5. November 2023

U_Do Heimkino, Einstieg und Aufstieg mit Gravur

Autor: 3picDermis

Wie kommt man als absoluter Holzhandwerk- und Hifineuling dazu, sich eine 5.0 Anlage zu bauen? Während der Covid-Lockdowns hatte ich genügend Zeit, meine bestehende Anlage aus Studentenzeiten mit allen möglichen Medien zu bespielen und dabei tot zuhören. Der Wunsch nach mehr Klang wurde wach. Also begann ich Anfang des Jahres damit, mich über taugende Boxen und Verstärker schlau zu machen. Um die Anforderungen noch zu erhöhen, sollte gleich der Schritt zum Surround-Sound gemacht werden.

Ob des hohen benötigten Budgets wurde das ganze Projekt aber eher vor mir hergeschoben. Bis ich eines Tages den Schritt machte und „nur mal so aus Interesse“ in den DIY Bereich eines bekannten Forums lugte. Von da an dauerte es nicht lang, bis ich auf dieser Seite und dem inkludierten Magazin landete. Nach dem Lesen einiger Bauberichte und Grundlagenartikel beschloss ich, dass die nächsten Boxen selber gebaut werden. So schwer schien es ja nicht zu sein. Im Idealfall, so dachte ich mir, habe ich danach hervorragend klingende Boxen. Wenn nicht, hätte ich zumindest ohne zu großen, finanziellen Verlust ein Holzprojekt hinter mich gebracht und Erfahrung gesammelt. Kleiner Spoiler: der Idealfall ist eingetreten.

Die nächsten Monate konnte ich aus berufsbedingtem Zeitmangel noch nicht loslegen. Dafür hatte ich zwischendurch genug Zeit, um mir einen Artikel nach dem nächsten durchzulesen, um eine Vorauswahl zu treffen. Diese bestand aus den SB-Boxen und den U_Dos. Über Erstere las ich jedoch in manchen Kommentaren, dass sie für die härteren Metalstile, die bei mir einen Großteil der Plattensammlung ausmachen, zu weich klingen. Daher wurden die U_Dos meine Favoriten.

Durch ein Probehören bei einem Forenmitglied (danke nochmal dafür Ollum), kam dann die Gewissheit: Metal mit Screams (das ist der Krächzgesang) klingt auf den SBs nicht so ganz richtig. Die Stimme geht unter. Das heißt nicht, dass die SBs schlechte Boxen sind, im Gegenteil, sie konnten mich beim Probehören mit jedem anderen Genre überzeugen.

Somit stand fest, dass die ersten Selbstgebauten die U_Dos werden. Aufgrund der Forenresonanz entschied ich mich für die U_Do 53 als Fronts, die U_Do 72 als Center und zwei U_Do 71 als Rears. Drei Monate später bestellte ich die Bausätze, samt Schallwänden bei Udo und passendes Holz beim Onlinezuschnitt. Der Sommerurlaub sollte zum Bauen genutzt werden.

Da ich noch Einsteiger war, hab ich mich für ein möglich simples Design entschieden: Sechs Bretter, Schallwand und Rückseite in MPX, die Seiten schwarz und MDF. Statt Reflexrohre wollte ich elegante Reflexschlitze.

Gebaut werden sollte in der Holzwerkstatt des lokalen Makerspaces. Dieser hat praktischerweise auch einen Lasercutter, den ich gern ausprobieren wollte. Also entschloss ich mich, die Schallwände der Standboxen mit schicken Gravuren im Holzstichstil zu verschönern. Nach einiger Suche fand ich dann die Bilder der beiden Tiermagier, sogar in hoher Auflösung. So ging es mit Holz und USB-Stick zum Makerspace. Nach kurzer Einweisung in das Gerät lagen die beiden Fronten unter dem Laser.

Zufrieden mit dem Ergebnis machte ich mich motiviert an die Lautsprecher. Hier lagen Frust und Freude nah beieinander. Bei der ersten 71er ging so ziemlich alles falsch, was falsch gehen konnte. Beim Zusammenkleben verrutschten einige Lamellos, klebten dann aber auf wundersame Weise direkt in falscher Position fest. Nachjustieren ging nicht mehr, also hab ich sie im Frust soweit abgesägt, dass die betroffenen Teile zusammenfügbar waren.

Die eine Seite ragte leider nach dem Zusammenbau ca 1mm über die Front hinaus. Hab ich versucht, mit Fräser und Schleifen etwas zu vertuschen. Ist nicht perfekt geworden, aber die Seite zeigt dann halt zur Wand.

Weil das nicht genug war, ist mir beim Einkürzen der Schallwand an der Unterseite der Fräser ausgerutscht und hat sich etwas ins MDF eingefressen. Sieht man zum Glück nicht, wenn die Box nicht gerade auf dem Kopf steht.

Nachdem mir auch ein kleines Stück der ersten Furnierschicht auf der Front herausbrach, taufte ich den Lautsprecher liebevoll meine Arschlochbox. Aber aus Fehlern lernt man. Die zweite 71er und der Center gingen dafür flott und ohne größere Vorkommnisse von der Hand. Man lernt halt aus seinen Fehlern und arbeitet dann genauer. Damit war der erste Baunachmittag auch schon vorbei. Ich fuhr mit drei, für meine Ansprüche, recht ansehnlichen Gehäusen nach Hause.

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der U_Do 53. In der Werkstatt angekommen, ging es erst mal wieder ans Fräsen der Flachdübelnuten. Eine unglaublich entspannende Tätigkeit, vor allem, wenn man alleine in der Werkstatt ist, und die gesamte Werkbank als lange Frässtraße nehmen kann. Auch hier war das Zusammenkleben eher unspektakulär.

Nebenbei sägte ich noch die Sockel zurecht, auf denen die 53er stehen sollten. Neben der Funktion als Erhöhung, um die Hochtöner auf Ohrhöhe zu bringen, sollten sie auch noch ein wenig Elektronik enthalten. Aber dazu später mehr.

Als letzten Schritt in der Werkstatt schliff ich noch einige Unsauberkeiten aus den Standboxen. Per Hand und Exenterschleifer. Dem Fräser vertraute ich erst mal nicht mehr. In das Gerät muss ich mich mal in Ruhe einarbeiten.

Zuhause fuhr ich noch einmal die Klebestellen von Innen mit Leim nach, um sicherzugehen, dass alles dicht ist. Danach wurden die 53er auf die Sockel geklebt, die Gehäuse entstaubt und alles ging in die feline Qualitätskontrolle.

Am nächsten Morgen stand ich früh auf, um die erste Schicht Hartwachsöl auf die Multiplexteile aufzutragen. Einerseits um so nachmittags noch eine zweite Schicht aufzutragen, bevor es in den Wochenendurlaub ging, andererseits weil es Hochsommer war und ich eine Dachgeschoss Altbauwohnung mit Panoramafenstern in Südrichtung habe. Das Positive daran: Die hohen Temperaturen haben die Trockenzeit verkürzt.

Nach dem Urlaub trug ich schwarzes Armaturenspray auf die Seiten der Lautsprecher auf. Kann ich nur empfehlen. Die Verarbeitung ist sehr simpel und die matte, leicht diffuse Oberfläche macht was her. Ebenfalls versteckt es kleine Unsauberkeiten wie Leimflecken.

Den Weichenbau habe ich über zwei Abende verteilt, an einem Weichen, am zweiten Kabel zusammengelötet. Dabei habe ich mir, auch aufgrund der Hitze, Zeit gelassen und auch mal kurz Pause gemacht. Arbeitszeit samt Unterbrechungen lag bei etwa 4-5 Stunden.

Jetzt war endlich Zeit für die letzten Schritte. Erstmal habe ich die Weichen und Chassis auf dem Wohnzimmertisch verbunden. Keine Fehler, alles spielt, wie es soll, super. Die Weichen wurden also eingeklebt, Terminals und Chassis angelötet und in das Gehäuse geschraubt.

Während ich noch mit der 72 und den 53ern beschäftigt war, durften die 71er schon einmal zeigen, was sie können. Und das war einiges. Sie spielten souverän und zeigten so manches kleines Detail, dass mir auf dem Testalbum vorher nicht aufgefallen ist. Danach durften endlich die U_Do 53 ran.

Zum Einstieg wurden sie mit Film- und Videospieltönen gefüttert. Hier fiel mir schnell der Unterschied zu meinen alten Boxen auf. Die Stimmen waren verständlicher, Objekte besser ortbar und der Raum gut mit Klang gefüllt. Wenn dann mal eine gute Aufnahme im Soundtrack zu finden war, gaben die Lautsprecher eine schöne Kostprobe der möglichen Bühnenabbildung. Hat schon Spaß gemacht.

Abgerundet wurde die Erfahrung auch noch mit dem schönen Gefühl, dass man das, was da gerade aufspielt, vor wenigen Stunden noch zu Ende gebastelt hat. Ich bin schon etwas stolz darauf, dass mein erstes Projekt so ein gutes Ergebnis hervorgebracht hat.

Die wirkliche Erleuchtung kam aber erst, als ich Zeit und Ruhe fand, um ein paar Platten aufzulegen. Die Musik kam dabei nicht aus den Boxen. Stattdessen standen die Bands in meinem Wohnzimmer und neben ihnen zwei unbeteiligte Stereolithe. Der Sound war bzw. ist so, wie ich es mir gewünscht hatte. Keine Frequenz drängt sich zu sehr in den Vordergrund, der Bass geht schön tief und ist präzise.

Der Trend, dass ich Details in der Musik höre, die ich vorher nicht wahrnahm, setzt sich bis heute fort. Hier sei Sangre de Muerdagos Album Medianoite als Beispiel genannt. Ruhiger galizischer Folk. Man hört jeden Gitarrenanschlag und dazu noch, wie die Hand auf dem Instrument aufliegt, einfach wundervoll.

Gerade Liveaufnahmen machen unglaublich viel Spaß. Gute Aufnahmen belohnen die 53er mit einer breiten Bühnenabbildung. Man erkennt direkt, wo welches Instrument spielt. Schlechte Aufnahmen werden zwar entlarvt, machen aber trotzdem noch Spaß. Da sind die U_Dos nicht ganz so gnadenlos, wie man es den höherklassigen Boxen nachsagt. Natürlich habe ich auch einiges an Black und Death Metal durch die Boxen gejagt. Und das können sie hervorragend.

Durch den präzisen Bass wirken Doublebass und Blast Beat nicht zu schwammig. Screams und Growls werden nicht zu weich gezeichnet, sind also gut hörbar. Dazu bringen sie noch eine eigene Energie mit, die den Genres zu Gute kommt.

Nach einiger Zeit im Stereobetrieb kam endlich der AVR dazu und das Rundumvergnügen konnte beginnen. Auch hier machten die U_Dos eine gute Figur. Die Dynamik der Boxen sorgt, gerade in Actionszenen, für eine hervorragende Immersion. Alle Objekte sind super ortbar, eine Eigenschaft, die ich gerade beim Zocken sehr schätze.

Damit war das Projekt allerdings nicht beendet. Aufgrund meiner sehr verspielten Katzen entschied ich mich, eine Abdeckung für die Lautsprecher zu bauen. Dies geschah relativ simpel mit Winkelleisten, die durch 3D gedruckte Winkel zusammengehalten und letztlich schwarz angesprüht wurden. Die Abdeckung besteht aus schwarzem Volierendraht, befestigt sind sie mit 6x6x6mm Neodynmagneten. Zur Verschönerung designte ich noch kleine Labels, die ebenfalls 3D gedruckt wurden.

Zusätzlich wollte ich die Standboxen noch mit RGB Licht ausstatten. Über den letzten Winter habe ich schon einige Lampen gebaut, die via Raspberry Pi wahlweise auf Musik reagieren oder das Bildschirm-Geschehen passend per Licht untermalten. Mit ihrer Höhe von einem Meter waren die 53er prädestiniert dafür, die noch fehlende Seitenbeleuchtung neben dem Fernseher zu übernehmen. Hierzu lötete ich einen kleinen Controller aus einem ESP 8266 und einem Level Shifter. Dieser wurde in einem kleinen Gehäuse im Sockel angebracht und mit den WS2812b in den Aluminumkanälen auf der Rückseite verbunden.

Mein Fazit: Alles richtig gemacht. Zumindest bei der Lautsprecher-Auswahl. Wie schon geschrieben, machen sie sowohl bei Musik als auch im Heimkino eine gute Figur. Super, was Udo und SB Accoustic auf die Beine gestellt haben. Bei den Chassis wurde genau an den richtigen Stellen gespart, um hervorragenden Klang für schmales Geld zu bieten.

Beim Bau sind mir zwar einige Fehler unterlaufen, aber das gehört dazu. Niemand ist als Meister geboren. Letztendlich hört man die Fehler auch nicht, also kann ich damit leben.

Die Fünf werden natürlich nicht mein einziges Projekt bleiben. Deckenlautsprecher, Subwoofer und Surround Backs sind noch geplant. Für ein Heimkinoprojekt sind die U_Dos halt einfach ein No Brainer. Etwas Besseres wird man zu dem Preis kaum bekommen. Durch die schiere Breite der Produktpallete ist auch jegliche Art von Heimkino-Lautsprechern abdeckbar. Um Erweiterbarkeit muss man sich also keine Sorgen machen.

Wie bereits erwähnt, ist das Gefühl, selbstgebaute Lautsprecher zu hören, ein besonderes. Und es ist wirklich nicht schwer. Mit ein wenig dreidimensionalem Vorstellungsvermögen und Lernbegierigkeit ist es selbst für Anfänger wie mich möglich, halbwegs ansehnliche, sehr gut klingende Boxen zu bauen.

Nils

Zur U_Do 53 im Online-Shop
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Moin Nils,

tolles Projekt, danke für den Baubericht und die geile Idee mit dem Lasercutter – da rattert es bei mir im Kopf, für igendeins der nächsten Projekte muss ich damit auch mal beschäftigen.

Beim Probehören war ich wirklich einigermaßen erstaunt, dass die Screams auf der “Bluesklasse” SB36 weniger detailreich und deutlich klangen, das hatte ich auch nicht erwartet.

Die U_Do’s gelten ja irgendwie als “Einsteigerboxen”, aber das wird ihnen nicht wirklich gerecht, sie klingen viel besser als sehr viele der Lautsprecher, die ich bisher gehört habe.

Vor allem ist es möglich, damit sein Heimkino vollzuballern, ohne gleich die Seele an den Teufel verkaufen zu müssen: Großes Kino.

VG Ollum

Guten Abend Nils,

Dein Bericht hat mir die Augen geöffnet.
You made my Day
Arschlochbox – kurz und knapp.
Bin hin und weg.

Viel Spass mit Deinem System
Yoga

Hallo Nils,

da sind sie wieder die U_Do’s,
hast dir schöne Kisten gebaut.
Die 71er und 54er sind mir durchaus geläufig.
Die Weiche der 72er sieht witzig aus, ich glaube ich bestellt mal Holz.

Gruß Schülzken

Grosses Lob zur Entscheidung wie auch Umsetzung. Diese Makerspace Werkstätten hätte ich gerne früher gekannt, jetzt habe ich den meisten Kram selbst zu Hause. Darüber bin ich nicht wirklich unglücklich, aber wenn ich Nutzungszeit zu Rumstehzeit ins Verhältnis setze, ist so eine eigene Werkstatt Luxus. Egal, da du die 53 im Sortiment hast, weiss ich wie es bei dir klingt. Die habe ich nämlich auch. Und die 53 ist schon ganz weit vorne mit dabei. Derzeit höre ich sie gegen eine D9 und muss schon sagen, nicht schlecht was die 53 auf die Ohren bringt. Vom Charakter sehr ähnlich zur D9. Genau wie du schreibst, sehr ausgewogenes Verhältnis von allen Frequenzen. Das ganze noch mit 4 weiteren 7ern zu ergänzen beflügelt meine Vorstellung. Und bei deinem favorisierten Musikstil gibt es nichts besseres. Daher Hut ab zur unaufgeregten und absolut richtigen Kaufentscheidung.

Gruß Knutbox

Fast vergessen: Ich werde mir auch eine Hintergrundbeleuchtung installieren

Hallo Nils,

danke für den toll geschriebenen Bericht! Die Arschlochbox habe ich auch in jeder meiner Serien eingebaut – endlich weiß ich nun, wie die Dinger heißen!

Und wenn man glaubt schon jede Designidee hier gesehen zu haben, kommt doch noch was neues um die Ecke. Die Gravur ist wirklich klasse und das Kopfkino beginnt. Wo könnte ich so etwas anbringen…?

Viel Spaß mit den Boxen beim Screamen und Growlen!

Liebe Grüße

Uwe

Guten Morgen Nils,

Glückwunsch zum gelungenen Erstlingsprojekt.

War bestimmt spannend für Dich, die ersten Schritte ins Terra Incognita Lautsprecherbau zu gehen.

Angesteckt hat Dich der dort grassierende Virus eh schon.

Dein Bericht ist für alle die noch zögern wieder einmal das beste Beispiel, wieviel auf der “Guthabenseite” erfüllender Momente ankommt und dauerhaft bleibt.

Die Gravuren finde ich witzig und gut.

Dein Besuch bei Ollum zeigt auch, wie wichtig es ist, dass diese Pröbehörmöglichkeiten bestehen, und dadurch Entscheidungsgrundlagen geschaffen werden können.

Lustig fand ich das Bild auf dem alle größeren Schraubzwingen des Makerspace an den 53 zu sehen sind.

Viel Spass mit den Lautsprechern und den kommenden Ergänzungen.

Servus

Peter

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