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Hallo Stefan,
ich glaube Dein “Bassweltbild” (schönes Wort) ist gar nicht so weit von meinem weg. Und Du hast mich davon überzeugt, dass ich nicht der einzige bin, der steigende Bässe mit Annäherung an die Wand wahrnimmt. Dieser Effekt ist laut meinem Gehör auch nicht im Voodoobereich angesiedelt, sondern sehr deutlich wahrnehmbar. Deswegen lautet die oft gelesene akustische Empfehlung, dass Sofa mit Abstand zur Wand aufzustellen. Da sind wir wieder beim Grundproblem der niedlich kleinen Hütte 😉
Du hast das Talent schöne Begriffe zu kreieren, toll finde ich auch “Basstraumakurve”, die mir allzu oft auch auffällt und mit potenten Boxen wirklich mehr als übertrieben ist. Wenn man die Zielgruppen der von Dir genannten Musik und deren Abspielgerät namens Smartphone plus hippen Stöpselohrhörer berücksichtigt, wird klar dass das nicht für eine klassische HiFi-Anlage abgemischt wird.
Als Provokation empfinde ich Deine Erkenntnis zur Einstellung der Subwoofer nicht, ich weiß ja warum ich das gemacht habe:
– Lernkurve
– Versuch, die Subwoofer nach audiophilen Maßstäben ideal einzubinden
– Unterstützung des Gehörs durch Messtechnik
– Spaß an der Freude
Da es keinen absoluten Klangmaßstab gibt (ups, hier könnten sich Zeitgenossen jetzt ausgegrenzt vorkommen), ist das eigene Gehör auf jeden Fall der Messung gleichwertig. Die Messung hilft mir aber ungemein dabei, subjektive Wahrnehumgen kognitiv besser einzuordnen. Damit kann ich gezielter an den Stellschrauben drehen, um mein Wunschergebnis zu erzeugen – oder schlimmstenfalls feststellen das mein Wunsch in irgendeiner Form daneben liegt.
BTW: Augenärzte/-optiker vermessen das Auge heutzutage immer erst mit einem Automaten. Bei dem Sehtest kommt trotzdem etwas ganz anderes heraus. Das exakte maschinelle Ergebnis hilft dabei, einen Ausgangspunkt für den Sehtest zu finden, wäre für eine Sehhilfe aber absolut unbrauchbar – die optische Wahrnehmung ist genauso verzwickt wie die akustische.
Die Schallausbeute bei den Nachbarn rechts und links von mir scheint sehr gering zu sein, obwohl nur eine einfache Wand dazwischen liegt. Ich habe des öfteren mal etwas lauter aufgedreht, auch basslastige Mucke wie London Grammar, Blues mit schönen Bassläufen oder genannte Orgelgeschichten und am nächsten Tag die Nachbarn gefragt, ob es zu laut war. Kommentar: “Was war zu laut?”
Die PC-Quäken von Nachbars Halbwüchsigem sind bei uns offensichtlich präsenter als meine “richtigen” Lautsprecher. Vielleicht lassen Wände auch nur ungewollte Musik mit schlechter Klangqualität durch? 😉
Mit dem Eindruck der Verdeckung weiterer Teile der Musik durch zu laute Bässe liegst du sehr richtig, und erklärt sich durch die sogenannte Mithörschwelle (https://de.wikipedia.org/wiki/Maskierungseffekt). Ein einzelner sehr lauter Ton maskiert benachbarte tiefere und höhere Töne in der Wahrnehmung. Da dies eine Eigenschaft des menschlichen Wahrnehmungsapparates ist (Ohr plus Hirn), hilft da kein Kraut gegen, außer die Wiedergabekette so einzustellen, dass dies vermieden wird.
Ach ja, das doch recht simple Messequipment habe ich mir nicht für Subwoofereinmessungen besorgt – das hatte ich bisher auch per Gehör gemacht, wobei es immer ohne DSP war – sondern weil ich dann und wann mal eigene Lautsprecherkreationen gestalten möchte. Irgendwie hat mich Udo da angesteckt, seitdem ich das erste Mal auf ihn gestoßen bin 🙂
Beste Grüße,
Gordon