Zurück zu Good-Old-Turntable oder die gelebte Nachhaltigkeit

Antwort auf: Good-Old-Turntable oder die gelebte Nachhaltigkeit

Startseite Foren Verstärker und Co Good-Old-Turntable oder die gelebte Nachhaltigkeit Antwort auf: Good-Old-Turntable oder die gelebte Nachhaltigkeit

#56792
Rincewind

Der Technics SL-BD3 Plattenspieler wurde von ca. 1984 bis etwa 1997 unverändert in Großserie gebaut. Für den damaligen Verkaufspreis um die 400 DM gab es Vollautomatik: Schallplatte auflegen, Gerät einschalten und auf Start drücken – den Rest macht das Gerät. Hinzu kam einfachste Einrichtung dank dem standardisierten Tonabnehmer (Technics T4P). Für den überschaubaren Preis gab es recht viel Klang. Sogar so viel, dass man den Plattenspieler mit einem Trick einbremsen musste: der serienmäßige Tonabnehmer hat nur eine grob auflösende Nadel…
Die Plattenspieler gibt es heute (März 2021) für ab ca. 60 Euro Verhandlungsbasis in Kleinanzeigen zu erwerben. Der Preis richtet sich wie immer nach dem Zustand des Gerätes.
Was sollte beim Abholen überprüft werden:

  1. Haube auf Risse und Beschädigungen überprüfen
  2. Blick auf den Tonarm: keine Risse oder Beschädigungen
  3. Test der Tonarmabsenkung: Der Tonarm sollte gedämpft (langsam) auf die Schallplatte aufsetzen. Wenn die Nadel beim Aufsetzen sich „durchbiegt“ ist die Dämpfung zu reparieren.
  4. Gummimatte auf dem Plattenteller hochheben: Gummiriemen sollte noch gespannt sein. Dennoch ein neuer ist meistens die bessere Wahl.
  5. Plattenteller hochheben, Gummiriemen abmachen, ans Netz anschließen und den Plattenspieler einschalten: Das kleine Pulley auf dem das Gummiband darf nicht eiern während es sich dreht – sollte es dennoch tun, Plattenspieler stehen lassen. Das ist ein Totalschaden.
  6. Die Gummifüße auf Risse überprüfen (sind die Füße mit Rissen übersäht oder löst sich das Gummi auf – dann lieber liegen lassen.) – Vorsicht: Wenn man den Plattenspieler umdreht muss der Tonarm fixiert sein und der Plattenteller neben dem Plattenspieler liegen.

Wenn nach der Prüfung eine für beide Seiten zufriedenstellende Abmachung getroffen worden ist, kann man das gute Stück mitnehmen.
Wichtiger Hinweis: Plattenteller für den Transport abnehmen.

Technics_1_Dreckig_ADW.jpg

Ich habe mir angewöhnt bei den alten Geräten zunächst eine gründliche Reinigung vorzunehmen. Zum einen ist „Nichtraucher-Haushalt“ des Verkäufers nicht mit „nikotinfreies Gerät“ gleichzusetzen, zum anderen ist es die Gelegenheit auch die Details des Geräts zu überprüfen.
Mein Exemplar stand sein Leben lang im Wohnzimmer, daher war außer ein wenig Allzweckreiniger-Wasser und Kunststoff-Reiniger für die Haube nicht viel zu tun. Die Tellermatte wurde in Spüli-Wasser gebadet und der Plattenteller-Rand eine kleine Abreibung mit verdünntem Edelstahlreiniger auf einem Lappen. Ein wenig Aufmerksamkeit erhielt auch das Pulley (das gelbe Metallteil in roten Kreis) und der Teller, wo das Gummi aufliegt. Das wurde mit in Isopropyl-Alkohol getränkten Wattestäbchen vom Abrieb befreit.

Technics_2_Pullay_ADW.jpg

Schnell noch nach den Füßen schauen, denn diese sind wichtig für die Schwingungsdämmung. Ohne funktionierende Schwingungsdämmung, kein sauberer Bass – denn die Füße nehmen die Vibrationen auf und entkoppeln den Plattenspieler von der Unterlage. Falls die Geräte-Füßchen Risse haben oder sich sonst Auflösen – das Gerät stehen lassen, denn neue, funktionierende Füße sind teuer.

Technics_3_Fuss_ADW.jpg

Ich habe bei meinem Gerät Glück, alles in Ordnung mit den Füßen.
Dann Plattenspieler wieder auf die Füße stellen und neuen Riemen einsetzen.

Technics_4_RiemenAufsetzen_ADW.jpg

Das Einsetzen geht einfach, wenn man die Reihenfolge beachtet: Zunächst wird das Gummi unterm Plattenteller aufgezogen, dann Plattenteller eingesetzt. Jetzt durch das Loch im Plattenteller greifen und den Gummiriemen über das Pulley ziehen.
Ob man dem Gerät neuen Tonabnehmer oder eine gute neue Nadel spendiert ist mehr eine Frage der Philosophie. Für Nachhaltigkeit spricht der Einsatz einer neuen Nadel. Diese gibt es ab ca. 30€ (Stand März 2021) zu kaufen. Ich habe mich für ein leichtes Upgrade entschieden und eine gute elliptische statt runde Nadel gekauft. Aus den technischen Daten von Technics kann man ableiten, dass für die gesamte Tonabnehmer-Reihe EPC-P der gleiche Korpus verwendet wurde. Die höherwertigen Modelle bekamen eine bessere Nadel. Möglicherweise wurden die höherwertigen Modelle noch selektiert (ist jedoch nur eine Spekulation von mir). Auf jeden Fall gibt es für diesen Tonabnehmer auch heute noch exzellente Ersatznadel mit sehr guten Schliff zu kaufen.
Ein kurzer Einschub zum Nadelwechsel beim Technics mit T4P Tonabnehmer. Die Nadel wie auch der gesamte Tonabnehmer wurden durchdefiniert. So ist es darauf zu achten, dass die Ersatznadel +/- 0.25g das gleiche Gewicht hat wie die alte, original Nadel von Technics. Wenn die Abweichung zu groß ist, dann stimmt die Auflagekraft nicht mehr. Die Folge ist: Töne fehlen.

Technics_5_OriginalNadel_ADW.jpg
Technics_6_NachbaulNadel_ADW.jpg

Der Trick von damals war, dass das Typen-Schild auf der originalen Nadel das passende Gewicht aufwies. Also das Typenschild abmachen und auf der Ersatznadel befestigen.

Technics_7_NachbaulNadel_Typenschild_ADW.jpg

Erste Probe nach der Auffrischung führe ich mit einer Allerwelts-Schallplatte durch. Sollte doch etwas nicht ganz geklappt haben, ist die Schallplatte im schlimmsten Fall um einen Kratzer reicher…

Technics_8_Fertig_ADW.jpg

Fazit: Ein paar Abstriche wie z.B. ein leicht hörbarer Motor oder das laute Klacken der Mechanik muss man Hinnehmen. Auch die maximal erzielbare Klangqualität ist begrenzt. Dennoch der Technics SL-BD 3 ist ein gutes Gerät, das ordentliche Töne produziert und viel Spaß aus der Rille zaubern kann.

Fortsetzung folgt

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.acoustic-design-magazin.de/Lautsprecher-selber-bauen/Antwort/56792/