Zurück zu Verstärker und Co

Good-Old-Turntable oder die gelebte Nachhaltigkeit

Startseite Foren Verstärker und Co Good-Old-Turntable oder die gelebte Nachhaltigkeit

  • Dieses Thema hat 13 Antworten und 5 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 1 Woche, 1 Tag von Sparky.
Ansicht von 5 Antwort-Themen
  • Autor
    Beiträge
    • #56782
      Rincewind

      Die Schallplatte hat wieder an Bedeutung gewonnen. Sei es durch die Haptik oder durch das Erlebnis eines entschleunigten Hörens im Gegensatz zum stets verfügbaren Streamings. Es gibt mittlerweile so viele NEUE Schallplatten, dass der Record Store Day im Jahr 2021 auf ZWEI Tage aufgeteilt wurde 12 Juni und 17 Juli).
      Passenderweise braucht man zum Abspielen von Vinyl-Tonträgern einen Plattenspieler, der in der Lage ist, aus den Kerben in der Rille wieder Wechselspannung zu erzeugen (vulgo Musik).
      Die Industrie bietet heute wieder günstige Plattenspieler an, auch in Preisbereichen unterhalb der 100€. Sogar mit Bluetooth und/oder USB Anschluss. Doch die verkaufte Technik muss wie immer dem Kaufmann, der über die Marge wacht, genügen. Somit wird an Stellen gespart, die auch klanggebend sind, jedoch nicht sofort auffallen. Der Kunde von heute zieht meistens die Bequemlichkeit dem Klang vor. Also werden die Tonabnehmer fest mit dem Tonarm verbunden, die Entkopplung des Tonarms von Schwingungen ist unzureichend usw. Der Trend der preiswerten Kisten ist: Produziert für die Müllhalde.
      Wenn Du bereit bist mit etwas weniger Bequemlichkeit auszukommen, dafür jedoch einem guten Klang entlohnt zu werden, ist der Blick auf die Vintage Plattenspieler ganz richtig. Oft wurden die Geräte damals quasi für die Ewigkeit gebaut. Auch die Einstiegsgeräte aus den 80ern bis zum Anfang der 90er der japanischen Hersteller boten viel Klang für wenig Geld. Die rasant günstiger werdenden CD Spieler und CDs zwangen die Hersteller dazu, um weiterhin Plattenspieler verkaufen zu können.
      Heute erzielen begehrte Vintage-Plattenspieler Verkaufspreise, die einer Wertanlage gleichen. Vielleicht hat der Opa oder Vater oder man selbst so ein Kleinod auf dem Dachboden oder Keller aufgehoben 😉
      Der Artikel ist nur eine kleine Einführung, dennoch durch die aufgeführten Beispiele sehr lang. Wenn Dich nur die allgemeinen Hinweise interessieren, kannst Du bis zum letzten Abschnitt „Allgemeines zum Erwerb von Good-Old-Plattenspielern“ scrollen. Für die Details wirst Du die Beispiele lesen müssen.
      In diesem Artikel gehe ich nur auf die „Einsteiger“ bis „nahezu Bluesklasse“ Geräte ein. Anhand von zwei häufig verfügbaren Geräten und einem etwas selteneren Exemplar, zeige ich Dir wie mit wenigen bis mittleren Aufwand für die Aufarbeitung, ein Vintage-Gerät wieder in Top-Zustand kommt. Damit kann Dich ein gut aufgearbeitetes Gerät mit seinem Klang in den Bann der Vinylscheiben ziehen.
      Wenn Du dich mehr über die Plattenspieler-Technik und „Glaubensrichtungen“ informieren möchtest, dann ist ein deep dive in diverse Foren, Seiten unerlässlich. Dennoch bleibe bei klarem Verstand und halte die eigene Logik wie Physik lebendig im Kopf. Der Grat zwischen „sinnvollen Tuning“ und „HiFi-Esoterik“ kann sehr schmal sein.
      Die Beispiel-Geräte:
      • Die Mona-Klasse: Der Technics SL-BD3 Plattenspieler
      • Der Aufsteiger: Thorens TD 146
      • Die nahezu Blues-Klasse: Luxman PD 289

      Fortsetzung des Artikels im nächsten Beitrag.

      Grüße
      Rincewind

      P.S.
      Da es bei Plattenspielern sich nur um ein Randthema von Boxenbau handelt, ist daher dieser “Fortsetzungsartikel” entstanden. 😉

    • #56792
      Rincewind

      Der Technics SL-BD3 Plattenspieler wurde von ca. 1984 bis etwa 1997 unverändert in Großserie gebaut. Für den damaligen Verkaufspreis um die 400 DM gab es Vollautomatik: Schallplatte auflegen, Gerät einschalten und auf Start drücken – den Rest macht das Gerät. Hinzu kam einfachste Einrichtung dank dem standardisierten Tonabnehmer (Technics T4P). Für den überschaubaren Preis gab es recht viel Klang. Sogar so viel, dass man den Plattenspieler mit einem Trick einbremsen musste: der serienmäßige Tonabnehmer hat nur eine grob auflösende Nadel…
      Die Plattenspieler gibt es heute (März 2021) für ab ca. 60 Euro Verhandlungsbasis in Kleinanzeigen zu erwerben. Der Preis richtet sich wie immer nach dem Zustand des Gerätes.
      Was sollte beim Abholen überprüft werden:

      1. Haube auf Risse und Beschädigungen überprüfen
      2. Blick auf den Tonarm: keine Risse oder Beschädigungen
      3. Test der Tonarmabsenkung: Der Tonarm sollte gedämpft (langsam) auf die Schallplatte aufsetzen. Wenn die Nadel beim Aufsetzen sich „durchbiegt“ ist die Dämpfung zu reparieren.
      4. Gummimatte auf dem Plattenteller hochheben: Gummiriemen sollte noch gespannt sein. Dennoch ein neuer ist meistens die bessere Wahl.
      5. Plattenteller hochheben, Gummiriemen abmachen, ans Netz anschließen und den Plattenspieler einschalten: Das kleine Pulley auf dem das Gummiband darf nicht eiern während es sich dreht – sollte es dennoch tun, Plattenspieler stehen lassen. Das ist ein Totalschaden.
      6. Die Gummifüße auf Risse überprüfen (sind die Füße mit Rissen übersäht oder löst sich das Gummi auf – dann lieber liegen lassen.) – Vorsicht: Wenn man den Plattenspieler umdreht muss der Tonarm fixiert sein und der Plattenteller neben dem Plattenspieler liegen.

      Wenn nach der Prüfung eine für beide Seiten zufriedenstellende Abmachung getroffen worden ist, kann man das gute Stück mitnehmen.
      Wichtiger Hinweis: Plattenteller für den Transport abnehmen.

      Technics_1_Dreckig_ADW.jpg

      Ich habe mir angewöhnt bei den alten Geräten zunächst eine gründliche Reinigung vorzunehmen. Zum einen ist „Nichtraucher-Haushalt“ des Verkäufers nicht mit „nikotinfreies Gerät“ gleichzusetzen, zum anderen ist es die Gelegenheit auch die Details des Geräts zu überprüfen.
      Mein Exemplar stand sein Leben lang im Wohnzimmer, daher war außer ein wenig Allzweckreiniger-Wasser und Kunststoff-Reiniger für die Haube nicht viel zu tun. Die Tellermatte wurde in Spüli-Wasser gebadet und der Plattenteller-Rand eine kleine Abreibung mit verdünntem Edelstahlreiniger auf einem Lappen. Ein wenig Aufmerksamkeit erhielt auch das Pulley (das gelbe Metallteil in roten Kreis) und der Teller, wo das Gummi aufliegt. Das wurde mit in Isopropyl-Alkohol getränkten Wattestäbchen vom Abrieb befreit.

      Technics_2_Pullay_ADW.jpg

      Schnell noch nach den Füßen schauen, denn diese sind wichtig für die Schwingungsdämmung. Ohne funktionierende Schwingungsdämmung, kein sauberer Bass – denn die Füße nehmen die Vibrationen auf und entkoppeln den Plattenspieler von der Unterlage. Falls die Geräte-Füßchen Risse haben oder sich sonst Auflösen – das Gerät stehen lassen, denn neue, funktionierende Füße sind teuer.

      Technics_3_Fuss_ADW.jpg

      Ich habe bei meinem Gerät Glück, alles in Ordnung mit den Füßen.
      Dann Plattenspieler wieder auf die Füße stellen und neuen Riemen einsetzen.

      Technics_4_RiemenAufsetzen_ADW.jpg

      Das Einsetzen geht einfach, wenn man die Reihenfolge beachtet: Zunächst wird das Gummi unterm Plattenteller aufgezogen, dann Plattenteller eingesetzt. Jetzt durch das Loch im Plattenteller greifen und den Gummiriemen über das Pulley ziehen.
      Ob man dem Gerät neuen Tonabnehmer oder eine gute neue Nadel spendiert ist mehr eine Frage der Philosophie. Für Nachhaltigkeit spricht der Einsatz einer neuen Nadel. Diese gibt es ab ca. 30€ (Stand März 2021) zu kaufen. Ich habe mich für ein leichtes Upgrade entschieden und eine gute elliptische statt runde Nadel gekauft. Aus den technischen Daten von Technics kann man ableiten, dass für die gesamte Tonabnehmer-Reihe EPC-P der gleiche Korpus verwendet wurde. Die höherwertigen Modelle bekamen eine bessere Nadel. Möglicherweise wurden die höherwertigen Modelle noch selektiert (ist jedoch nur eine Spekulation von mir). Auf jeden Fall gibt es für diesen Tonabnehmer auch heute noch exzellente Ersatznadel mit sehr guten Schliff zu kaufen.
      Ein kurzer Einschub zum Nadelwechsel beim Technics mit T4P Tonabnehmer. Die Nadel wie auch der gesamte Tonabnehmer wurden durchdefiniert. So ist es darauf zu achten, dass die Ersatznadel +/- 0.25g das gleiche Gewicht hat wie die alte, original Nadel von Technics. Wenn die Abweichung zu groß ist, dann stimmt die Auflagekraft nicht mehr. Die Folge ist: Töne fehlen.

      Technics_5_OriginalNadel_ADW.jpg
      Technics_6_NachbaulNadel_ADW.jpg

      Der Trick von damals war, dass das Typen-Schild auf der originalen Nadel das passende Gewicht aufwies. Also das Typenschild abmachen und auf der Ersatznadel befestigen.

      Technics_7_NachbaulNadel_Typenschild_ADW.jpg

      Erste Probe nach der Auffrischung führe ich mit einer Allerwelts-Schallplatte durch. Sollte doch etwas nicht ganz geklappt haben, ist die Schallplatte im schlimmsten Fall um einen Kratzer reicher…

      Technics_8_Fertig_ADW.jpg

      Fazit: Ein paar Abstriche wie z.B. ein leicht hörbarer Motor oder das laute Klacken der Mechanik muss man Hinnehmen. Auch die maximal erzielbare Klangqualität ist begrenzt. Dennoch der Technics SL-BD 3 ist ein gutes Gerät, das ordentliche Töne produziert und viel Spaß aus der Rille zaubern kann.

      Fortsetzung folgt

    • #56810
      Kaditzjaner

      Klasse Projekt. Danke Dir für den Einsatz und erwarte gespannt den nächsten Teil.

      VG

    • #56809
      Rincewind

      Der Thorens TD 146 – ist sozusagen die Golfklasse der Plattenspieler in den 1980ern in Deutschland. Von den Serien TD 14x und 16x wurden mehrere hunderttausend Geräte verkauft. Die Firma Thorens baute über die Jahre verschiedene Varianten der Modellreihen. Einer der wichtigsten Unterschiede ist der verbaute Tonarm. Eine sehr gute Übersicht der Geräte-Varianten ist im Internet zu finden.
      Es ist also ziemlich wahrscheinlich ein gut erhaltenes Exemplar zu finden. Die Preise für ein gut erhaltenes Exemplar (März 2021) beginnen in den Kleinanzeigen bei ca. 180 Euro Verhandlungsbasis.
      Der TD 146 ist ein Halbautomat – das Gerät verfügt über eine Endabschaltung, damit die Nadel nicht für die Nacht oder länger in der Auslaufrille gefangen ist. Die zweite Besonderheit des Aufbaus ist das auf Federn gelagerte Subchassis. Die Geräte der TD 14x und 16x waren und sind ein beliebtes Opfer diverser „Verbesserungsmaßnahmen“.

      Was sollte beim Abholen überprüft werden:

      1. Haube auf Risse und Beschädigungen überprüfen
      2. Blick auf den Tonarm: keine Risse oder Beschädigungen (auch an er Tonarmbasis)
      3. Test der Tonarmabsenkung: Der Tonarm sollte gedämpft (langsam) auf die Schallplatte aufsetzen
      4. Blick von der Seite: Ist der Plattenteller immer im gleichen Abstand vom Chassis?
      5. Plattenteller hochheben: Gummiriemen sollte noch gespannt sein. Dennoch ein neuer ist meistens die bessere Wahl.
      6. Plattenteller hochheben, Gummiriemen abmachen, Netzteil anschließen und den Plattenspieler einschalten: Das kleine Pulley auf dem das Gummiband darf nicht eiern während es sich dreht – sollte es dennoch tun, Plattenspieler stehen lassen. Das ist ein Totalschaden.
      7. Wichtig: Sind BEIDE Antiskating Gewichte dabei? (entfällt bei Tonarmen mit magnetischer Antiskating Einstellung)
      8. Optimalerweise ist auch das Original-Netzteil dabei
      9. Auch weiteres Zubehör könnte da sein: kleiner Spiegel, eine Art Plastik-Halter zum Einbau neuer Tonabnehmer

      Wenn nach der Prüfung eine für beide Seiten zufriedenstellende Abmachung getroffen worden ist, kann man das gute Stück mitnehmen.
      Wichtiger Hinweis: Für den Transport den Plattenteller samt Subteller und das Gegengewicht am Tonarm abnehmen. Ebenfalls muss das Subchassis mittels Schrauben auf der Unterseite für den Transport fixiert werden.
      Thorens TD 146
      Als erstes verdient das Gerät eine gründliche Reinigung. Für die Haube ist ein Kunststoff-Reiniger und ein fuselfreier, weicher, nicht kratzender Lappen empfehlenswert. Die Haube kann abgenommen werden (die Scharniere lassen das ohne Schraubendreher-Einsatz zu). Dann lässt sich die Haube einfacher auch von Innen reinigen.
      Als nächstes kommen die Oberflächen dran: hier reicht in der Regel eine Allzweckreiniger-Wasser-Lösung. Vorteil gegenüber Spüli-Lösung: Es schäumt weniger.
      Etwas Besonderes ist der Rand des Plattentellers. Er ist eigentlich seidenmatt gebürstet. Mit dem Einsatz von z.B. Polierwachs und Schwabbelscheibe lässt er sich spiegelnd polieren. Nachteil dieser Lösung: jeder Fingerabdruck ist bestens zu bestaunen. Daher habe ich mit Edelstahlreiniger wie für Spülbecken den Rand mit einem Lappen geschrubbt.
      Pullay
      Als nächstes kann man sich der Lagerbuchse vom Subteller widmen. Hier kann man in diversen Foren und Communities wunderschöne Berichte lesen: von wie Reinigen (Wattestäbchen ja/nein) bis zum Schmieröl (von Olivenöl, bis zum Joel’s super special Oil ist alles vertreten). Also ich habe Wattestäbchen und Papier-Taschentuch genommen. Nach der Reinigung habe ich die Achse des Subtellers mit Nähmaschinenöl beträuftelt (wirklich nur paar Tropfen). Die Achse wird in die Lagebuchse eingesetzt. Der Subteller wie ein Kreisel in Drehung versetzt. Wenn alles richtig war, sinkt der Subteller langsam in der Lagerbuchse ein. Ansonsten kann man das Ölen wiederholen. Einzige Einschränkung beim Öl ist, dass es für Buntmetalle zugelassen ist (die Lagerbuchse ist aus gesinterten Messing – so die Legende).
      Wenn der Subteller sitzt, kann der trockene Plattenteller drauf gelegt werden. Nun gilt es den Abstand zwischen dem Plattenteller und Chassis zu überprüfen. Der Abstand sollte 7 bis 9 mm betragen und natürlich immer gleich sein. Zur Überprüfung des Tellerabstands ist der Tonarm aus seiner Klemmung zu befreien. Wichtig: VOR der Überprüfung!
      Teller Ausrichten
      Sollte der Abstand deutlich Variieren, also mehr als 2 – 3 mm, dann hilft nichts, es sind die Subchassis-Federn neu zu justieren (siehe auf dem Bild des Innenlebens von TD 146 – da sind die „justier“ Schraubmuttern rot eingekreist). Dazu den Plattenspieler ohne Boden auf zwei Höcker waagerecht aufstellen. Für die Justierung hat sich ein Stück Plastik oder Holz mit einer Höhe von 7-9 mm als sehr hilfreich erwiesen. Einfach immer wieder in den Spalt schieben bis die Justierung der federn überall gleiche Höhe schafft. Für die Justage sollte man sich in Geduld üben. Erstens sind die Federn in einem ungleichmäßigen Dreieck verteilt. Zweitens ist der Schwerpunkt des Dreiecks in der Buchse. Immer nur wenig an der Federspannung verändern indem nur eine oder halbe Umdrehung an der Schraubenmutter durchgeführt wird.
      Thorens Innen
      Der TD 146 verleitet zum „Verbasteln“. Eine schöne Zarge bringt optisch eine Aufwertung (WAF?). Ich habe mich für neue Audio-Kabel entschieden als „Verbesserung“. Durch die Verwendung von guten Kabeln kenne ich deren elektrische Eigenschaften. Für einen Moving Magnet Tonabnehmer ist die elektrische Kapazität der Leitung von entscheidender Bedeutung. Ein Gewebeschlauch über die Kabel sorgt für mehr „HiFi-Touch“ und auch das Erdungskabel lässt sich diskreter unterbringen.
      Erdung
      Unter Bastelei fällt das Spiel mit der Bodenplatte und den Füßchen. Die standardmäßig verbaute Bodenplatte aus Pressstaub in billiger Ausführung mag genügen, doch ein Bastler kann sich besseres Vorstellen. In Internet-Communities werden MPX-Brettchen mit eingefrästen Muster als DER Ersatz hochgelobt. Ich kann zum Glück auf die Hilfe eines guten Freundes zählen, der eine CNC Fräse hat. So bekam ich das schöne Stück MPX mit den entsprechenden Fräsungen. Hätte ich auch die Löcher korrekt bemessen, wäre mir der anschließende Einsatz eines Dremels erspart geblieben…
      Boden Dremel
      Boden Fertig
      Als letztes kamen professionelle Gummifüßchen drunter. Über den Sinn und Unsinn der Maßnahme kann man sich vorzüglich Unterhalten, Fachsimpeln oder einfach Streiten. Fakt ist, dass alle Bastelmaßnahmen das Verhalten der Mechanik des Plattenspielers bei Schwingungen beeinflussen. Ob sich jedoch am Ende jedoch sich ein „Besser“ einstellt, bleibt für objektive Betrachter unklar. Die Aufzeichnung des Ausschwingverhaltens offenbart auf jeden Fall Unterschiede. Und beim „wissenschaftlichen“ Messen hatte Junior (mein Sohn) als „Impulsgeber“ helfen können. Meine Masse war auf jeden Fall zu viel sämtliche Dämpfer und schwingenden Elemente…
      Schwingungen
      Der Thorens TD 146 verdient einen guten Tonabnehmer. Meine Wahl fiel auf die Ortofon Vinyl Master Serie.
      Mit Hilfe einer „Thorens Lehre“ (Danke an Vadder für diese!!) lässt sich der Tonabnehmer gut ohne größeren Aufwand justieren. Dann nur noch die Auflagekraft einstellen und genussvoll hören.
      Thorens Lehre
      Thorens Fertig
      Fazit: Der Thorens TD 146 ist ein großartiger Dreher. Mit einem guten Tonabnehmer und sorgfältiger Justierung sowohl des Subchassis wie auch des Tonabnehmers kann der alte Plattenspieler heute noch Überzeugen. Die Kiste spielt locker in der heutigen 1.000 plus X Euro Klasse mit.

    • #56815
      Vadder
      Verwalter

      Moin,

      ein paar kleine Ergänzungen:
      Der TD 146  wurde 1983 bis 1999 in vier Versionen gebaut. Bei mir steht einer aus der frühen Phase seit seinem Erscheinen und war zwischen durch 30 Jahre eingemottet.

      Sintermetalllager:
      Wer ein scharfes Auge hat, kann mit einer Taschenlampe in das Loch spinxen.
      Grau = Eisensinter, gelblich = Messingsinter.
      Vorsicht beim Ölkauf. Im Internet wird spezielles Öl für Thorens angeboten. Das ist aber leider meistens Sinterlageröl für Fernschreiber mit Eisenlagern und zerfrisst die Messinglager! Oldtimerfans können aber gerne niedrig legiertes SAE 20W50 nehmen.

      Cinchkabel:
      Im Werkszustand ist ein kleines Fähnchen mit den elektrischen Werten am Kabel. Und die sind absolut ok. Die oxidationsanfälligen Stecker sind aber verbesserungswürdig.

      Tonabnehmer:
      Sowohl an Rincewinds wie an meinem TD 146 ist der Tonarm TP 11 Mk III montiert. Der hat 7,5 gr effektive Masse und will ein “weiches” System haben. Leider werden die langsam knapp.
      Ortofon baut die passenden Serien Vinyl Master und OM / Super OM meines Wissens nicht mehr. Restposten sind im Web aber noch erhältlich.

      Pulley:
      Achtung! Es gibt ein 60 hz – Pulley zum Nachrüsten. Das ist die einzige von Thorens vorgesehen Möglichkeit, den Dreher mit eben dieser Netzfrequenz laufen zu lassen. Wenn die Kiste wie meiner Jahrzehnte eingelagert war, ist noch die 50 hz – Variante montiert und alles gut.

      Zubehör:
      Thorens hat zu jedem TD 146 den erwähnten Spiegel, die Justierlehre so wie Unterlegplättchen zur Höhenjustage des Systems mitgeliefert. Bis auf den Spiegel sind Ersatzbeschaffungen recht kostspielig. Z.B für die Plättchen mit passendem antimagnetischen Schraubensatz ab 45 € aufwärts.

      Preis:
      Der Dreher hat mich damals mit einem (unpassenden Shure-) System 800 DM gekostet.

      Gruß vom Vadder

      ps @ Rincewind
      Wenn der Plattenteller mal nach poliert werden muss, macht das meine 4,8 kW-Poliermaschine ziemlich flink. 🙂

      • #56820
        HortusNanum

        Hallo Vadder,

        was tut denn die gefräste Schnecke im Bodenbrett?

        Viele Grüße,
        Roland

        • #56821
          Vadder
          Verwalter

          Moin,

          die Schnecke beruhigt sicher das Gewissen und eventuell die Zarge. 🙂

          Gruß vom Vadder

        • #56823
          Sparky

          Mahlzeit,

          da Plattenspieler mechanische Systeme sind, reagieren sie auf Einflüsse durch Vibrationen und im schlimmsten Fall trifft man genau ihre Eigenresonanz. Mit verschiedenen Maßnahmen kann man diese Störeinflüsse verschieben, z.B. den Dreher mit Gummifüßen entkoppeln, auf eine schwere Steinplatte stellen etc.
          Die Schnecke dient vermutlich diesem Zweck, das Hauptchassis darin zu behindern, das Schwingen anzufangen.

          Mein Dual CS 731Q ist da z.B. auch so ne Zicke, auf ne Steinplatte gestellt und ein paar Beutelchen Gardinenblei auf den Unterboden, Ruhe ist.

           

          Gruß,
          -Sparky

        • #56824
          HortusNanum

          Gruezi,

          aha. Zu genanntem Zweck ein paar Verstrebungen einzuleimen wäre mir ja eingängig, aber ein gefrästes Muster kommt mir doch eher andalusisch vor. Aber sei’s drum. Wenn’s glücklich macht, hilft es.

          Bei meinem Dual 714Q (bis auf die Vollautomatik baugleich zum 731) sind mir noch keine Tendenzen zum Schwingen aufgefallen. Zumal es ja auch der Job des Subchassis ist, diese nicht bis zur Nadel vordringen zu lassen. Aber vielleicht bin ich da auch nur zuwenig empfänglich oder das IKEA-Regal auf dem er steht ist doch stabiler als es beim Aufbau den Eindruck hatte. 😉
          Rein interessehalber: Welches Tonabnehmersystem verwendest Du am Dual?

          Viele Grüße,
          Roland

        • #56825
          Sparky

          Mahlzeit Roland,

          Die Aufstellung, bzw. Ort der Aufstellung ist tatsächlich nicht unerheblich, auch wie weit der Dreher von den Lautsprechern entfernt steht. Und ja, Ikea-Regale sieht man nicht selten als HiFi-Rack und nur weil es von Ikea ist, heißt ja nicht, dass es “billig” ist. Die Qualität von denen ist gut.

          Auf dem Dual nutze ich ein Goldring 2300 mit entsprechendem TA-Adapter. Dieses System gefällt mir persönlich sehr gut.

           

          Gruß,
          -Sparky

      • #56853
        Rincewind

        Hallo Vadder,

        von Ortofon gibt es noch den Ortofon 520 MKII – dieser wird von Thakker weiterhin vertrieben. Der Tonabnehmer ist wohl (so das iNet) ein Vinyl Master Red – auch die Nadel.

        Grüße
        Rincewind

        • #56854
          Vadder
          Verwalter

          Moin,

          in diversen Datenbanken steht das 520 MKII mit “Nadelnachgiebigkeit, lateral: 25µm/mN”.

          Das würde passen. Die Löcher scheinen auch für die Thorensschrauben zu taugen.
          Es ist also eine echte Alternative für Suchende.
          Danke für den Tipp!
          Ich habe ja zum Glück noch je ein OM 10 und ein Super OM 30 mit knapp einem Dutzend Stunden Laufzeit in der Zubehörkiste.

          Viele Grüße vom Vadder

    • #56889
      Rincewind

      Der Luxman PD 289 – ein vollautomatisches Mikro Seiki Laufwerk der nahezu Blues Klasse. Die Firma Luxman hatte seine gesamte Plattenspieler-Palette bis 198x von Mikro Seiki bezogen. Die Mikro Seiki Laufwerke, insbesondere die Hochwertigen, erzielen zurecht auf dem Gebrauchtmarkt Höchstpreise. Der PD 289 ist ein sehr guter Plattenspieler, dank cleverer japanischer Ingenieurkunst. Der Plattenteller ist überraschend leicht, jedoch liegt die Masse hauptsächlich in dem Rand des Tellers, was dem Teller einen hohen Drehimpuls verleiht (wichtig für die Dynamik bei der Wiedergabe). Die Tellermatte dämpft das klingende Alu-Chassis hervorragend. Die Auswahl der verwendeten unterschiedlichen Materialien im Chassis unterdrücken die Schwingungen ausgezeichnet. Auch die Entkopplung des Tonarms vom Chassis ist den Ingenieuren ausgezeichnet gelungen.

      Was sollte beim Abholen überprüft werden:

      1. Haube auf Risse und Beschädigungen überprüfen
      2. Blick auf den Tonarm: keine Risse oder Beschädigungen
      3. Blick von der Seite: Ist der Plattenteller immer im gleichen Abstand vom Chassis?
      4. Sind die Füße des Plattenspielers noch ok (kleine Risse gehen noch)?
      5. Ein alte Schallplatte (die notfalls Beschädigt werden kann) auflegen und Gerät einschalten:
        • Bleibt die Drehzahl konstant – die Markierung im sollte stehen und möglichst nicht wandern im Stroboskop-Licht
        • Fährt der Tonarm zum Anfang der Schallplatte ohne ruckeln oder hackeln?
        • Der Tonarm sollte gedämpft (langsam) auf die Schallplatte aufsetzen
        • Hebt sich der Tonarm am Ende in der Auslaufrille hoch und fährt zurück? Schaltet sich der Motor auch aus?
        • Sind die Kabel (auch das Erdungskabel) ohne Risse? Sind die Stecker-Kontakte gut (also weder Angelaufen noch Oxidiert)

      Wenn nach der Prüfung eine für beide Seiten zufriedenstellende Abmachung getroffen worden ist, kann man das gute Stück mitnehmen.

      Wichtiger Hinweis: Für den Transport den Plattenteller und das Gegengewicht am Tonarm abnehmen.
      Luxman_1_Test_Dreckig_ADW-1.jpg
      Zu Hause angekommen und im Tageslicht betrachtet, offenbart das Gerät die kleinen Fallstricke vom „Nichtraucherhaushalt“. Anscheinend hatte der Vorbesitzer des Verkäufers durchaus einen „Raucherhaushalt“ angehört.
      Luxman_2_Reinigung_ADW.jpg
      Nach gründlicher Reinigung ist die Kiste wieder ansehnlich geworden.
      Plattenteller abnehmen, den Tonarm fixieren und den Plattenspieler umdrehen stand als nächstes auf dem Programm. Der erste Blick offenbart: die Gerätefüße haben ihre Lebensdauer überschritten.
      Luxman_3_Fuesse_Hinueber_ADW.jpg
      Luxman_4_AlterFuss_ADW.jpg
      Der Luxman PD 289 ist ein Top- Gerät, so dass sich die Suche nach Ersatz durchaus lohnt. Auf Udo’s Couch habe ich Walter Fuchs getroffen, der mir den Rat gab Sorbothane Füße zu besorgen. Zu beachten ist, dass das Gewicht des Plattenspielers zu den Füßen passt.
      Luxman_5_Fuesse_Neu_ADW.jpg
      Luxman_6_Innen_ADW.jpg
      n der Ecke unten rechts befindet sich die Mechanik für den Arm. Den Antrieb des Tonarms erledigt ein kleiner Motor, der mittels eines Gummiriemens mit der übrigen Mechanik verbunden ist. Auch hier gilt es das Stück Gummi durch neues zu ersetzen. Ansonsten ist die Technik in einem ausgezeichneten Zustand, ich habe an zwei Zahnrädern das alte Fett gegen neues ausgetauscht. Mehr war nicht zu tun.
      Luxman_7_Mechanik_Riemen_ADW.jpg
      Also den Boden wieder befestigen (neue Füße sind drauf :D) und umdrehen. Die Fixierung des Tonarms lösen – hier ein Stück Haushaltsgummi. Das originale, Stückchen Plastik ist wohl vor langer Zeit abgebrochen.
      null
      Dank Freundschaft und 3D Druck konnte ein passender Ersatz montiert werden
      Luxman_9_3D_Druck_ADW.jpg
      Das nächste Problem – ein sehr häufiges – ist die Dämpfung des Tonarmlifts. Bzw. das Fehlen der Dämpfung beim Absenken des Tonarms. Die Dämpfung besorgt ein hochviskoses Silikonöl – eher eine Plempe als Öl… Das Öl lässt sich für paar Euro in einer Einwegspritze erwerben. Die Zahl: 20.000 CPS oder 30.000 CPS oder 50.000 CPS gibt an, wie „plempig“ das Zeug ist. Je höher die Zahl, desto langsamer sinkt am Ende der Tonarm. Die meisten Anwender bevorzugen 30.000 CPS, da es zu den meisten Tonarm-Liftes passt.
      Das Nachfüllen der Silikon-Plempe gestaltet sich je nach Plattenspieler mehr oder weniger Aufwändig. Bei diesem Luxman hilft ein kleiner Trick um den Aufwand zu minimieren. Es kostet aber Zeit 😉
      Luxman_10_Silikonplempe_Wanne_ADW.jpg
      Vorne, der schwarze Kragen am Fuß des Tonarms, aus dem die Achse des Tonarmlifts kommt, ist die „Einfüllwanne“ für die Silikonplempe. Immer Abends diese schön voll machen. Über die Nacht sorgt die Erdeanziehung, dass die Plempe dorthin wandert, wo der „Dämpfer“ ist. Nach drei, vier Nächten ist der Vorgang erledigt. Alternativ kann man die gesamte Tonarm-Mechanik auseinander nehmen um an den „Dämpfer“ zu kommen.
      Der vorhandene Tonabnehmer Grado Prestige Gold hat mir weder optisch noch in seinem Klang gefallen. Glücklicherweise habe ich noch einen geschenkten Audio Technica AT13 EAV in der Kiste gehabt. Dieser passte zumindest optisch besser zum Plattenspieler. Nach der ersten Justage kam bei der Überprüfung heraus, dass der Aufsetz- und Abschaltpunkt nachjustiert werden müssen. Die Stellschraube für den Aufsetzpunkt ist nur von unten erreichbar. Das macht das Justieren nicht gerade einfacher. An der Schraube mit dem Schraubendreher ein wenig – paar Grad – drehen, dann die Änderung durch Einschalten kontrollieren. VORSICHT! Der Aufsetzpunkt reagiert sehr Empfindlich auf das Verstellen der Schraube…
      Hingegen ist die Einstellschraube für die Endabschaltung nahezu günstig auf der Oberseite zu erreichen.
      Luxman_11_At13Eav_Provisorium_ADW.jpg
      Das tonale Ergebnis des brauchbar justierten Tonabnehmers war für mich großartig! Ich konnte hören wie die alten Schallplattenaufnahmen „aufgefüllt“ wurden, wo ich einen Tick mehr Schmelz oder Wärme vermisst habe. Dies war so gut, dass ich eine sehr gute Nachbaunadel in Japan gekauft habe. Sparky war so nett, dass er gegen eine warme Mahlzeit sowohl eine Justage-Schablone für das Gerät erstellt hat, wie auch eine penible Justage des Tonabnehmers vorgenommen hat.
      Luxman_12_AtGlance_ADW.jpg
      Der penibel eingesetzte Tobnehmer AT13 EAV mit der JICO Nadel zaubert mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Ja, es fehlen beim Abspielen einige Feinheiten, die bessere Tonabnehmer mit „schärferen“ Nadeln erzielen. Doch am Ende bleibt ein unaufdringlicher Sound, der sich sogar als „Nebengeräusch“ bei der Arbeit eignet. Unverständlich hingegen ist es für mich, warum die modernen Audio Technica Tonabnehmer für meine Ohren immer so kalt und spitz klingen.
      Fazit: Der Luxman PD 289 ist ein fantastischer Plattenspieler, dessen Design für mich eine zeitlose Eleganz inne wohnt. Für diesen Plattenspieler lohnt sich die Anschaffung passender, hochwertiger Tonabnehmer so richtig. Mein AT13 EAV ist sicherlich ein durchschnittlicher Tonabnehmer aus dem Ende der 1970 / Begin 1980er Jahre. Dennoch macht dieser mir unglaublichen Spaß! Ich tue mich sehr schwer, einen neuen, sehr guten (und teuren) Tonabnehmer einzusetzen. Verdienen tut es das Ergebnis der Mikro Seiki Ingenieure.

      Einen abschließenden Beitrag wird es noch geben 😉

      Viele Grüße
      Rincewind

      • #56899
        Sparky

        Mahlzeit Rincewind,

        vielen Dank für Deine Mühe mit Deinen Beiträgen in diesem Thread, Hilfe zur Selbsthilfe nenne ich das mal, oder, wie man einen guten Dreher kauft. An der Stelle noch mal Danke für Deinen Tipp mit dem Luxman PD 291. Wer auf japanisches Design steht und die Ästhetik, wie sich ein Tonarm bewegen kann, ist da gut aufgehoben.

        Und ja, das klingt bescheuert, so wie vermutlich eine wachsende Anzahl Menschen generell bescheuert finden, mechanisch irgend welche Töne aus gerillten Plastikscheiben rauszukratzen und die dann auch noch einmal dabei wenden zu müssen 😀

        Was das Ausrichten eines Tonabnehmers anbetrifft: Danke für die Blumen, ein Teil davon geht aber an Justus CE, er hat mir seinerzeit mal ein kleines Programm zukommen lassen, mit dem man Ausrichtschablonen individuell erstellen kann anhand der Geometrie seines Plattenspielers, dem gewünschten Plattenformat und der Mathe dahinter. So kann man ein bisschen mit dem Spurfehlwinkel experimentieren und für sich das Beste raus holen.

        Generell: TA-Ausrichtung kann, muss aber keine, Raketenwissenschaft sein. Dies gelingt bereits mit Hausmitteln ausreichend präzise genug….. Soll ich zu dem Thema mal einen eigenen Thread vorbereiten? Dauert dann aber etwas wegen weil.

         

        Gruß,
        -Sparky

Ansicht von 5 Antwort-Themen
  • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.acoustic-design-magazin.de/Lautsprecher-selber-bauen/Thema/good-old-turntable-oder-die-gelebte-nachhaltigkeit/