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#16900
Emigrant

Grüß Gott zusammen,

die von Sparky erwähnten 200VA für 50W an 8 Ohm sind meist dadurch begründet, dass die Endstufe natürlich auch bei einer Belastung mit4 Ohm stabil laufen soll. Dann muss sie natürlich den doppelten Strom bei gleicher Spannung liefern. Daraus resultieren dann 100W. Ausgangsleistung. Geht man weiterhin davon aus, dass bei der Impedanzangabe von Lautsprechern Toleranzen von +/- 20% erlaubt sind, liegen wir wieder bei den oben erwähnten Daten. Einschränkungen bezüglich der Impedanz auf 8 Ohm sind heute bei Markenprodukten sehr selten und meistens damit begründet, dass die Konstruktion die entstehende Verlustleistung (Wärme) ohne Lüfter nicht abführen kann. Selbst PA-Verstärker sind eigentlich nicht in der Lage, die angegebene RMS-Leistung dauerhaft abzugeben. Alle bisher von mir geprüften Geräte schalteten nach fünf bis fünfzehn Minuten wegen Überhitzung aus. Das ist kein Drama, da im normalen Audiosignal bei Vollaussteuerung ohne Clipping die durchschnittliche Leistung nur ein Bruchteil des Maximums ist (ca. -20dBr). Beim beliebten Testsignal „Rosa Rauschen“ liegt der Crestfaktor (das ist das Verhältnis von Spitzenwert zu RMS, siehe Wikipedia unter Scheitelfaktor) bei etwa 4,5. Für spezielle Messungen kann dieser Wert variieren. Bei moderner Popmusik weicht der Wert durch Dynamikkompression oft stark nach unten ab.

Zum Thema Digitalverstärker: mir persönlich ist bisher kein einziges Exemplar auf den Tisch und ans Messgerät gekommen, das nicht im Leerlauf bereits Reste der Schaltfrequenz an den Lautsprecherausgang liefert. Je nach Ausführung lagen da ca. 0,5 – 0,7Vrms mit 192kHz oder mehr an. Für Messungen müssen dann aufwändige Filter vor die Messgeräte geschaltet werden, damit sich nicht irgendwelche abenteuerlichen Mischungen mit dem Nutzsignal bilden. Da werden Differenzen, Summen, Harmonische und Subharmonische gebildet. Das ganze wird dann über die Lautsprecherkabel abgestrahlt und verpestet die elektromagnetische Umwelt. Nach diversen Messungen ist mein Vertrauen in die Herstellerangaben ein wenig gestört. Ist die Filterung wirklich gut, führt das oft zu negativen Auswirkungen auf den Frequenzumfang und den Klang. Ist die Filterung eher schwach, stört das Gerät möglicherweise andere. In einigen Fällen konnte ich das Testsignal (Gleitsinus) über die Lautsprecher eines wenige Meter entfernten Kofferradios hören. Der zuvor am Radio eingestellte Sender war nach Einschalten des D-Amps nicht mehr empfangbar.

Wenn keine großen Lautstärken / Leistungen benötigt werden sind die analogen Verstärker mit dem LM3886 sicher auch interessant. Die liefern pro Kanal ca. 68W, sind günstig beschaffbar und wegen der wenigen Bauteile relativ einfach aufzubauen. Einstellungen sind bei dem Schaltkreis nicht erforderlich.

Off topic: Es werden Lautsprecher und Verstärker entwickelt und angeschafft, die sagenhafte Dynamiksprünge auflösen können. Und dann gehen ein paar mental weichgespülte Tontechniker hin und jagen die komplette Aufnahme durch den Dynamikkompressor. Wenn man jetzt noch einen Radiosender einschaltet, bei dem die gleiche Gattung der zu Recht unterbezahlten Tonleute arbeitet, ist die musikalische Katastrophe komplett.
Beispiel: Ein Musikstück fängt leise an und wird dann plötzlich lauter. Beim ersten lauten Ton könnte man glauben, der Mensch am Mixer ist erschrocken, aufgewacht, und reißt in Panik den Fader zurück, wodurch der Gesamtpegel rapide abgesenkt wird. (Locomotive Breath, In The Air Tonight).
Das kann man mögen, mein Fall ist das aber nicht.

Grüße aus dem Süden

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