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Antwort auf: Kontrabass und Orgel bei wenig Platz – kann das gehen?

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McGlear

So, ein erstes Update.

Zu allererst: Ganz herzlichen Dank an Andreas, bei dem ich Dienstag Abend eine Weile ADW-Bausätze an einer (Destiny?) Röhre hören durfte.

Ich hatte mir einen Stapel CDs eingepackt (ohne zu wissen, was sich eignet, einfach ein bisschen querbeet Musik, die ich gut kenne – dazu später mehr).

Allererster Eindruck: Probehören lohnt sich – weil man als unbedarfter Einsteiger wie ich selbst bei zwei kleinen SB15 minutenlang breit grinsend auf dem Sofa hockt. Konkrete Klangbeschreibung fällt mir sehr schwer. Ich würde das mal mit Rotwein vergleichen wollen: Ich kann sehr gut sagen, DASS mir ein Wein schmeckt und auch grob erklären, was ich da schmecke – aber die Etikettenbeschriftung überlasse ich besser den Profis.
Übertragen auf die SB15: Ich verstehe jetzt, warum sich Klang “von den Lautsprechern lösen” muss und was “eine Bühne aufbauen” ungefähr bedeutet – denn bei meinen derzeitigen Boxen nehme ich im Stereo zwar Schall auch in der Mitte war, aber ich höre auch noch ganz deutlich, wo die Lautsprecher stehen. Und einzelne Orchestermitglieder ihren Sitzpositionen zuordnen kann ich hier im heimischen Wohnzimmer gar nicht. Bei der SB15 (und sicherlich auch: in Andreas ziemlich optimalen Raum) ging das problemlos. Großer Hörspaß, zum Beispiel bei der erwähnten achten Sinfonie von Dvorak. “Da, genau dort sitzt die erste Flöte” 🙂
Zweiter Eindruck: Probehören lohnt sich – weil man gar nicht damit rechnet, wie unterschiedlich die Lautsprecher tatsächlich so klingen, selbst innerhalb einer “Linie”.
Als ich kam, standen neben den SB15 auch SB30 als Standbox, genialerweise über einen Umschalter angeschlossen. So konnte Andreas mit nur sehr kurzer Unterbrechung hin- und herwechseln. Interessanterweise klangen selbst die SB30 schon recht “anders”, obwohl sie ja auf die gleichen Chassis setzen wie die SB15. Jetzt aber irgendwie nachvollziehbar in Worte fassen “wie” die SB30 anders klingen kann ich nicht. Irgendwie wirkte alles etwas “homogener”. Und das nicht nur in den Mitten: Ich bilde mir auch ein, dass der Hochton mir in der SB30 besser gefallen hat, weil er besser eingebettet, nicht ganz so aufdringlich wirkte.
Trotzdem: Unterschiede sind definitiv da – und das macht eine Entscheidung im Allgemeinen nicht unbedingt einfacher, wenn selbst innerhalb einer “Linie” eben doch ganz unterschiedliche Eindrücke je nach konkret gewähltem Lautsprecher entstehen.
Die SB30 blieben angestöpselt, die SB15 mussten den SB18 weichen. Und man konnte sehr schnell hören, wie viel die 15er einem “untenrum” vorenthalten, obwohl man vorher nicht unbedingt gewusst hätte, dass was fehlt. Wenn es mir ums Heimkino ginge, würde mir in einem kleinen Raum vermutlich auch eine SB15 gefallen. Man spürt Luftbewegungen im kleinen Raum selbst bei der kleinen Membranfläche und wenn man den Effektkanal deutlich haben will, muss halt eh ein Sub dazu, der dann ja auch die tiefen Anteile der anderen Boxen mitnehmen darf.
Für Musik hat mich das Probehören aber in einer Sache ganz klar bestärkt: 7 Zöller!!! Für Kontrabass sehr hilfreich, aber auch für das tiefe Schlagwerk unabdingbar (das hatte ich bei meiner Planung gar nicht mal so auf dem Schirm). Ich hatte unter anderem auch Apocalypticas Live-Aufnahme von Wagner reloaded auf CD dabei (Hinweis: sehr lohnenswert, aber am besten zum Einstieg als Gesamtwerk mit Tanz, Artistik und Licht genießen, die CD ist dann eher für Apocalyptica-Fans gedacht). Das Ding beginnt mit ziemlich coolen Signalhörnern, die mir auf meinen derzeitigen Boxen ganz besonders negativ auffallen. Auf der SB15 hatte Andreas noch gesagt, so tief wären die ja gar nicht – erst auf der SB18 hat man dann die (zugegebenermaßen sehr leise eingemischte) unterste Oktave wirklich gehört. Aber auch die auf die Signalhörner folgenden Trommeln profitieren ungemein von den größeren Chassis.
Beim Hin- und Herschalten zwischen SB18 und SB30 fiel dann wieder auf, dass es deutliche Unterschiede gibt – und eigentlich gefiel mir die SB30 in den Mitten und Höhen nach wie vor besser. Aber bei der Basswiedergabe hatte sie klar das Nachsehen.
Dann wollte ich es natürlich genauer wissen: Orgel, also Mahler VIII.
Ja. Ähm. SCHEI………. Auf guten Lautsprechern kann man sich das nicht anhören. Sicherlich ist es für einen Tonmeister nicht ganz leicht, ein Werk mit vier Chören und riesigem Orchester gut aufzunehmen (die VIII. heißt ja nicht umsonst Sinfonie der Tausend), aber EIN BISSCHEN MÜHE darf man sich halt schon geben, wenn man einen Dirigenten wie Leonard Bernstein mit einem Orchester wie den New York Philharmonics auf CD presst… -.-
Also, Warnung an alle Einsteiger wie mich: Wenn ihr euch dann gute Lautsprecher gönnt, lasst ein bisschen Geld übrig, um eure Musiksammlung anzupassen. Ich werde mich in den nächsten Tagen mal nach einer anderen Einspielung umsehen müssen…
Zweite Warnung an alle Einsteiger: Verschätzt euch nicht, wenn es um sinnvolle Zeitrahmen zum Probehören geht. Ich hatte so an 1,5 bis 2 Stunden “für einen ersten Eindruck” gedacht – da war Andreas fast ein bisschen enttäuscht (naja, also zumindest verwundert) und das Umstöpseln der Boxen wurde zunehmends stressiger; es gab ja noch einiges auszuprobieren. Gleichzeitig muss ich jedoch auch sagen: Mehr als zwei Stunden hätte ich vermutlich gar nicht sinnvoll durchgehalten. Es ist doch ganz schön anstrengend, wenn man versucht, so viele neue Eindrücke, ja ganz neue Konzepte (Tiefe und Breite einer Bühne etc.) zu verarbeiten. Trotzdem ging es nach knapp 1.5 Stunden zunächst an die SB 23, also den ersten Dreiweger, den Andreas zweigeteilt bei sich stehen hat. Hier endlich hatte die SB30 einen würdigen Gegner auch in Mitten und Höhen – aber man hatte nochmal einen ganz neuen Sound. Gerade bei Gesang (bei mir war das Bodo Wartke als Mann am Klavier oder auch Mann mit Dance Orchestra; außerdem Nightwish mit Oceanborn… Geht das noch als Frau mit Gitarre durch? :D). Die Stimmen waren unterschiedlich präsent, haben sich tendenziell beim Dreiweger etwas stärker in den Gesamtklang integriert. Bei der SB30 stachen sie stärker hervor. Das war bei Bodo Wartke’s “Swingende Notwendigkeit” etwas störend, weil man in der Live-Aufnahme eine leichte Klangverfälschung durch sein Mikro hat, die die SB23 sympathisch versteckt. Auch hier gilt aber: Keine Ahnung, was ich “besser” finde. Das hängt am Ende vermutlich davon ab, was gerade an Musik läuft. Der Bass ging beim Dreiweger nochmal eine kleine Spur tiefer als bei der SB18, ich fand den Unterschied aber lange nicht so bedeutsam wie vom Übergang der 15er auf die 18er – aber ich habe ja auch Mahlers VIII. nicht ausprobieren können…
Tja, und dann war ich eigentlich mental und körperlich schon ziemlich am Ende. Egal, wenn da noch eine Symphony84 wartet, kann ich natürlich noch nicht wieder nach Hause radeln (Probehören in Fahrrad-Reichweite! Wer hätte damit in Vorpommern gerechnet?). Viel Zeit haben wir uns mit den Etons nicht mehr genommen. Trotzdem muss ich sagen: Der Unterschied S84 vs SB23 war deutlich zu hören – für mich aber erstmal vor allem in den Mitten. Alles in allem würde ich auch resümieren: Für mich ist der richtige Hochton zunächst mal der, der mich nicht nervt; der, der bereit ist, dezent in den Hintergrund zu treten und mich nicht ständig von den Celli abzulenken 😉
Was ich bei den Symphonys zu hören geglaubt habe: Irgendwie klang das Orchester da noch “echter”, noch mehr “live”. Sie gefielen mir aus diesem Grund auch sofort noch etwas besser. Aber hier gilt natürlich: Ich wusste ja, dass da gerade Eton Chassis erklingen. Wie das im Blindtest wäre – keine Ahnung. Also belassen wir es ansonsten bei einem: Ja, sie klingen nochmal ganz anders, obwohl die Bestückung ja dem gleichen Schema folgt.
Zum krönenden Abschluss hat Andreas dann noch einmal gezeigt, was gute Lautsprecher in einem entsprechenden Hörraum in Stereo leisten können: Roger Waters – Amused to Death, unkomprimiert von der Festplatte, über Röhre an Symphony84. Absoluter Wahnsinn. Der Song war viel entspannter als alles, was ich so dabei hatte, und damit zum Ausklingen und beruhigen des überstrapazierten Hörzentrums genau das Richtige – und die Bühne war viele Meter breiter als der Hörraum und reichte quasi in einem perfekten Halbkreis bis genau auf Ohrhöhe (bei Boxen, die keine zwei Meter von mir entfernt VOR mir stehen! Von Kopfhörern kenne ich durchaus gutes Stereo, aber bei Lautsprechern habe ich das wirklich nie zuvor so gehört wie Dienstag Abend).
Weil Hesse es erwähnte: Zur Erprobung der Raumakkustik meines Wohnzimmers hat mir Andreas dann sogar noch angeboten, mir demnächst mal SB18 übers Wochenende auszuleihen, dann kann ich schon einmal ein wenig experimentieren.

Tja, was folgt jetzt aus alldem?
1. 7-Zöller ist mit Sicherheit eine gute Entscheidung.
2. ADW auch 🙂
3. Möglicherweise mag ich D’Appolito besonders gern; die SB30 könnte darauf hindeuten.
4. Ich vermute, ich bin kein Hochton-Fetischist. Also mache ich mir keine Sorgen mehr, ich werde das ER4-Probehören bestimmt überstehen, ohne danach am Hungerstock gehen zu müssen 😉
5. Ich freue mich sehr auf Berlin und das Eton-Duell.
6. Ich habe in den letzten Tagen beim Stöbern durch verschiedene Bauberichte wieder schöne Prinzessinen gesehen und glaube mehr und mehr, dass ich mit der Linie 74 SEHR glücklich werden könnte. Vermutlich werde ich mich am Ende zwischen Chorus und Linie 71 nach akutem Bauchgefühl entscheiden – entweder es siegt die Vorsicht (lieber 100€ günstiger und die Option, irgendwann Richtung Duetta zu gehen oder nochmal etwas ganz anderes zu probieren) oder es siegt die liebreizende Königstochter und ich baue Linie 71. (Oder: ich komme bei meinen ganzen SketchUp-Modellen auf eine interessante Lösung mit hohem GAF, bei der ich irgendwie zwei Linie73 in breiterer, weniger hohen Form baue; dann habe ich 7-Zöller, Eton und D’Appolito in einem :D)

So, wieder ein sehr langer Text geworden. Naja, Musikhören macht halt Spaß und sich mit Gleichgesinnten drüber auszutauschen auch 😉

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