Duetta Center Front, meine Granduetta petite

Nach Fertigstellung des Duetta Center stand die Frage nach passenden Partnern im Heimkino im Raum. Meine Canton-LS haben mir noch nie so recht gefallen und neben dem Center stehen sie echt schlecht da. Frei nach Schülzken’s Motto „baue den größtmöglichen Lautsprecher für deinen Hörraum“ wäre die Granduetta das Ziel gewesen, allerdings konnte ich die Dimensionen nicht einmal vor mir rechtfertigen (ich nutze sie hauptsächlich im Heimkino), geschweige denn vor meiner besseren Hälfte.

Die nächstkleinere Variante wäre die Linie 54, die mir von den Dimensionen sehr gut gefiel und in etwa meinen Canton Karat M70 entspricht. Allerdings hat mir das Zusammenspiel von 5“ HMT und 7“ TT beim Probehören eines anderen Lautsprechers nicht so recht zugesagt. Die L 54 ist sicherlich ein toller, aber ich denke einfach nicht mein Lautsprecher (Anmerkung der Redaktion: Einen 5er und 7er würden wir auch nie zusammenpacken. Deshalb hat die L 54 zwei 8er Bässe).

Dann also Duetta? Wieder das Problem mit den Dimensionen, obwohl im Forum sehr schlanke Varianten umhergeistern. Die wäre dann aber keine d’Appolito-Box, also doch Granduetta?

Irgendwann besann ich mich zurück auf eine Idee, die ich ganz zu Anfang mal hatte, einen Duetta Center als Standbox. Bis auf den Bass identisch zur GD aber sicher nicht zu schwach und im Filmbetrieb hilft mein MovePump12 an der Stelle aus. Also quasi eine GRANDUETTA petite?

Da das Gehäusevolumen mit etwas über 40l nicht gerade üppig ist, würde ein Standlautsprecher eine recht schmale Säule werden. Eine große Kompaktbox mit schickem Standfuß wäre schon was, dann kommen aber wieder die Probleme mit dem sichtbaren Kabelsalat. Der Verstärker will auch noch irgendwo untergebracht werden. HaZu hat eine schicke Variante mit externem Gehäuse an seiner L54 umgesetzt, allerdings fehlt mir der Platz für die zusätzlichen Kisten.

Irgendwann fanden die Wünsche nach einer „anständigen“ Box und nicht sichtbaren Kabeln zusammen und ich beschloss, das Gehäuse in einen Lautsprecherteil und einen für den Verstärker aufzuteilen. Den Weg von der MDF-Platte zum verleimten Gehäuse erspare ich euch an dieser Stelle, der ist schon oft genug dokumentiert worden.

Im Gehäuse wurde das Volumen für den Lautsprecher mit schrägen Wänden abgetrennt und der Rest für das Aktivmodul vorbereitet. Der Plan war, das Modul „frei schwebend“ zu montieren und die Frischluft von unten daran vorbei und über die Gehäuserückseite ausströmen zu lassen. Dazu aber später mehr.

Als nächstes kam meine Abneigung gegen sichtbare Bassreflexöffnungen dran. Ich hätte sie nach hinten legen können, dann wäre der Blick beim Betreten des Wohnzimmers jedes Mal darauf gefallen, eine Box steht frei direkt neben der Tür, also keine Option. An der Front müsste ich während des Betriebs immer drauf starren, auch keine Option. Bleibt also nur der Weg nach unten. Bei DownFire-Subs wird das ja auch gemacht, hab ich mir gedacht. Gesagt, getan, also wurde der BR-Kanal an der Front nach unten zeigend geplant.

Damit die Luft ungehemmt entweichen kann, sollte das Ganze auf vier soliden Holzfüßen stehen, die, für einen schicken Abschluss, wiederum auf einer Bodenplatte montiert sind. Es gibt dazu nicht allzu viel Informationen im Netz, aber die Öffnung zwischen Lautsprecher und Boden soll um ein Vielfaches größer als die des BR-Kanals sein. 5cm Abstand sollten nach grobem Überschlagen ausreichen. Das Design für Front und Rückseite stand mit Baubuche 35mm schon fest, also mussten die Füße ebenfalls aus Buche sein.

Die Baubuche-Platten habe ich mir grob zuschneiden lassen (je eine Platte pro Box mit etwas Übermaß) und beim Händler meines Vertrauens abgeholt. Der sitzt zwar im gut 60km entfernten Meersburg, aber 50€ für die Spedition in Deutschland plus die Gebühren des Paketdienstleisters nach Österreich … das hol ich lieber selbst ab. Außerdem habe ich bei der Gelegenheit gleich eine Werkstattführung bekommen und den sympathischen Typen am anderen Ende der Leitung persönlich kennengelernt.

Als Rohmaterial für die Füße dient ein 50mm Buche Rundstab aus dem Baumarkt. Um die 8 Füße exakt gleich lang zuzuschneiden, hab ich mir eine kleine Lehre gebaut, die den rechten Winkel sicherstellt. Die Länge wird mit einem Eigenbau-Streichmaß à la Lets Bastel abgenommen. Das Ganze sieht zwar recht abenteuerlich aus, funktioniert aber hervorragend.

Nachdem meine arme Tauchkreissäge sich mehrfach durch die 35mm Bucheplatten gequält und 8 gleich lange Füße abgetrennt hatte, war das Rohmaterial fertig. Leichte Brandspuren am Holz lassen sich mit meinem einfachen Werkzeug nicht vermeiden, sehen am Ende aber gar nicht so schlimm aus.

Wie man Gehäuse verleimt, Fronten fräst und alles lackiert, wisst ihr selbst, falls nicht, gibt es den Bericht meines Duetta Center oder viele andere hier als Anleitung. Die Fronten und Füße wurden diesmal mit Erdnussöl behandelt. Das gibt dem Holz etwas mehr Rotstich im Gegensatz zum Gelbstich vom OSMO Hartwachsöl, was mir deutlich besser gefällt. Die Bodenplatten habe ich rundherum mit einer 10° Fase versehen, das nimmt ein wenig den Kisten-Charme und macht sie etwas interessanter. Nachdem das Gehäuse fertig und die Bodenplatten lackiert waren, ging es an die finale Montage. Die 4 Standfüße sind von unten mit der Bodenplatte verschraubt und anschließend mit dem Gehäuse verleimt. Auch hier wurde wieder mächtig improvisiert, wer hat schon Zwingen länger als 1,2 m zu Hause? Also alles mit Spanngurten auf der Sitzbank im Esszimmer verzurrt und gut trocknen lassen, danach erstes Probestehen neben meinen M70 … Gefällt.

Das Aktivmodul ist auf 4 Stehbolzen montiert, damit die Luft frei um alle Bauteile zirkulieren kann. Dazu wird wieder ein Buche-Rundstab in 6cm lange Stücke zerlegt und diese dann im Gehäuse verleimt und mit dem Modul verschraubt. Auf der Gehäuserückseite sind nur Stege verleimt, damit alle Schrauben und Stecker zugänglich bleiben und trotzdem Material zur Montage der Buchenplatte übrig bleibt.

Um die Box zu verkabeln und etwaige Einstellungen an den Hypex-Modulen vorzunehmen, musste die Rückseite abnehmbar sein. Hier gibt es unzählige Varianten, angefangen bei Kunststoffnippeln für Lautsprecherabdeckungen (zu schwach für die Holzplatte) über Haken und Ösen (Spiel, Abstand Platte-Gehäuse) bis hin zu magnetischen Lösungen (zu viel Magnetismus für meinen Geschmack). Ich habe mich für eine sehr einfache Variante mit 8mm Holzdübeln entschieden. 4 Stk. davon werden in der Holzplatte verleimt und diese dann einfach an das Gehäuse angesteckt. Für einen definierten Abstand sorgen Kunststoff-Pads aus dem Möbelbau. Die gibt es in diversen Stärken und 2mm erschienen mir genau richtg. Also 4 Stück davon auf der Rückseite neben die Bohrlöcher gepappt und fertig. Kostet ein paar Cent, funktioniert hervorragend und ist quasi unsichtbar. Der verbleibende Spalt ist im Wohnzimmer nur bei genauem Hinsehen erkennbar und durch die saubere Trennung zwischen Lack und Holz nicht störend.

Nachdem alles fertig montiert und angeschlossen war, durften die Doppel 7 in Center-Version endlich loslegen. Meine Erwartungen waren hoch und wurden nicht enttäuscht. Auch wenn sie anfangs nicht so rund klingen wollten wie mein eingespielter Center, waren sie doch schon meilenweit vom wabbeligen Klangbrei meiner M70 entfernt. Da sie am gleichen BluRay-Player und AV-Receiver hängen wie diese, konnte der Unterschied nur noch vom Lautsprecher kommen. Die digitale Zuspielung konnte ich (zum Glück?) erst später testen, da Hypex und damit Udo Lieferschwierigkeiten bei der Fernbedienung hatten. Vielleicht war das auch gut so, denn als die Fernbedienung ankam, waren die beiden Schätzchen bereits etwas eingespielt. Was soll ich sagen, der klangliche Gewinn hat mich schon beim Center umgehauen und jetzt in Stereo nicht weniger. Im Heimkino ist die Front akustisch wie aus einem Guss. Bis dahin war klar herauszuhören, wenn die Szene akustisch von der Mitte nach links oder rechts schwenkte und Stimmen anders klangen oder Details plötzlich verschwanden.

Am Ende hat sich auch der Aufwand bzgl. der Bassreflexöffnung gelohnt. Beim Betreten des Zimmers sieht man nur die geschlossene Buchenplatte und das lackierte Gehäuse. Keine Verstärker, Kabel, BR-Öffnungen oder dergleichen. Bisher waren alle unsere Besucher begeistert vom Design, selbst wenn sie sonst nichts mit Lautsprechern oder Heimkino anfangen können. Ganz zu schweigen vom Eigenbau. Meine Bessere Hälfte ist ebenfalls zufrieden, weil die M70 nicht wirklich schick waren und auf noch weniger schicken Steinplatten standen.

Meine anfänglichen Bedenken bzgl. Überhitzen der Hypex-Module haben sich zum Glück nicht bestätigt. Die Platten sind auch deswegen aufgesteckt, damit sie bei Temperaturproblemen während des Betriebes abgenommen und damit für bessere Kühlung gesorgt werden kann. Nach mehreren ausgiebigen Testläufen hat sich jedoch gezeigt, dass die Module höchstens etwas mehr als handwarm werden. Die minimale Abluft scheint also auszureichen um auch mehrere Stunden am Stück mächtig Krach zu machen. Ich denke, das liegt daran, dass die Bauteile selbst im Luftstrom hängen und die Wärme nicht nur über die Aluplatte abgeführt wird.

Als Fazit kann ich nur sagen, dass es sich wiedermal gelohnt hat. Ich habe zwar eine Woche Urlaub jeden Tag von morgens bis abends auf der Terrasse an den Lautsprechern gearbeitet, ganz zu schweigen von etlichen Stunden Planung mit Zeichenblock und SketchUp davor. Aber das Ergebnis ist mehr als entschädigend für den Aufwand. Ich kann nur jedem empfehlen, sein Projekt anzufangen, selbst wenn es erst mal nur auf dem Zeichenblock ist. Gute Planung ist in jedem Fall wichtig, um später nicht an störenden Details zu scheitern und deswegen (übermäßig) zu pfuschen. Versteht mich nicht falsch, auch bei diesem Bau ist vieles schief gegangen und ich musste improvisieren. Die Fräsungen einiger Chassis waren zu tief (Fräser hat sich gelockert), da musste ich spachteln. Die Öffnungen für den ER4 (Fräsrahmen falsch eingestellt) und die 7“ (Schraube am Fräszirkel hat sich gelockert) sind zu groß. Das ist aber kaum sichtbar und gehört beim Selbstbau einfach dazu. Viele Details standen jedoch von Anfang an fest und haben super funktioniert und herausgekommen sind Lautsprecher, die mich viele Jahre begleiten und Spaß machen werden, egal ob ein- oder ausgeschaltet.

Beim Material sollte man sich im Vorfeld Gedanken um die Bearbeitung machen. 35mm Buche ist kein Pappenstiel und Tauchkreissäge und Oberfräse hatten mächtig zu kämpfen. Aber in 20mm hätte es einfach nicht ausgesehen und um mal ein Zitat aus der Autowelt zu bemühen „Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch mehr Hubraum“.

Und für alle, die gern die Bühne und den Punch einer Granduetta hätten, aber wie ich nicht den Platz oder die Mittel dafür haben: schaut euch den Duetta Center mal genauer an, ihr werdet nicht enttäuscht sein.

Kristian

Zum Duetta Center aktiv im Online-Shop

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.acoustic-design-magazin.de/2020/10/04/duetta-center-front-meine-granduetta-petite/

8 Comments
neuste
älteste
Inline Feedbacks
View all comments

Hallo Kristian, eigentlich hatte ich letzte Woche bereits meinen Kommentar geschrieben, aber scheinbar habe ich den nicht abgeschickt.
Die Center in Stereo waren auch mein Favorit und eine Gute Wahl. Die Front mit 3 Centern finde ich sehr gelungen, sehr schöne Ausführung und mach sicherlich viel Spaß. Jetzt noch aktiv! Top.
Viel Spaß damit.
Gruß Dino

Richtig gut!!
Baubuche kannte ich noch gar nicht. Hatte schon mit dem Gedanken gespielt, für diese Optik beim nächsten Projekt X Multiplexplatten zusammenzuleimen – da hast Du mir einiges an Zeit gespart. Danke!

Tolles Projekt, bis ins Detail toll gelöst.

Mir gefällt das Bild von den LS auf der Bank mit den Spanngurten 🙂

Oh, da ist wieder Baubuche im Einsatz. Ich steh drauf. Bei mir sind aber die Seiten daraus. Viel Spaß damit, ist ein toller LS.

Grüße Enrico

Hallo, die Lautsprecher sehen wirklich sehr hochwertig aus, schöne Farbkombination und mit einem Move Pump 12 im Rücken ein potentes Heimkino.
Meine Granduettas laufen im Heimkino auch nur bis 80Hz, so wie der Rest der Mannschaft, alles andere macht der Sub alleine. Klingt für meinen Geschmack besser, als wenn zu viele verschiedene Bassquellen im Raum herumschwirren.
Habe noch eine Frage, ist das jetzt ein Duetta Center mit mehr Volumen oder eine Doppel 7 mit anderer TT-Aufteilung?

Grüße Kai

Ein sehr schönes Projekt! Besonders die Baubuche hat es mir angetan. Von weitem dachte ich, es könnte auch Mahagoni sein. Ich mag das Muster durch die einzelnen Streifen. Das in Kombination mit den weißen Seiten kommt sehr edel daher.
Erdnussöl hatte ich bei meinen Projekten noch nie im Fokus und daher die Frage an dich, ob das Öl auch ordentlich aushärtet und vor allem wie lang es dazu braucht?

Viel Spaß mit deinen Boxen!

Audiophile Grüße Alex

8
0
Kommentar schreibenx
()
x