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Antwort auf: Auflösungsvermögen des menschlichen Gehörs

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JoKa

Hallo Rincewind,

„Womit übt der HiFi Interessierte sein Gehör?“

Schwierige Frage!

Um es vorweg zu nehmen: Ich mache das weder bewusst noch zielgerichtet.

Musik ist für mich Emotion und Empfinden. Es gibt z.B. Musik, die kann ich nicht leise hören, das hat aber nichts mit messbaren oder technisch-physikalischen Zusammenhängen zu tun. Häufig assoziiere ich zudem beim Hören irgendwelche Erlebnisse.

Ganz wichtig finde ich, sich beim Hören nicht von Erwartungshaltungen treiben zu lassen, die man sich irgendwo angelesen hat. Ich habe nicht den Vorsatz, das Gras wachsen hören zu wollen, das andere gesät haben, sondern konzentriere mich lieber intuitiv auf die Musik. Auch weil ich mich freimachen möchte, primär auf „Fehler“ zu achten und diese auch noch mit dem üblichen Hifi-Vokabular gleich benennen zu können. Früher dachte ich, ich darf einem Lautsprecher sämtliche sinnfreien Zeitschriften-Prädikate wie „Feinzeichnung“ und „Durchzeichnung“ überstülpen, nur weil ich die Triangel gehört habe, dazu ist er noch „analytisch“ und „präzise“, weil die Aufnahme das Einatmen des Sängers preisgibt.

Heute gehe ich lieber mal (viel zu selten) in Konzerte. Weniger in akustisch schlecht geeignete Hallen, eher den Kammermusiksaal oder ein Konzert in der Kirche nebenan. Da kann man hören, wie die Instrumente in natura klingen und auch eine reale „Bühnenstaffelung“ erfahren. Wenn man das abspeichert, sich vor Ort noch die CD kauft und hinterher auf der eigenen Anlage anhört, kann das aber auch ernüchternd sein.

„Worauf achtet er?“ … ebenso schwierige Frage.

Theoretisch kann ja jeder auf etwas anderes achten, je nach Musik und Anspruch an Wiedergabe und Qualität.

Wahlloses Beispiel: Es gibt Leute wie Roger, die (auch von Konserve) einen Subbaß von einem Prinzipalbass unterscheiden können, weil sie selbst in die Pedale großer Orgeln getreten haben und wissen wie sich wirklich tiefe Töne unterhalb von 32 Hz anhören / anfühlen. Ein anderer liebt maximalen Bassdruck bei elektronischer Musik mit vier 29“er Subwoofern, damit es knallt und die Wände wackeln.

Bei mir persönlich haben sich zwei Vorlieben herauskristallisiert:

Ich höre sehr gerne akustische Instrumente, am liebsten Solo-Passagen, speziell Gitarre und Cello, weil ich die selbst mal gespielt habe. Deshalb macht es mir da Spaß, etwas tiefer eintauchen zu können und auf Details zu achten. Hüpt der Bogen, kratzt der Bogen? … und sowas.

Zweite Vorliebe ist größtmögliche räumliche und raumfüllende Abbildung. Das ist natürlich sehr von der Aufnahmequalität abhängig und geht etwas in den Bereich Psychoakustik, hat aber auch entscheidend mit Aufstellung und Raumakustik zu tun wie ich vor 2 Jahren bei Hesse erfahren durfte.

Und daraus folgt wiederum, dass ich jetzt nicht mehr einen Lautsprecher nach dem anderen baue oder DAC´s vergleiche, sondern (immer noch) die bestmögliche räumliche Aufstellung und Ausstattung suche, bei der die Familie das Wohnzimmer trotzdem noch als wohnraumtauglich akzeptiert. Nicht einfach, aber der erste Absorber hängt und Holz für Diffusoren ist auch schon unterwegs 🙂

Es gibt einfach unglaublich viele Wege im HiFi. Ist für jeden was dabei!

Grüße,
Jo

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