bilder vorgesehen.

Für das SAM-2 bastelten wir auch ein kleines Zuhause, an das bei Bedarf auch ein zweiter Sub 11 angeschlossen werden darf. Wichtiger als der Holzaufbau ist uns diesmal der Anschluss der Polklemmen, der oftmals Anlass für Service-Anfragen ist.

Die Polklemmen haben zwei Plastikringe, die beide außen bleiben, viel Material, das für den Kabelanschluss ordentlich erhitzt werden will, und eine Mutter, deren runde Seite gegen das Holz “sieht”.  Zum festen Halt in der 10 mm Bohrung verhilft ein Maulschlüssel und ein Metallstab, der in das Querloch der Klemme passt. Da die Fähnchem zum Lautsprecher am SAM-2 nicht ganz einfach gefunden werden, weist eine Sprechblase auf diesen Ort.

Zwei Bahnen Polyesterwatte mit je 30 x 160 cm werden locker zusammengerollt in das Basshaus gesteckt, der Reflexkanal bleibt dabei frei. Am Bass ist die breite Fahne Plus.

Ein paar Messungen am lebenden Objekt haben wir natürlich auch zu bieten. Was sie darstellen, steht unter den Diagrammen.

Alle weiteren Worte zum ChorusSub11 sparen wir uns, wir verwenden sie lieber für die Chorus 72, die als Center, Front oder unterstützte Stereobox vorgesehen ist.

Verräterisch ist schon der Name, er lässt auf zwei Siebenzöller aus der Orchestra-Reihe schließen. Richtig, lieber Leser, so haben wir es uns gedacht. Sie nehmen den 25 SD 4 in die Mitte, dem wir aus gutem Grund in der gesamten Chorusline die Verantwortung für die Hochton-Wiedergabe übertragen haben. Gezeichnet sieht das Ganze dann so aus:

In Wirklichkeit haben wir jedoch die Bretter nicht stumpf verleimt, sondern die inneren auf Gehrung geschnitten. Auch dabei griffen wir auf die vom Holzlistenrecher (für einen Vorschlag zur Abkürzung des langen Namens bin ich empfänglich) errechnete Liste zu.

Weil Bilder oftmals mehr sagen als Worte, haben wir auch vom Klebevorgang der Chorus 72 ein paar Fotos geschossen.

Die Bretter haben wir zügig verleimt, so blieb uns genug Abbindezeit für den Fugenleim, um sie mittels Zurrgurten in die gewünschte Form zu bringen. Alle Kanten der zweiseitig mit 45°-Fase gesägten Innenplatten werden durch den Druck ohne Überstand zusammen gefügt, auch Deckel und Boden dank des Bandes können nicht verrutschen.  Nach einer Stunde Trocknungszeit konnten die Kleberreste mit dem Excenterschleifer beseitigt werden. Dabei sollte man recht gewissenhaft sein, andernfalls zeigen sich nach der Behandlung mit Klarlack oder Öl unschöne Flecken auf der Oberfläche. Abschließend füllten wir jede Box mit zwei Matten Pol(ye)sterwatte (30 x 80 cm) und verkabelten die Chassis so mit dem für die Messungen präparierten Terminal, dass wir die Weiche außerhalb der Box basteln konnten. Die Topologie übernahmen wir selbstverständlich wieder von den anderen Modellen der Chorus-Reihe.

Messungen:

Im Hörraum überzeugte der Chorus72-Center durch ordentlichen Wirkungsgrad und exzellente Stimmwiedergabe ohne jede Art von Schärfe, Frauen und Männer übertrieben niemals in der Darstellung ihrer Größe. Dass Drachen dagegen etwas klein gerieten, lag nicht an unserem Probanden. Als wir ihm den Subwoofer unterschoben, gab es zum Meckern wahrlich keinen Anlass mehr.

Zugeben muss ich allerdings, dass mich weit mehr die musikalische Seite interessierte. Bekanntlich bin ich kein Freund von Sub-/ Satsystemen im Stereobetrieb, weil sie sich nur schwer zu einem harmonischen Ganzen gruppieren. Trotzdem schloss ich Chorus 72 und Sub11 testweise an meinen alten Marantz an, der durch Pre-In und -Out die Fähigkeiten des SAM-2 nutzen kann. Die Trennung zum Satelliten stellte ich auf 70 Hz, beim Sub stand der Regler auf 50 Hz, richtiger Pegel und Phasenlage waren auch schnell ermittelt…

… und schon rockte die Bude. Natürlich wär auch noch ein Bassboost möglich gewesen, aber ich kann auch ohne übertriebene Bauchmassage Musik genießen. So ließ ich mich ein paar Stunden lang mit Klassik, Jazz und Rock verwöhnen, Platte war mal wieder angesagt. “Was willst du mit so vielen Schallplatten? Die kannst du in deinem restlichen Leben garantiert nicht mehr alle hören”, pflegt meine Frau zu sagen, wenn der Postmann mal wieder einen Stapel schwarzes Gold anschleppt. Nun, einen kleinen Teil davon hab ich wieder mal geschafft. Spaß hat es auch gemacht.

Wer glaubt, dass er den Bericht jetzt endlich zu Ende gelesen hat, rechnet nicht ernsthaft mit meiner Neugier. Zwei Siebzehner einfach nur als Satelliten in eine geschlossene Kiste zu setzen, kann nicht das Ende der Fahnenstange sein. Zu einfach war es, die Chassis samt Weiche in die Gehäuse der Linie 73 zu schrauben, dem wir noch ein weiteres Reflexloch zufügten. Das laut Simulationsvorschlag etwas zu große Volumen versprach einen tiefen, aber nicht zu lauten Bass. Die zugehörigen Messungen waren schnell erledigt, auch eine Impedanzkorrektur für Röhren gibt es.

 
Dem Auge gefällt es, doch das ist dem Ohr weitgehend egal. Es kann keine Diagramme lesen, darin sind halt keine Aussagen zum realen Klang enthalten.

Also noch einmal den Destiny angeworfen, den Zuspieler macht der PC von Festplatte, die Steuerung das Tablet und Media-Monkey. Um meiner Frau noch mehr Munition zu geben, kann ich an dieser Stelle auch noch die grob 9500 CD’s anführen, die auf dem Speicher liegen. Von den meisten hätt ich nicht einmal gewusst, dass es sie überhaupt gibt. Wie es bei solchen Schätzen nun einmal ist, findet sich auf diese Weise viel Musik, die wohltuend den schmalen Tellerand verlässt. So fand ich eine “Little Red Rooster”-Version, eingespielt von Kenny Wayne Shepherd, Bluesrock vom Feinsten. Treibender Bass und Drum, schräge Mundharmonika, Dynamik, Auflösung, Räumlichkeit, alles so selbstverständlich, unangestrengt, auch wenn es – mein Nachbar möge es verzeihen – etwas lauter wurde.  Und dann gab es noch Ketil Bjørnstad: “Early Piano Music”,  ruhige Klaviermusik, die zeigte, wie lang man den ausklingenden Ton einer ungebremsten Saite hören kann, auch wenn der Pianist schon längst im nachfolgenden Takt angekommen ist. Nicht umhin kam ich trotz der Fülle an neuen Angeboten auch meiner derzeitigen Lieblingssängerin  ein Ohr zu schenken: Beth Hart, begleitet von Joe Bonamassa ließ es sich nicht nehmen: “I’ll take care of you”, sang sie nur für mich, mit so viel Emotion in der Stimme – Gänsehaut. Hier zeigte sich wieder einmal das Besondere an Eton-Lautsprechern. Wo andere Töne wiedergeben, nehmen sie dich einfach in den Arm und sind mit dir ganz nah an der Musik.

Udo Wohlgemuth

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Ralph

Hallo Udo, mein Gehäuse für den ChorusSub 11 soll schmaler werden als geplant. Jetzt weis ich nicht, wie ich den Reflexkanal anpassen muss. Die Breite des Kanals möchte ich von 30cm auf 26,2cm schmälern. Was muss ich jetzt mit der Tiefe und Höhe des Kanals machen? VG Ralph

derFiend

Da isser ja der 11er Chorus Sub! Und in Udo´s typischer Art und Weise, noch gleich viel mehr interessantes! 😉

Audicz

Ooouuhh böse Falle. Bringst Du den Sub mit nach Eschborn? Da will ich die Kera Capra mit hören. Oder sollte ich nicht? Neben den Duetta Unterteilen noch zwei Subs im Wohnzimmer?
Mir schwant schlimmes….
Gruß vom wieder neugierigen Dino

Fabian

Sehr schön ein 11er von eton der mit 60L klar kommt auf so etwas habe ich ewig gewartet:)
Jetzt nur eine frage kann man ihn auch passiv betreiben in kombination mit der chorus 72?
Oder wird es dafür keine weiche geben?

Kai

Gratuliere, Udo! Für mich persönlich ist es eine Freude, die Abrundung der Chorus-Reihe durch genau dieses Konzept zu erleben, großes Kino, in mindestens zweifacher Bedeutung. 😉 Ausserdem mal wieder wunderbar ge- und beschrieben Lieben Gruß,

Kai

Kai

Was ich noch ergänzen möchte: ich habe ein ziemlich ähnliches setup hier stehen, allerdings mit zwei 5ern und Keramikhochtöner ‘obenrum’, sowie zwei 11ern, aber ebenfalls mit dem SAM2-Modul.

Udo stellt hier eine funktionierende, abgestimmte Kombi vor, ich meine mal ganz mutig, mit ein wenig probieren sollte der hier vorgestellte 11er auch mit der Chorus 52 funktionieren, die man dann z.B. dreimal vorne haben könnte für HK bzw. zweimal für Stereo.

Wie Udo bin ich ein Sub- / Sat-Skeptiker, aber mittlerweile – innerhalb enger Grenzen – von der geläuterten Sorte. Udo schreibt, dass er Spass hatte und der Kombi ein paar Stunden gewidmet hat! Ich lese das so, dass musikalisch alles im grünen Bereich gewesen ist. Da tun sich wirklich Möglichkeiten für HK de luxe und hervorragendes Stereo auf, wenn da ein 11er in 60 Litern zurechtkommt – sowas kann man doch stellen. 🙂 Nochmal Gruß in die Runde,

Kai

Matthias (DA)

Ach fein,
Die Chorusreihe wird immer kompletter 👍
Wird für mich immer mehr zum idealen Bausatz für alle die sowohl Musik als auch Heimkino in bezahlbar kombinieren möchten. Ich glaub es wird Zeit endlich meinen Wallross Artikel fertig zu machen…

“Holzlistenrecher (für einen Vorschlag zur Abkürzung des langen Namens bin ich empfänglich)”

Sägezettel, Schnittsheet, HoLiRe, Spanspicker, Sägetool, Schnittrechner, Holzkalibrator, Gehäuserechner, Boxenkonstantvolumenmaßindividualisierungsrechenblatt ;-P

Liebe Grüße
Matthias

Rundmacher

Hallo zusammen,

Obi-Wan Kenobi hätte wohl gesagt: ‘Eine runde Sache es geworden jetzt ist.’ 😉
Die Chorus Familie ist erwachsen geworden.
Mit dem 11 Zöller im Sub sind nun auch alle Infraschall Begehrlichkeiten abgedeckt.
Wer will da noch grundlegende Wünsche äußern, ein Baukastensystem par excellence ist vorhanden. Man wählt evtl. die 71, oder die 72 als Ersatz oder als Center , vielleicht noch einen Sub dazu oder halt das Ganze in ein anderes Gehäuse geschraubt. Und trotzdem alles ausgemessen, feingehört und abgestimmt.
Zufall hin, Zufall her, kurz bevor dieser Beitrag online ging, heute am 02. Dezember nachmittags, kam bei mir ebenso Beth Hart und Joe Bonamassa auf der ‘kleinen’ Chorus 71 zur Geltung. Beide sind ja gerade hier im Forum oft empfohlen, zu recht.
Das erste mal vom neuen DIY Netplayer mit einem integrierten D-Klass Modul von Wondom, das ist schon eine andere Zuspielung als ich bisher hatte.
Gänsehaut?
Ja, ich weiß.

Es grüßt freundlich
Rundmacher

waterdrinkingman

Hätte er nicht. Er hätte nur genickt, als er hörte, wie Yoda das sagte.

Yoga

😂