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Good-Old-Turntable oder die gelebte Nachhaltigkeit

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  • Dieses Thema hat 30 Antworten und 7 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 2 Monaten von Sparky.
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    • #56782
      Rincewind

      Die Schallplatte hat wieder an Bedeutung gewonnen. Sei es durch die Haptik oder durch das Erlebnis eines entschleunigten Hörens im Gegensatz zum stets verfügbaren Streamings. Es gibt mittlerweile so viele NEUE Schallplatten, dass der Record Store Day im Jahr 2021 auf ZWEI Tage aufgeteilt wurde 12 Juni und 17 Juli).
      Passenderweise braucht man zum Abspielen von Vinyl-Tonträgern einen Plattenspieler, der in der Lage ist, aus den Kerben in der Rille wieder Wechselspannung zu erzeugen (vulgo Musik).
      Die Industrie bietet heute wieder günstige Plattenspieler an, auch in Preisbereichen unterhalb der 100€. Sogar mit Bluetooth und/oder USB Anschluss. Doch die verkaufte Technik muss wie immer dem Kaufmann, der über die Marge wacht, genügen. Somit wird an Stellen gespart, die auch klanggebend sind, jedoch nicht sofort auffallen. Der Kunde von heute zieht meistens die Bequemlichkeit dem Klang vor. Also werden die Tonabnehmer fest mit dem Tonarm verbunden, die Entkopplung des Tonarms von Schwingungen ist unzureichend usw. Der Trend der preiswerten Kisten ist: Produziert für die Müllhalde.
      Wenn Du bereit bist mit etwas weniger Bequemlichkeit auszukommen, dafür jedoch einem guten Klang entlohnt zu werden, ist der Blick auf die Vintage Plattenspieler ganz richtig. Oft wurden die Geräte damals quasi für die Ewigkeit gebaut. Auch die Einstiegsgeräte aus den 80ern bis zum Anfang der 90er der japanischen Hersteller boten viel Klang für wenig Geld. Die rasant günstiger werdenden CD Spieler und CDs zwangen die Hersteller dazu, um weiterhin Plattenspieler verkaufen zu können.
      Heute erzielen begehrte Vintage-Plattenspieler Verkaufspreise, die einer Wertanlage gleichen. Vielleicht hat der Opa oder Vater oder man selbst so ein Kleinod auf dem Dachboden oder Keller aufgehoben 😉
      Der Artikel ist nur eine kleine Einführung, dennoch durch die aufgeführten Beispiele sehr lang. Wenn Dich nur die allgemeinen Hinweise interessieren, kannst Du bis zum letzten Abschnitt „Allgemeines zum Erwerb von Good-Old-Plattenspielern“ scrollen. Für die Details wirst Du die Beispiele lesen müssen.
      In diesem Artikel gehe ich nur auf die „Einsteiger“ bis „nahezu Bluesklasse“ Geräte ein. Anhand von zwei häufig verfügbaren Geräten und einem etwas selteneren Exemplar, zeige ich Dir wie mit wenigen bis mittleren Aufwand für die Aufarbeitung, ein Vintage-Gerät wieder in Top-Zustand kommt. Damit kann Dich ein gut aufgearbeitetes Gerät mit seinem Klang in den Bann der Vinylscheiben ziehen.
      Wenn Du dich mehr über die Plattenspieler-Technik und „Glaubensrichtungen“ informieren möchtest, dann ist ein deep dive in diverse Foren, Seiten unerlässlich. Dennoch bleibe bei klarem Verstand und halte die eigene Logik wie Physik lebendig im Kopf. Der Grat zwischen „sinnvollen Tuning“ und „HiFi-Esoterik“ kann sehr schmal sein.
      Die Beispiel-Geräte:
      • Die Mona-Klasse: Der Technics SL-BD3 Plattenspieler
      • Der Aufsteiger: Thorens TD 146
      • Die nahezu Blues-Klasse: Luxman PD 289

      Fortsetzung des Artikels im nächsten Beitrag.

      Grüße
      Rincewind

      P.S.
      Da es bei Plattenspielern sich nur um ein Randthema von Boxenbau handelt, ist daher dieser „Fortsetzungsartikel“ entstanden. 😉

    • #56792
      Rincewind

      Der Technics SL-BD3 Plattenspieler wurde von ca. 1984 bis etwa 1997 unverändert in Großserie gebaut. Für den damaligen Verkaufspreis um die 400 DM gab es Vollautomatik: Schallplatte auflegen, Gerät einschalten und auf Start drücken – den Rest macht das Gerät. Hinzu kam einfachste Einrichtung dank dem standardisierten Tonabnehmer (Technics T4P). Für den überschaubaren Preis gab es recht viel Klang. Sogar so viel, dass man den Plattenspieler mit einem Trick einbremsen musste: der serienmäßige Tonabnehmer hat nur eine grob auflösende Nadel…
      Die Plattenspieler gibt es heute (März 2021) für ab ca. 60 Euro Verhandlungsbasis in Kleinanzeigen zu erwerben. Der Preis richtet sich wie immer nach dem Zustand des Gerätes.
      Was sollte beim Abholen überprüft werden:

      1. Haube auf Risse und Beschädigungen überprüfen
      2. Blick auf den Tonarm: keine Risse oder Beschädigungen
      3. Test der Tonarmabsenkung: Der Tonarm sollte gedämpft (langsam) auf die Schallplatte aufsetzen. Wenn die Nadel beim Aufsetzen sich „durchbiegt“ ist die Dämpfung zu reparieren.
      4. Gummimatte auf dem Plattenteller hochheben: Gummiriemen sollte noch gespannt sein. Dennoch ein neuer ist meistens die bessere Wahl.
      5. Plattenteller hochheben, Gummiriemen abmachen, ans Netz anschließen und den Plattenspieler einschalten: Das kleine Pulley auf dem das Gummiband darf nicht eiern während es sich dreht – sollte es dennoch tun, Plattenspieler stehen lassen. Das ist ein Totalschaden.
      6. Die Gummifüße auf Risse überprüfen (sind die Füße mit Rissen übersäht oder löst sich das Gummi auf – dann lieber liegen lassen.) – Vorsicht: Wenn man den Plattenspieler umdreht muss der Tonarm fixiert sein und der Plattenteller neben dem Plattenspieler liegen.

      Wenn nach der Prüfung eine für beide Seiten zufriedenstellende Abmachung getroffen worden ist, kann man das gute Stück mitnehmen.
      Wichtiger Hinweis: Plattenteller für den Transport abnehmen.

      Technics_1_Dreckig_ADW.jpg

      Ich habe mir angewöhnt bei den alten Geräten zunächst eine gründliche Reinigung vorzunehmen. Zum einen ist „Nichtraucher-Haushalt“ des Verkäufers nicht mit „nikotinfreies Gerät“ gleichzusetzen, zum anderen ist es die Gelegenheit auch die Details des Geräts zu überprüfen.
      Mein Exemplar stand sein Leben lang im Wohnzimmer, daher war außer ein wenig Allzweckreiniger-Wasser und Kunststoff-Reiniger für die Haube nicht viel zu tun. Die Tellermatte wurde in Spüli-Wasser gebadet und der Plattenteller-Rand eine kleine Abreibung mit verdünntem Edelstahlreiniger auf einem Lappen. Ein wenig Aufmerksamkeit erhielt auch das Pulley (das gelbe Metallteil in roten Kreis) und der Teller, wo das Gummi aufliegt. Das wurde mit in Isopropyl-Alkohol getränkten Wattestäbchen vom Abrieb befreit.

      Technics_2_Pullay_ADW.jpg

      Schnell noch nach den Füßen schauen, denn diese sind wichtig für die Schwingungsdämmung. Ohne funktionierende Schwingungsdämmung, kein sauberer Bass – denn die Füße nehmen die Vibrationen auf und entkoppeln den Plattenspieler von der Unterlage. Falls die Geräte-Füßchen Risse haben oder sich sonst Auflösen – das Gerät stehen lassen, denn neue, funktionierende Füße sind teuer.

      Technics_3_Fuss_ADW.jpg

      Ich habe bei meinem Gerät Glück, alles in Ordnung mit den Füßen.
      Dann Plattenspieler wieder auf die Füße stellen und neuen Riemen einsetzen.

      Technics_4_RiemenAufsetzen_ADW.jpg

      Das Einsetzen geht einfach, wenn man die Reihenfolge beachtet: Zunächst wird das Gummi unterm Plattenteller aufgezogen, dann Plattenteller eingesetzt. Jetzt durch das Loch im Plattenteller greifen und den Gummiriemen über das Pulley ziehen.
      Ob man dem Gerät neuen Tonabnehmer oder eine gute neue Nadel spendiert ist mehr eine Frage der Philosophie. Für Nachhaltigkeit spricht der Einsatz einer neuen Nadel. Diese gibt es ab ca. 30€ (Stand März 2021) zu kaufen. Ich habe mich für ein leichtes Upgrade entschieden und eine gute elliptische statt runde Nadel gekauft. Aus den technischen Daten von Technics kann man ableiten, dass für die gesamte Tonabnehmer-Reihe EPC-P der gleiche Korpus verwendet wurde. Die höherwertigen Modelle bekamen eine bessere Nadel. Möglicherweise wurden die höherwertigen Modelle noch selektiert (ist jedoch nur eine Spekulation von mir). Auf jeden Fall gibt es für diesen Tonabnehmer auch heute noch exzellente Ersatznadel mit sehr guten Schliff zu kaufen.
      Ein kurzer Einschub zum Nadelwechsel beim Technics mit T4P Tonabnehmer. Die Nadel wie auch der gesamte Tonabnehmer wurden durchdefiniert. So ist es darauf zu achten, dass die Ersatznadel +/- 0.25g das gleiche Gewicht hat wie die alte, original Nadel von Technics. Wenn die Abweichung zu groß ist, dann stimmt die Auflagekraft nicht mehr. Die Folge ist: Töne fehlen.

      Technics_5_OriginalNadel_ADW.jpg
      Technics_6_NachbaulNadel_ADW.jpg

      Der Trick von damals war, dass das Typen-Schild auf der originalen Nadel das passende Gewicht aufwies. Also das Typenschild abmachen und auf der Ersatznadel befestigen.

      Technics_7_NachbaulNadel_Typenschild_ADW.jpg

      Erste Probe nach der Auffrischung führe ich mit einer Allerwelts-Schallplatte durch. Sollte doch etwas nicht ganz geklappt haben, ist die Schallplatte im schlimmsten Fall um einen Kratzer reicher…

      Technics_8_Fertig_ADW.jpg

      Fazit: Ein paar Abstriche wie z.B. ein leicht hörbarer Motor oder das laute Klacken der Mechanik muss man Hinnehmen. Auch die maximal erzielbare Klangqualität ist begrenzt. Dennoch der Technics SL-BD 3 ist ein gutes Gerät, das ordentliche Töne produziert und viel Spaß aus der Rille zaubern kann.

      Fortsetzung folgt

    • #56810
      Kaditzjaner

      Klasse Projekt. Danke Dir für den Einsatz und erwarte gespannt den nächsten Teil.

      VG

    • #56809
      Rincewind

      Der Thorens TD 146 – ist sozusagen die Golfklasse der Plattenspieler in den 1980ern in Deutschland. Von den Serien TD 14x und 16x wurden mehrere hunderttausend Geräte verkauft. Die Firma Thorens baute über die Jahre verschiedene Varianten der Modellreihen. Einer der wichtigsten Unterschiede ist der verbaute Tonarm. Eine sehr gute Übersicht der Geräte-Varianten ist im Internet zu finden.
      Es ist also ziemlich wahrscheinlich ein gut erhaltenes Exemplar zu finden. Die Preise für ein gut erhaltenes Exemplar (März 2021) beginnen in den Kleinanzeigen bei ca. 180 Euro Verhandlungsbasis.
      Der TD 146 ist ein Halbautomat – das Gerät verfügt über eine Endabschaltung, damit die Nadel nicht für die Nacht oder länger in der Auslaufrille gefangen ist. Die zweite Besonderheit des Aufbaus ist das auf Federn gelagerte Subchassis. Die Geräte der TD 14x und 16x waren und sind ein beliebtes Opfer diverser „Verbesserungsmaßnahmen“.

      Was sollte beim Abholen überprüft werden:

      1. Haube auf Risse und Beschädigungen überprüfen
      2. Blick auf den Tonarm: keine Risse oder Beschädigungen (auch an er Tonarmbasis)
      3. Test der Tonarmabsenkung: Der Tonarm sollte gedämpft (langsam) auf die Schallplatte aufsetzen
      4. Blick von der Seite: Ist der Plattenteller immer im gleichen Abstand vom Chassis?
      5. Plattenteller hochheben: Gummiriemen sollte noch gespannt sein. Dennoch ein neuer ist meistens die bessere Wahl.
      6. Plattenteller hochheben, Gummiriemen abmachen, Netzteil anschließen und den Plattenspieler einschalten: Das kleine Pulley auf dem das Gummiband darf nicht eiern während es sich dreht – sollte es dennoch tun, Plattenspieler stehen lassen. Das ist ein Totalschaden.
      7. Wichtig: Sind BEIDE Antiskating Gewichte dabei? (entfällt bei Tonarmen mit magnetischer Antiskating Einstellung)
      8. Optimalerweise ist auch das Original-Netzteil dabei
      9. Auch weiteres Zubehör könnte da sein: kleiner Spiegel, eine Art Plastik-Halter zum Einbau neuer Tonabnehmer

      Wenn nach der Prüfung eine für beide Seiten zufriedenstellende Abmachung getroffen worden ist, kann man das gute Stück mitnehmen.
      Wichtiger Hinweis: Für den Transport den Plattenteller samt Subteller und das Gegengewicht am Tonarm abnehmen. Ebenfalls muss das Subchassis mittels Schrauben auf der Unterseite für den Transport fixiert werden.
      Thorens TD 146
      Als erstes verdient das Gerät eine gründliche Reinigung. Für die Haube ist ein Kunststoff-Reiniger und ein fuselfreier, weicher, nicht kratzender Lappen empfehlenswert. Die Haube kann abgenommen werden (die Scharniere lassen das ohne Schraubendreher-Einsatz zu). Dann lässt sich die Haube einfacher auch von Innen reinigen.
      Als nächstes kommen die Oberflächen dran: hier reicht in der Regel eine Allzweckreiniger-Wasser-Lösung. Vorteil gegenüber Spüli-Lösung: Es schäumt weniger.
      Etwas Besonderes ist der Rand des Plattentellers. Er ist eigentlich seidenmatt gebürstet. Mit dem Einsatz von z.B. Polierwachs und Schwabbelscheibe lässt er sich spiegelnd polieren. Nachteil dieser Lösung: jeder Fingerabdruck ist bestens zu bestaunen. Daher habe ich mit Edelstahlreiniger wie für Spülbecken den Rand mit einem Lappen geschrubbt.
      Pullay
      Als nächstes kann man sich der Lagerbuchse vom Subteller widmen. Hier kann man in diversen Foren und Communities wunderschöne Berichte lesen: von wie Reinigen (Wattestäbchen ja/nein) bis zum Schmieröl (von Olivenöl, bis zum Joel’s super special Oil ist alles vertreten). Also ich habe Wattestäbchen und Papier-Taschentuch genommen. Nach der Reinigung habe ich die Achse des Subtellers mit Nähmaschinenöl beträuftelt (wirklich nur paar Tropfen). Die Achse wird in die Lagebuchse eingesetzt. Der Subteller wie ein Kreisel in Drehung versetzt. Wenn alles richtig war, sinkt der Subteller langsam in der Lagerbuchse ein. Ansonsten kann man das Ölen wiederholen. Einzige Einschränkung beim Öl ist, dass es für Buntmetalle zugelassen ist (die Lagerbuchse ist aus gesinterten Messing – so die Legende).
      Wenn der Subteller sitzt, kann der trockene Plattenteller drauf gelegt werden. Nun gilt es den Abstand zwischen dem Plattenteller und Chassis zu überprüfen. Der Abstand sollte 7 bis 9 mm betragen und natürlich immer gleich sein. Zur Überprüfung des Tellerabstands ist der Tonarm aus seiner Klemmung zu befreien. Wichtig: VOR der Überprüfung!
      Teller Ausrichten
      Sollte der Abstand deutlich Variieren, also mehr als 2 – 3 mm, dann hilft nichts, es sind die Subchassis-Federn neu zu justieren (siehe auf dem Bild des Innenlebens von TD 146 – da sind die „justier“ Schraubmuttern rot eingekreist). Dazu den Plattenspieler ohne Boden auf zwei Höcker waagerecht aufstellen. Für die Justierung hat sich ein Stück Plastik oder Holz mit einer Höhe von 7-9 mm als sehr hilfreich erwiesen. Einfach immer wieder in den Spalt schieben bis die Justierung der federn überall gleiche Höhe schafft. Für die Justage sollte man sich in Geduld üben. Erstens sind die Federn in einem ungleichmäßigen Dreieck verteilt. Zweitens ist der Schwerpunkt des Dreiecks in der Buchse. Immer nur wenig an der Federspannung verändern indem nur eine oder halbe Umdrehung an der Schraubenmutter durchgeführt wird.
      Thorens Innen
      Der TD 146 verleitet zum „Verbasteln“. Eine schöne Zarge bringt optisch eine Aufwertung (WAF?). Ich habe mich für neue Audio-Kabel entschieden als „Verbesserung“. Durch die Verwendung von guten Kabeln kenne ich deren elektrische Eigenschaften. Für einen Moving Magnet Tonabnehmer ist die elektrische Kapazität der Leitung von entscheidender Bedeutung. Ein Gewebeschlauch über die Kabel sorgt für mehr „HiFi-Touch“ und auch das Erdungskabel lässt sich diskreter unterbringen.
      Erdung
      Unter Bastelei fällt das Spiel mit der Bodenplatte und den Füßchen. Die standardmäßig verbaute Bodenplatte aus Pressstaub in billiger Ausführung mag genügen, doch ein Bastler kann sich besseres Vorstellen. In Internet-Communities werden MPX-Brettchen mit eingefrästen Muster als DER Ersatz hochgelobt. Ich kann zum Glück auf die Hilfe eines guten Freundes zählen, der eine CNC Fräse hat. So bekam ich das schöne Stück MPX mit den entsprechenden Fräsungen. Hätte ich auch die Löcher korrekt bemessen, wäre mir der anschließende Einsatz eines Dremels erspart geblieben…
      Boden Dremel
      Boden Fertig
      Als letztes kamen professionelle Gummifüßchen drunter. Über den Sinn und Unsinn der Maßnahme kann man sich vorzüglich Unterhalten, Fachsimpeln oder einfach Streiten. Fakt ist, dass alle Bastelmaßnahmen das Verhalten der Mechanik des Plattenspielers bei Schwingungen beeinflussen. Ob sich jedoch am Ende jedoch sich ein „Besser“ einstellt, bleibt für objektive Betrachter unklar. Die Aufzeichnung des Ausschwingverhaltens offenbart auf jeden Fall Unterschiede. Und beim „wissenschaftlichen“ Messen hatte Junior (mein Sohn) als „Impulsgeber“ helfen können. Meine Masse war auf jeden Fall zu viel sämtliche Dämpfer und schwingenden Elemente…
      Schwingungen
      Der Thorens TD 146 verdient einen guten Tonabnehmer. Meine Wahl fiel auf die Ortofon Vinyl Master Serie.
      Mit Hilfe einer „Thorens Lehre“ (Danke an Vadder für diese!!) lässt sich der Tonabnehmer gut ohne größeren Aufwand justieren. Dann nur noch die Auflagekraft einstellen und genussvoll hören.
      Thorens Lehre
      Thorens Fertig
      Fazit: Der Thorens TD 146 ist ein großartiger Dreher. Mit einem guten Tonabnehmer und sorgfältiger Justierung sowohl des Subchassis wie auch des Tonabnehmers kann der alte Plattenspieler heute noch Überzeugen. Die Kiste spielt locker in der heutigen 1.000 plus X Euro Klasse mit.

    • #56815
      Vadder
      Verwalter

      Moin,

      ein paar kleine Ergänzungen:
      Der TD 146  wurde 1983 bis 1999 in vier Versionen gebaut. Bei mir steht einer aus der frühen Phase seit seinem Erscheinen und war zwischen durch 30 Jahre eingemottet.

      Sintermetalllager:
      Wer ein scharfes Auge hat, kann mit einer Taschenlampe in das Loch spinxen.
      Grau = Eisensinter, gelblich = Messingsinter.
      Vorsicht beim Ölkauf. Im Internet wird spezielles Öl für Thorens angeboten. Das ist aber leider meistens Sinterlageröl für Fernschreiber mit Eisenlagern und zerfrisst die Messinglager! Oldtimerfans können aber gerne niedrig legiertes SAE 20W50 nehmen.

      Cinchkabel:
      Im Werkszustand ist ein kleines Fähnchen mit den elektrischen Werten am Kabel. Und die sind absolut ok. Die oxidationsanfälligen Stecker sind aber verbesserungswürdig.

      Tonabnehmer:
      Sowohl an Rincewinds wie an meinem TD 146 ist der Tonarm TP 11 Mk III montiert. Der hat 7,5 gr effektive Masse und will ein „weiches“ System haben. Leider werden die langsam knapp.
      Ortofon baut die passenden Serien Vinyl Master und OM / Super OM meines Wissens nicht mehr. Restposten sind im Web aber noch erhältlich.

      Pulley:
      Achtung! Es gibt ein 60 hz – Pulley zum Nachrüsten. Das ist die einzige von Thorens vorgesehen Möglichkeit, den Dreher mit eben dieser Netzfrequenz laufen zu lassen. Wenn die Kiste wie meiner Jahrzehnte eingelagert war, ist noch die 50 hz – Variante montiert und alles gut.

      Zubehör:
      Thorens hat zu jedem TD 146 den erwähnten Spiegel, die Justierlehre so wie Unterlegplättchen zur Höhenjustage des Systems mitgeliefert. Bis auf den Spiegel sind Ersatzbeschaffungen recht kostspielig. Z.B für die Plättchen mit passendem antimagnetischen Schraubensatz ab 45 € aufwärts.

      Preis:
      Der Dreher hat mich damals mit einem (unpassenden Shure-) System 800 DM gekostet.

      Gruß vom Vadder

      ps @ Rincewind
      Wenn der Plattenteller mal nach poliert werden muss, macht das meine 4,8 kW-Poliermaschine ziemlich flink. 🙂

      • #56820
        HortusNanum

        Hallo Vadder,

        was tut denn die gefräste Schnecke im Bodenbrett?

        Viele Grüße,
        Roland

        • #56821
          Vadder
          Verwalter

          Moin,

          die Schnecke beruhigt sicher das Gewissen und eventuell die Zarge. 🙂

          Gruß vom Vadder

        • #56823
          Sparky

          Mahlzeit,

          da Plattenspieler mechanische Systeme sind, reagieren sie auf Einflüsse durch Vibrationen und im schlimmsten Fall trifft man genau ihre Eigenresonanz. Mit verschiedenen Maßnahmen kann man diese Störeinflüsse verschieben, z.B. den Dreher mit Gummifüßen entkoppeln, auf eine schwere Steinplatte stellen etc.
          Die Schnecke dient vermutlich diesem Zweck, das Hauptchassis darin zu behindern, das Schwingen anzufangen.

          Mein Dual CS 731Q ist da z.B. auch so ne Zicke, auf ne Steinplatte gestellt und ein paar Beutelchen Gardinenblei auf den Unterboden, Ruhe ist.

           

          Gruß,
          -Sparky

        • #56824
          HortusNanum

          Gruezi,

          aha. Zu genanntem Zweck ein paar Verstrebungen einzuleimen wäre mir ja eingängig, aber ein gefrästes Muster kommt mir doch eher andalusisch vor. Aber sei’s drum. Wenn’s glücklich macht, hilft es.

          Bei meinem Dual 714Q (bis auf die Vollautomatik baugleich zum 731) sind mir noch keine Tendenzen zum Schwingen aufgefallen. Zumal es ja auch der Job des Subchassis ist, diese nicht bis zur Nadel vordringen zu lassen. Aber vielleicht bin ich da auch nur zuwenig empfänglich oder das IKEA-Regal auf dem er steht ist doch stabiler als es beim Aufbau den Eindruck hatte. 😉
          Rein interessehalber: Welches Tonabnehmersystem verwendest Du am Dual?

          Viele Grüße,
          Roland

        • #56825
          Sparky

          Mahlzeit Roland,

          Die Aufstellung, bzw. Ort der Aufstellung ist tatsächlich nicht unerheblich, auch wie weit der Dreher von den Lautsprechern entfernt steht. Und ja, Ikea-Regale sieht man nicht selten als HiFi-Rack und nur weil es von Ikea ist, heißt ja nicht, dass es „billig“ ist. Die Qualität von denen ist gut.

          Auf dem Dual nutze ich ein Goldring 2300 mit entsprechendem TA-Adapter. Dieses System gefällt mir persönlich sehr gut.

           

          Gruß,
          -Sparky

      • #56853
        Rincewind

        Hallo Vadder,

        von Ortofon gibt es noch den Ortofon 520 MKII – dieser wird von Thakker weiterhin vertrieben. Der Tonabnehmer ist wohl (so das iNet) ein Vinyl Master Red – auch die Nadel.

        Grüße
        Rincewind

        • #56854
          Vadder
          Verwalter

          Moin,

          in diversen Datenbanken steht das 520 MKII mit „Nadelnachgiebigkeit, lateral: 25µm/mN“.

          Das würde passen. Die Löcher scheinen auch für die Thorensschrauben zu taugen.
          Es ist also eine echte Alternative für Suchende.
          Danke für den Tipp!
          Ich habe ja zum Glück noch je ein OM 10 und ein Super OM 30 mit knapp einem Dutzend Stunden Laufzeit in der Zubehörkiste.

          Viele Grüße vom Vadder

    • #56889
      Rincewind

      Der Luxman PD 289 – ein vollautomatisches Mikro Seiki Laufwerk der nahezu Blues Klasse. Die Firma Luxman hatte seine gesamte Plattenspieler-Palette bis 198x von Mikro Seiki bezogen. Die Mikro Seiki Laufwerke, insbesondere die Hochwertigen, erzielen zurecht auf dem Gebrauchtmarkt Höchstpreise. Der PD 289 ist ein sehr guter Plattenspieler, dank cleverer japanischer Ingenieurkunst. Der Plattenteller ist überraschend leicht, jedoch liegt die Masse hauptsächlich in dem Rand des Tellers, was dem Teller einen hohen Drehimpuls verleiht (wichtig für die Dynamik bei der Wiedergabe). Die Tellermatte dämpft das klingende Alu-Chassis hervorragend. Die Auswahl der verwendeten unterschiedlichen Materialien im Chassis unterdrücken die Schwingungen ausgezeichnet. Auch die Entkopplung des Tonarms vom Chassis ist den Ingenieuren ausgezeichnet gelungen.

      Was sollte beim Abholen überprüft werden:

      1. Haube auf Risse und Beschädigungen überprüfen
      2. Blick auf den Tonarm: keine Risse oder Beschädigungen
      3. Blick von der Seite: Ist der Plattenteller immer im gleichen Abstand vom Chassis?
      4. Sind die Füße des Plattenspielers noch ok (kleine Risse gehen noch)?
      5. Ein alte Schallplatte (die notfalls Beschädigt werden kann) auflegen und Gerät einschalten:
        • Bleibt die Drehzahl konstant – die Markierung im sollte stehen und möglichst nicht wandern im Stroboskop-Licht
        • Fährt der Tonarm zum Anfang der Schallplatte ohne ruckeln oder hackeln?
        • Der Tonarm sollte gedämpft (langsam) auf die Schallplatte aufsetzen
        • Hebt sich der Tonarm am Ende in der Auslaufrille hoch und fährt zurück? Schaltet sich der Motor auch aus?
        • Sind die Kabel (auch das Erdungskabel) ohne Risse? Sind die Stecker-Kontakte gut (also weder Angelaufen noch Oxidiert)

      Wenn nach der Prüfung eine für beide Seiten zufriedenstellende Abmachung getroffen worden ist, kann man das gute Stück mitnehmen.

      Wichtiger Hinweis: Für den Transport den Plattenteller und das Gegengewicht am Tonarm abnehmen.
      Luxman_1_Test_Dreckig_ADW-1.jpg
      Zu Hause angekommen und im Tageslicht betrachtet, offenbart das Gerät die kleinen Fallstricke vom „Nichtraucherhaushalt“. Anscheinend hatte der Vorbesitzer des Verkäufers durchaus einen „Raucherhaushalt“ angehört.
      Luxman_2_Reinigung_ADW.jpg
      Nach gründlicher Reinigung ist die Kiste wieder ansehnlich geworden.
      Plattenteller abnehmen, den Tonarm fixieren und den Plattenspieler umdrehen stand als nächstes auf dem Programm. Der erste Blick offenbart: die Gerätefüße haben ihre Lebensdauer überschritten.
      Luxman_3_Fuesse_Hinueber_ADW.jpg
      Luxman_4_AlterFuss_ADW.jpg
      Der Luxman PD 289 ist ein Top- Gerät, so dass sich die Suche nach Ersatz durchaus lohnt. Auf Udo’s Couch habe ich Walter Fuchs getroffen, der mir den Rat gab Sorbothane Füße zu besorgen. Zu beachten ist, dass das Gewicht des Plattenspielers zu den Füßen passt.
      Luxman_5_Fuesse_Neu_ADW.jpg
      Luxman_6_Innen_ADW.jpg
      n der Ecke unten rechts befindet sich die Mechanik für den Arm. Den Antrieb des Tonarms erledigt ein kleiner Motor, der mittels eines Gummiriemens mit der übrigen Mechanik verbunden ist. Auch hier gilt es das Stück Gummi durch neues zu ersetzen. Ansonsten ist die Technik in einem ausgezeichneten Zustand, ich habe an zwei Zahnrädern das alte Fett gegen neues ausgetauscht. Mehr war nicht zu tun.
      Luxman_7_Mechanik_Riemen_ADW.jpg
      Also den Boden wieder befestigen (neue Füße sind drauf :D) und umdrehen. Die Fixierung des Tonarms lösen – hier ein Stück Haushaltsgummi. Das originale, Stückchen Plastik ist wohl vor langer Zeit abgebrochen.
      null
      Dank Freundschaft und 3D Druck konnte ein passender Ersatz montiert werden
      Luxman_9_3D_Druck_ADW.jpg
      Das nächste Problem – ein sehr häufiges – ist die Dämpfung des Tonarmlifts. Bzw. das Fehlen der Dämpfung beim Absenken des Tonarms. Die Dämpfung besorgt ein hochviskoses Silikonöl – eher eine Plempe als Öl… Das Öl lässt sich für paar Euro in einer Einwegspritze erwerben. Die Zahl: 20.000 CPS oder 30.000 CPS oder 50.000 CPS gibt an, wie „plempig“ das Zeug ist. Je höher die Zahl, desto langsamer sinkt am Ende der Tonarm. Die meisten Anwender bevorzugen 30.000 CPS, da es zu den meisten Tonarm-Liftes passt.
      Das Nachfüllen der Silikon-Plempe gestaltet sich je nach Plattenspieler mehr oder weniger Aufwändig. Bei diesem Luxman hilft ein kleiner Trick um den Aufwand zu minimieren. Es kostet aber Zeit 😉
      Luxman_10_Silikonplempe_Wanne_ADW.jpg
      Vorne, der schwarze Kragen am Fuß des Tonarms, aus dem die Achse des Tonarmlifts kommt, ist die „Einfüllwanne“ für die Silikonplempe. Immer Abends diese schön voll machen. Über die Nacht sorgt die Erdeanziehung, dass die Plempe dorthin wandert, wo der „Dämpfer“ ist. Nach drei, vier Nächten ist der Vorgang erledigt. Alternativ kann man die gesamte Tonarm-Mechanik auseinander nehmen um an den „Dämpfer“ zu kommen.
      Der vorhandene Tonabnehmer Grado Prestige Gold hat mir weder optisch noch in seinem Klang gefallen. Glücklicherweise habe ich noch einen geschenkten Audio Technica AT13 EAV in der Kiste gehabt. Dieser passte zumindest optisch besser zum Plattenspieler. Nach der ersten Justage kam bei der Überprüfung heraus, dass der Aufsetz- und Abschaltpunkt nachjustiert werden müssen. Die Stellschraube für den Aufsetzpunkt ist nur von unten erreichbar. Das macht das Justieren nicht gerade einfacher. An der Schraube mit dem Schraubendreher ein wenig – paar Grad – drehen, dann die Änderung durch Einschalten kontrollieren. VORSICHT! Der Aufsetzpunkt reagiert sehr Empfindlich auf das Verstellen der Schraube…
      Hingegen ist die Einstellschraube für die Endabschaltung nahezu günstig auf der Oberseite zu erreichen.
      Luxman_11_At13Eav_Provisorium_ADW.jpg
      Das tonale Ergebnis des brauchbar justierten Tonabnehmers war für mich großartig! Ich konnte hören wie die alten Schallplattenaufnahmen „aufgefüllt“ wurden, wo ich einen Tick mehr Schmelz oder Wärme vermisst habe. Dies war so gut, dass ich eine sehr gute Nachbaunadel in Japan gekauft habe. Sparky war so nett, dass er gegen eine warme Mahlzeit sowohl eine Justage-Schablone für das Gerät erstellt hat, wie auch eine penible Justage des Tonabnehmers vorgenommen hat.
      Luxman_12_AtGlance_ADW.jpg
      Der penibel eingesetzte Tobnehmer AT13 EAV mit der JICO Nadel zaubert mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Ja, es fehlen beim Abspielen einige Feinheiten, die bessere Tonabnehmer mit „schärferen“ Nadeln erzielen. Doch am Ende bleibt ein unaufdringlicher Sound, der sich sogar als „Nebengeräusch“ bei der Arbeit eignet. Unverständlich hingegen ist es für mich, warum die modernen Audio Technica Tonabnehmer für meine Ohren immer so kalt und spitz klingen.
      Fazit: Der Luxman PD 289 ist ein fantastischer Plattenspieler, dessen Design für mich eine zeitlose Eleganz inne wohnt. Für diesen Plattenspieler lohnt sich die Anschaffung passender, hochwertiger Tonabnehmer so richtig. Mein AT13 EAV ist sicherlich ein durchschnittlicher Tonabnehmer aus dem Ende der 1970 / Begin 1980er Jahre. Dennoch macht dieser mir unglaublichen Spaß! Ich tue mich sehr schwer, einen neuen, sehr guten (und teuren) Tonabnehmer einzusetzen. Verdienen tut es das Ergebnis der Mikro Seiki Ingenieure.

      Einen abschließenden Beitrag wird es noch geben 😉

      Viele Grüße
      Rincewind

      • #56899
        Sparky

        Mahlzeit Rincewind,

        vielen Dank für Deine Mühe mit Deinen Beiträgen in diesem Thread, Hilfe zur Selbsthilfe nenne ich das mal, oder, wie man einen guten Dreher kauft. An der Stelle noch mal Danke für Deinen Tipp mit dem Luxman PD 291. Wer auf japanisches Design steht und die Ästhetik, wie sich ein Tonarm bewegen kann, ist da gut aufgehoben.

        Und ja, das klingt bescheuert, so wie vermutlich eine wachsende Anzahl Menschen generell bescheuert finden, mechanisch irgend welche Töne aus gerillten Plastikscheiben rauszukratzen und die dann auch noch einmal dabei wenden zu müssen 😀

        Was das Ausrichten eines Tonabnehmers anbetrifft: Danke für die Blumen, ein Teil davon geht aber an Justus CE, er hat mir seinerzeit mal ein kleines Programm zukommen lassen, mit dem man Ausrichtschablonen individuell erstellen kann anhand der Geometrie seines Plattenspielers, dem gewünschten Plattenformat und der Mathe dahinter. So kann man ein bisschen mit dem Spurfehlwinkel experimentieren und für sich das Beste raus holen.

        Generell: TA-Ausrichtung kann, muss aber keine, Raketenwissenschaft sein. Dies gelingt bereits mit Hausmitteln ausreichend präzise genug….. Soll ich zu dem Thema mal einen eigenen Thread vorbereiten? Dauert dann aber etwas wegen weil.

         

        Gruß,
        -Sparky

    • #57114
      Rincewind

      Allgemeines zum Erwerb von Good-Old-Plattenspielern:

      • Informiere Dich vorher über die Hersteller und deren Modellreihen. Plattenspieler waren vor CD und Streaming DAS Abspielgerät für Musik. Entsprechend riesig ist die Vielfalt der Modelle.
      • Du brauchst einen Phono-Vorverstärker bzw. ein Phono-Eingang an deinem Verstärker/AVR
      • Überlege wieviel Zeit Du in die Restauration bzw. Aufarbeitung reinstecken möchtest
      • Schätze deine Fähigkeiten gut ein: Riemenwechsel ist einfach, hingegen erfordert die Arbeit an Direkt Drive und Vollautomat-Mechanik mehr Kenntnisse.
      • Was soll das Gerät selbst kosten und wieviel möchtest Du investieren (Ersatzteile, Nadel oder Tonabnehmer)
      • Beobachte den Gebrauchtmarkt ein paar Wochen bevor Du einen Kauf tätigst
      • Sei bereit das Risiko versteckter Mängel zu tragen
      • Optional: Kann bei dem vorhandenen Tonabnehmer die Nadel ersetzt werden und gibt’s qualitativ gute Nadeln zu kaufen?
      • Grundsätzlich sollte man den Angaben über die Laufzeit des Tonabnehmers oder der Tonnadel mit einer großen Portion Skepsis begegnen. Denn diese Angabe lässt sich nur schwer, falls überhaupt verifizieren.
      • Beim ersten Kauf ist es von Vorteil ein gängiges Modell sich ausgesucht zu haben. Für die gängigen Modelle von Thorens, Dual, Technics und viele andere gibt es Communities im Internet, wo sich Reparaturanleitungen finden oder man den ein oder anderen Tipp zum Gerät bekommt.
      • Wie immer gilt: Besser das Gerät selbst abholen als mit einem Zerstörungslogistiker der Wahl verschicken zu lassen. Das ist besonders bei den Plattenspielern sehr wichtig. Bei mir sind bereits unreparierbare Exemplare über den Basteltisch gewandert, wo falsch verpackte Geräte oder unzureichend gesicherte Pakete, für einen Totalschaden gesorgt haben.

      Allgemeines zum Abholen und Transport der Good-Old-Plattenspielern:

      • Plattenteller stets für den Transport abnehmen
      • Falls vorhanden, auch den Subteller abnehmen
      • Das Gegenwicht am Tonarm abnehmen
      • Bei Subchassis Modellen, die Transportschrauben auf der Unterseite anziehen und das Subchassis dadurch fixieren

      Die abgenommenen Teile separat und sicher verpacken!
      Wenn das (Wunsch) Gerät zu Hause ist, sollte es vorsichtig und gründlich gereinigt werden. Oft ist da eine Patina der alten Gewohnheiten (Rauchen) darauf. Die Haube ohne Risse lässt sich mit manuellem Aufwand aufpolieren und damit von kleinen Kratzern befreien. Der Vorgang ist jedoch Zeitaufwändig. Optional lässt sich für einige Modelle eine neue (Nachbau)Haube erwerben.
      Bei riemengetriebenen Plattenspielern lohnt es sich einen neuen Riemen zu kaufen. Die Unterschiede in der Qualität sind vorhanden, leider lässt sich nicht schreiben, welcher Anbieter nun die beste Qualität liefert.
      Bei halbautomatischen Plattenspielern muss nach der Überprüfung ggf. die Endabschaltung nachjustiert werden. Bei vollautomatischen Plattenspielern ist zusätzlich der Aufsetzpunkt zu überprüfen. Der Aufsetzpunkt sollte ggf. ebenfalls gemäß Service Manual nachjustiert werden.
      Wer einen neuen Tonabnehmer in einen Halb- oder Vollautomat einbaut, sollte auf jeden Fall den Aufsetz- und Abschaltpunkt überprüfen und bei Bedarf nachjustieren.
      Eine gute Frage ist sich zu überlegen ob man einen neuen Tonabnehmer einbaut oder nur die Nadel wechselt. Da es unterschiedliche Tonabnehmer (siehe Wikipedia) gibt, kann hier keine pauschale Antwort gegeben werden. Angemerkt sei lediglich, dass Moving Magnet Tonabnehmer meistens die Möglichkeit bieten die Nadel zu ersetzen. Bei Moving Iron Tonabnehmern kann es gut sein, dass die Nadel gewechselt werden kann, jedoch nicht die Regel. Die Moving Coil Tonabnehmer erlauben in der Regel nicht, die Nadel auszutauschen (dies ist dem Bauprinzip geschuldet).

      Für den Einbau und Justage von Tonabnehmern gibt es viele Anleitungen im Internet. In der Regel wird eine Justage-Schablone, Geodreieck, eine 0,5mm Bleistiftmine und (optional) kleiner Spiegel benötigt. Wer mag kann sich noch eine Waage für die Auflagekraft kaufen und nutzen.
      Einen guten Einstieg vermittelt diese Anleitung: https://www.acoustic-design-magazin.de/Lautsprecher-selber-bauen/Thema/plattenspielerjustage-fuer-nicht-raketenwissenschaftler/

      Es lohnt auf jeden Fall sich mit der mechanischen Abhängigkeit zwischen Tonarm und dem Tonabnehmer zu beschäftigen. Diese führt dazu, dass ein bestimmtes Modell eines Tonabnehmers besser zum vorhandenen Tonarm passt als ein anderes. Hier hilft im Zweifel ein wirklich guter Verkäufer mit Rat (der nicht direkt einen neuen Plattenspieler verkaufen möchte).

      Erst durch penible Justage liefert ein passender Tonabnehmer seine Höchstleistung. Nett ist, wenn man einen Händler oder Dienstleister hat, der ein Einmessprogramm für Tonabnehmer besitzt und auch die Justage beherrscht. Da lohnt sich die Ausgabe für das Einmessen für teurere Tonabnehmer.

      Als letztes noch ein paar Worte zur Aufstellung des Plattenspielers. Dieser sollte auf einer möglichst stabilen, schwingungsarmen und waagerechten Unterlage aufgestellt werden. Die Nähe zu WLAN-Routern (weniger als 1m) oder Repeatern sollte vermieden werden. Eine kleine Wasserwage hilft beim Ausrichten des Plattenspielers ungemein.

      Wenn Du dich weiter in die mechanischen wie elektrischen Feinheiten von Plattenspielern einarbeiten möchtest, dann schau in verschiedenen Foren nach. Jedoch sei gewarnt, in vielen Foren wird die Dichtkunst zur Wahrheit erhoben. Dies macht es in der Tat schwer eine zuverlässige und objektive Informationsquelle zu Plattenspielern nennen zu können.

      Wer jetzt noch den Komfort in Form von modernen Schnittstellen dennoch vermissen sollte, der kann einen Phono Vorverstärker mit eingebauten USB/Bluetooth erwerben. Aber eigentlich: wozu?

      Peter Gawrych aka Rincewind

      • #57116
        Sparky

        Moin Rincewind,

        Für den Einbau und Justage von Tonabnehmern gibt es viele Anleitungen im Internet. In der Regel wird eine Justage-Schablone, Geodreieck, eine 0,5mm Bleistiftmine und (optional) kleiner Spiegel benötigt. Wer mag kann sich noch eine Waage für die Auflagekraft kaufen und nutzen.
        Einen guten Einstieg vermittelt diese Anleitung:

        Nanü? Mir war ganz entfallen, bereits schon sowas getippt zu haben 🙂
        Nicht schlimm, dass passiert mir auch schon mal mit ganzen Maschinenprogrammen.
        Fertige Arbeit 😀

         

        Gruß,
        -Sparky

    • #58514
      SCI3NTIST

      Ich sage mal Danke für diesen Thread. Wie es der Zufall will, wünschte sich der Erstgeborene (dem ich mal die Mini ACL gebaut habe) einen Dreher, gerne „Vintage“, der Zweitgeborene nennt ihn gerne den Hipster ;-).

      Und so findet sich seit heute ein Thorens TD 146 MKII, (S/N 1282A) auf meinem Basteltisch, wobei es realistisch nicht viel zu basteln gibt. Ich würde behaupten an dem Teil wurde außer einem Wechsel des Abnehmers nichts gemacht, scheint mir alles Original zu sein. Sogar die zwei Gewichte waren noch dabei, wobei ich das erst zuhause rausgefunden habe, die steckten ineinander. Haube müsste mal aufgearbeitet werden, krieg ich wohl hin. Der Kurs war mehr als attraktiv, würde ich sagen.

      Da ich bei Plattenspielern nicht mehr auf dem Laufenden bin, vielleicht noch drei Fragen:

      Mir scheinen die Ortofon Tonabnehmer 2M Blue oder red in der verso Version zu passen, da scheint man M2 Schräubchen einsetzen zu können. Compliance ist mit 20 angegeben, ich habe (wo auch immer) gelesen, mindestens 19 sind erforderlich?

      Wenn ich die schrecklichen Kabel auswechseln möchte, muss ich da etwas beachten oder langt schnödes Kupfer in hübschem Sleeve mit anständigen Steckern?

      Grüsse

      Thomas

      • #58515
        Rincewind

        Hallo Thomas,

        herzlichen Glückwunsch zum Erwerb eines unverbastelten Thorens.

        In der Regel lohnt sich der Tausch des Antriebsriemens. Die alten Signal-Kabel kannst Du durch neue (und gerne auch Hübschere) ersetzen. Zu beachten ist die elektrische Kapazität des Kabels pro Meter, da ein MM-Tonabnehmer bestimmte elektrische Kapazität erwartet.

        Die Ortofon Verso sind für die Thorens-Headshells gedacht 😉

        Viel Spaß beim Basteln
        Rincewind

         

    • #58516
      Sparky

      N’Abend Thomas,

      Hipster sind mir ein Graus. Ich glaub, das ist meine Generation der Mitdreißiger? Oder gefühlt die nach mir. Aber Schallplatte macht Spaß 🙂

      Die Strippe zuerst: Guck mal >>hier<<
      Du kannst ein Löteisen halten und da selber RCA-Cinch-Stecker dran braten? Glückwunsch.
      Da kommt die Ausgleichsmasse (Tonarmerde) gleich inklusive.

      Weitere Recherche wird Dir zeigen, was das (mit der gleichen Strippe!) fertig kostet und ein weiteres Mal aufzeigen, wie viel Spaß Selbstbau machen kann 😉

      Das unter Garantie – Was den TA angeht, ist es schwerer….
      Die Compliance sagt aus, wie nachgiebig die Nadel (der Nadelträger) ist und das sollte einigermaßen zum System (Tonarmgewicht) passen, alles andere ist Geschmacksache….

      Die Farben beim Ortophon 2M sagen etwas über den Schliff und Generator aus.
      In Reihenfolge aufsteigender Qualität:

      Red: Runder Schliff / Generator aus Cu
      Blue: Elliptischer Schliff / Generator aus Cu
      Bronze: FineLine Schliff / Generator aus Cu-Ag
      Black: Shibata Schliff / Generator aus Cu-Ag

      Die Nadelträger Red/Blue und Bronze/Black sind am jeweiligen Generator tauschbar,
      sprich, man kann von Red auf Blue und Bronze auf Black aufsteigen.

      Ich hatte mal ein Bronze, war mir zu grell, hab ich verkauft.
      Bin persönlich bei Goldring hängen geblieben…
      Der Preis sagt gar nix aus über nen TA, da am besten mal „schnuppern“, das ist wie ein Gewürz, was die Suppe abschmeckt. Da scheiden sich die Geister….

      Was die 2M Reihe angeht, kann man sagen, nach „oben“ steigt die Auflösung, sprich von Stufe zu Stufe kann durch den Nadelschliff und Generator mehr „Information“ aus der Rille gekratzt werden.
      Unterschiedliche Hersteller liefern durch unterschiedliche Compliance & Co unterschiedliche Tonalität.
      Was das „sprichwörtliche“ Herauskratzen angeht: Ein Shibata Schliff, sollte es jemals das „obere“ Regal werden (ich lass da die Finger von) muss sauber justiert werden, ansonsten wird die Rillenfräse zur Rillenfräse 😉 Mir reicht elliptisch und FineLine vollkommen aus…

      Gruß,
      -Sparky

       

    • #58518
      SCI3NTIST

      Der Hipster wird erst 20 …

      Schickes Kabel, gefällt mir! Und löten ist mein geringstes Problem, in einem anderen Hobby löte ich auch SMD LED an 0,05 mm Kupferlackdraht, um dieses Konstrukt in eine Loklaterne im Massstab 1:87 zu implantieren.  Auch wenn meine Frau was von zu dicken Daumen und zu schlechten Augen angesichts des „Leuchtstaubes“ faselt. Und ich meine mich zu erinnern, dass hier auch ein Beitrag zum Löten an Cinch Stecker zu finden war. Mal schauen.

      Tonabnehmer: habe befürchtet, dass das ein weites Feld wird, ich denke ich werde zu Start was „Mittleres“ einbauen & dem Jungen zeige, wie man das macht. Dann kann er experimentieren, sind schließlich seine Ohren und seine Musik.

      Danke Dir,

      Thomas

       

       

      • #58519
        Sparky

        Moin Thomas,

        zur Krux mit dem TA: Da gehe ich soweit, wenn jemand sagt, ich hab da so nen Dreher XY (irgend was von der Stange) und möchte mal reinhören, hab aber gar keine Ahnung, geht auch ein AudioTechnica VM-95-E. Ist ein Einsteiger-System, was aber bereits „Brauchbar“ ist. „Audiophile“ Bückware, aber OK.

        Heute ist die Realität leider anders, sagen wir mal, du bekommst nen, Dual 741Q, da kann man mittlerweile „passende“ TA für über 300-400 Eus dran schrauben. Geisteskrank, irgendwie…

        Soll heißen, der Dreher ist hier nicht der limitierende Faktor.

        Wenn Du für Deinen Filou nach nem guten „Spaß“ System guckst, ziehe evtl. neben Ortophon ein Nagaoka MP110 in Betracht…. Mit 20 wird er ja jetzt nicht ausschließlich irgendwelche Ouvertüren bis zur letzten Triangel hören wollen, das MP110 empfinde ich als gutmütig in der Richtung – aber am Besten zu irgend nem Händler und mal live hören, von persönlichen Eindrücken kann ich hier schließlich rum Schwurbeln bis ich einnicke… (was ich jetzt auch tue) aber dies mal zu allen möglichen TAs (die gibt es wie Sand am Meer gefühlt 😉 )

        Gruß,
        -Sparky

    • #58520
      Vadder
      Verwalter

      Moin Thomas,

      zu Start was „Mittleres“

      ruf einfach mal bei Thakker in Bottrop an.
      Da wird man dir was passendes empfehlen. Der Tonarm am TD146 ist da ein wenig pingelig.
      Passende Riemen haben die auch. Und momentan die 2M Verso mit beschädigter Umverpackung im Angebot.
      Ein Riemenwechsel ist angesagt, wenn der Dreher deutlich mehr als 10 Sekunden braucht, um auf die 33 1/3 zu kommen.

      Ich würde zum Anfang ein Ortofon OM10 nehmen. Die lassen sich am TP63 ohne Schablone exakt ausrichten.
      Wenn du das nimmst, sage/schreibe ich dir wie es geht.

      Viele Grüße vom Vadder

    • #58565
      SCI3NTIST

      Um das abzuschließen; Vadders Rat befolgt und Thakker kontaktiert. Die Aussagen bei telefonischer Beratung waren mehr oder weniger deckungsgleich zu dem was hier berichtet wurde. Am besten bei Ortofon bleiben, für meinen Anwendungsfall die OM super Reihe oder die Vinylmaster (hier white). OM10 kann manchmal etwas zickig werden, wenn die Abschlusskapazität nicht passt, die super Reihe ist das etwas gutmütiger an den üblicherweise verbauten Phono Pre. Hab mich dann letztlich für das OM super 5e System entschieden. Einbau sollte kein Problem sein, die Thorens Lehre hat sich auch in meinen Besitz verlaufen.

      Bin gespannt: habe den Gerät bisher nur mit dem alten TA in Betrieb genommen, eine alte Hendrix Scheibe einer Arbeitskollegin aufgelegt und festgestellt: das ist nichts. Klang wie „Fingernägel auf der Tafel“, was die Höhen angeht. Bin ich also schon mitten im Experimentieren …. Ich glaube so muss das …

      Grüsse

      Thomas

      • #58718
        Karl-Heinz Stock

        Moin.

        Die Probleme sind mir wohlbekannt, Plattenspielererfahrung seit 1969.

        Die persönliche Lösung für mich war recht einfach, als ich erkannte, dass der limitierende Faktor überwiegend die verbauten Phonopres sind. Die sind meist auf technisch geringerem Level als die Tonabnehmer und oft nicht einstellbar. Die Einstellung Induktivitäten und Kapazitäten im Phonopre ist aber essentiell für die Qualität der Wiedergabe.

        Die Signale, die der Tonabnehmer produziert sind sehr gering, wenn die Vorverstärkung nicht sehr präzise ist, kommt halt am Verstärker viel elektronischer Müll an. Genussfaktor -63. +- a Bisserl. Eine gute Abhandlung findest Du hier. https://hifi.de/feature/technik-erklaert-phono-vorverstaerker-56652

        Nach meinen Erfahrungen ist es sinnvoller, etwas mehr Geld für die externe Phonobox auszugeben, als bei den Systemen aufzurüsten. Die Phonopres von Project sind sehr brauchbar, ich fahre seit einiger Zeit den „Aikido“ von H.-U. Otto, ein Nischenprodukt und Geheimtipp, in Japan und den USA systemisch in der High-End-Szene fest verankert.

        Sinn macht es auch, einen Tonabnehmer zu kaufen, der aufrüstbar ist, wie z. B. die die VM95-Serie von Audio-Technica, die man vom einfachen Standardsystem vür 39 Euro bis zur Microlinear- und Shibata-Version durch Nadeleinschub aufrüsten kann. Mehr braucht kein Mensch.

        Wir haben das gerade am Samstag wieder gehört, Phonepre und AT-Shibata drückt jeden noch so guten Hires-File locker in die Tonne.

        Aber alles nur meine Meinung.

         

        • #58721
          SCI3NTIST

          In der Kürze: aus ähnlichen Gründen (aber nicht nur) hat sich eine Phonobox mit Einstellmöglichkeiten für Gain und Kapazität von Pro-Ject in meinen Besitz verlaufen. Die musste aber ohnehin her, da der kleine Amp des Nachwuchses eigentlich auf Streaming ausgelegt war und nur einen normalen Line Eingang hat.

          Grüsse

          Thomas

        • #58724
          Rincewind

          Auch bei mir werkelt der Aikido-PhonoPre allerdings mit Akku-Antrieb.

          Messtechnisch ist die Platine von H.-U. Otto, ok. Allerdings sollte man an den Aikido keine „lauten“ Tonabnehmer anschließen. Am besten geht alles im Bereich 2 bis 3 mV Ausgangsspannung. Wenn der Tonabnehmer lauter ist, dann verschlechtern sich die angegebene Messwerte. Ob das nun mit dem Ohr wahrnehmbar ist….

          Einzig die angegebene Eingangskapazität stimmt mit der Gemessenen nicht überein. Mein Exemplar hat statt angegebenen 47pF satte 200pF zu bieten. Ist nicht tragisch, die meisten TAs vertragen das ohne sich zu beklagen.

          Dennoch ist der Aikido PhonoPre gut und bekommt auch von mir eine Empfehlung.

          Es gibt auch preiswerte Alternativen. Beispielsweise diese hier:

          https://old-fidelity-forum.de/thread-30839-post-1115734.html

          Grüße

          Rincewind

        • #58725
          Sparky

          Bei mir werkelt seit einer Weile eine Selbstbratschaltung aus der Bucht namens „Class A Ultra Low Noise RIAA – MC – MM Zwei Stufen IEC Entzerrer 79 db“ nebst passendem symmetrischen Netzteil. Zuvor hatte ich ein Teil von Oehlbach mit ebenfalls „Ultra“ im Namen. Warum heute alles, was brauchbar klingt, gleich ein „Ultra-Mega-Hyper-XXX“ im Namen tragen muss, erschließt sich mir nicht. Mag an den sprachlichen Einflüssen eines Modern Talking Machers liegen, zu Zeiten meiner (alten) Lehrmeister nannte man es „solider Schaltungsaufbau“. Ob diskret oder per Operationsverstärker: Verzerrungsarm sollte es sein, gerade bei MC, deren Ausgangsspannung geht schon Richtung Nervenströme. Phono-Vorverstärker, die da ordentlich aus (ganz-ganz) leise (und verzerrt) laut machen, sind schon was Feines. Der beste Phono-VV „heilt“ zwar keine abgewetzte Nadel, der schlechteste lässt aber die teuerste vermutlich klingen wie ein Dosentelephon 😀

           

          Gruß,
          -Sparky

           

        • #58740
          HortusNanum

          Einzig die angegebene Eingangskapazität stimmt mit der Gemessenen nicht überein. Mein Exemplar hat statt angegebenen 47pF satte 200pF zu bieten. Ist nicht tragisch, die meisten TAs vertragen das ohne sich zu beklagen.

          Herr Otto gibt (wie ich vermute branchenüblich) die Kapazität des Eingangskondensators an. Der hat beim Otto-Aikido serienmäßig 47pF, kann aber auf Wunsch auch andere Werte bekommen. Nachfolgende Bauteile addieren ihre Kapazität dann, so dass man natürlich etwas anderes herausbekommt, wenn man das Kapazitätsmessgerät an den Eingang hält. Ich bin jetzt nicht der Verstärkerelektronikguru vor dem Herrn, vermute aber dass das normal ist.

          Ich habe mir an meinen Aikido einen Drehschalter gebaut, mit dem ich in 6 Stufen Eingangskapazitäten zwischen 10pF und 330pF umschalten kann. Mein AT-150MLX ist als Kapazitätszicke verschrien, fühlt sich aber an den 47pF pudelwohl. Warum dann der Umschalter? Weil ich kann und haben besser ist als brauchen! 🙂
          Da ich gerne selber bastel, habe ich bein Herrn Otto die DiY-Variante des Aikido gekauft und mir Netzteil, Gehäuse und oben genannten Umschalter selber gebaut. Fotos kann ich bei Interesse nachreichen. Der Aikido ist ein hörbarer Qualitätsgewinn gegenüber dem eingebauten Phono-Eingang meines Denon-Verstärkers aus den frühen 90ern. Was der teure Tonabnehmer kann, ahne ich erst seitdem. Daher kann ich in den allgemeinen Lobgesang nur einstimmen.

          Viele Grüße,
          Roland

    • #58566
      Vadder
      Verwalter

      Moin,

      Abschlusskapazität

      in dem Zusammenhang: Hast du die Strippe schon gewechselt?
      Falls nein nur so als Hinweis: Die originale von Thorens hat 180 pF.

      Gruß vom Vadder

      • #58743
        Karl-Heinz Stock

        Hallo, Roland.

        Ich fahre zufälligerweise das gleiche System, alternativ das VM95 mit Shibata. An beiden Systemen funktioniert das Aikido, fertig montiert, da ich mit so kleinen Fuzzelteilen nichts anfangen kann, völlig problemlos, ich messe das auch nicht nach, sondern vergleiche direkt mit Hires-File und CD. Da ist die Platte immer überlegen, was auf die einwandreie Funktion des Gerätes schließen lässt.

        Als Backup steht nebenan die Phonobox S2 Ultra von Pro-ject. Die hinkt ein klein wenig nach, obwohl sie auch schon mächtig gut ist. Die eingebauten Vorverstärker kann man überwiegen vergessen, ich kenne keine, die an die externen Kistchen herankommt.

         

        KH

        • #58779
          Sparky

          Guten Abend,

          bei aktuellen Vor- oder Vollverstärkern wird die Phonosektion, sofern überhaupt vorhanden,
          meist nur sehr stiefmütterlich behandelt. Man hat den Eindruck, das ist wie mit VGA-Anschlüssen am PC, braucht keiner mehr. Da muss man schon sehr hoch in’s Regal greifen oder sich ein gut revidiertes Alteisen besorgen aus der Zeit, wo Platte noch normaler Alltag war.

          Die externen Kästchen machen da schon viel richtig, weil die sich ja nur auf die RIAA-Entzerrung und Verstärkung konzentrieren müssen.

          Was ich festgestellt habe (meine subjektive Meinung), dass die diskret aufgebauten Teile wie der Aikido oder andere noch eine Nuance „schöner“ klingen als die mit Operationsverstärkern. Man möchte ja eigentlich meinen, dass ein Operationsverstärker seinen Dienst besser verrichten sollte als mehrere einzelne, toleranzbehaftete, Transistoren.
          Aber vielleicht ist gerade diese winzige Imperfektion das Salz in der Suppe, weil sie besser zur „Imperfektion“ des Plattenspielers passt.  Man hat da ein System mit vielen mechanischen und elektrischen Einflüssen vor sich, da muss man am Ende keine „Highend-Chips“ dran hängen, die das 5 Nachkommastellen genau aufdröseln, selbst mit Röhren gingen schon wohlklingende Phonovorstufen. Aber wie gesagt, das ist nur mein Eindruck, weshalb der schon sehr gute Phono-Pre mit XXL im Namen einer selbst gelöteten diskreten Platine wich.

          Generell: Mit einem externen Phono Vorverstärker macht man schon mal nichts falsch,
          wenn der nicht gerade für nen 10er auf dem Grabbeltisch im Doofmarkt liegt.

           

          Gruß,
          -Sparky

           

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