ADW-AE 73.3 alias Chorus 73 nach Andreas

Etwas zu schreiben, was meinen eigenen Gedanken entspringt, fiel mir schon immer schwer, schon seiner Zeit in der Schule, als es darum ging, irgendwelche Aufsätze zu beliebigen Themen zu verfassen. Da aber die Bitte von Udo, einen Baubericht zu erstellen, noch immer in meinem Kopf herumgeistert, möchte ich dieser nun doch aus freien Stücken sehr gerne nachkommen. Ich stelle mir selber die Frage nach dem Warum. Und hierfür habe ich zwei Gründe.

Nummer eins: Meine Erwartung an die Lautsprecher wurden sowas von übertroffen, dass ich auf diesem Weg meinen Dank an Udo zum Ausdruck bringen möchte.

Nummer zwei: Hätten andere Kunden keine Berichte geschrieben, welche ich selber mit absoluter Begeisterung gelesen habe, wäre ich nie zu diesen Lautsprechern gekommen und das wäre ein Tragödie!

Also los geht´s: Es war einmal die Idee zum ADW-AE73

Nach langem Mitlesen und Erstellen eines eigenen Themas im Forum, um den passenden Bausatz zu finden, entschied ich mich für den Chorus 73 Bausatz. Die Bestellung war aufgegeben, das Geld bezahlt und zwei, drei Tage später des Paket von Udo bei mir.

Von Anfang an stand fest, dass das Gehäuse mein persönliches Design bekommen sollte. Obwohl ich noch nie einen Lautsprecher selber gebaut habe, entschied ich mich für ein nach hinten abgerundetes Gehäuse.

Als ich fertig war und das Gehäuse zum ersten Klangtest aufstellte, stellt sich schnell Ernüchterung ein. Der Klang war unterirdisch. Die Fehlersuche ging los und nach kurzer Dauer war der Fehler identifiziert. Die Seitenwände waren, der Längsschnitte für die Biegung geschuldet, zu dünn, was den Lautsprecher klanglich da stehen ließ, als würde eine Ziege in einen Blecheimer pinkeln. Also noch mal von vorn!

Ein zweites Mal orderte ich im Baumarkt meine MDF-Platten, auf Maß gesägt. Klanglich erfüllte das Gehäuse dann meine Erwartung.

Nach einer Woche in meiner Wohnstube entschloss ich mich, eine dritte Variante zu bauen, da mir bei Version 73.2 das Gehäuse im Verhältnis zur Membranfläche zu groß und klobig erschien. ADW-AE73.3 – und alles wird gut. Also wieder einen Satz MDF Platten im Baummarkt geordert und abgeholt.

Zu Hause angekommen, ging es mit dem dritten Bauplan direkt los. Wie beim 73.2 doppelte ich auch hier 12mm MDF zu einer 24mm Variante auf. Nachdem alle Platten verleimt und getrocknet waren, machte ich mich zuerst daran, die Lautsprecher-Front zu bauen. Die Öffnungen für die Schallwandler und der BR-Tuben waren mittels meiner Oberfräse schnell in der obersten Platte eingefräst. Die Höhe der Körbe und Tuben wurde berücksichtig und Senkungen mit eingefräst, damit später die Abdeckung plan aufgeschraubt werden kann. Das Gehäuse war lächerlich schnell verleimt, da hier keine gerundeten Seiten mehr gebaut werden mussten. Lediglich die Stoßkanten schnitt ich auf Gehrung, um ein nach hinten schmaler werdendes Gehäuse zu bauen. Das gegenüber der Vorlage berechnete Volumen habe ich natürlich bei der Änderung berücksichtigt.

Da die Klängsäulen eben auch optisch was hermachen sollten, wollte ich neben der Furnierung für das Gehäuse auch eine Abdeckung für die Lautsprecher haben, die ich so fräste, dass die Schrauben der Lautsprecherkörbe nicht mehr sichtbar sein würden.

Niemand hat Lust auf eine Staublunge, also safety first:

Mit dem Ergebnis sehr zufrieden, fügte ich probehalber alle Teile zusammen. Hierbei fertigte ich auch gleich die Schraubpunkte für die LS-Blenden.

Meiner Sache sicher, bestückte ich nun das Gehäuse mit Noppenschaumdämmung, welche ich sehr empfehlen kann (Anmerkung der Redaktion: Hier schließen wir uns nicht an). Im Anschluss verschraubte ich an der LS-Rückwand die Frequenzweiche und verlegte im Gehäuse die nötigen Kabel. Bis auf die Anschlüsse an der Weiche, verlötete ich sie mit den jeweiligen LS. Da ich das von Udo mitgelieferte Kabel für Version 73.1 schon zerschnitten hatte und nicht mehr nutzen konnte, kaufte ich bei Tante Amazon Vollkupferkabel.

Nachdem ich die finale Variante 73.3 einem ausgiebigen Hörtest (eine Woche) am Hörplatzt unterzog und für perfekt befand, sollten sie nun das angedachte Finish erhalten. Hierfür hatte ich mir vorab schon Esche-Echtholzfurnier und Acrylklarlack besorgt. Da die LS-Blenden einen Kontrast zum Gehäuse bilden, aber gleichzeitig auch zu unserem Mobiliar passen sollten, entschied ich mich hier für ein Cremeweis.

Jeder, der bereits diese Mühe auf sich genommen hat, einen eigenen Lautsprecher zu bauen, kennt dieses euphorische Glücksgefühl, wenn man die finale Montage der Teile durchführt und endlich die letzte Schraube festgedreht ist. “ICH HABE ES GEBAUT”

Aber ein letztes Detail fehlte noch und dauerte blöderweise am längsten. Um die Optik und den Klang abzurunden, fertigte mir ein Bekannter aus 5mm Alu eine Platte und aus Edelstahl Puck´s zum Verschrauben der VIABLUE Spikes.

Jetzt waren sie endlich fertig.

Aufgebaut, angesehen, angehört und Bewunderung für die eigene Leistung empfinden… nicht bezahlbar! Aber das auch noch am nächsten Tag? Ähmm, warte mal, ich dreh mal etwas lauter… F**K!!! Wie kann das sein, was zum Teufel ist da los?!!? Die Höhen beißen nicht mehr im Ohr, die Mitten sind glasklar und detailiert, selbst beim Bass nicht nur ein Brummen und Wummern, dein Gehör differenziert die verschiedenen Frequenzen?!? Ist es wahr, bin ich endlich da, wo ich hin wollte???? Ja, definitiv!

Niemals zuvor habe ich ein Platte auf meinen alten 1210ner gelegt und einfach nur auf dem Sofa gesessen, die Augen geschlossen und im perfekten Stereo-Dreieck Phil Collins´ “In the Air Tonight” oder Queen´s “Bohemian Rhapsody” genossen. Unglaublich! An der Stelle gleich noch ein Film-Tipp: Seht euch unbedingt “A Star is Born” in der Originalton Dolby-Atmos-Spur an, Erpelpelle ist vorprogrammiert!! Und da ich gerade über Filme spreche, das Gehäuse für den 73er Center baue ich gerade 😉

Wenn man einmal Blut geleckt hat…

Bis denne, Andreas

Zur Chorus 73 im Online-Shop

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.acoustic-design-magazin.de/2020/09/27/adw-ae-73-3-alias-chorus-73-nach-andreas/

7 Comments
neuste
älteste
Inline Feedbacks
View all comments

Kleine Korrektur der Redaktion: Ersetze “we” durch “do” 😉

Gruß Udo

Moin Andreas,

tolles Projekt mit perfekter Arbeit. Die Schrauben in der Membrane zu sehen schockte mich kurz…das hätte ich mich auch nicht getraut.

Die Edelstahlplatte sind einfach Hammer aus. So etwas in der Art suche ich auch noch für meine Duetta.
Vielleicht kann Udo noch dazu etwas schreiben ob es klangliche Nachteile bringt unter die Lautsprecher eine 5mm Edelstahl oder 10mm Aluplatte so zu montieren.

Als kleinen Tipp wenn Du schwimmend verlegten Laminatboden hast und Spikes mit kleinen Auflsgetellern benutzt. Das Laminat bewgt sich sehr gerne da Du nie mit den 4 Füßen ein Brett erwischt. So brachte bei mir eine Steinplatte unter den Spikes als Ankopplung zum Laminat eine deutliche Ruhe im Bassfundament.

Hallo Andreas,
viel Spaß mit der C73, schicke Kisten, gut umgesetzt!

Ich musste so lachen als ich den Bericht las.

Ich wollte ja meine C71, die ich als Kompakte und ACL gebaut hatte, zur C73 upgraden. Jetzt habe ich den Fehler gemacht und die C71ACL mit zu meiner Tochter genommen um sie im Vergleich zur SB36 zu hören.
Dumme Sache, mit dem Ergebnis, “Papa, du willst die doch jetzt nicht wieder mit nach Hause nehmen. Und den Sym und die Röhre kannst auch gleich hier lassen, dann brauchst nicht so viel tragen.”

Ja ne is kla, seit Monaten stehen die jetzt in Norddeutschland und ich sehe den Lautsprecher und die Elektronik nur noch beim Besuch. 

Gruß Schülzken

Wunderbar, der Bericht! Und ein super Lautsprecher. Ich habe die ja auch und möchte sie gegen nichts anderes eintauschen.

Und Perfektion ist Dein zweiter Vorname, oder? Drei Gehäuse bis zum Ergebnis ist schon außergewöhnlich! Deinen Anspruch sieht man auch am perfekt eingerichteten Wohnzimmer.

Ich musste nur schmunzeln, als ich die Schrauben im Chassis liegen sah, quasi als Auffangschüssel…das hätte ich mich nicht getraut!

Viel Spaß mit Deinen Juwelen!

LG
Uwe

Was für ein ungewöhnlicher Baubericht. Du fängst an wo andere aufhören, das verspricht zumindest mal Abwechslung. Keine ausgiebigen Erklärungen, dafür viele aufschlussreiche Bilder. Der Bauvirus bleibt heute mal im Kistchen! Muss ja nicht immer Schema-F sein. Dafür mal ein Bericht zur Chorus 73, die sich optisch sehen lassen kann. Chapeau!

7
0
Kommentar schreibenx
()
x