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Antwort auf: SB18 – Erstbetrieb klingt dumpf

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HortusNanum

Hi Tim,

Sparky hat ja schon sehr leidenschaftlich gegen bleifreies Lot gewettert, ja früher war das wirklich einfacher. Verbleites Lot lötet sich viel besser und anfängerfreundlicher. Leider ist dieses aber seit einigen Jahren für Privatpersonen in der EU nicht mehr zu kriegen. In chinesischen Versandhäusern kann man es aber noch kaufen.
Ein Lötkolben mit 30W sollte eigentlich ausreichend sein. Ich habe viele Jahre lang mit einem 25W-Kolben gelötet, bis ich für ein paar Euro eine gute alte babyblaue Weller-Lötstation auf dem Flohmarkt gefunden habe. Wie bei guten Stereoanlagen ist die reine Wattangabe nicht so wichtig, wichtig ist vielmehr, dass der Kolben die „richtige“ Temperatur hat (so um 350°C) und auch hält, wenn die Wärme durch einen Kupferdraht abgeführt wird. Kupfer leitet nämlich nicht nur hervorragend Strom, sondern auch Wärme. Wie bei jedem Werkzeug sticht auch hier Qualität. Ersa und Weller sind hier renommierte Marken, im Baumarkt gibt es viel, aber auch viel Schrott.

Flux (Flussmittel) wurde ja schon erklärt. Der Zinndraht ist hohl und in der Mitte ist eine Seele aus Flussmittel, die das geschmolzene Zinn fließfähig und geschmeidig macht. Das Flux verdampft beim Löten. Wenn man zu lange auf einer Lötstelle herumlötet, ist das Flux weg und das Zinn fließt nicht mehr richtig. Ergebnis ist eine „kalte“ Lötstelle. Durch Zugabe von etwas frischem Zinn (mit Flux) kann man das beheben.
Lötzinn für Elektronik (Radiolot) unterscheidet sich von herkömmlichem dadurch, dass keine ätzenden Bestandteile drin sind. Nimmt man das falsche, kann es passieren, dass die Kontakte nach ein paar Wochen durch im Flussmittel enthaltene Säuren korrodieren. Aus gleichem Grund nimmt man bei Elektroniklötereien auch keine „Lötwasser“, Löthonig“ oder andere Mittel (Klugscheißermodus: Für’s SMD-Löten gibt’s schon was, aber das ist hier nicht das Thema).

Wie Sparky schon schrub, ist beim Löten das Timing wichtig: Lötet man zu kurz, wird die Lötstelle nicht richtig warm und die Teile werden nur „verklebt“, was einerseits mechanisch nicht besonders haltbar ist, zum anderen den Strom nur unzuverlässig leitet. So entsteht eine sogenannte „kalte“ Lötstelle, die den Strom nur leitet, wenn sie Lust hat. Sowas kann einen bei der Fehlersuche wahnsinnig machen.
Brät man zu lange drauf rum, kann man zum einen empfindliche Bauteile kaputtmachen und zum anderen verdampft das ganze Flussmittel, was ebenfalls zu schlechten Lötstellen führen kann.
Schau mal bei Youtube, da gibt es ganz gute Videos, die den Vorgang zeigen. Und wie gesagt: üben, üben üben.

Viele Grüße,
Roland

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