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Antwort auf: Der Plattenspieler und ich

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Rincewind

Ach, die Rillenfräsen meiner Lebenszeit…

Als aufwachsender Jugendlicher hatte ich kein Interesse an Plattenspielern (oder wie Udo einst schrieb „Drehorgeln“). Ja, ich hatte eine Bertelsmann Buchclub Schneider „Krachanlage“ mit eingebauter Rillenvernichtungsmaschine. Doch schon damals war die Compact Cassette und der Walkman (ich war ein überzeugter AIWA Anhänger) mehr in meinem Fokus. Erst Jahr(zehnte) später hat mich die Couch bei Udo und sein Plattenspieler in den Bann des Vinyls gezogen.

Als erstes kam ein reimengetriebener Dual 601 ins Wohnzimmer. Udo hat mir sogar aus seiner Restekiste ein AT13EaV mitgegeben, damit ich den Spaß am Vinyl lerne 😉

Karl-Heinz half mir bei der Montage und Ausrichten des AT13EaV – ein schöner Nachmittag mit viel Vinyl folgte.

Irgendwann bekam der Dual einen AT440mla spendiert und alles war Gut bis mir ein Technics SL 1300 über den Weg lief. Vom seltenen Sofa-Gast Walter Fuchs habe ich den Tipp erhalten einen Goldring 1042 Tonabnehmer auf dem Technics zu montieren. Naja, das Budget reichte damals nur zu einem Goldring 1022…

Der Dual durfte irgendwann mit dem At440mla gehen, da mir der Klang des AT440mla mittlerweile zu „Höhen-Betont“ wurde und das Ohr sich über den „grellen“ Klang beschwerte.

Ein weiterer Tipp von Walter war der Oehlbach PhonoPre XXXL – samt verbesserten Netzteil – statt des eingabeuten Phono-Entzerrers im Verstärker. Der Tipp erwies sich als enorm hilfreich.  Viele, sehr viele Stunden mit Vinyl Genuss folgten. Die Zahl der Vinyl-Scheiben wuchs und ich musste Regale für die Plattensammlung basteln.

Mich überkam die Lust nach experimentieren, daher wurde ein Thorens TD 146 mit „Verbastel-Potential“ angeschafft. Der „verbesserte“ Thorens mit Ortofon VM Silver wanderte ins Arbeitszimmer. Dennoch tauschte der Thorens immer wieder den Platz im Wohnzimmer mit dem Technis SL 1300.

Doch die Lust am Erkunden von „Old-Fidelity“ Rillenfräsen war ungebrochen. Denn ich stellte fest, dass mich am meisten „Vollautomaten“ ansprechen. Da fand sich in Hamburg ein Luxman PD 288. Ein wenig entsaubt, mit At13EaV ausgestattet und mit neuen Absorber-Füßen zeigte der Dreher, dass der Klang des Vinyls eine ganz gnadenlose Droge ist. Stunden und Stunden in Hören wurden investiert. Das faszinierende ist, dass die technische Unvollkommenheit der Schallplatten und Plattenspieler dem Ohr dennoch unglaubliche Glücksmomente bescheren.

Die ganze digitale, ultrabequeme Armada von DACs kann dem Vinyl in seiner Emotionalität in meinen Ohren nicht das Wasser reichen.

Und der Basteltrieb lässt sich auch bei Rillenfräsen ausleben. Besonders wenn es um die Umsetzung eigener Vorstellung von „Klangsoße“ geht. Meine Wohnzimmer Klanglage läuft mittlerweile mit Technics SL 1300 und Goldring 1042 (Walter, Du hattest verdammt Recht!) über Aikido PhonoPre zur Höchstform auf.

Der Thorens hat mich im Tausch gegen einen schottischen „Strathclyde Transcription Developments“ STD 305 verlassen. Das neue Bastel-Objekt STD 305 wartet geduldig auf dem Schrank bis ich wieder Zeit zum Frickeln habe.

Ich schrieb an einer anderen Stelle:

Wer jetzt noch den Komfort in Form von modernen Schnittstellen dennoch vermissen sollte, der kann einen Phono Vorverstärker mit eingebauten USB/Bluetooth erwerben. Aber eigentlich: wozu?

Ich bleibe dabei. Der DAC basierte Netzwerkplayer ist bequem und hat ausgezeichnete technische Eigenschaften bei der Wiedergabe, von denen Plattenspieler samt Tonabnehmern nur träumen können. Dennoch findet sich mehr Emotion in der eingravierten Rille einer Vinylscheibe.

Grüße
Rincewind

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